Fernsehen digital empfangen - Seite 2

5. Problem: Verschlüsselungs-Systeme

Den Spaß am Digitalempfang kann allerdings ein Umstand verderben: die Verschlüsselung. Über Satellit ist es eher der Normalfall als die Ausnahme, dass beim Zappen durch die Kanäle die Meldung erscheint „Ihre Smartcard ist für den Empfang dieses Programms nicht freigeschaltet.“ Falls man überhaupt eine Smartcard im Gerät hat, sonst erscheint nur der Hinweis auf die Verschlüsselung. Das betrifft zwar überwiegend ausländische Programme, muss aber nicht so bleiben. Denn mehr denn je werden Rechte nur national vergeben, was bei Film und Fußball heute schon streng gehandhabt wird – künftig möglicherweise auch bei Olympischen Spielen. Der Sender muss dann sicherstellen, dass ein Programm nicht im Ausland gesehen werden kann.
Auch im Kabel findet man viele Sender verschlüsselt. Das hat einerseits den Grund, dass der Betreiber damit Schwarzseher aussperren kann, andererseits ist es von manchen Sendern gewünscht, damit der Datenstrom nicht von irgendeinem Zuschauer unbefugt ins Internet eingespeist werden kann.
Aus Angst vor illegaler Weiterverbreitung oder Raubkopien verlangen die Hollywood-Studios schon seit einiger Zeit die Verschlüsselung ihrer Spielfilme im HDTV-Programm. Aktuell drückt man bei ProSieben HD und Sat1 HD noch beide Augen zu, was auf Dauer nicht so bleiben wird.
Ganz außen vor ist man mit Free-to-air-Empfängern (FTA), denn sie können generell nur unverschlüsselte Programme empfangen. Besser ist es, wenn eine Box ein Common Interface eingebaut hat, also einen Schacht, in den man ein Conditional-Access-Modul (CAM) schiebt. Dann kommt es allerdings darauf an, ob für die Verschlüsselung des jeweiligen Senders auch ein passendes Modul lieferbar ist. Daher ist man nur auf der sicheren Seite, wenn das jeweilige Sys­tem schon in der Box eingebaut ist. Im deutschsprachigen Raum sind das die Nagravision-Versionen von Premiere und Entavio.
DVB-T wird generell nicht verschlüsselt, die CI-Schächte in entsprechenden Empfängern oder Fernsehern werden auf absehbare Zeit hierzulande nutzlos bleiben.


Mit den neuesten Alphacrypt-Modulen und freigeschalteter Smartcard
kann man derzeit auch Premiere-HD entschlüsseln.

6. Über Antenne: Grünanlagen-TV

Der Vorteil des digitalen Antennenfernsehens DVB-T ist, dass es mittlerweile in allen Ballungsgebieten verfügbar ist, selbst die meisten ländlichen Regionen werden inzwischen versorgt. Allerdings hat es zwei Geburtsfehler, die seinen praktischen Nutzen einschränken.
Da ist zum einen die niedrige Datenrate von meist 3 bis 4 MBit/s, so dass nur unter günstigen Umständen heimkinotaugliche Bildqualität geliefert werden kann. Dafür sind zum einen die lokalen Bedingungen verantwortlich, die festlegen, auf welche Art und Weise ausgestrahlt werden muss, zum anderen die Zuführung des Bildsignals. Häufig ist für schlechte Qualität die Einspeisung verantwortlich, nicht die Codierung. Aufgrund niedrigerer Datenraten verzichten die Betreiber oft auf das echte 16:9-Format, ebenso auf den Dolby-Digital-Ton. Kommen dann noch Blockstörungen hinzu, ist die Eignung fürs Großbild definitiv dahin.
Zweites Problem ist die relativ geringe Reichweite. In Großstädten genügt oft eine Zimmerantenne, auf dem Land dagegen muss es schon eine Hausantenne sein, damit der Empfang störungsfrei gelingt. Wer für die Landpartie einen mobilen Empfänger mitnehmen will, wird häufig enttäuscht. Bleibt als einzig sinnvolle Anwendung das DVB-T-Gucken im Stadtpark.



