HDMI-Probleme lösen – Seite 3

5. AV-Receiver, Switcher und Verstärker

Eine weitere kritische Stelle in einer Home-Cinema-Anlage ist, was HDMI angeht, die Weiterleitung, Umschaltung oder Verstärkung von Signalen. Das passiert vor allem in AV-Receivern, die eine ganze Menge an komplizierten Aufgaben zu bewältigen haben. Sie sind einerseits Sink (engl: Abfluss), also Ziel der Tonformate; hier müssen die Receiver der Quelle (Source) mitteilen, welche Formate sie verarbeiten können. Gleichzeitig leiten sie das Bild weiter an TV oder Projektor, müssen aber von dort die Information abrufen, welche Standards hier benötigt werden.
Um das Signal aufzusplitten und das Bild zu bearbeiten – etwa Menüs einfügen oder skalieren – muss es natürlich decodiert sein, also vom Kopierschutz HDCP befreit werden. Bevor es aber wieder rausgeschickt werden kann, muss es neu verschlüsselt werden. In der Menge der Protokolle und Austauschprozesse kommt es da gern mal zu Missverständnissen zwischen den beteiligten Geräten. Denn überall sind bestimmte Zeitintervalle vorgesehen, in denen die Verfahren ablaufen müssen. Reagiert eine Komponente zu langsam oder zu schnell, versteht eine andere die Botschaft nicht und schaltet dann sicherheitshalber ab.
Nicht ganz so kompliziert ist es bei reinen Repeatern, die nur die Aufgabe haben, das Signal zu verstärken. Hier kommt allerdings das Problem dazu, dass nicht alle Geräte Repeater unterstützen. Das liegt vor allem an der benötigten Spannung, die an einem Pin der Buchse bereitgestellt werden muss. Manche Sender liefern hier zu wenig, andere Repeater verlangen mehr Strom, als in der Spezifikation vorgesehen ist. Switcher und Repeater sollten daher möglichst immer aktive Geräte sein, also eine eigene Stromversorgung mitbringen. Dann addieren sich auch die Kabellängen nicht, da danach wieder der Originalpegel hergestellt ist.
Für den Benutzer der Geräte ist es praktisch unmöglich herauszufinden, wo der Fehler liegt. Das können nur Spezialisten, die in der Lage sind, die Signale auszulesen. Daher bleibt in der Regel nur der Ausweg, die Komponenten zu tauschen, so lange bis man eine Kombination findet, die sauber zusammenarbeitet. Vorher sollte natürlich geklärt werden, ob die Software jeweils auf dem neuesten Stand ist.


Ein AV-Verstärker wie der Yamaha DSP-Z11 muss HDMI-Signale nicht nur
durchleiten, sondern auch entschlüsseln und wieder neu codieren.

6. Versionen

Ausnahmsweise kein technisches Desas­ter, sondern eher ein Kommunikationsproblem ist die Sache mit den HDMI-Versionen, vor allem 1.3. Denn mit der Ankündigung dieses Standards war der Eindruck entstanden, dass durch die Norm der HDMI-Variante bestimmte Geräteeigenschaften definiert seien – etwa Deep Color oder die Fähig­keit zur Bitstream-Ausgabe der HD-Tonnormen. Dabei ist HDMI 1.3 nicht mehr als ein Katalog an Definitionen, die neu in den Standard aufgenommen wurden. Über das Gerät selbst sagt HDMI 1.3 gar nichts.
Wenn zum Beispiel eine Quelle Deep Color beherrscht, also Farben mit zwölf statt acht Bit übertragen kann, fragt es den Bildschirm nach dessen Fähigkeiten; bestätigt dieser Deep Color, wird das Signal mit zwölf Bit gesendet, bleibt die positive Antwort aus, weil die andere Seite es nicht beherrscht, bleibt es bei acht Bit. Die mit 1.3 möglich gewordene Bandbreite von 10,2 GBit/s (340 MHz) kann sowieso kein Gerät produzieren, höchster Wert ist derzeit 6,68 GBit/s bei 1080p mit 60 Hertz und Deep Color – die einzige Variante, die über dem früheren Standard von 4,95 GBit/s (165 MHz) liegt.
In der Praxis macht HDMI 1.3 so gut wie keine Probleme. Aber es verursacht Verunsicherung, weil viele Konsumenten nicht wissen, welche Geräte sie beruhigt kaufen können.



Die Sony PS3 war das erste Gerät, das Signale mit Merkmalen des
HDMI-1.3-Standards liefern kann, etwa Deep Color.

