Digital aufzeichnen

Seit VHS Vergangenheit ist, zeichnet man TV-Sendungen nur noch digital auf.
Doch in der Fülle der Medien fehlt derzeit die perfekte Lösung. audiovision sagt,
was wofür geeignet ist.

Amerikanische Juristen kennen den Fall als den ‚Betamax Case von 1984‘, auch geführt als ‚Sony Corp. vs. Universal City Studios‘. Das höchste US-Gericht entschied damals eindeutig, dass Videorecorder erlaubt sind – und sollten Besitzer mit den Aufzeichnungen Urheberrechte verletzen, ist das nicht die Schuld der Hersteller.
JVC & Co. sagten danke und verdrängten aufgrund geschickter Lizenzpolitik, längerer Laufzeit und niedrigerem Preis mit ihrem VHS-System die Sony-Entwicklung Betamax. Trotzdem stimmte JVC später zu, alle Geräte auf Macrovision ansprechen zu lassen, womit die Möglichkeit legaler Kopien eingeschränkt wurde.
In dem Spannungsfeld zwischen technischen Möglichkeiten und erlaubter Benutzung bewegt sich jede Form der Aufzeichnung von Video­bildern, vor allem von TV-Programmen. Seit einer Richtlinie des Europaparlaments von 1999 sind die Weichen so gestellt, dass die Rechteinhaber, also meistens Filmstudios, darüber entscheiden können, ob die Aufzeichnung erlaubt ist oder nicht („Bestimmte Aspekte des Urheberrechts und der verwandten Schutzrechte in der Informationsgesellschaft“). Gleichzeitig wurde festgelegt, dass das Umgehen eines Kopierschutzes zu verbieten ist.


Mit Aktionen wie „Rettet Betamax“ demonstrieren auch heute noch gelegentlich
Industrievertreter, dass das Recht auf private Kopien gefährdet ist.

Im digitalen Zeitalter ist das Kopieren aber ein spezielles Problem. Bei VHS, Betamax oder Video 2000 war schon die zweite Kopiergeneration recht schlecht, die dritte und vierte optisch kaum noch zumutbar.
Digital ist, zumindest unter entsprechenden Voraussetzungen, jede Kopie identisch mit dem Original. Das betrifft natürlich nicht nur die Überspielung von gekaufter Software, sondern auch Mitschnitte aus dem Fernsehen. Sie lassen sich inzwischen übers Internet weitgehend ungehindert weiterverbreiten.
Während es aber im analogen Zeitalter eigentlich nur ein Medium für Videoaufnahmen gab, nämlich die Kassette, ist es heute eine ganze Palette. Dabei hat jede Speicherform nicht nur spezielle Vorzüge, sondern auch gewisse Nachteile. Zudem macht HDTV alles komplizierter, weil es klassische Recorder dafür (noch) gar nicht gibt.
Manchmal muss man sich also inzwischen nicht nur fragen, ob man darf, sondern ob man kann.


Online-Recorder sind nicht für alle Sender gestattet.

 

