Stromverbrauch optimieren – Seite 2

5. Der Standby-Verbrauch

Viel geschrieben wird über den Standby-Verbrauch, also die Stromaufnahme nicht vom Netz getrennter Geräte, die sich mit der Fernbedienung einschalten lassen. Die Hersteller von Fernsehern sind aus diesem Grund darauf sensibilisiert und unterbieten sich mit immer neuen Bestwerten – selbst in Bereichen, in denen es kaum noch relevant ist. 0,1 Watt Standby sind rund zehn Cent Stromkosten übers Jahr, ein Watt ist ein Euro, aber zehn Watt auch zehn Euro.
Hier zeigt sich, dass die Diskussion oft gar nicht auf die wirklich wichtigen Probleme eingeht. Denn Fernsehgeräte im Standby treiben selten den Verbrauch in die Höhe. Hier findet man meistens Sekundärnetzteile, die nur für den Einschaltimpuls zuständig sind und weniger als ein Watt benötigen. Größte Sünder sind vielmehr:

  • Geräte mit eingebautem RF-Ausgang, etwa Videorecorder oder manche Settop-Boxen; da ein solches Gerät nicht weiß, ob das durchgeschleifte Antennensignal vom Fernseher benötigt wird, verstärkt es den Pegel immer, was einigen Strom kostet. Dann sind schnell zehn bis 20 Watt bei ausgeschaltetem Recorder drin. Trennt man sie dagegen zusammen mit dem Fernseher von Netz, kann man übers Jahr gesehen eine Menge sparen.
  • Netzteile von Kleingeräten oder Ladegeräte brauchen zwischen einem und zehn Watt, auch wenn sie gar nicht aufladen müssen. Vor allem die großen Spulen-Netzteile sind arge Sünder, zu erkennen am relativ hohen Gewicht und der Wärme, die sie entwickeln.
  • Projektoren verlangen ebenfalls häufig mehr als zehn Watt, wenn sie nicht komplett ausgeschaltet sind, was bei ihrer Platzierung meistens schwierig ist. Sharp zum Beispiel baut die gleichen Schaltungen ein wie in Fernseher und bringt den Standby-Bedarf damit unter ein Watt. Ein SIM2 dagegen zieht 15 Watt aus der Dose, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr.
Wenn man einmal die Verbräuche einer Anlage hochrechnet, sind es solche Faktoren, die den größten Schwund verursachen – und das völlig unnötig. Denn eine gemeinsame Schalt-Netz­leiste bringt schon alle Standby-Werte auf Null, auch bei Geräten, die noch Strom ziehen, obwohl der Netzschalter auf Off steht. Für eine versteckte Installation dieser Ausschalter gibt es per Funk angesteuerte Netzdosen. Die brauchen zwar einen Bereitsschaftsstrom, der liegt aber meist unter 0,5 Watt. Nicht zuletzt bei einem Projektor lohnt sich so etwas auf jeden Fall.


Die Standby-Schaltung ist
bei vielen Geräten kein
großes Problem, aber
es gibt Ausnahmen.

6. Versteckte Verbraucher finden

Neben dem populären Thema Standby existieren aber noch andere Stromfallen, die in der Regel gar nicht auffallen  und deswegen ungehindert schlucken dürfen. Kandidaten dafür sind:

  • Subwoofer, die hinterm Vorhang oder unterm Sofa versteckt sind und separat mit Strom versorgt werden. Schaltet man sie auf Automatik, gehen sie zwar in Standby, wenn kein Signal kommt; damit sie aber in Sekundenbruchteilen wieder anspringen, ist ihr Standby-Konsum recht hoch, teilweise bis zu 20 Watt. Besser ist, sie ständig eingeschaltet zu lassen und per Stecker oder Schaltleiste vom Netz zu nehmen.
  • Satelliten-Empfangsanlagen, die unterm Dach montiert sind und dort vor allem die Multischalter; sie brauchen eine eigene Stromversorgung, doch nur wenige Exemplare erkennen selbsttätig, ob unten in der Wohnung der Sat-Receiver angeschaltet ist. Können sie das nicht, laufen ebenfalls rund um die Uhr 15 bis 20 Watt durch die Stromzähler.
  • Ebenfalls gern vergessen werden Sat-Receiver selbst oder andere Settop-Boxen, Media-Adapter, die Daten vom PC holen (wie etwa Apple-TV, Seite 84) oder auch Spielkonsolen.

Alle Geräte konsequent auszuschalten birgt ein beachtliches Sparpoten­zial, ebenso wie nur die einzuschalten, die man wirklich benötigt. Das mag ein wenig umständlicher sein, als wenn alles auf Fernbedienungs-Knopfdruck anspringt, aber in den meisten Fällen sollte ja ein guter Film pro Abend genügen – da braucht es kein Zappen zwischen Kanälen, Medien und anderen Quellen.
Wer genauer wissen will, welche Geräte wie viel Strom benötigen, kann sich zum Beispiel beim Energieversorger Eon ein Messgerät von ELV beschaffen (rund 30 Euro). Gute Fachhändler verleihen solche Systeme, oft sogar umsonst.
Vor allzu billigen Messgeräten muss allerdings gewarnt werden: Es gab auch schon Exemplare im Handel, die Blindstrom mit erfassen und daher bei Standby-Verbräuchen auf absurd hohe Werte kommen.
Der sicherste Weg ist die Kontrolle aller Steckdosen im Haus. Denn was nicht eingesteckt ist, kann auch nichts verbrauchen.

