Prospekte richtig lesen – Seite 2

4. Kontrast

Es ist noch gar nicht so lange her, dass mit dem NEC HT1000 ein erster Projektor mit mehr als 1.000:1-Kontrast angeboten wurde – rund fünf Jahre. Inzwischen gibt es erste Bildschirme, für die 1.000.000:1 in den technischen Daten steht, so bei den Panasonic-Plasmas der achten Generation.
Diese Werte gelten für den so genannten dynamischen Kontrast, auch als On-Off-Kontrast bekannt. Hier wird das Restlicht auf einer komplett schwarzen Fläche gemessen und ins Verhältnis gesetzt zur maximalen Hellig­keit. Wobei es bei Plasma natürlich stark drauf ankommt, wie man diesen Wert ermittelt (siehe Punkt 2).
Zudem produzieren unterschiedliche Technologien unterschiedliche Ergebnisse. Bei Plasma war der Schwarzwert bislang durch den so genannten Löschimpuls bestimmt, der für die schnelle Zündfähigkeit verantwortlich ist; den kann man inzwischen fast auf Null reduzieren, wodurch die Million zustande kommt. Bei LCD lässt sich die Hintergrundbeleuchtung mittlerweile in Echtzeit regeln, ebenso die Blende bei Projektoren. Das hilft jedoch nur bedingt, wenn Licht im Bild benötigt wird, daher unterscheiden sich dynamischer und nativer Kontrast hier besonders.
Ob der Ansi-Kontrast, gemessen an einem Schachbrett-Testbild, wirklich aussagefähiger ist, kann man bestreiten; hierfür wird gelegentlich der Begriff nativer Kontrast verwendet. Nach AV-Erfahrungen ist es eine Mischung aus beiden Kontrastwerten, die über den tatsächlichen Bildeindruck entscheidet. Der Maximalwert allein sagt jedenfalls zu wenig.
Schießlich gibt es noch den Hellraum-Kontrast, zumindest bei Flachbild-Fernsehschirmen. Hier schlägt LCD derzeit alle anderen Verfahren, weil hier viel Licht zur Verfügung steht und die Schichten des Schirms auch das Umgebungslicht filtern statt, es zu reflektieren. Bei Projektoren lässt sich das natürlich nicht messen, hier spielt die verwendete Leinwand die entscheidende Rolle.


Wenn das Schwarz im Bild sich nicht mehr vom Schwarz außerhalb
unterscheidet, wird der Kontrast unendlich hoch.

5. Farbumfang

Erst kürzlich in Mode gekommen ist die Angabe des Farbumfangs, meistens ausgedrückt in Prozent. Dass man damit vorher nicht geworben hat, ist bezeichnend: Die meisten flachen Fernseher haben bisher nicht gekonnt, was selbstverständlich sein sollte, nämlich den Farbraum der TV-Norm vollständig und korrekt darzustellen.
100 Prozent von PAL, 100 Prozent NTSC und HDTV wären also das Maß aller Dinge, doch leider gibt es für NTSC zwei Farbräume – einen faktischen und einen theoretischen. Zudem ist unklar, was mit dem Plus an Farben überhaupt gemacht wird. Gerade NTSC hat mehr Grün als PAL in der Norm, was bei Darstellung mancher Bilder schnell zu synthetisch wirkenden Farben führt.
Wenn ein Schirm also mehr als die TV-Normfarben darstellen kann, muss das kein Fehler sein. Er ist damit nämlich eher in der Lage, besonders reine und gesättigte Farben zu reproduzieren. Kritisch wird es nur, wenn die Normen der TV-Wiedergabe nicht eingehalten werden.
Neben den drei Standard-Farbräumen existiert xvYCC, auch xv Color genannt. Diese Norm soll die bisherigen Beschränkungen der TV-Normen aufheben; außer einigen HD-Camcordern gibt es aber noch keine Quellen dafür.


Der PAL-Farbraum stellt nur einen Ausschnitt der sichtbaren
Farben dar;mehr ist aber nicht genormt und führt daher
zu falschen Tönungen.

6. Blickwinkel

Völlig aus dem Ruder gelaufen ist mittlerweile die Spezifikation des Faktors Blickwinkel. Unter 178 Grad findet man da kaum noch etwas – was in der Praxis heißen sollte, dass man das Bild auch erkennt, wenn man sich nur ein Grad von der Seite nach vorne bewegt.
Konträr zur Papierform ist aber die Blickwinkelabhängigkeit immer noch ein großes Problem bei LCD-Schirmen und natürlich bei den aussterbenden Rückprojektoren. audiovision misst im Labor den Abfall der Helligkeit bei einem Winkel von 60 Grad, und da gibt es immer noch Werte von 25 Prozent. Ganz so schräg schaut man in der Regel nicht, aber die Helligkeit ist nur ein Faktor. Denn neben der sinkenden Lichtleistung zur Seite steigt der Schwarzpegel, so dass sich der Kontrast noch stärker verschlechtert. Auch die Farben verschieben sich. Das macht sich bei größeren Schirmen schon soweit bemerkbar, dass die seitlichen Teile des Bildes nicht so brillant erscheinen wie die Mitte. Plasmaschirme haben solche Probleme nicht, obwohl die Lichtmenge zur Seite natürlich geringer ausfällt als direkt nach vorne. Den Wert für Blickwinkel im Prospekt sollte man also geflissentlich übersehen.

