Alles über Subwoofer und den LFE-Kanal – Seite 2

4. Direkte Wiedergabe von 5.1- oder 7.1-Ton

Die einfachste Lösung zur Wiedergabe von 5.1-Audio ist sicherlich die direkte Weiterleitung aller Tonkanäle auf separate Verstärker und Lautsprecher. Manchmal hat man gar keine andere Wahl: DVD-Audio und SACD erlaubten lange Zeit keine andere Ausgabe als über sechs analoge Buchsen, und die AV-Receiver oder Verstärker konnten damit nichts anderes machen als die Signale direkt durchzuleiten. Auch bei einfacheren Geräten findet man heute dieses Verhalten, sogar bei den HDMI-Eingängen. Denn die Signalbearbeitung bei sechs Kanälen mit möglicherweise sehr hohen Auflösungen ist teuer.
Andererseits muss man sich die direkte Durchleitung auch leisten können. Denn gut funktioniert das nur, wenn alle Komponenten wirklich ausreichend dimensioniert sind. Man braucht zumindest vorne drei große Lautsprecher und entsprechend kräftige Endstufen, denn der Vorteil der Entlastung durch den Tieftöner ist dann nicht gegeben. Home-Cinema-Systeme, deren Center oft nur bis 80 oder 100 Hertz hinabreichen, sind dafür sicher nicht geeignet; wenn der Frequenzgang bis rund 40 Hertz geht, klingt das schon besser. Verzichtbar sind sicherlich Surrounds, die bis in diese Tiefen noch übertragen. Für Anlagen, die häufig zur Musikwiedergabe genutzt werden, ist eine Auslegung mit üppig dimensionierten Frontkanälen sowieso sinnvoll.
Und das Sich-leisten-können betrifft genauso den Platz. Denn ohne große Lautsprecher lässt sich eine Direkt­wiedergabe nicht realisieren. 


SACD-Spieler, hier der neue PDX-Z9, erlauben oft nur die Wiedergabe aller Kanäle ohne Bass-Umleitung.

5. Die Funktion des Bass-Managements

Das Bass-Management hat man erfunden, um alle möglichen Kanal-Layouts mit allen denkbaren Lautsprecher-Konfigurationen zusammenzubringen. Man kann es sich wie eine Art Kreuzschiene vorstellen, bei der bestimmte Anteile hin und her verschoben werden – mal aus dem LFE-Kanal zu den Hauptlautsprechern, mal aus den Vollbereichskanälen zum Subwoofer.
Basisfunktion des Bass-Managements ist die Einstellung, ob überhaupt ein Subwoofer vorhanden ist. Daneben fragt das System ab, welche Lautsprecher groß und welche klein sind. Fortgeschrittenes Management bezieht in die Einstellungen auch noch die Trennfrequenz mit ein, erlaubt also eine Trennung irgendwo zwischen 60 und 120 Hertz; und für Profis besteht dann die Möglichkeit, für die einzelnen Boxen die Übergabefrequenz separat einzustellen. Je nach verwendeter Elektronik stellt ein Gerät hier die volle Flexibilität zur Verfügung oder auch nicht.
Das Bass-Management kann also ein 5.0-Musikstück auf ein Subwoofer-Satelliten-System verteilen oder umgekehrt einen Soundtrack mit wuchtigen Low Frequency Effects für eine Anlage mit Vollbereichslautsprechern ohne Subwoofer aufbereiten.
Zu beachten ist dabei, dass sich simple, passive Sat-Sub-Systeme wie ein Vollbereichslautsprecher verhalten. Denn hier holt sich der Tieftöner aus den bereits verstärkten Signalen seine Anteile heraus und lässt den Rest für die Minis. Für das Bass-Management sind das große Boxen.

Die Einstellung der Lautsprechergröße, hier bei Yamaha und Denon, ist eine der wichtigsten Funktionen des Bass-Managements.

