So passen Bild und Ton zusammen

Kuck mal, wer da spricht! Hier bewegen sich die Lippen, dort kommt der Klang her. audiovision erklärt, wie man die beiden Elemente eines Films in Übereinstimmung bringt.

Wie viel Prozent vom Film-Erlebnis macht der Ton aus? Wie viel das Bild? Solche Fragen werden öfter gestellt, aber sie sind unsinnig. Denn jeder Film hat seine eigene Bildsprache, seine eigene Sound-Stimmung – beides gehört zusammen und trägt jeweils auf spezielle Art zum Gesamtwerk bei. Und weil es zusammen gehört, ist besonders wichtig, dass Bild und Ton zueinander passen. Das ist einfach gesagt, aber gar nicht so einfach zu realisieren. audiovision zeigt, auf was man achten muss und wie man Probleme vermeidet.


Wenn der Center oben platziert wird, kann er fast eine Linie mit den Hochtönern der Boxen bilden.

1. Auge und Ohr

Das Gehirn arbeitet daran, die Eindrücke von Auge und Ohr in Übereinstimmung zu bringen. So stört man sich zum Beispiel bei einer Kundgebung nicht daran, dass die Stimme eines Redners aus den Lautsprechern links und rechts kommt, während man sieht, dass er in Wirklichkeit vorne steht.
Genauso nimmt man es nicht wahr, dass die Dialoge von einer Quelle unterhalb des Bildschirms oder der Leinwand stammen. Das Auge überstimmt im Gehirn die Wahrnehmung der Quelle  – man weiß, dass der Ton zu dem sich bewegenden Mund gehört und ignoriert daher die tatsächliche Platzierung. Wer die Augen schließt oder bewusst zum Center-Lautsprecher blickt, wird schnell merken, dass man natürlich exakt feststellen kann, in welcher Höhe sich die Schallquelle befindet.
Obwohl das Gehirn im Falle von Dialogen Bild und Ton in Übereinstimmung bringen kann, ergeben sich Probleme. Denn es kommen ja nicht nur Stimmen aus dem Center, auch Geräusche von Objekten, die sich zum Beispiel quer über den Schirm bewegen. Zum Glück wird Filmton in aller Regel so abgemischt, dass im Mittenkanal nur Töne zu finden sind, die eine Entsprechung im Bild haben.
Wichtig im Zusammenspiel ist aber, dass das Auge in der Regel dem Ohr folgt. Das ist auch relativ einfach zu erklären: Wenn etwas hinter uns knackt oder raschelt, drehen wir uns um – egal, ob es sich um einen Tiger im Urwald handelt oder um einen Sitznachbar, der mit der Popcorn-Tüte hantiert. Aus diesem Grund beginnen Schießereien im Film auch selten hinten, sie setzen sich allenfalls dort fort; und kommt ein Düsenjet von hinten, erscheint er in der Regel vorne, bevor man eine Chance hat, sich umzudrehen. Aller­dings verfahren nicht alle Tonmixer nach dieser Ortungs-Maxime.
Bei Geräuschen mit einer festen Ortung richtet das Ohr die Aufmerksamkeit des Auges in die Richtung, aus der sie zuerst eintrafen. Der Rest wird als Reflexion oder Hall eingeordnet und nicht beachtet. Das gilt auch für den Fall, dass zwei Boxen den gleichen Ton von sich geben. Nur in sehr engen Grenzen gelingt es dem Gehirn, einen Mittelwert zwischen zwei Schallquellen zu bilden, also eine virtuelle Schallquelle zwischen den Lautsprechern.

