Stromverbrauch optimieren

Viele Euro und Millionen Tonnen CO2 gespart:
Die meisten AV-Anlagen brauchen zu viel Strom. Das muss nicht sein.


Keine Sorge: Wirklich abschaffen will das Fernsehen niemand, schon gar nicht die Öko-Aktivisten von Greenpeace. Schließlich sind sie Meis­ter darin, ihre Botschaften TV-gerecht zu inszenieren – mit Aktionen, die sich perfekt für 90-Sekunden-Beiträge in der Tagesschau oder bei RTL Aktuell eignen.
Dennoch sind die Fakten nicht von der Hand zu weisen: Heimkino-Gerätschaften wie Fernseher, Verstärker und DVD-Recorder verbrauchen mehr als zehn Prozent des Stroms in den privaten Haushalten Deutschlands, PC und Telekommunikation nochmal genauso viel. Tendenz steigend. Denn der Trend zu immer mehr Geräten ist ungebrochen, noch mehr natürlich der Trend zu immer größeren Bildschirmen.
Keine Frage, Energiesparen ist derzeit stark angesagt, sei es im Auto oder beim Heizen, wo in beiden Fällen mit Milliardenbeträgen effizientere Technologien gefördert werden. Da ist es kaum hinzunehmen, dass TV, PC und Internet immer mehr Energie brauchen – doch genau das ist der Fall.
Auf den im Verhältnis zu anderen Bereichen relativ kleinen Anteil hinzuweisen, den die Unterhaltungselektronik an der globalen Energieverschwendung hat, gilt nicht: Denn auch hier kann man sparen, und zwar ganz einfach durch sinnvolle Nutzung.
Wenn man es schon nicht aus Rücksicht auf die Umwelt tut, ist der Blick in den Geldbeutel das nächstbeste Argument. In Zeiten steigender Energiepreise lohnt es sich nämlich besonders, den Stromverbrauch unter Kontrolle zu bekommen. Wir sagen, wie‘s geht.


Wir verraten Ihnen nützliche Tipps, damit sich
Ihr Stromzähler künftig langsamer dreht.

1. Stromfresser: das Bild

Wer sich während eines Filmes umsieht, merkt sofort: Der Bildschirm strahlt Licht ab, und zwar nicht zu knapp. Im Verhältnis zu einer Glühbirne ist das natürlich wenig, auch wenn eine normale Lampe nur einen Wirkungsgrad von 25 Prozent und weniger hat. Bei einem Bildschirm ist es natürlich nochmal drastisch weniger.
Dass die neuen Flachbildschirme Stromfresser sind, kann man nicht bestätigen – allerdings nur, wenn man den Verbrauch in Relation zur Größe sieht. Konnte man bei einer 70-cm-Röhre mit rund 100 Watt Energieaufnahme rechnen, zieht ein Einmeter-Schirm
etwa das Doppelte. Dabei ist es inzwischen relativ egal, ob es sich um ein LCD- oder ein Plasma-Gerät handelt.
Das Vorurteil vom Plasmaschirm als Stromfresser ist inzwischen widerlegt. Denn der Stromverbrauch ist vom Bild abhängig. Ist es dunkel, braucht das Panel wesentlich weniger Watt, bei hellen Bildern muss das Panel dagegen ordentlich saugen. Auch LCDs nähern sich diesem Verhalten: Mit regelbarer Hintergrundbeleuchtung arbeiten inzwischen die meisten Geräte, teilweise sogar mit automatischer Anpassung an die Bildinhalte; wird wenig Helligkeit benötigt, regelt die Elektronik die Leistungsaufnahme des Schirms herunter. Solche LCD-Fernseher sind meistens an den sehr guten Prospektwerten für Kontrast zu erkennen. So bewegen sich beide Technologien nach unten, 37 Zoll kann schon mit knapp 100 Watt nach AV-Messung gut aussehen, bei 40 und 42 Zoll geht es Richtung 150 Watt. Bei 50-Zöllern muss man noch mit 250 bis 300 Watt rechnen, doch auch 65 Zoll gibt es schon für diesen Tarif (etwa bei Panasonic). Ausreißer nach oben gibt es auch: Die neuen Full-HD-Schirme brauchen ungebührlich viel, etwa der im AV-Test punktbeste Fernseher bisher, der Panasonic TH-50PZ700. 400 Watt sind der Preis für die Pixel-Verkleinerung aufgrund der Full-HD-Auflösung.
Sparsam sind unter den Großbildgeräten die Rückprojektoren: Hier wird selten mehr als 200 Watt gezapft, egal ob 50 oder 60 Zoll. Frontprojektoren sind etwas hungriger, hier liegen die Werte zwischen 200 und 300 Watt.


Die neuen Full-HD-Plasma­schirme von Panasonic gehören nicht
zu den Sparsamsten.

