Digital aufzeichnen – Seite 2
4. Aufnahme auf Festplatte
Dass sich die Festplatte in Computern durchgesetzt hat, war kein
Zufall. Es sind die vielen positiven Eigenschaften, die ihr zum Erfolg
verhalfen, etwa die schnelle Zugriffszeit und die beständig wachsende
Kapazität bei bezahlbaren Preisen.
Die lineare Videoaufzeichnung auf Festplatte ermöglicht das Konzept des
zeitversetzten Fernsehens. Noch während die Aufzeichnung läuft, kann
man ohne jegliche Wartezeit in der Sendung vor- oder zurückspulen, man
kann sie anhalten und zu jeder beliebigen Stelle springen. Dank großer
Kapazität hört dieser Komfort auch nicht nach zwei oder drei Stunden
auf, wie das bei DVD-Recordern mit ähnlicher Funktion der Fall ist.
Aus diesem Grund muss man beim Einsatz einer Festplatte nicht mit der
Datenrate geizen. Für den Fall, dass die Aufzeichnung im Gerät
komprimiert werden muss, kann man also die höchste Qualitätsstufe
nehmen. Besser ist freilich die direkte Aufzeichnung des digitalen
Datenstroms vom Sender.
Daher finden sich Festplatten inzwischen recht häufig in digitalen
Settop-Boxen, egal ob für DVB-T, für Satellit oder Kabel. Dann kann die
Harddisc sogar so eingestellt werden, dass sie immer mitläuft, man also
auch dann zurückspulen kann, wenn man das gar nicht vorher geplant hat.
Bild und Ton entsprechen bei direkter Aufnahme der Sendedaten natürlich dem Original, was sonst kein Videorecorder schafft.
Weniger gut eignen sich Festplatten dagegen für die dauerhafte
Archivierung. Einfache Wechselplatten gibt es bisher nur in Japan
(iVDR-System), und fest eingebaute sind immer irgendwann voll. Dazu
kommt das Ausfallrisiko, das man vom PC her kennt: Wenn die Platte
crasht, ist der Inhalt meistens nicht mehr zu retten – oder nur mit
viel Aufwand wiederzugewinnen.
Dennoch kommt man mit Festplatten in der Terabyte-Region, wie sie
neuerdings zu haben sind, in interessante Bereiche: Auf ein
1-TB-Speicher passen rund 100 HDTV-Filme, und das alles im sofortigen
Zugriff. Settop-Boxen haben noch etwas weniger Platz, aber Home Server
oder Netzwerk-Speicher bieten das schon heute. Leider bekommt man die
Filme nicht so einfach auf die Platte, da muss man meistens einen PC
als Empfänger einsetzen.

Ein Netzwerkspeicher ist nur eines von vielen Produkten, die auf eine Festplatte aufzeichnen können.
5. Aufnahme auf Festspeicher
Noch nicht so richtig ins Bewusstsein gedrungen ist die rasend
schnelle Entwicklung, die Speicherkarten in den letzten Jahren genommen
haben. Sie haben längst die Megabyte-Bereiche hinter sich gelassen und
werden in Gigabyte gemessen. Eine SD-Card mit der Kapazität einer DVD
ist nichts Besonderes mehr, das Fassungsvermögen einer HD-DVD mit 16 GB
wird in diesem Frühjahr erreicht und ab Herbst stehen 32 GB bevor, also
mehr als auf eine einschichtige Blu-ray-Disc passt.
Noch sind die Karten natürlich zu teuer, um sie als Archivierungsmedium
einzusetzen. Aber zum Zwischenspeichern sind sie schon gut geeignet,
erst recht zum Transport von einem Medium zum anderen, etwa vom PC zu
einem mobilen Player. Immer mehr TV-Geräte verfügen auch über eigene
Speicherslots oder USB-Anschlüsse, von denen sich Bewegtbilder
einspeisen lassen. Allerdings häufig in Formaten, die vorher eine
Wandlung verlangen, so dass es in der Praxis etwas zu mühsam ist.
Bereits in der Planung sind auch TV-Geräte, in denen fest eingebaute
Speicherchips einen begrenzten Zeitversatz erlauben. Die Domäne der
Minispeicher bleibt aber der mobile Einsatz, wo sie mit wenig
Stromverbrauch und geringsten Maßen außerordentlich praktisch sind.