2. Bildgröße und Ton

Hersteller von TV-Geräten versuchen mit allerlei Schaltungstricks, dem Ton aus den beiden Stereolautsprechern im Gehäuse eine möglichst breite Basis zu verleihen. Das tut dem Klang nicht unbedingt gut, erzeugt aber ein gewisses Panorama und vergrößert damit auch den Bildeindruck. Ähnlich verhält es sich mit Hifi-Lautsprechern, wenn auch ohne Verlust an Klangqualität – im Gegenteil. Besser als der Ton aus dem TV-Apparat ist das in jedem Fall.
Hat man einen eher kleinen Bildschirm von 32 Zoll, wird man durch die Aufstellung der Boxen versuchen, Breite zu gewinnen. Doch das Bild verlangt Vorsicht: Man kann nicht, wie manchmal bei Hifi-Anlagen praktiziert, die Lautsprecher ganz nach außen in Richtung Seitenwände schieben. Ein zu geringer Abstand zur Wand ist ohnehin nicht gut für den Klang, aber vor allem passt es nicht mehr, wenn mehr als ein Woody-Allen-Film zu sehen und zu hören ist (der mischt seine Filme bekanntlich in Mono ab).
Das Problem bei zu großer Breite ist nicht das, was sich in der Mitte abspielt. Aber ein Geräusch, das rechts im Bild stattfindet, hört man von viel weiter außen; ein Gewöhnungseffekt, wie etwa bei einem Center außerhalb des Bildes, ist nicht möglich, da die meisten Sounds in den linken oder rechten Kanälen keine Dauertöne sind, sondern nur gelegentlich auftauchen – und dann wird man vom Bild weg zu den seitlich stehenden Lautsprechern geführt.
Filmmusik, die in den Boxen links und rechts spielt, ist kein Problem. Aber auch bei einem Konzertvideo fällt es unangenehm auf, wenn zum Beispiel das Gitarrenriff akustisch weit weg vom Gitarristen platziert ist.
Bei einem eher kleinen Schirm gilt es daher, je nach Bedarf den besten Kompromiss zu finden. Verwendet man die Anlage zum Beispiel auch häufig für reinen Musikgenuss, wird man eher einen etwas größeren Abstand der Lautsprecher zum Fernseher wählen, damit bei Stereo eine ausreichende Basis gegeben ist; schauen Sie überwiegend Film und Fernsehen, können Sie etwas näher ranrücken mit den Boxen. Man wird dann bei etwa einem halben Meter Abstand zwischen Lautsprecher und Schirm landen, der sich reduziert auf vielleicht 20 Zentimeter bei einem Schirm der 50-Zoll-Klasse. Bei Projektion ist es sowieso keine Frage, dass man die Boxen direkt neben das Bild stellt.


Wenn das Bild richtig breit ist, können auch die seitlichen Lautsprecher hinter der
Leinwand verschwinden (Foto: Image Vertrieb).

3. Center unter dem Bild

Klassischerweise steht der Center unter dem Fernseher. Viele Racks haben sogar ein spezielles Fach dafür, so dass der Mittenlautsprecher sauber aufgehoben ist – mitsamt allen Kabeln. Das ist praktisch im Wohnzimmer, und sieht zudem gut aus, weil die Box nach derzeitigem Stand der Technik nicht so flach sein kann, wie der Fernseher zuletzt geworden ist. Wenn die Stimmen kräftig klingen sollen, braucht man ein entsprechendes Volumen im Gehäuse – die modischen, flachen Speaker sind in der Regel nicht wirklich ideal für höchste Akustik-Ansprüche.
Allerdings hat die Position unterm Schirm zwei Nachteile. Da wäre zum einen die Nähe zum Fußboden: Dadurch haben Reflexionen einen nur sehr geringen Abstand vom Originalsignal, so dass sie vom Ohr nicht so leicht ausgeblendet werden können. Ergebnis ist ein verwaschener, unpräziser Klang. Allerdings lässt sich dieses Problem beherrschen, zum Beispiel durch einen Teppich am Boden vor dem Speaker, der die Reflexionen deutlich dämpft; auch leichtes Anwinkeln des Centers in Richtung Zuhörer, also nach oben, kann schon helfen.
Zweiter Nachteil der Position unten: Der Abstand des Centers zu der im Bild sichtbaren Schallquelle ist relativ groß. Denn bei den meisten Szenen mit Sprache befindet sich der Kopf des Sprechers im oberen Drittel – es reden ja nicht die Füße oder der Bauch.
Zu beachten ist auch das Verhältnis zu den seitlichen Lautsprechern. Handelt es sich um Standboxen, sind für die Ortung die meist oben platzierten Hochtöner maßgeblich. Ideal wäre es natürlich, wenn sie sich auf einer Linie mit dem Center befänden, denn dann legen Geräusche, die sich quer über das Panorama bewegen, keine Berg-und-Talfahrt zurück. 