6. Die Schwierigkeiten der Bass-Umleitung

So einfach die Funktion des Bass-Managements klingt, so kompliziert ist sie in der Praxis. Denn schließlich kann man Pegel nicht einfach addieren. Und eine Schaltung kann nicht ahnen, was auf einem Kanal noch kommen wird, sie muss auf alles vorbereitet sein.
Das heißt einmal, dass das Zumischen von LFE-Anteilen auf die Frontkanäle oder umgekehrt berücksichtigen muss, dass beide gleichzeitig vollen Pegel führen können; daher muss man, um Übersteuerungen zu vermeiden, beide Pegel vorher absenken, in der Regel um 5 dB. Nur dann hat man den Raum nach oben, den man braucht. Andererseits bedeutet dies, dass ein Geräusch dann entsprechend leiser zu hören ist, wenn es nur in einem der beiden fusionierten Kanäle vorhanden war.
Außerdem muss man die Pegel von Hauptkanälen und LFE-Spur aneinander angleichen, denn wenn man sie unverändert mischt, liegt der LFE-Anteil um 10 dB unter den anderen Kanälen. In der Regel bleibt dafür nur eine Absenkung der Anteile aus den Vollbereichskanälen, denn eine Anhebung des LFE vor der Mischung könnte zu hohe Pegel zur Folge haben.
In der Kombination bedeutet das zum Beispiel, dass ein Subwoofer-Sig­nal bei Einstellung des Bass-Managements auf kleine Frontlautsprecher aus einem um 5 dB abgesenkten LFE- und einem um 15 dB abgesenkten Bassanteil aus den Hauptkanälen besteht. Der Maximalpegel wird dann nur erreicht, wenn jeweils Vollausschlag vorhanden ist und die Endstufe die -10 dB der Absenkung wieder ausgleicht.
Die Details muss man sich nicht merken, aber eines: Das Bass-Management greift massiv in die Pegelverhältnisse ein. Ein direkter Hörvergleich nach dem Umschalten ist daher nicht möglich. Vielmehr muss auf jeden Fall neu eingepegelt werden.
Dazu kommt ein Problem, das bisher häufig nicht erkannt wurde: Die Frequenzweichen bewirken eine minimale Verzögerung, womit die Laufzeit­unterschiede in einzelnen Frequenzbereichen zu Auslöschungen führen können (siehe Test audiovision 2-2008, Test des Denon AVC-A1HD).


An diversen Stellen muss im Bass-Management der Pegel angepasst werden, damit es nicht zu Übersteuern kommt.

7. Abweichungen vom Standard

Besonders schwierig wird es, wenn Quellen dazu kommen, die sich nicht an den Standard halten. So wurde die LFE-Absenkung um 10 dB in den Anfangszeiten bei DTS nicht praktiziert. Da die Elektronik davon nichts wusste, wurde der LFE-Kanal trotzdem angehoben und entsprechend laut wiedergegeben. Gelegentlich wurde daraus geschlossen, dass DTS anderen Surround-Systemen überlegen sei.
Auch bei SACD findet sich dieses Verhalten, dort aber ist es Standard. Der .1-Kanal hat bei SACD per Definition keine Absenkung und damit auch keine höhere Dynamik, was in der Regel kein Problem darstellt. Denn Tiefbass-Effekte gibt es aus SACD-Aufnahmen sowieso nicht, meistens wird der Kanal gar nicht benutzt.
Um eine korrekte Wiedergabe von SACDs zu erlauben, haben hochwertige Player, etwa die teuren Denon-Modelle, eine Umschaltung; bei Source Direct wird der Pegel durchgeleitet, in Standard-Einstellung abgesenkt, damit die bei anderen Quellen korrekten Pegel auch für SACD passen.