Außer einem kleinen Videorecorder von Sandisk bleibt die
TV-Aufzeichnung auf Karten allerdings eine Angelegenheit für PC-Nutzer
mit guten Kenntnissen von Datenformaten.

SD-Karten schaffen bereits 16 GB, also mehr Kapazität als eine HD-DVD. Mit dem
V-Mate von Sandisk gibt es auch bereits einen ersten
Karten-Videorecorder.
6. Aufnahme im Netz
Eine andere Neuerung ist die Möglichkeit, einen weit entfernten
Server als Videorecorder im Netz zu programmieren. Diese so genannten
Online-TV-Recorder wie zum Beispiel Shift.tv sind allerdings
umstritten, weil einige Sender etwas dagegen haben. Sie haben die
Befürchtung, dass ihre Inhalte zu Geld gemacht werden.
Andere Sender sehen das dagegen als eine Chance, mehr Zuschauer zu
erreichen und ans Programm zu binden. Das gilt zum Beispiel für das
ZDF, das mit Shift.tv einen Kooperationsvertrag geschlossen hat.
Nutzbar sind die Online-Recorder derzeit ausschließlich über PC und
schnelle DSL-Leitungen. Trotzdem bleibt die Qualität weit hinter dem
zurück, was man zuhause auf dem TV-Schirm sehen möchte. Die Regel ist
meistens ein Viertel der VGA-Auflösung, also 320 x 240 Pixel, Besserung
ist allerdings nicht ausgeschlossen.
7. Aufnahme auf HD-DVD oder Blu-ray
Auf dem besten Weg, die Fehler der DVD zu wiederholen, sind die
Macher von HD-DVD und Blu-ray-Disc. Zwar gibt es in Japan Recorder in
beiden Systemen, die Sendedaten direkt auf die Scheiben brennen
können. In der Regel ist auch eine Harddisc an Bord, damit die
Aufnahmen zwischengespeichert werden können. Doch wie die Benutzung
solcher Geräte in Europa und USA aussehen könnte, ist noch völlig
unklar. Anders als bei DVD sind bei Blu-ray klare Rohling-Standards
definiert, damit sie sich nicht als vorgefertige Discs kostümieren
können. Und die Wiedergabe der BD-R- und BD-RE-Scheiben ist noch nicht
einmal verpflichtend im Standard. Die gute Nachricht ist allerdings,
dass mit der jeweils aktuellsten Software alle Player auf dem deutschen
Markt wenigstens BD-R abspielen.
Die ganzen Komplikationen beruhen auf den Vorschriften des
AACS-Kopierschutzes, denn Hollywood will auf jeden Fall Raubkopien von
Filmen in HD-Qualität verhindern (was allerdings schon gescheitert
ist). Dabei wäre die Blu-ray mit ihren 25 Gigabyte schon in
Einschicht-Version ein Medium, das sich zum Archivieren geradezu
anbietet. Selbst Aufnahmen kann man derzeit mit dem Macrosystem
Enterprise in HD-Version brennen– allerdings nicht normale Blu-rays
abspielen, da das Gerät auf
Linux aufbaut, wofür es noch keine freigegebenen Player gibt. Einige
Blu-ray-Brenner für den PC sind bereits auf dem Markt, wenn auch zu
hohen Preisen.
Ärgerlich ist, dass die Authoring-Programme unsinnigerweise darauf bestehen, das vorhandene Material neu zu codieren.

Der Macrosystem Enterprise ist aktuell der einzige HDTV-Recorder mit Blu-ray-
Aufzeichnung in Deutschland. Die PS3 (links) spielt diese Scheiben sogar ab.
8. Aufnahme mit dem PC
Während sich für die Musikaufnahme der PC durchgesetzt hat, gilt das nicht für Video und TV-Aufzeichnung. Noch sind die Schwierigkeiten zu groß, wenn man kein Experte ist. Denn der Computer bietet mehr Möglichkeiten als jedes andere Gerät, sofern man nicht gerade Programme verarbeiten will, die mit Verschlüsselungssystemen wie NDS Videoguard (z.B. Premiere bei Kabel BW) codiert sind. Wer einen gewissen Aufwand nicht scheut, kann damit auch hochauflösendes Fernsehen aufzeichnen und auf andere Medien übertragen, ohne dass es zu Verlusten kommt. Oder man spielt diese Aufzeichnungen über einen zentralen Server ab, auf den man vom Wohnzimmer aus zugreift – etwa mit dem Pioneer BDP-LX70A (Test in audiovision 12-2007).