 
Rückprojektoren verlieren bei seitlicher Betrachtung viel an
Helligkeit und Kontrast, auch LCDs haben mit der
Qualität bei seitlichem Betrachtungsabstand ihre Probleme.

7. Reaktionszeit

Reaktionszeiten sind ein Thema aus frühen LCD-Zeiten. Denn die Liquid Crystal Displays waren zu Beginn nicht schnell genug, um innerhalb der Bildwechseldauer von 20 beziehungsweise 16,7 Millisekunden (PAL, NTSC) komplett umzuschalten. Dann gab es Nachzieher. Das ist inzwischen allerdings kein Thema mehr. Bei Projektoren ist es seit der Einführung der HTPS-Panels vor bald zehn Jahren abgeschafft.
Dass es trotzdem Bewegungsunschärfe gibt, liegt an der Natur der LCD-Schirme selbst, bei denen die Hintergrundbeleuchtung ständig aktiv ist. Mit 100 Hertz kann man diesen Effekt halbieren. Plasma und Projektion bauen dagegen jedes Bild neu auf und haben daher nicht mit dieser Unschärfe zu kämpfen.
Ob und wie schnell ein LCD schaltet, spielt also für die Qualität keine Rolle. Und bei anderen Schirmen ebenfalls nicht.


Nachzieher gibt es bei LCD-
Panels für Projektoren
nicht mehr, jedes
Einzelbild wird
neu aufgebaut.

8. Fazit

Dass Prospektangaben keine Tests ersetzen, dürfte AV-Lesern schon immer klar gewesen sein. Mit der wachsenden Anzahl der Großbild-Systeme gelingt es uns leider nicht, alle Geräte zu tes­ten. Die technischen Daten sind dann eine Hilfe, wenn man sie mit den Testwerten vergleicht und richtig interpretiert. Dann sind sie auf andere Geräte des gleichen Herstellers übertragbar, soweit es sich um die gleiche Bauart und das gleiche Modelljahr handelt.
Dass das Protzen mit XXL-Werten ab und an außer Kontrolle gerät, liegt in der Natur des Wettbewerbs. Damit mag sich brüsten, wer wenig von einem guten Bild versteht. Alle anderen schauen auf das, was vorne rauskommt.

Zusatzinfo: Aufgepasst

Worauf es ankommt und worauf nicht.

Pixel sind nicht gleich Pixel. Durch geschickte Ansteuerung können nämlich zum Beispiel 1.024 Pixel pro Zeile ein feineres Bild liefern als 1.366. Bei Kameras zählt man sowieso rote, grüne und blaue Pixel einzeln.
100 Hertz sind kein Qualitätsmerkmal an sich; alles über 70 Hertz flackert nicht.
24p ist ein Eingangssignal, das so nicht darstellbar ist; wichtig ist die Art der Bildwiederholung (72, 96 oder 120 Hz), doch die wird selten angegeben.
PC-Anschlüsse werden selten korrekt spezifiziert. Tipp: vorher die Bedienungsanleitung übers Internet herunterladen. Dort ist in der Regel die Angabe vollständig.
10, 12 oder 14 Bit bezeichnen die interne Auflösung der Farbkanäle, sie werden gern in Millionen und Milliarden Farben umgerechnet. Höhere Werte können unsaubere Verläufe vermeiden. Bei Plasma und DLP sind mindestens zwölf Bit sinnvoll, da diese Schirme sonst Probleme mit den unteren Graustufen haben.
Worauf es ankommt und worauf nicht.
Leistungsaufnahme in Watt soll ein Hinweis auf den Stromverbrauch sein; bei LCDs recht realistisch, bei Plasma stark schwankend. Die Standby-Werte sind bei Fernsehern gering, bei Projektoren werden sie oft vergessen (weil zu hoch).
Die Diagonale betrifft bei Flat-TVs die sichtbare Fläche, bei Röhren war ein Teil des Glases durch das Gehäuse abgedeckt. Ein Zoll sind 2,54 Zentimeter.
Geräusche sind relativ. Der reine dB-Wert eines Projektors taugt in der Regel gerade mal als Vergleichsmaßstab. Fernseher haben keine derartige Angabe, Brummen oder Surren sind meistens Defekte.
Lebensdauer ist ein theoretischer Wert, ermittelt aus dem Abfall der Helligkeit über die Nutzung. Dabei ist offen, welcher Wert genommen wird, etwa 80, 50 oder 20 Prozent. Bei LCD ist dafür das Backlight verantwortlich, bei Plasma der Phosphor. Ob 60.000 oder 100.000 Stunden, das spielt schon keine Rolle mehr. Vorher gehen nämlich andere Bauteile kaputt.

Dieser Artikel ist in der audiovision 4-2008 erschienen.
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