Blu-ray-Audio am PC

Bei Blu-ray-Playern und AV-Receivern sind die Fragen nach den neuen Tonformaten geklärt. Doch am PC sind TrueHD und DTS-HD noch weitgehend unbekannt.

Die Digitalisierung bringt unkomprimierten Ton ins Kino, auf Discs wird verlustfrei komprimierter Sound in Form von Dolby TrueHD und DTS-HD Master Audio mittlerweile von vielen Playern unterstützt. Doch: Wer einen PC als Media Center betreibt und darüber alle neuen Tonformate – einschließlich der verlustbehafteten, aber verbesserten Varianten Dolby Digital Plus und DTS-HD High Resolution – genießen will, hat Pech gehabt. Zumindest bis jetzt. Denn es bleibt festzuhalten, dass die PC-Branche wieder mal geschlafen hat, wenn es um mehr als bloßes Funktionieren geht. Denn weil Blu-ray rückwärtskompatibel zu vorhandenen Tonnormen ist, gab man sich zunächst mit Dekodern für Dolby Digital und DTS 5.1 zufrieden. Wir geben eine Übersicht über den Stand der Technik und einen Ausblick, wann endlich auch PC-Besitzer mit dem bes­ten Ton rechnen können. (lö)


Die Auzentech-Karte X-Fi HomeTheater 7.1 kann HDMI- oder
DVI-Bildsignale durchschleifen und mit den Tonformaten von
Blu-ray-Discs kombinieren – ab September.

1. Software-Programme

Die Programme zur Wiedergabe von Blu-ray-Discs sind inzwischen ausgereift; in der Regel handel es sich um Software-Player, die in den jeweils teuersten Ausgaben für die HD-Scheiben erweitert wurden. Die populärsten Vertreter sind Cyberlink PowerDVD 8 Ultra oder WinDVD 9 Plus Blu-ray von Corel; auch Arcsoft bietet mit Totalmedia Theater eine Software an, die allerdings nicht auf Deutsch vorliegt; unter den Authoring-Programmen kann Nero 8 ebenfalls BDs spielen. Dolby TrueHD ist meist von Anfang an möglich, bei DTS-HD ist nicht immer eindeutig, ob beide Varianten unterstützt werden; laut DTS verlangt die HD-Kennzeichnung sowohl die Decodierung von Master Audio wie von High Resolution. Nero 8 scheint nur die Wiedergabe von Dolby TrueHD zu beherrschen, bei DTS aber auf den 5.1-Core zuzugreifen. Hauptproblem bleibt, festzustellen, auf welche Sounds die BD-Software zugreift. Denn bekanntlich sind die verlustfreien Tracks immer von den normalen Spuren in Dolby Digital oder DTS begleitet.

2.HD-Audio über analoge Ausgänge

Wenn die Software mitspielt und die Soundkarte über einen analogen Achtkanal-Ausgang verfügt, lässt sich auf diesem Weg HD-Ton hören. Werden nur sechs Ausgangskanäle angeboten, muss man damit rechnen, dass bei 7.1-Soundtracks der Begleitstrom (Dolby Digital) oder Core (bei DTS) verwendet wird. Darüber hinaus ist das Vergnügen auf diesem Wiedergabe-Weg ziemlich getrübt – aus vielen Gründen.
Das beginnt beim oft unzureichenden Bassmanagement, das weder von PC-Abspielprogrammen noch von den Treibern der Soundkarte auf einem Niveau betrieben wird, wie es in AV-Receivern oder Vollverstärkern selbstverständlich ist. Gleiches gilt für weitere Anpassungen an das Lautsprechersys­tem, etwa Verzögerungszeiten oder Center-Umleitung. Demnach muss in der Regel die nachfolgende Komponente, also AV-Receiver oder Verstärker, die sechs oder acht Kanäle erneut digitalisieren und durch seinen DSP schleusen. Das ist bei älteren Geräten oft gar nicht möglich, und wo es funktioniert, entspricht doppelte Digital-Analog-Wandlung nicht unbedingt dem, wie man sich die Verarbeitung von High-End-Audio vorstellt.
Dazu kommt die Begrenzung durch die Klangqualität der analogen Ausgänge. Man kann einen PC zwar mit hochwertigen DA-Wandlern ausstatten. 96 kHz und 24 Bit, wie sie bei TrueHD und DTS-HD möglich sind, werden von Karten wie den X-Fi-Varianten von Creative und anderen Herstellern unterstützt; auch Rauschabstände jenseits von 110 dB findet man. Solche Karten kosten aber bis zu 300 Euro. Noch teurer wird es, wenn man Profi-Karten etwa von RME verwendet.
Und dabei sind sie doch eigentlich umsonst. Denn der analoge Audioausgang gilt den Blu-ray-Machern als unsicherer Pfad. Und wie bei nicht gesicherten Video-Wegen die Auflösung reduziert wird, wenn das Beschränkungs-Signal ICT gesetzt ist, muss auch das Audio-Signal heruntergerechnet werden: Maximal 16 Bit und 48 kHz sind dann laut AACS-Vorschriften zulässig. Zwar sind viele Filme mit dieser Auflösung gemastert, und man bekommt weiter verlustfrei komprimierten Ton. Jedoch können Dolby TrueHD und DTS-HD auch mit 20 oder 24 Bit gemastert werden, und schon diese Tatsache muss den High-Ender in Verzweiflung stürzen, wenn er nur analogen, heruntergerechneten Ton hören darf.


Die analogen Ausgänge von Soundkarten sind heute in der Auflösung auf 48 kHz und 16 Bit beschränkt.
 



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