Der Sonavis One kann dank Windows-Basis Blu-ray und
alle anderen Medien brennen und abspielen.
Zusatzinfo: Tipps zur Aufzeichnung
Optimale Bildqualität
Datenrate so hoch wie möglich wählen,
um digitale Artefakte wie Klötzchenbildung zu vermeiden. Videoraten von
5 MBit/s erzielen meist gute Ergebnisse. Bei schwierigem Material mit
viel Bewegung (Sport, Actionfilme) empfehlen wir 7 MBit/s.
Größte Speicherkapazität
Wenig Speicher bedeutet immer auch schlechte Bildqualität, wenn man die
Kompression regeln kann oder muss. Nimmt man den Datenstrom in seiner
Ursprungsform auf (bis zu 8 MBit/s), sind Speicherprobleme
vorprogrammiert. Daher immer zu möglichst großen Medien greifen, etwa
Dual-Layer-DVDs.
HDTV aufzeichnen
Einzige Möglichkeit für saubere HD-Mitschnitte ist derzeit die
Festplatte, entweder im PC oder in der Settop-Box. Wenn man die
Möglichkeit des Auslagerns hat, sollte man eine Netzwerk-Festplatte
oder einen Server ernsthaft in Erwägung ziehen.
Ton-Optionen beachten
Mehrkanal-Audio lässt sich praktisch nur mit dem Sendestrom ungewandelt
aufnehmen. In der Regel sind dann sogar mehrere Spuren auf dem Band.
Beste Signalzuführung
Videorecorder haben mehr Eingänge als nur Scart – wenn möglich sollte
man per RGB einspielen, was die Qualität der Aufzeichnung deutlich
verbessert. Aufnahme via YUV gibt es nur in Ausnahmefällen.
Zusatzinfo: Haltbarkeit der Aufzeichnungen
Wer etwas aufzeichnet, um es zu archivieren, möchte in der Regel
wissen, wie lange das Medium wohl halten wird. Diese Frage ist vorab
kaum definitiv zu beantworten, aus drei Gründen:
• Ein Durchschnittswert für den einzelnen Datenträger gibt es nicht;
der kann immer schneller kaputt gehen oder länger als der Durchschnitt
des Mediums halten.
• Es kommt zudem auf die korrekte Lagerung, die Umgebungsbedingungen und auch auf die Position an.
• Die von den Herstellern ermittelten Durchschnittswerte bis zum Defekt
(Mean Time Between Failures, MTBF) sind natürlich Hochrechnungen
aufgrund von Tests im Labor.
Die Medien in der Reihenfolge der Haltbarkeit:
Optische Discs (CD, DVD, HD-DVD, Blu-ray): Hier geht man von
einer Lebensdauer von 30 Jahren und mehr aus. Die Discs sollten
möglichst bei Raumtemperatur aufbewahrt und vor allem vor Hitze
geschützt werden, direkte Lichteinstrahlung ist zu vermeiden. Allgemein
gelten wiederbeschreibbare Discs als besonders langlebig, während das
organische Material der R-Scheiben schneller kippen kann.
Bänder (VHS- und andere Kassetten): 20 bis 25 Jahre gelten hier
als Stand der Technik, bei manchen Varianten sogar noch länger. Sie
sind wie alle magnetischen Träger empfindlich auf elektromagnetische
Felder und Strahlung, sollten senkrecht stehend gelagert werden, damit
die Bandkanten nicht belastet werden; gelegentliches Umspulen hilft
zudem Verkleben zu vermeiden.
Festspeicher (Speicherkarten): Zehn bis 20 Jahre gelten als
möglich, unter bestimmten Bedingungen auch weniger. Trotz ihrer
mechanischen Unempfindlichkeit sind sie nicht zur längerfristigen
Archivierung gedacht, denn bei zu hohen Temperaturen und zu viel
Strahlenbelastung sind sie anfällig für Fehler.
Festplatten: Als Servicezeit gelten häufig rund fünf Jahre,
auch wenn von den Herstellern bis zum Ausfall oft Werte von 30 bis 100
Jahren Dauerbetrieb genannt werden. Festplatten sind besonders
empfindlich auf Hitze und mechanische Erschütterungen, etwa vom
Subwoofer.
Dieser Artikel ist in der audiovision 2-2008 erschienen.
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