100 & 200 Hertz bei LCD-Fernsehern
Da kann man schon mal leicht den Überblick verlieren: Jeder LCD-Hersteller hat mittlerweile Geräte mit erhöhter Bildwechselfrequenz
im Programm. Die Unterschiede sind beträchtlich.
Nochmal zum Mitschreiben für alle Werbetexter und Prospektautoren: 100 Hertz hat bei LCD nichts mit flüssigen Bewegungen zu tun, auch nichts mit dem Verhindern von Flackern oder sonstiger Bildunruhe. 100 Hertz sorgt für schärfere Bewegungsdarstellung, da das subjektiv empfundene Verwischen beim Verfolgen von Objekten halbiert – und bei 200 Hertz auf ein Viertel reduziert wird.
Dazu müssen die Hold-Zeiten, also die Standdauer von Konturen auf dem Bildschirm verkürzt werden (siehe Kasten Basiswissen). Doch keine Lösung ohne Nachteile: Je nach verwendeter Technologie kann durch das Errechnen von Zwischenbildern der so genannte Halo-Effekt auftreten, eine Art Heiligenschein rund um sich bewegende Objekte. Auch an den Rändern, wo bei Schwenks weniger Informationen zur Neuberechnung anliegen, kann es Probleme geben, weshalb die Einstellung des Overscan (Randbeschneidung) gelegentlich kritisch ist.
Filmfreunde schätzen zudem den Look der 24 Bilder pro Sekunde, was sich an einem leichten Ruckeln von Bewegungen erkennen lässt. Doch 100-Hertz-Schaltungen gehen auf unterschiedliche Arten mit Filmbildern um, so dass es hier auf die Einstellmöglichkeiten zu achten gilt. Darüber hinaus belegen die Firmen die diversen Funktionen mit unterschiedlichen Begriffen, so dass es für den Laien – und gelegentlich sogar für den Experten – gar nicht einfach ist herauszufinden, was wie gesteuert werden kann. audiovision hat aus diesem Grund die 100-Hertz-Technologien der wichtigsten LCD-Anbieter abgefragt. Sie folgen in alphabetischer Reihe. (lö)

LG zeigte am seinem Stand auf der CES verschiedene Lösungen bis
zu 240 Hertz, vorgeführt mit laufenden Schriften
unterschiedlicher Geschwindigkeit.
1. Grundig: Motion Compensation
Grundig hat in seiner Modellpalette bisher nur eine 100-Hz-Variante, die Motion Compensation (MEMC) genannt wird. Man kann sie nur ein- oder ausschalten, also zwischen reiner Bewegungswiederholung und Zwischenbildberechnung wählen. Das ist auch bei 24p-Zuspielung möglich, wo allem Anschein nach eine Verdoppelung auf 48 Hertz und danach eine Einfügung von zwei neu errechneten, aber identischen Bildern erfolgt. Damit kommt man dann auf 96 Hertz.
Der Overscan lässt sich auch bei Motion Compensation abschalten, was allerdings nur für Full-HD-Schirme gilt, denn bei 768er-Displays ist ohnehin keine pixelgenaue, aber bildschirmfüllende Darstellung ohne Umrechnung machbar.
Die Hintergrundbeleuchtung ist derzeit bei allen Betriebsarten ständig eingeschaltet, ein Pulsieren zur Verkürzung der Hold-Zeiten und damit zur Reduzierung des Verschmierens ist darüber hinaus bei den aktuellen Modellen nicht vorgesehen. Das soll erst ab der IFA im September in der Grundig-Palette zu finden sein, im Rahmen der hauseigenen 200-Hz-Lösung.
2. LG: TruMotion 100 Hz
Die 100-Hz-Technik in den LCDs von LG kennt drei Settings, nämlich 'hoch', 'gering' und 'aus'. Das entspricht den üblichen Abstufungen, wobei bemerkenswert ist, dass der Hersteller die mittlere Stufe für Fernsehen empfiehlt. Die Abschaltung des Overscans erfolgt bei Full-HD-Geräten durch die Formattaste, die dafür die Stellung 'passend' bereit hält. 24p wird mit 120 Hertz wiedergegeben, wobei die Einschaltung der
'Real Cinema'-Funktion im Expertenmenü die korrekte Erkennung gewährleistet. Mit "Just Scan" wird dafür gesorgt, dass es eine reine Bildwiederholung gibt, während sonst für 120 Hertz Zwischenbilder errechnet werden.
Varianten mit 200 Hertz sind bereits gezeigt worden, zum Jahresende soll es sogar 400/480 Hertz geben – allerdings erzielt durch Halbierung der Backlight-Leuchtzeiten bei 200 Bildern pro Sekunde.

Zum Jahresende soll es bei LG auch LCDs mit 400 beziehungsweise 480 Hertz geben.
3. Loewe HD+ 100
Kurz gehalten wird man bei Loewe: Eine Möglichkeit zum Abschalten von 100 Hertz gibt es nicht. Bei Film-Darstellung kann er von Hand eingreifen und dabei zwischen Digital Movie Mode (DMM) 'ein' oder 'aus' wählen. Zwischenbilder werden aber auch bei 'DMM-Aus' errechnet, allerdings weniger komplex. Eingeschaltet rechnet diese Funktion 24p-Quellen dank automatischer Filmmode-Erkennung auf 96 Hertz mit drei neuen Zwischenbildern hoch. Eine Wiederholung der Originalbilder ist bei Loewe nicht vorgesehen. In den 1080p-Geräten geschieht auch die Darstellung ohne Overscan automatisch.

Bei Loewe lässt sich die 100-Hz-Technik nicht abschalten.
4. Metz 100 Hertz DMC
Metz kennt in seinen LCD-Schirmen mit Digital Motion Compensation (DMC) die üblichen drei Einstellmöglichkeiten, hier 'aus', 'mittel' und 'leicht' genannt, wobei der Auslieferungszustand 'mittel' ist. Der Menüpunkt Bewegungskorrektur wirkt auch auf die Filmwiedergabe, so dass bei ausgeschalteter Interpolation die 24p-Signale durch Wiederholung auf 120 Hertz kommen. Der Overscan kann bei Full-HD-Panels und 1080i- oder 1080p-Zuspielung durch die Funktion Originalauflösung beseitigt werden.
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