Blu-ray-Audio am PC – Seite 2

3. Digitale Ausgänge von heute

Praktisch alle Soundkarten haben digitale Ausgänge, über die sie Töne nach dem S/PDIF-Standard übertragen können. Es gibt sie bekanntlich in zwei Varianten, als koaxiale und als optische Buchse. Über diese Leitungen lassen sich Stereo-PCM und die Bitstreams von Dolby Digital wie von DTS übertragen. Für die neuen HD-Normen ist S/PDIF nicht gerüstet, weder vom Protokoll­ noch von den Datenraten; auch Mehrkanal-PCM kann nicht funktionieren.
Allerdings gibt es Grafikkarten mit HDMI-Ausgang. Diese Schnittstelle ist bekanntlich für alle Tonformate von Blu-ray geeignet. Nach gegenwärtigem Stand kommen aus HDMI-Buchsen am PC jedoch weder Mehrkanal-PCM noch ein Bitstream von einem der neuen Tonformate.
Zwei Wege gibt es, auf denen Töne zu den HDMI-Ausgängen gelangen können. ATI integriert bei den Radeon-Karten einen eigenen Audio-Chip auf der Grafikkarte, so dass die Daten direkt verarbeitet und auf HDMI geleitet werden können.
Bei Nvidia hat man einen externen Eingang an der Grafikkarte vorgesehen, so dass der Ton von jeder beliebigen Soundkarte eingespeist werden kann. Dazu wird ein Kabel zwischen den beiden Karten gezogen, und schon hat HDMI auch Ton. In beiden Fällen ist die Audioqualität allerdings beschränkt auf das, was über S/PDIF möglich ist.



Bei aktuellen Karten muss der Ton per S/PDIF-Leitung eingespeist werden, damit er über HDMI ausgegeben werden kann.

4. Die neue HDMI-Generation

Für September ist endlich anvisiert, dass PC-Besitzer HD-Audio in allen Varianten genießen können. Dann stehen die notwendigen Lösungen zur Verfügung, vom Protected Audio Path über die HDMI-1.3-Chips bis zu PC-Karten. Auch hier wird es unterschiedliche Konzepte geben, die allerdings teilweise noch nicht offengelegt wurden.
Eine Variante hat Auzentech mit der X-Fi Home Theater 7.1 Karte bereits vorgestellt. Sie lässt sich zusätzlich zu jedem beliebigen Grafik-Board mit DVI- oder HDMI-Ausgang einsetzen, denn auf der Karte ist ein HDMI-Eingang vorgesehen. Dahinter sitzt im Signalweg ein Prozessor von Silicon Image, Typ SiL9135, ein Empfangs-Chip, wie er in AV-Receivern mit HDMI-Eingängen verwendet wird. Entsprechend findet sich am Ausgang ein Chip vom Typ SiL9134, ein Transmitter nach HDMI-1.3-Standard, wie er in Blu-ray-Player eingebaut wird. Hier muss man also ein externes Kabel vom DVI-/HDMI-Ausgang verlegen. Es soll mit dieser Karte auch eine interne Lösung realisierbar sein, wenn eine Nvidia-Grafikkarte verwendet wird – allerdings keine aus dem heutigen Programm.
Eine andere Möglichkeit ist die Integration von Audio und Video, wie zum Beispiel von Asus angekündigt. Die Karte Xonar HDAV 1.3 firmiert zwar als Soundkarte, hat aber alle Funktionen einer Grafikkarte, zumindest was HD-Qualität angeht – Hardcore-Gamer werden mit ihr aber sicher nicht glücklich. Dieser Ansatz hat jedoch den Vorteil, dass auch die übrigen Features von HDMI 1.3 eingebaut werden können, sei es Deep Color oder xvYCC, der erweiterte Farbraum. Ähnliches plant ATI auf Basis der neuen 4800er Serie. Darüber hinaus hat auch Intel bereits eigene Lösungen in Vorbereitung.
Nach den derzeit bekannten Fakten beherrschen die Karten in der Regel sowohl die Ausgabe als PCM-Mehrkanalton mit bis zu 96 kHz und 24 Bit über HDMI als auch die Übertragung von Bitstreams aller neuen Tonformate. Normalerweise wird man bei einem entsprechend ausgerüsteten AV-Receiver die zweite Variante als Ausgabeformat bevorzugen, da dann die Anpassung an Raum und Lautsprecher (etwa per Einmessung) besser gewährleistet ist. Die neuen Karten werden vermutlich um die 250 Euro kosten, je nach Umfang der Funktionen auch etwas mehr.


Blu-ray-Wieder­gabeprogramme wie PowerDVD 8 Ultra können in der Regel mit HD-Audio
etwas anfangen, werden aber Updates für HDMI-Ausgabe benötigen.

 

5. Fazit

Die PC-Branche wirft gern mit Schlagwörtern um sich, oft genug werden Funktionen angekündigt, die noch gar nicht realisierbar sind – etwa die Wiedergabe von TrueHD oder DTS-HD in voller Qualität. Mit Verspätung hat man aber nun immerhin die Notwendigkeit erkannt, sich auf die neuen Tonformate einzulassen. Mit gewissem Anlauf scheint das nun bewältigt zu sein, so dass High-End-Audio bald auch am PC möglich ist.


Dieser Artikel ist in der audiovision 9-2008 erschienen.
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