8. Fazit

Zwischen dem Abmischen einer LFE-Spur und der Wiedergabe der tiefen Frequenzen zuhause kann eine Menge schief gehen. Das liegt teilweise an nicht eingehaltenen Standards, teilweise an den Standards selbst, die etliche Probleme nicht berücksichtigen und den Käufer damit alleine lassen. Denn wie genau ein Gerät, sei es Player oder AV-Receiver, die einzelnen Pegel handhabt, ist nicht immer ersichtlich; allerdings lassen sich die Besonderheiten in der Regel erklären und dafür Lösungen finden.


Zusatzinfo: Tipps zum Bass-Management

• Nach Umstellen von Boxen-Konfiguration oder Bass-Management immer erst neu einpegeln, dann Ergebnisse vergleichen.
• Technische Daten der Lautsprecher (vor allem Frequenzbereiche) mit Einstellungen im Bass-Management abstimmen; also zum Beispiel bei Regalboxen eine Trennfrequenz von 80 Hertz, bei kleineren Satelliten eher 120 Hertz.
• Frequenzweiche am aktiven Subwoofer hoch einstellen, deutlich über der Übergabefrequenz des Bass-Managements.
• Bei einem kräftigen Subwoofer generell alle Boxen im Bass-Management auf klein/small einstellen; aber niedrige Trennfrequenz wählen (etwa 60 Hertz), wenn die Hauptlautsprecher den vollen Bereich abdecken. Alternative: Boxen auf large einstellen und nach neuem Einpegeln mit bekannter Musik und Filmszenen vergleichen.


Hat der AV-Receiver keine Einmess-Automatik, hilft ein Schallpegelmesser.

Zusatzinfo: Probleme mit LFE und Basswiedergabe

Bass wird leiser, wenn Lautsprecher auf small eingestellt sind
Das ist normal, weil dann LFE- und Hauptkanäle gemischt werden müssen; daher werden sie vorher abgesenkt. Korrektes Einpegeln gleicht das wieder aus.
Bass ist bei Blu-ray/HD-DVD zu leise
Der Ton von Blu-ray-Discs oder HD-DVDs wird häufig im Player decodiert, während das bei DVD im AV-Receiver geschieht; wenn die Play­er-Decoder-Kombination die Pegel über analoge oder PCM-Schnittstellen falsch handhabt, wird der Bass zu schwach wiedergegeben. Da hilft eine Überprüfung der Einstellungen oder eine einheitliche Verbindung, zum Beispiel Decodierung aller Töne im Player.
Das Bassmanagement verursacht Auslöschungen
Dieser Fehler ist im täglichen Gebrauch kaum zu erkennen; vermeiden lässt er sich, wenn man keine Vermischung der Spuren zulässt, Vollbereichslautsprecher und Subwoofer direkt ansteuert, also Boxen auf ‚large‘ einstellt. Bei Musikwiedergabe auf Anlagen ohne Subwoofer kann man die Anteile des LFE-Kanals unter den Tisch fallen lassen – dazu im Setup einstellen, dass ein Subwoofer vorhanden ist.
Höhenkanal zu leise
Bei 2+2+2-Aufnahmen von MDG hatte ein Leser das Problem, dass der Kanal rechts oben, der auf den Discs anstelle des Subwoofer-Kanals gespeichert ist, zu leise war. Die Ursache war die Absenkung im Player Denon DVD-1910, die eine korrekte SACD-Wiedergabe im Normalbetrieb sichern soll; sie lässt sich aber nur in den teureren Player abschalten. Der Leser musste daher den Player tauschen.
Infos zu den einzelnen Geräten
Eine Aufstellung der Probleme, die Geräte verursachen können, hat ein Teilnehmer im AVS-Forum veröffentlicht (www.avsforum.com, Bereich Audio Theory: „LFE, subwoofers and interconnects explained“). Am Ende findet sich die Liste mit Playern und AV-Receivern.


Dieser Artikel ist in der audiovision 9-2008 erschienen.
Einen kostenlosen PDF-Download finden Sie hier.





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