DVB-T ist auch für den mobilen Empfang konzipiert, doch der funktioniert nur in Ballungszentren sauber

7. Über Kabel: feste Bindung

Über das Fernsehkabel, früher zur Post und später zur Telekom gehörig, kann man heute überall Digital-TV empfangen. Nach langen Verhandlungen sind die Hürden ausgeräumt, die zwischen Betreibern und Privatsendern aufgebaut waren. Es ging um Verschlüsselung und Vergütung. Leider verlangen die meisten Anbieter für Digitalempfang mehr Geld – was widersinnig ist, da es in ihrem Interesse sein müsste, dass man die Analogprogramme mit ihrem hohen Bandbreitenbedarf baldmöglichst abschalten kann.
Anders als bei analogem Empfang benötigt man für digitales Fernsehen aus dem Kabel immer eine eigene Box. Die meisten Kabelfirmen verwenden dafür Nagravision, da sich damit Premiere durchleiten lässt. Ausgeschert ist Anfang 2007 Kabel-BW, wo man nach und nach auf NDS Videoguard umgeschaltet hat. Vorhandene Nagra-Boxen konnten meistens per Software-Update dafür tauglich gemacht werden.
Beim Thema HDTV über Kabel heißt der Ausreißer Unity Media, entstanden aus der Fusion von Iesy und Ish. Angeblich soll zum 1. Januar 2008 endlich die Einspeisung der HD-Kanäle von Premiere beginnen. Ob das allerdings schon in allen Kabelnetzen der Firma möglich ist, scheint noch fraglich. Kabel Deutschland und Kabel-BW fördern dagegen den HD-Empfang, auch viele kleinere Anbieter vor allem im Osten Deutschlands speisen die HD-Programme ein.
Nachteil des Kabelempfangs ist in der Regel die Bindung an bestimmte Hardware, besonders ausgeprägt natürlich bei Kabel-BW. Die freie Wahl des Empfangsgerätes ist oft nur eingeschränkt möglich, ebenso der Empfang am PC – er bleibt auf die unverschlüsselten Programme von ARD, ZDF & Co. begrenzt.
Auf der Plusseite steht sicherlich die meist drastisch bessere Bild- und Tonqualität. Denn das analoge Kabelnetz liefert oft unscharfe, verrauschte Bilder. Bei den meisten Anbieter lassen sich zudem TV-Programme, Telefon und Internet im Paket buchen.



Der TV-Anbieter Kabel-BW setzt seit der Modernisierung Anfang 2007
auf die Verschlüsselung Videoguard von NDS.

8. Über Satellit: schwierige Vielfalt

Als der Satellit schlechthin gilt in Deutschland der Astra auf Position 19,2 Grad Ost. Dort sind alle wichtigen Programme in deutscher Sprache zu finden, darunter natürlich auch die deutschen HD-Sender. Wer dagegen Schweizer Fernsehen gucken will, muss auf den Eutelsat Hotbird ausweichen, der auf 13 Grad Ost steht. Das gilt auch für HD Suisse, den ersten HDTV-Kanal Europas in 720p. Für der HDTV-Sender HD1 (Euro 1080) braucht man die Signale des Astra auf 23,5 Grad Ost. Für die britischen Programme, einschließlich Sky-HD und der BBC-HD-Kanäle, muss man auf 28,2 Grad Ost drehen.
Je mehr Sender man sehen will, umso größer muss die Schüssel werden. Alternativ sind Drehschüsseln möglich, die kann man aber nur mit einer Box sinnvoll betreiben. Je mehr Digitalreceiver an einer nicht drehbaren Schüssel hängen, umso komplizierter wird die Verteilung. Denn die Boxen müssen den LNBs an der Schüssel Umschalt­impulse schicken, damit die richtigen Programme ins Kabel geleitet werden. Daher braucht man für mehr als einem Empfänger bereits Doppel-LNBs, damit beide Geräte unabhängig voneinander agieren können. Und man benötigt ein eigenes Kabel zu jedem Empfänger, weshalb eine klassische Verteilung wie vom TV-Kabel gewohnt nicht geeignet ist. Abhilfe schaffen Einkabel-Systeme, die aber die Zahl der Programme einschränken. Ein weiteres Problem sind unterschiedliche Verschlüsselungs­systeme, die teilweise nicht per CA-Modul nachrüstbar sind, etwa das NDS der englischen Sky-Gruppe. Diese Programme kann man aber ohnehin nur über Vermittler bekommen.
Trotzdem: Mit der Schüssel bekommt man über Satellit die größte Programmvielfalt und, zumindest bei frei empfangbaren Programmen, auch kostenlos.


Eine Schüssel mit mehreren LNBs kann die Signale von mehr als einem Satelliten
empfangen – hier die Multytenne von Technisat.