  
Strommessgeräte kann man in der Regel ausleihen, sei es
beim Fachhändler oder beim lokalen Stromversorger.
Preiswerte Exemplare kosten unter 30 Euro.

7. Fazit: Sparen ist möglich

Unsere Modellrechnung (Kasten rechts) zeigt es: In fast jeder Anlage steckt eine Menge Einspar-Potenzial. Wobei das weniger im Betrieb zu finden ist, sondern in Standby- und Dauerverbräuchen. Nimmt man die Beispiele, sind pro Anlage rund 130 Euro jährlich drin, was über 800 kWh und in CO2 umgerechnet fast 500 Tonnen pro Haushalt ausmacht. 25.000 AV-Leser könnten dann mehr als 12 Millionen Tonnen CO2 einsparen.
Das würde eine der größten Dreckschleudern Deutschlands, das Vattenfall-Kraftwerk Schwarze Pumpe in der Lausitz, überflüssig machen.


Rund 12 Millionen Tonnen CO2 stößt die „Schwarze Pumpe“ jährlich aus. Der Grund:
Hier wird wenig umweltfreundliche Braunkohle verbrannt.

Zusatzinfo:10 Tipps zum Sparen

1. Raum verdunkeln
Je weniger Licht im Kino vorhanden ist, umso weniger Helligkeit muss der Bildschirm liefern; die subjektive Qualität, vor allem in puncto Kontrastempfindung, bleibt gleich, wenn beides heruntergeregelt wird.
2. Bildschirm korrekt einstellen
Die meisten Geräte werden ab Werk viel zu hell und mit zu hohem Kontrast ausgeliefert; saubere Einstellungen anhand einer Testdisc reduzieren daher den Stromverbrauch.
3. Leinwand mit Gain verwenden
Eine Leinwand mit Gainfaktor 1.3 liefert im Sparmodus etwa die Helligkeit, die ein Projektor bei Gain 1.0 oder auf weißer Wand im Normalbetrieb erzeugen kann.
4. Kinobild dem Kino vorbehalten
Je größer und energiehungriger das große Bild, umso eher lohnt sich der Einsatz eines Zweitbildschirms, etwa für Nachrichten, Talkshows, oder Daily-Soaps.
5. Passende Auflösung wählen
Je höher die Auflösung, umso geringer ist – bei gleicher Technologie – der Wirkungsgrad. Wer zum Beispiel Full-HD wählt, obwohl eine Auflösung von 720 oder 768 Zeilen ausreichend wäre, verschenkt Leistung.
6. Nicht benötige Geräte abgeschaltet lassen
Wenn der DVD-Player läuft, muss nicht auch noch die Settop-Box aktiv sein, der Computer schon gar nicht.
7. Standby-Verbrauch vermeiden
Alle Komponenten brauchen auch dann Strom, wenn sie per Fernbedienung ausgeschaltet wurden; es kostet nichts außer einem Handgriff, von Standby auf Aus zu gehen.
8. Geräte vom Netz trennen
Selbst ausgeschaltete Geräte können noch Strom verbrauchen, deswegen ist eine komplette Trennung vom Netz in vielen Fällen sinnvoll.
9. Versteckte Verbraucher aufspüren
An manche Geräte denkt man nicht mehr, wenn sie nicht in Betrieb sind, etwa Subwoofer und Satelliten-Kreuzschalter. Hier liegen oft große Reserven verborgen.
10. Recorder separat verkabeln
Der DVD- oder Festplatten-Recorder soll natürlich arbeiten können, wenn der Rest der Anlage ausgeschaltet ist; daher sollte er getrennt mit Strom versorgt werden. Die Notwendigkeit einer getrennten Stromversorgung betrifft natürlich auch Settop-Boxen.

Zusatzinfo: So misst audiovision

Bei allen Tests gibt audiovision an, wie viel Strom das Gerät im Betrieb verbraucht. Die Messkriterien sind auf die Nutzung im Home Cinema zugeschnitten und daher nur bedingt mit den Werten vergleichbar, die von den Herstellern angegeben werden. Untereinander sind sie aber direkt vergleichbar. Die beiden wichtigsten Kategorien:

  • Bei Bildschirmen spielt das Labor zwei Filme ein und ermittelt die Leistungsaufnahme. Es laufen einmal „6 Tage, 7 Nächte“ als heller, gut ausgeleuchteter Spielfilm, „X-Men“ dagegen ist ein eher düsterer Streifen, der relativ wenig Licht braucht.
  • Bei AV-Receivern und anderen Geräten mit Endstufen wird die Leistungsaufnahme gemessen, die für die Wiedergabe eines Rosa-Rauschsignals mit fünf Watt Ausgangsleistung an fünf Kanälen notwendig ist; das dient der Vergleichbarkeit von 5.1- und 7.1-Systemen. Werden tatsächlich sieben Endstufen genutzt, liegt der Verbrauch natürlich entsprechend höher. Fünf Watt wurden aufgrund einer Empfehlung des Instituts für Rundfunktechnik (IRT) gewählt, weil es ein Wert für eine als angenehm empfundene Lautstärke ist. Da im Film die tatsächlichen Pegel stark schwanken, ist auch das nur ein Mittelwert.

Die von den Herstellern genannten Werte für die Stromaufnahme sind nicht untereinander vergleichbar, da es keine allgemein verbindliche Norm gibt, unter welcher Belastung sie ermittelt werden muss.

Zusatzinfo: Modellrechnung



Dieser Artikel ist in der audiovision 9-2007 erschienen.
Einen kostenlosen PDF-Download finden Sie hier.




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