1. Digitale Technologien

Digitale Recorder zur Aufzeichnung von TV-Programmen haben eine Gemeinsamkeit: Sie zeichnen das Bild in komprimierter Form auf, bis auf ganz wenige Ausnahmen in Form der MPEG-2-Codierung. Unkomprimierte Aufzeichnung würde die Speicherkapazität jedes Mediums sprengen, das bleibt Profis vorbehalten – die das auch nur in Ausnahmefällen einsetzen. Das einzige Consumer-System mit einer anderen Technologie ist die DV-Kas­sette, wie sie von Videofilmern eingesetzt wird. Hier werden die Bilder einzeln per DCT verdichtet. Die HDV-Version der gleichen Kassette setzt dagegen bereits wieder auf MPEG-2. Gemeinsam ist den MPEG-Verfahren, dass sie mit YUV-Farbkomponenten arbeiten, womit sicher­gestellt ist, dass sich die einzelnen Signale nicht gegenseitig stören oder begrenzen.
Noch wesentlich stärker als bei analoger Aufzeichnung ist bei MPEG-Kompression eine Verbindung zwischen Aufnahmedauer und Bildqualität zu berücksichtigen. Je stärker die Daten reduziert werden, umso eher sind Artefakte wie Blockbildung oder Unschärfe zu verzeichnen, aber umso mehr Stunden passen auf einen Speicher. Eine verlustfreie Datenreduktion existiert bei Bildsignalen in Recordern nicht, jede Kompression kostet Bildqualität. Wobei es schwierig ist, die richtige Kompressionsstufe zu finden: Eine Datenrate, die bei 90 Prozent des Bildmaterials ausreicht, kann unter Umständen arge Fehler produzieren. Daher sollte man, wenn man die Wahl hat, immer die höchste Stufe wählen.
Auf der Tonseite ist die Situation uneinheitlich. Meistens wird Audio in Dolby Digital abgespeichert, manchmal auch in MPEG. In seltenen Fällen kann sogar unkomprimiert, also in PCM aufgezeichnet werden, doch das frisst viel Platz auf dem Speicher. 5.1-Ton ist bei der eigenen Aufnahme leider die Ausnahme: Meist ist bei Stereo Schluss.


Der Sony GV-HD700 ist der letzte Band-Recorder, gedacht
vor allem für Videofilmer. Er kann Standard-Auflösung
aufzeichnen, bei Zuspielung über Firewire sogar HD-Signale.

2. Zwei Arten digitaler Aufzeichnung

Auch wenn es von außen nicht immer ersichtlich ist, gibt es zwei Wege, TV-Programme digital aufzunehmen:

• unter Verwendung des vom Sender ausgestrahlten komprimierten Digitalsignals
• mit eigener Kompression im Recorder.

Die erste Variante mit direkter MPEG-Aufzeichnung ist natürlich in vieler Hinsicht ideal. Es vereinfacht die Konstruktion des Gerätes, weil kein eigener Encoder-Chip benötigt wird. Dazu bedeutet es, dass das Originalsignal auch zeitversetzt zur Verfügung steht, womit die Bildqualität ohne den geringsten Abstrich erhalten bleibt. Das gilt natürlich genauso für den Ton, denn auch hier gibt es keine Neu-Codierung oder sonstige Aufbereitung. Damit kommt 5.1-Mehrkanalton so in die Konserve, wie er ausgestrahlt wurde.
Nachteilig bei direkter Aufzeichnung des Datenstroms ist einzig die Laufzeit. Da ist man nämlich immer an die Datenrate des Senders gebunden, und die liegt aus verschiedenen Gründen teilweise recht hoch. Daran schuld sind einmal die schon etwas betagten TV-Standards, außerdem sind die Sende­techniker häufig recht anspruchsvoll, was Bildqualität angeht. Das bedeutet, dass das gewählte Speichermedium relativ schnell voll ist. Damit zusammen hängt auch der Nachteil, dass eine exakte Kalkulation der Laufzeit nur schwer möglich ist. Denn der Re­corder kann nicht wissen, wie viel Bandbreite vom Sender dem Signal zugestanden werden wird. Dazu kommt, dass ein Recorder dieser Art nur das aufnehmen kann, was als digitales TV-Signal ankommt (oder sonst in digitaler Form, etwa Musik oder Fotos). Solche Recorder eignen sich daher nicht zur Aufnahme von Signalen anderer Geräte über die normalen Videoanschlüsse.
Die zweite Variante mit eingebauten Encodern ist wesentlich häufiger. Das gibt dem Besitzer mehr Flexibilität, er kann selbst über Bildqualität und Laufzeit entscheiden sowie von anderen Videoquellen aufzeichnen. Die Kehrseite ist, dass Bild und Ton nicht dem Original entsprechen. Selbst wenn intern mit der gleichen Datenrate gearbeitet wird wie bei der Ausstrahlung leidet die Qualität. Denn die Fehler der ersten Kompression sind ja nicht verschwunden und mit der erneuten Codierung kommen neue dazu. Unter der Wandlung leidet auch der Ton, denn 5.1-Codierung mit Dolby Digital ist nirgends möglich.


