Heimkino-Receiver richtig einstellen
Damit eine Heimkino-Anlage ihr volles Klangpotenzial ausschöpft, muss der Anwender etwas Eigenarbeit bei der Receiver-Justage leisten.
audiovision zeigt auf, welche Probleme es gibt und wie man sie bewältigt.
Mit dem Heimkino ist es wie mit vielen wichtigen und schönen Dingen des Lebens: So richtig genießen kann man sie erst, wenn man ein wenig eigene Arbeit hineinsteckt. Das hat in diesem Fall nicht nur etwas mit Psychologie zu tun, sondern ganz handfeste Gründe, insbesondere beim Ton: Um ihn optimal, also möglichst so, wie er im Studio abgemischt wurde, genießen zu können, muss der Audio-Teil einer Heimkino-Anlage sauber justiert werden.
Dafür ist ein spezieller Ton-Prozessor, der in den meisten Fällen im Mehrkanal-Receiver untergebracht ist, zuständig. Ausnahme: Bei Vor-Endstufen-Kombis sitzt der Prozessor-Teil in der Vorstufe. In Sachen Justage macht das aber keinerlei Unterschied. Unsere folgenden Einstellungs-Tipps gelten ohne Einschränkungen auch für Vorstufen.

In einem rechteckigen Raum lassen sich Heimkino-Lautsprecher nicht
optimal – also alle gleich weit vom Hörplatz entfernt – aufstellen.
1. Problem Heimkino-Anlage
Ein wichtiger Grund, warum eine Heimkino-Anlage der Justage bedarf, liegt darin, dass die Entwickler der Receiver nicht wissen können, mit welchen Lautsprechern das Gerät eingesetzt wird. Dementsprechend muss es Einstellmöglichkeiten insbesondere für den kritischen Bassbereich, der ja im Heimkino eine besondere Rolle spielt, aufweisen: das so genannte Bassmanagement.Nicht weniger wichtig sind die unterschiedlichen Möglichkeiten bei der Aufstellung der Schallwandler. Oder, noch weiter ausgeholt, das Problem, dass normale Wohnräume sich in Sachen Abmessungen und Proportionen grundlegend von richtigen Kinos – und übrigens auch von Aufnahme-Studios – unterscheiden. Was dazu führt, dass die Boxen nicht an den optimal für sie geeigneten Stellen positioniert werden können. Und genau das muss der Heimkino-Receiver möglichst umfassend und genau kompensieren.Bei den Frontlautsprechern gibt‘s in den meisten Fällen nicht viel zu tun – die stehen in der Regel da, wo sie früher bei der Stereoanlage auch gestanden hätten, nämlich links und rechts vor dem Hörplatz in gleicher Entfernung davon. Etwas schwieriger wird‘s beim Center-Lautsprecher, denn der kommt oft auf oder unter den Fernseher und ist zudem meist etwas näher am Hörplatz als die Frontboxen: Aus praktischen Gründen stehen Frontboxen und Fernseher/Center nämlich so gut wie immer auf einer Linie, somit ist die Entfernung von letzterem etwas geringer. Auf einem Kreisbogen positioniert hätten alle den gleichen Abstand. Dort gehören optimalerweise auch die Boxen für die Surround- und Surround-Back-Kanäle hin. Das ist in der Praxis selten möglich, schon allein, weil die meisten Wohnräume rechteckig geschnitten sind und nicht rund oder zumindest quadratisch. So stehen die hinteren Boxen also meist deutlich näher am Hörplatz als die Frontboxen. Übrigens sollte auch der Subwoofer möglichst in ähnlicher Entfernung wie die Frontboxen platziert werden, was aus Platzgründen in vielen Fällen ebenfalls nicht möglich ist.

Auch hier geht‘s nicht ohne Receiver-Justager: Die Surroundboxen sind viel näher
am Hörplatz als Front, Center und Sub. (große Fotos: Onkyo; übrige: Archiv)
2. Einstell-Menüs
Für diese Probleme – und noch einiges mehr – bringt jeder moderne Receiver umfangreiche Kompensations- und Justagemöglichkeiten mit. Die notwendigen Einstellungen lassen sich über die Geräte-Menüs vornehmen. Bei preiswerteren Receivern gibt‘s diese Menüs nur über das eingebaute Display zu sehen, teurere Geräte bringen sie auf den Bildschirm, wo sie sich deutlich einfacher und übersichtlicher bedienen lassen. Wie das genau geht, ist von Hersteller zu Hersteller zu unterschiedlich, als dass man eine allgemeingültige Anleitung geben könnte. Hier muss man die Bedienungsanleitung studieren. Immerhin sind die Menü-Bezeichnungen oft sehr ähnlich, weshalb wir hier zu den einzelnen Punkten entsprechende Hinweise geben. Die hier beschriebenen Einstellungen sind für guten Klang am wichtigsten und allen Receivern gemeinsam.