7. CD-Wiedergabe

AV-Leser Manfred Sorg hatte das Problem, dass die CD-Wiedergabe unterbrochen wurde, wenn er seinen Fernseher einschaltet. Der Ton kam von einem Denon-DVD-Player, ging zu einem AV-Receiver der gleichen Marke, der wiederum mit einem Philips-Fernseher verbunden war – alles natürlich über HDMI. Solange der Bildschirm ausgeschaltet war, funktionierte die CD-Wiedergabe, die Display-Inbetriebnahme dagegen störte sie, der Denon schaltete auf Analogausgang; beim Aufrufen der Menütaste am Philips war der HDMI-Ton wieder da.
Es handelt sich dabei offenbar um einen Protokollfehler. Der Fernseher meldet sich über HDMI beim Player an, bekommt aber keinen Handshake, weil der Denon ja nur CDs abspielt; also meldet er die fehlende Freigabe zurück, was den Denon zum Abschalten des Digitalausgangs veranlasst, wie bei Bildschirmen ohne Kopierschutz vorgeschrieben.
Die Lösung kann hier darin bestehen, dass man ein separates Kabel für die Tonverbindung legt (Koax oder optisch) und im HDMI-Menü den Ton abschaltet. Das geht jedoch nur, wenn der Player nicht auch HD-Ton, also Dolby TrueHD oder DTS-HD, abspielen soll. Wollte man dann im Menü immer wieder zwischen den beiden Übertragungswegen umschalten, wird man dessen schnell überdrüssig. Da wäre ein zusätzlicher CD-Player in der Anlage sicherlich weniger Aufwand. In einem anderen Fall störte ein LG-Fernseher die CD-Wiedergabe, obwohl er ausgeschaltet war. Das Problem ließ sich hier nur durch einen neuen Bildschirm (auch von LG) lösen.
Die Ursache für Störungen in der CD-Wiedergabe liegen in der Regel darin, dass hier kein Kopierschutz eingeschaltet werden muss. Und in der Diskussion darüber verheddern sich Player, AV-Receiver und Fernseher, was dann mit der Abschaltung des Digitalsignals über HDMI endet.


Bei der CD-Wiedergabe kann der HDMI-Ausgang eines DVD-Players durch den Fernseher gestört oder gar abgeschaltet werden.

8. Fazit

Angesichts der Fülle an Geräten und Funktionen ist es eigentlich kein Wunder, dass HDMI immer wieder für Probleme sorgt. Dazu kommt, dass der Standard ständig weiterentwickelt wird, rückwärtskompatibel mit DVI bleiben soll und zudem noch mit dem Kopierschutz HDCP belastet ist. Ärgerlich ist es trotzdem, wenn teure Geräte und ebenfalls nicht billige Kabel den Dienst verweigern. Dann weisen sich die Anbieter reihum die Schuld zu, so dass der Kunde mit seinen Problemen allein gelassen wird. Zum Glück gibt es die Sprechstunde der Redaktion audiovision und viele engagierte Fachhändler, die im Notfall auch mal Geräte zum Ausprobieren verleihen oder in ihren Studios Versuche möglich machen.



HDMI ist nur eine Buchse, die Eigenschaften der angeschlossenen Elektronik
definieren dagegen, was über die Buchse gesendet oder empfangen werden kann.

Zusatzinfo: Tipps für HDMI

Aus der Praxis der Redaktion haben sich einige Tipps herauskristallisiert, mit denen man viele Probleme beheben kann.

• Bei fehlgeschlagenem Handshake einfach Kabel abziehen und wieder einstecken.
• Geräte ausschalten und in unterschiedlicher Reihenfolge einschalten; je nach Abfolge kann der Handshake gelingen.
• Hardware ganz vom Netz trennen und auch HDMI-Kabel abziehen, da hier noch Strom fließen kann.
• Schrittweise mit Einstellung niedriger Auflösung (576i/p) an der Quelle beginnen und sich bis zu 1080p/60 hocharbeiten.
• Kabel tauschen, um ihren Einfluss bestimmen zu können; auch mal ein teures durch ein billiges Kabel ersetzen, sogar das hat schon geholfen.
• Auf neueste Firmware-Version bei Geräten achten und gegebenenfalls upgraden.
• Mit dem Fachhändler die Probleme besprechen und ein Rückgaberecht vereinbaren.

 
Dieser Artikel ist in der audiovision 12-2008 erschienen.
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