Ein ausgewachsener Center, wie ein Quadral Aurum, ist viel tiefer als ein flacher Fernseher.

4. Center über dem Bild

Die bessere Alternative zur Platzierung unten ist meistens, den Center-Speaker über dem Bild anzubringen – allerdings ist das oft nicht schön anzusehen. Denn eine Box, die direkt überm Schirm hervorsteht, sieht gewiss nicht gut aus. Sie oben unter die Decke zu montieren, wäre akustisch noch nachteiliger als unten, bleibt also in der Regel nur, den Schirm nach vorne zu bringen.
Wandmontage eines Flat-TV scheidet daher aus, man braucht ein Podest oder Rack und einen Standfuß fürs Gerät, dazu noch einen Ständer oder anderweitige Halterungen für den Lautsprecher. So einfach wie in Röhrenzeiten, als man die Box einfach oben drauflegen konnte, ist es nicht mehr.
Wer zum Beispiel eine Rahmenleinwand vor ein Bücherregal hängt, kann den Center relativ einfach darüber auf ein Regalbrett legen; bei Wandmontage einer festen Bildwand ist das schwieriger. Eine aufrollbare Leinwand hat oft einen so genannten Vorlauf, also ein meist schwarzes Stück, das den Abstand zwischen Gehäuse und eigentlichem Bild überbrückt. Hier braucht man dann eine Öffnung an der Stelle, an der die Centerbox hängt. Aber: Nicht blind drauflos schneiden, das kann die Stabilität beeinträchtigen und damit zu Faltenwurf des Tuches führen; besser vorher mit dem Hersteller beziehungsweise Händler Kontakt aufnehmen.
Am einfachsten ist die Installation des Lautsprechers über der Leinwand, wenn man einen eigenen Kinoraum mit ausreichend Platz zur Verfügung hat. Die Bildfläche wird vor der Wand montiert, alle drei Boxen können dann hinter das Bild rücken. Im Idealfall trennt man diesen Bereich sogar mit einer separaten Wand ab, was die optisch sauberste Lösung ist.
Ein weiterer Vorteil der Schallquelle überm Bild ist, dass eine zweite Sitzreihe gut versorgt wird. In der Regel achtet man nämlich vor allem darauf, dass aus allen Positionen das Bild komplett zu sehen ist, aber der Ton eines Centers unterm Bild wird leicht durch die Zuschauer in der ersten Reihe abgeblockt; zwar hört man den Mittenkanal trotzdem, aber die letzte Präzision geht dabei verloren. Notwendig für die Center-Position oben ist, dass ausreichend Abstand von der Decke existiert, was bei Projektion nicht immer der Fall ist. Man braucht also eine gewisse Raumhöhe, dazu eine passende Optik am Projektor, damit man mit dem Bild etwas nach unten kommt. In den meisten Fällen werden die Zuschauer dankbar sein, wenn sie nicht nach oben schauen müssen, daher erzielt man mit  einer tieferen Platzierung des Bildes oft bessere Ergebnisse. Zuschauer hinten sollten dann etwas erhöht sitzen. 


Der schwarze Vorlauf über der Leinwand kann eine Öffnung für den Center bekommen.




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