So passen Bild und Ton zusammen – Seite 2
5. Zwei Center-Lautsprecher
Wer sich nicht zwischen Center-Platzierung oben oder entscheiden kann, wird eine weitere Variante in Erwägung ziehen: zwei Center. Wobei die nicht neben dem Bild stehen dürfen, sonst wäre der exakte Bezug zur Bildmitte schnell wieder dahin. Aber eine Box oben und eine unten bringen sehr gute Ergebnisse, der Ton kommt dann wirklich aus der Mitte des Bildes. Allerdings ist der Aufwand dafür beträchtlich.
Schon deswegen, weil man zwei hochwertige Lautsprecher braucht, denn Matsch wird durch Verdoppelung nicht besser. Dazu braucht es doppelte Verkabelung, wobei die Reihenschaltung (vom Minuspol einer Box zum Pluspol der zweiten und zurück zur Endstufe) in den meisten Fällen die einfachere Lösung ist – und zudem die unproblematischere, da sich dann die Impedanz addiert, was die Ströme begrenzt. Besser wäre die doppelte Verstärkung, etwa durch eine eigene Stereo-Endstufe, die möglichst den übrigen Einheiten entsprechen sollte; ideal wäre es, wenn ein AV-Verstärker frei zuweisbare Endstufen hat, etwa der Denon AVC-A1. Dann funktioniert auch die Lautstärkeanpassung und die Raumeinmessung wie gewohnt.
Zudem muss man Aufstellung und Sitzposition genau ausmessen: Der Abstand beider Center-Speaker zu den Zuhörern muss gleich groß sein, denn sonst geht der Effekt verloren. Nur bei gleichzeitig eintreffendem Schall bildet das Gehirn eine Phantomschallquelle in der Mitte des Bildes.

Wer zwei Center einsetzt, muss auf gleichen Abstand zu den Hörplätzen achten.
6. Center hinter der Leinwand
Die klassische Lösung nimmt das Kino zum Vorbild und stellt den Center-Lautsprecher hinter der Leinwand auf und die beiden anderen Boxen auch. Dafür braucht man eine schalldurchlässige Leinwand, allerdings nicht die so genannte Cineperf – diese Perforation hat zu große Löcher, so dass man sie zuhause wahrnehmen würde. Microperf ist besser, da ist schon bei drei Metern Abstand nichts mehr zu erkennen.
Allerdings ist die Box hinter der Leinwand ein Kompromiss, der von beiden Seiten Opfer fordert. Die Löcher verringern die Licht-Ausbeute, verglichen mit einer normalen Leinwand. Und der Ton wird gedämpft. Equalizer oder Einmess-System gleichen das aus.
Die Leinwände selber produzieren einen recht glatten, zu den Höhen hin abfallenden Verlauf, den ein Einmess-System problemlos korrigiert. Sitzen allerdings die Boxen zu dicht hinter der Leinwand, gibt‘s Reflexionen und damit Kammfilter-Effekte. Die Peaks und Dips im Frequenzgang sitzen dann so dicht beisammen, dass kein Einmess-System dieser Welt (und auch kein manuell bedienter Equalizer) das ausgleichen kann. Die Lautsprecher sollten immer einen Abstand von mindestens 20 Zentimetern zur Leinwand haben, besser mehr. Anwinkeln der Lautsprecher hilft ebenfalls, die Effekte zu minimieren, ist aber beim Center nicht immer möglich.
Außerdem sollte die Wand hinter der Leinwand ganzflächig mit Dämpfungs-Material belegt werden, um Reflexionen von vornherein zu unterbinden. Das gilt genauso für das Licht: Hinter einer transparenten Leinwand muss alles schwarz sein, sonst sorgt das durch die Perforation dringende Licht für Störungen.
Von Screenresearch kommt das System Le Wing, bei dem sich sowohl die transparente Leinwand als auch die Lautsprecher absenken.

