Licht beim Film

Das kann ins Auge gehen: Film und Tageslicht vertragen sich schlecht. Aber unter Umständen braucht man im Kino etwas Helligkeit.

Die Eltern haben immer gemahnt: nicht im Dunkeln fernsehen. Das sei schlecht für die Augen. Im Kino heißt es freilich immer: Licht aus. Denn selbst die obligatorische Leuchte für den Notausgang kann stören, außerdem verschlechtert jedes Raumlicht den Kontrast.
Was gilt nun beim Film? audio­vision klärt auf, wann und warum eine Beleuchtung sinnvoll sein kann und wo sie überflüssig beziehungsweise sogar schädlich ist.


Das menschliche Auge reagiert sensibel auf kleinste Änderungen der Lichtverhältnisse.

1. Angenehm oder auch nicht

Wer am Nachmittag ins Kino geht, kennt den Effekt: Man tritt aus dem Saal direkt ins Freie und muss heftig zwinkern, so hell ist es draußen. Die Kinoleinwand ist nun mal nicht taghell, was dem Auge während des Films nichts ausmacht. Es könnte sogar mit noch weniger Licht als den 16 Footlambert auskommen, die als Norm gelten.
Doch wenn das Bild zu dunkel wird, wirkt es nicht nur flau, sondern auch unscharf. Denn wenn sich die Iris weit öffnet, wird das Streulicht im Auge größer und die Abbildung auf der Netzhaut weniger präzise. Ein helles Bild macht daher einen knackigeren, kontrastreicheren und schärferen Eindruck als ein halbdunkles.
Auf der anderen Seite ist zu viel Licht auch nicht ideal. So liegt die Norm für Bildschirm-Arbeitsplätze in Studios zum Beispiel zwischen 100 und 120 cd/m2, was nur ein Bruchteil dessen ist, was heutige Monitore und TV-Schirme abgeben. Der Grund für die freiwillige Beschränkung ist einfach: Das Auge soll sich nicht umstellen müssen, wenn man vom Schirm auf ein Objekt im Raum blickt, etwa auf ein Blatt Papier.
Neben der Iris geht es auch um die Anpassung der Rezeptoren im Auge, der lichtempfindlichen Zellen auf der Netzhaut. Sie können eine halbe Stunde und länger brauchen, um sich ganz auf eine Umgebung einzustellen – etwa bei der Fahrt in einen Tunnel oder wieder heraus, was beides Mal recht unangenehm empfunden wird. Es ist also vor allem der Stress, den man dem Auge ersparen soll, zu hohe Unterschiede und zu viel Anpassung an unterschiedliche Lichtverhältnisse.


Projektion braucht kein Zusatzlicht, höchstens zur Verzierung (Foto Schreml).

2. Auf die Größe kommt es an

Die Bildgröße entscheidet ebenfalls darüber, wie viel Stress das Auge beim Filmschauen hat. Man kann sich zwar zum Beispiel auf einen bestimmten Punkt konzentrieren und darauf fokussieren, aber man kann die Anpassung an Helligkeit nicht bewusst steuern.
Nicht nur der Wechsel von hell zu dunkel ist unangenehm, sondern auch zu hohe Unterschiede innerhalb des Sichtfeldes. Ein helles Licht, etwa von schräg vorne, stört, weil sich das Auge auf die mittlere Helligkeit im Zentrum einstellt.
Beim Fernsehen wird diese Helligkeit nicht nur vom Schirm bestimmt, sondern auch von dem, was ihn umgibt. Denn ein normales Gerät füllt kaum mehr als zehn bis 15 Grad des Blickwinkels; für das Auge maßgeblich sind nicht unbedingt die gesamten 180 Grad, die man mit beiden Augen wahrnehmen kann, solange dort keine Fremdlichter aufleuchten. Aber ein kleiner heller Fleck wie ein normaler Fernseher veranlasst keine korrekte Anpassung, das Auge will auch sehen, was daneben im Dunkeln passiert. Nachdem das aber ohne Licht ziemlich unmöglich ist, entsteht Stress.
Gleichzeitig ist eigentlich der Schirm viel zu hell, so dass er leichte Einbrenn-Effekte auf der Netzhaut verursacht – ein Nachleuchten, das man auch beim Schließen der Lider noch sieht. Daher der Rat der Altvorderen, nicht im dunklen Zimmer zu glotzen. Ist die Umgebung leicht erhellt, empfindet das Auge die Szene als relativ harmonisch; da sich dann die Iris weiter schließen kann, wirkt das Bild subjektiv sogar schärfer und kontrastreicher. Philips macht sich das mit seinem Ambilight auf sehr geschickte Art zunutze.
Gleichzeitig muss man festhalten: Wenn das Bild wie im Kino rund 30 Grad Blickwinkel ausfüllt, reicht das dem Auge zur Anpassung. Dann braucht man keine Hintergrundbeleuchtung mehr – sie wäre im Gegenteil sogar kontraproduktiv. Projektion und Raumlicht gehen sowieso nicht gut zusammen.


Flat-TVs von einem Meter Diagonale, hier Pioneer-Modelle auf der IFA 2007, sind in der Regel zu klein für das Gesichtsfeld.



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audiovision - Ausgabe 05/12

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