Manche Digitalrecorder nehmen das
Signal so auf, wie es über die
Antenne reinkommt; die meisten
Geräte wandeln aber vorher. 

3. Aufnahme von DVD

Der DVD-Recorder hat schon vor längerer Zeit dem VHS-Recorder den Rang abgelaufen und ist heute der Standard für digitale Aufzeichnung. Allerdings einer mit Geburtsfehlern, denn die DVD war ursprünglich nicht für Video­aufnahmen konzipiert. Vielmehr hat sich ein Wildwuchs entwickelt aus diversen Disc-Typen und Aufnahmestandards, die für den Laien kaum noch durchschaubar sind.
Die beschreibbaren Discs wurden nämlich nie richtig standardisiert, es entwickelte sich vielmehr im freien Ringen ein ziemliches Chaos. Zwei einmal beschreibbare Disc-Varianten (-R und +R) sind auf dem Markt, beide ein- oder zweischichtig; dazu kommen drei löschbare Typen (-RW, +RW, RAM), von denen die RW-Varianten auch Doppelschicht-Versionen kennen, die aber nur in PC-Laufwerken eingesetzt werden. Die Aufzeichnung versucht in den meis­ten Fällen, dem Standard DVD-Video der vorgefertigten Discs so nahe wie möglich zu kommen, damit die Kompatibilität zu den meisten Player gesichert ist. Die -RW hat einen eigenen Software-Standard, der auch auf der RAM verwendet wird, den so genannten VR-Modus. Er wird nicht von allen Playern gelesen, noch weniger Geräte spielen RAM-Discs ab.
Zu den großen Vorteilen der DVD als Aufnahmemedium gehört der güns­tige Preis der Rohlinge, der schnelle Zugriff auf freien Speicherplatz sowie die gute Bildqualität – zumindest potenziell. Das bringt uns gleich zu den Nachteilen, und da steht ganz vorne die Unmöglichkeit, direkt den Broadcast-Datenstrom aufzuzeichnen. Trotz digitaler Natur brennt jeder DVD-Recorder ein von ihm selbst komprimiertes Signal auf die Discs. Der Grund dafür sind Kleinigkeiten, die man an einem PC leicht von Hand korrigieren kann. Doch der Datenstrom vom Sender würde ein weiteres Problem mit sich bringen: Die Scheiben wären zu schnell voll. Daher sind bei DVD-Recordern Qualitätsstufen möglich, die eigentlich viel zu niedrig liegen. Die Geräte produzieren dann nicht nur Artefakte, sondern verringern die Auflösung des Bildes teilweise.
Ein weiterer Minuspunkt: Der Ton wird in der Regel nur in Stereo aufgenommen, 5.1-Sound wie von der gekauften DVD ist nicht drin.
Die DVD als Standard-Aufzeichnungsmedium bietet sich also vor allem dort an, wo man noch analog empfängt. Auch DVD-Recorder mit Digitaltuner entpacken das Bildsignal erst und komprimieren es dann neu. Ferner  eignet sich die DVD gut als Langzeit-Archivierungmedium, da sie stabil und günstig ist.
Für zeitversetztes Fernsehen eignet sie sich weniger, da ist die Kombination mit einer Festplatte im Gerät besser. Dies ist, wenn es nicht ohne Neucodierung bei der Aufnahme geht, die beste Lösung. Dann spielt die begrenzte Kapazität der DVD keine so große Rolle, man kann das Material vorher exakt zurechtschneiden. Die Hoffnung, auf einer selbst aufgenommenen DVD die gleiche Qualität wie auf einer professionell gemasterten Scheibe zu erreichen, sollte man schnell aufgeben. Die DVD-Aufnahme bleibt die Kehrseite des Systems.

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