9. Übers Internet: bescheidene Anfänge

Noch in den Kinderschuhen steckt das Internet-Fernsehen, meistens als IPTV bezeichnet. Will man darüber alle gewohnten Programme in normaler Qualität sehen, muss man Abschied nehmen von gewohnter Internet-Nutzung. IPTV funktioniert aktuell nur über abgeschottete Lösungen, die von der Telekom, von Alice (Hansenet) und von Arcor angeboten werden. Sie bestehen aus einer Box, die ins Wohnzimmer gestellt wird und dann von der nächsten Verteilstation das gewünschte Programm abruft. Anders als bei allen anderen Verbreitungstechnologien ist also immer nur ein Sender in der Leitung.
Die Telekom mit ihrem Entertain-Paket ist derzeit der einzige Anbieter, der HDTV-Kanäle per IPTV verbreitet. Eingespeist werden alle fünf deutschen HD-Sender, und zwar in Originalqualität, da das Telekom-System die Norm H.264 unterstützt. Ein großer Vorteil ist, dass man viele Sendungen noch nachträglich abrufen kann.
Auf der Minusseite steht, dass man mit IPTV auf die Empfangs-Hardware des Anbieters festgelegt ist. Soweit HD vorgesehen ist, kann man mit HDMI rechnen, aber die von Cisco gelieferte Kiste X-300 hat viele Nutzer enttäuscht. Zudem ist IPTV recht teuer.

Zusatzinfo:So sehen wir fern

 


Zusatzinfo: Empfang mit oder ohne Box?

Für eine separate Empfangseinheit,
die Settop-Box, spricht:

  • Flexibilität beim Umzug
  • breite Produktauswahl
  • einfache Integration in die Home-Cinema-Anlage
  • günstige Preise
  • Empfang von Pay-TV Sat-Empfang oft nur mit Box möglich

Für einen eingebauten Tuner im
TV-Gerät spricht:

  • einfache Bedienung
  • keine zusätzliche Installation und Verkabelung
  • DVB-T oft serienmäßig eingebaut

Zusatzinfo: Tipps zum Digitalempfang

Auf freie Hardware-Auswahl achten
Selbst wenn man kein HDTV empfangen will, ist es sinnvoll, eine Settop-Box zu haben, die YUV- oder noch besser HDMI-Signale liefert. Denn dann lässt sie sich sinnvoll in ein Home Cinema integrieren, was bei Boxen mit Scart-Ausgang sehr viel schwieriger ist. Auch auf den Tonausgang sollte man achten, am besten in optischer oder koaxialer Form mit Dolby-Digital-Bitstream.
Auf eingebautes CA-System achten
Nicht alle Decodierungen lassen sich per CA-Modul nachrüsten. Daher ist es sinnvoll, wenn zumindest in Deutschland bereits Nagravision an Bord ist (bei Premiere- oder Entavio-Boxen der Fall).
TV-Gerät ohne DVB-T kaufen
Bei vielen Herstellern werden Geräte in zwei Formen angeboten, nämlich mit und ohne DVB-T-Tuner. Der ist in den meisten Fällen überflüssig, weshalb die günstigere Variante reicht.
Empfangsteil mit Festplatte ordern
Die verlustfreie Zwischenspeicherung von Digital-TV erlaubt einen ganz anderen Umgang mit TV-Programmen als bisher. Boxen mit eingebauter Festplatte sind im Vergleich zum Rest der Anlage auch nicht unverschämt teuer, bringen aber echten Mehrwert.
HDTV beim Netzbetreiber reklamieren
Wer am Kabel hängt und kein HDTV angeboten bekommt, sollte das einfordern. Denn die rechtlichen Voraussetzungen sind gegeben, es liegt an den Kabelgesellschaften, das technisch zu realisieren.
Empfangsteil immer auf Dolby Digital einstellen
Der Dolby-Ton klingt bei vielen Sendern selbst dann besser, wenn er nur in Stereo ausgestrahlt wird. Dazu kommt die automatische Umschaltung auf 5.1-Sound. Der Ausgang muss aber auf Bitstream (nicht PCM) eingestellt sein. HMDI-Ton ausschalten, wenn es eine direkte Digitalleitung zum Bildschirm gibt.
HD-Box anschaffen
Satelliten-Zuschauer haben heute kaum noch Grund, keine HDTV-Box zu kaufen – auch ohne Premiere-Empfang. Schon die bessere Bildqualität bei vielen Spielfilmen auf ProSieben HD und Sat1 HD rechtfertigt die Anschaffung.


Dieser Artikel ist in der audiovision 1-2008 erschienen.
Einen kostenlosen PDF-Download finden Sie hier.



Teilen

Aktuelle Heimkino-Meldungen

aktuelle Tests

audiovision - Ausgabe 05/12

Die neuesten Threads im Forum

Forum

Zum audiovision-Forum

Die neuesten Heimkinos unserer User

aktuelle Tests
Home Theater PCvom 22.06.2009
Oberklasse
Dropzonevom 20.04.2009
Luxusklasse
Blueraycinemavom 03.04.2009
Luxusklasse
Lieblingsraumvom 23.02.2009
Luxusklasse
Matrix Cineloungevom 22.01.2009
Oberklasse

Geräte im Messlabor

aktuelle Tests