Eine schalldurchlässige Leinwand lässt den Frequenzgang zu den Höhen hin abfallen, was ausgeglichen werden muss.
7. Anlage ohne Center
Befürworter des Quattro-Systems mit vier gleichwertigen Lautsprechern rund um den Hörplatz haben ihre eigenen Vorstellungen, wie Bild und Ton am besten harmonieren: den Center einfach weglassen. In der Tat ist es so, dass Stimmen exakt aus der Bildmitte zu kommen scheinen, wenn der Mittenkanal zu gleichen Teilen auf linke und rechte Box aufgeteilt wird. Auch Geräusche, die sich quer durchs Bild bewegen, erfahren keinerlei Veränderung im Laufe der Bewegung.
Dass sich das trotzdem nicht durchgesetzt hat, liegt an einem recht einfachen Grund: Es funktioniert nur für Zuhörer, die ziemlich exakt in der Mitte sitzen. Skeptiker sagen, dass es nur bei einer Person funktioniert, Befürworter zählen immerhin bis zwei.
Allerdings ist selbst mit viel Wohlwollen das Fehlen des zentralen Lautsprechers nicht so einfach zu verschmerzen. Denn die Präsenz von Dialogen leidet, wenn die zwei seitlichen Boxen eine Phantomschallquelle erzeugen sollen, es mangelt dann oft an Klarheit und Druck. Ferner sind Phantomschallquellen extrem abhängig von der Qualität der Anlage, denn das Ohr akzeptiert sie nur, wenn linke und rechte Box präzise und synchron arbeiten. Nur wirklich gute Systeme schaffen eine perfekte Abbildung.
8. Zeitversatz ausgleichen
Nicht nur örtlich, auch zeitlich müssen Bild und Ton zusammenpassen. Im Zeitalter digitaler Übertragung und weitreichenden Signal-Processings ist das nicht mehr sichergestellt. Häufig kommt es vor, dass die Synchronität verloren geht, weil die Verarbeitung eines Signals länger dauert als die eines anderen. In der Regel ist das Bild etwas zu spät dran, denn hier fallen die größeren Datenmengen an. Es ist umstritten, ab welchem Zeitversatz dieser Effekt störend wirkt. Ein Bild, das exakt 20 Millisekunden bei 50 Hertz entspricht, ist sicher tolerierbar, aber darüber kann man es schon wahrnehmen.
Nicht geeignet für die Korrektur der Verzögerung ist der Center-Delay; diese Einstellung dient nur dazu, den mittleren Kanal akustisch einige Zentimeter nach hinten zu verschieben; auch ist der Verstellbereich zu gering.
Viele moderne AV-Receiver haben allerdings eine Lipsync-Funktion, die den Zeitversatz zwischen Bild und Ton korrigieren kann. Hier ist ein Regelbereich von bis zu 200 Millisekunden vorgesehen, was zehn Bildern entspricht. Das reicht für jede Situation. Hat man diese Möglichkeit nicht, lassen sich externe Verzögerungsschaltungen einbauen. Die sind derzeit nur für SP-Dif-Signale lieferbar, umfassen also nicht die HD-Audio-Tonverfahren von Blu-ray-Disc (Dolby TrueHD und DTS-HD). Zukünftig soll der Versatz automatisch über HDMI ausgeglichen werden können (siehe Kasten rechts).
Wenn man ein geeignetes Verzögerungsinstrument hat, gibt es ein zweites Hindernis: die exakte Einstellung. Sprache eignet sich dafür kaum, schon gar nicht bei synchronisierten Filmen. Testbilder mit der klassischen Filmklappe, die genau diesen Zweck hat, existieren unseres Wissens nach nicht. Eine passende Szene wäre zum Beispiel der Augenblick, in dem eine Autotür zugeschlagen wird.
Zu beachten ist, dass die Verzögerung unterschiedlich sein kann für diverse Auflösungen und Signalformate, man sollte also Blu-ray-Disc, DVD und Digital-TV separat überprüfen. Selbst wenn man zwischen Interlaced und Progressive Scan umschaltet, kann es wieder anders aussehen.