Auch in solch riesigen Wohnräumen lassen sich die Boxen meist nicht
optimal platzieren – ohne Laufzeit-Justage klingt´s nicht gut.
3. Lautsprecher-Größen und Trennfrequenzen
Das so genannte Bassmanagement der Receiver ist für die Verteilung der tiefen Töne zuständig. Das wird nötig, weil nicht alle Lautsprecher tiefe Frequenzen gleich gut übertragen können. Denn die beherrschen große Boxen normalerweise deutlich besser als kleine. Das Bassmanagement bestimmt, ob und ab welcher Frequenz tiefe Töne von den Front-, Center- und Surroundkanälen auf den Subwoofer umgelenkt werden sollen. Das erste Menü in den Einstellungen eines AV-Receivers heißt deshalb meist „Speaker Config“ oder „Speaker Size“: Stellt man hier die Frontlautsprecher auf „Large“, bekommen sie sämtliche Bassanteile ab. Die Einstellung „Small“ filtert den Bass dagegen raus und lenkt ihn auf den Subwoofer um. Bis zu welcher Frequenz das passiert, bestimmt die eingebaute Frequenzweiche, deren Menü oft „Speaker Crossover“ oder „Crossover Frequency“ heißt. Welche Frequenz man hier wählt, lässt sich (als Faustregel) an der Membrangröße des oder der Basschassis der Boxen festmachen: Ist die kleiner als zehn Zentimeter, sollte man 100 Hertz oder höher wählen. Zwischen zehn und 13 Zentimetern können auch 80 Hertz passen und bei 16 Zentimetern und mehr sind auch 60 Hertz kein Problem. Auf „Large“ stellen sollte man nur bei größeren Standlautsprechern mit mindestens einem 16-Zentimeter-Basschassis. Hier lassen sich aber keine allgemeingültigen Ratschläge erteilen, man muss selber ausprobieren und herausfinden, welche Einstellung am besten klingt. Manche – meist höherwertige – Receiver können diese Einstellungen noch verfeinern, denn sie bieten die Möglichkeit, für jede Lautsprecher-Gruppe, also Front, Center, Surround und Surround Back, jeweils eine eigene Trennfrequenz zuzuweisen.

Die unscheinbare kleine Buchse unten links gewährt einem Einmess-Mikrofon-Anschluss.
Damit übernimmt der Receiver (hier ein Yamaha) die Klangjustage selbst.


Geht´s an die Detail-Einstellungen (hier die Lautsprecher-Größe), verwenden sämtliche
Hersteller sehr ähnliche Begriffe, leider meist in englischer Sprache.
4. Korrektur der Laufzeit-Unterschiede
Ein großer Nachteil bei unterschiedlichen Abständen der Lautsprecher zum Hörplatz: Der Schall ist unterschiedlich lang unterwegs. Das menschliche Ohr reagiert allerdings ziemlich empfindlich auf Zeitunterschiede – Schallortung und Raumklang-Eindruck geraten schon bei einer Differenz von Sekundenbruchteilen durcheinander. Um das zu kompensieren, verfügen alle modernen AV-Receiver über spezielle Schaltungen: Sie verzögern die Signale der Boxen, die näher am Hörplatz stehen, um einen einstellbaren Betrag; je näher die Lautsprecher, umso mehr muss bei ihnen der Schall verzögert werden, weil die Laufzeit zum Ohr kürzer ist. Nur bei ganz wenigen – vor allem älteren – Receivern muss man die nötigen Verzögerungszeiten direkt in Millisekunden eingeben. In den meisten Fällen haben die Entwickler das einfacher und anschaulicher gestaltet: In das meist „Speaker Distance“ oder „Speaker Delay“ genannte Menü trägt man statt der Zeilen die mit dem Maßband ermittelte Entfernung sämtlicher Lautsprecher ein. Der Receiver errechnet dann selbsttätig die Unterschiede in den Laufzeiten des Schalls und die zum Ausgleich nötigen Verzögerungszeiten. Bei vielen Geräten ist das nur in Schritten von 30 Zentimetern, was etwa einer Millisekunde Laufzeit entspricht, möglich. Etliche neuere Receiver können aber genauer, nämlich auf zehn, teilweise auch auf einen Zentimeter justieren, was den Raumklang nochmals ein Stück verfeinert. Der klangliche Zugewinn kann hier beträchtlich sein.



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