2. Sparpotenziale beim Bild

Wo viel verbraucht wird, ist oft auch viel zu holen. Bei Bildschirmen gilt das leider nur eingeschränkt, denn die Physik lässt sich nicht überlisten. Allerdings: Die Tatsache, dass das Auge sehr anpassungsfähig ist, hilft eine Menge. Je heller ein Raum ist, umso mehr Licht muss nämlich ein Schirm abstrahlen, damit das Bild als sauber empfunden wird. Den Fernseher also vor allem dann einzuschalten, wenn der Raum abgedunkelt ist, erlaubt eine Reduzierung der Helligkeit, des Kontrasts und damit auch der Stromaufnahme.
Ohnehin hilft die sorgfältige Kontrolle aller Parameter, etwa anhand einer Testdisc. Die in vielen Fällen überzogene Werkseinstellung setzt auf Wirkung im hell erleuchteten Laden, was viel Licht und damit Energie verlangt.
Wer einen Projektor benutzt, kann in den meisten Fällen eine Sparschaltung einsetzen. Das verlängert zudem die Lebensdauer der teuren Lampe. Wenn dann das Licht nicht mehr ausreicht, bliebe als Abhilfe eine Leinwand mit leichter Lichtverstärkung, um auf die gleiche Helligkeit zu kommen. Als sinnvoll gilt ein Gain von etwa 1.3, höhere Werte bergen Nachteile, etwa eine ungleichmäßige Ausleuchtung.
Und dann wäre da noch die Möglichkeit, das Großbild einfach seltener einzuschalten. So wie man mit einem sparsamen Zweitwagen kurze Strecken fährt, genauso bietet sich ein Zweitschirm für Programme an, die keine Metergröße benötigen. Projektorbesitzer haben den in den meisten Fällen schon, weil man den Raum nicht immer abdunkeln will. Aber auch als Ergänzung zu einem 50- oder 60-Zöller mit entsprechendem Energiehunger kann ein kleiner 20-Zoll-Schirm mit 50 Watt Bedarf sinnvoll sein.


Sparschaltung plus gute Leinwand ergibt die gleiche Helligkeit wie im
Normalbetrieb (Foto SIM2 D80).

3. Stromfresser: die Endstufen

Der zweite große, kaum zu vermeidende Verbrauchsposten ist der Ton, genauer gesagt der Antrieb der Lautsprecher. Zwischen 200 und 300 Watt benötigen die Endstufen für fünf oder sieben Boxen, deutlich über 100 Watt verlangt der Subwoofer.
Wunder gibt es hier leider nicht, auch wenn die technischen Daten das manchmal glauben machen wollen. Ein AV-Receiver mit siebenmal 170 Watt Ausgangsleistung kann nicht mit 250 Watt Stromaufnahme auskommen, im Gegenteil: Der Wirkungsgrad normaler analoger Endstufen liegt in der Regel unter 50 Prozent, woraus man einen maximalen Bedarf von über zwei Kilowatt (kW) für ein solches Gerät errechnen müsste. Das ist zum Glück nicht der Fall, schließlich haben die Hersteller Begrenzer eingebaut, zudem wird ja praktisch nie an allen Kanälen gleichzeitig 100 Prozent gefordert – und wenn, dann höchstens für Sekundenbruchteile (die allerdings für den Klang wichtig sein können). Allerdings gilt für offizielle Herstellerangaben das Gleiche wie bei Bildschirmen: Einheitliche, verbindliche Messverfahren exis­tieren nicht.
Deutlich besser im Wirkungsgrad sind die digitalen Endstufen; sogar high-endige Verstärker, etwa bei Sony oder Panasonic, arbeiten mittlerweile mit dieser Technologie. Hier liegt die Effizienz bei rund 80 Prozent. Auch Subwoofer verwenden mehr und mehr digitale Verstärker und drosseln damit ihren Stromverbrauch. In den meis­ten 5.1-Heimkino-Anlagen stecken ebenfalls die Class-D-Endstufen in diversen Varianten.


AV-Receiver mit Digitalendstufen brauchen meistens weniger Strom,
vor allem bei niedrigerer Lautstärke.

4. Sparpotenzial beim Ton

Noch stärker begrenzt als beim Bild sind die Einsparmöglichkeiten beim Ton. Etwas leiser drehen geht zwar, aber es dämpft natürlich den Spaß am Film – und bringt letztendlich nicht viel. Denn der Wirkungsgrad analoger Endstufen wird immer schlechter, je weiter sie heruntergeregelt sind. In unteren Bereichen sinkt die Effizienz auf 25 Prozent und weniger, 20 Watt zum Beispiel brauchen dann 80 Watt aus dem Netz; ab einem bestimmten Punkt sinkt die Leistungsaufnahme gar nicht mehr, sie bleibt konstant, ungeachtet der Lautstärke.
Digitale Endstufen sind auch in diesem Punkt besser, sie verhalten sich linear. Der Wirkungsgrad von 80 Prozent gilt also auch bei niedrigen Pegeln. Angesichts des geringeren Schalldrucks bleibt die Sparmöglichkeit am Lautstärke­regler aber praxisfern.
Etwas machen lässt sich eventuell in der Benutzung. Man könnte zum Beispiel bei Stereo-Musikwiedergabe den Subwoofer abgeschaltet lassen, auch wenn die Hauptlautsprecher dann vielleicht etwas mehr Pegel brauchen. Aber es fällt ein großer Verbraucher weg und die Endstufen arbeiten dann mit besserem Wirkungsgrad. Und für Hintergrundmusik vor und nach dem Film muss man nicht die große Anlage einschalten – analog zu Zweitwagen und Kleinbildschirm tut es auch eine sparsame Background-Beschallung.




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