Eine Box wie die Master Delay von Primare kann Bild und Ton synchron machen, allerdings nur über SP-Dif-Buchsen.
9. Fazit
Harmonie von Bild und Ton ist kein Luxus, sondern Grundbedingung für jedes Kino. Mit einer korrekt aufgestellten und sauber eingestellten Anlage lässt sich das recht gut hinbekommen. Notwendigerweise steht dabei der Center im Mittelpunkt, aber auch andere Töne dürfen nicht vom Geschehen im Bild ablenken. Und wenn es passt, besteht der Film plötzlich nicht mehr nur aus 50 Prozent Bild und 50 Prozent Ton. Sondern aus 100 Prozent Genuss.
Zusatzinfo: Tipps – So passt es
Basisbreite nicht zu groß: Die Stereoboxen sollten mindestens 1,5 Meter voneinander entfernt stehen, bei kleinen Schirmen also mit etwas Abstand zum Bild. Bei großen Leinwänden sollten sie am Rand oder sogar hinterm Bild stehen.
Center nach oben: Wenn es räumlich möglich ist, bringt die Anordnung des Centers überm Bild meistens die besseren Ergebnisse als die Position unten.
Phantomschallquellen bilden: Zwei Center bilden eine virtuelle Box in der Bildmitte, wenn sie richtig aufgestellt wurden; allerdings mit beträchtlichem Aufwand. Das können auch die Stereo-Lautsprecher, wenn man ganz ohne Center auskommen will – allerdings nur für einen oder maximal zwei Sitzplätze.
Boxen verstecken: Wer die Lautsprecher unsichtbar machen kann, verbessert den Bezug zum Bild. Denn was man nicht sieht, kann man schwerer orten.
Auf Linie bringen: Maßgeblich für die Ortung ist der Hochtöner, daher die Boxen links und recht so aufstellen, dass sie einer geraden Linie mit dem Center möglichst nahe kommen.
Originalversionen probieren: Bei Filmen passen Bild und Ton am besten zusammen, wenn man die Version in Originalsprache wählt. Zumindest beim zweiten Sehen des Films bietet sich das an, und man wird feststellen: Man versteht mehr als zuerst gedacht.
Zusatzinfo: Bild als Lautsprecher
Etliche Ansätze hat es gegeben, den Bildschirm selbst zur Schallquelle zu machen und damit das Ortungsproblem endgültig zu lösen:
• Elac hat schon vor neun Jahren eine Leinwand vorgestellt, die ein Flachlautsprecher war; auch andere Firmen, etwa DNP, haben bereits damit experimentiert. Basis dafür ist normalerweise die NXT-Technologie, die mit schwingenden Flächen arbeitet. Für die exakte, präzise Wiedergabe eignet sie sich aber derzeit nicht, doch das kann noch kommen.
• NXT Sound, die englischen Erfinder des Flachlautsprechers, haben eine Technologie namens SoundVu entwickelt, die mit transparenten Flächenstrahlern arbeitet. Einzelne Versuche damit, etwa bei Mobiltelefonen oder Monitoren, wurden wieder eingestellt.
• Panasonic zeigte vor Jahren das Sound Window für Handys, eine eher konventionelle Technologie mit kleinem Sound-Treiber neben dem Schirm, über dem eine berührungsempfindliche Schicht schwingt und so den Ton erzeugt.

Vor vier Jahren stellte NEC in Japan einen Monitor mit der SoundVu-Technik vor.
Zusatzinfo: Delay bei HDMI
Mit der Version 1.3 führte HDMI die Lipsync-Funktion ein. Realisierbar ist sie noch nicht, da man drei dafür vorbereitete Komponenten braucht. Vorgesehen ist, dass sowohl Bildschirm als auch Audio-Decoder der Quelle mitteilen, welche Verzögerung sie im Signalweg haben. Ein Blu-ray-Player zum Beispiel bekommt dann vom Projektor seinen Wert übermittelt und ebenso vom AV-Receiver; dann zieht er den kürzeren Wert vom längeren ab und verzögert die Ausgabe entsprechend. Sink EDID heißen diese Werte, die der Player auswertet; eine Mitteilung in die andere Richtung gibt es nicht. Dabei hat ein Bildschirm in der Regel zwei Werte gespeichert, einen für Interlaced- und einen für Progressive-Signale. Einige AV-Receiver sollen vorbereitet sein, bei Bildschirmen ist die Lipsync-Information noch nicht in der Praxis umgesetzt. Blu-ray-Player mit entsprechenden Fähigkeiten werden ab Anfang 2009 erwartet.


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