TV und Projektor im Wohnzimmer – Seite 2

5. Der richtige Projektor

Ein gutes Bild ist ein gutes Bild, egal ob im Wohnzimmer oder im separaten Kinoraum. Doch weil in einem multifunktionalen Raum immer Kompromisse notwendig sind, sollte man seine Auswahlkriterien überprüfen.
Optimaler Kontrast führt zu Bildtiefe und Plastizität, aber die Wände oder ein wenig Tageslicht machen das schnell wieder zunichte. Wenn man also nicht völlig abdunkeln kann oder mag, sollte man vor allem Wert auf hohe Lichtleistung legen – ein Plus hier kann das Minus beim Schwarz zumindest teilweise ausgleichen. Hier ist in den letzten Monaten eine neue Kategorie aufgetaucht, die meistens auf den Namen WXGA hört. Diese Projektoren sind in der Regel im Business-Bereich der Anbieter angesiedelt und haben Auflösungen von 1.280 x 768 oder 1.280 x 800 Pixel. Vor allem aber kommen sie mit Lichtleistungen von 2.000 bis 3.500 Ansi-Lumen daher, ohne deswegen jedes Budget zu sprengen: Ein Optoma EP1691 mit 2.500 Ansi-Lumen ist für weniger als 1.000 Euro zu haben, ein noch etwas stärkerer Sony CW125 liegt unter 2.000 Euro. Panasonic hat mit dem PT-AX200 sogar ein spezielles Wohnzimmer-Modell im Programm.
Da man inmitten der Möbel nicht immer die perfekte Position findet, ist eine flexible Optik wichtig. Und es gilt, vor dem Kauf die Position und Größe des Bildes abzuklären. Ist zum Beispiel kein ausreichender Lens-Shift vorhanden, muss der Projektor unter Umständen zu tief hängen, so dass man fast dranstößt. Will man das Gerät hinten im Raum verschwinden lassen, braucht man dagegen ein lange Brennweite. 

Der Optoma EP1691 (links) Sony VPL-CW125 und der gehören zur neuen Kategorie
der preisgünstigen, aber sehr lichtstarken Breitbild-Projektoren.

6. Die passende Leinwand

Der wichtigste Faktor für ein gutes Bild im Wohnzimmer ist sicherlich die Bildwand. Im komplett dunklen Raum reicht zur Not die weiße Wand, nicht aber in einem hellen Raum. Das Licht weg von den Wänden und zu den Zuschauern hin kann ein Tuch bündeln, das einen Gain-Faktor über 1,0 ausweist.
Damit wird verhindert, dass Licht in Richtung der Wände abgestrahlt wird. Gleichzeitig lenkt es seitlich einfallendes Licht, etwa von nicht ganz abgedunkelten Fenstern, in die andere Richtung. Schon bei einem Gain von 1,3 gelingt eine drastische Verbesserung. Höher sollte man allerdings nicht gehen, da sonst die Helligkeitsverteilung ungleichmäßig wird. In Räumen, die nicht ganz verdunkelt werden können, hilft zusätzlich eine leichte Graufärbung des Tuches. Das dämpft etwas die Helligkeit, was aber durch den Gewinn in den dunklen Bereichen mehr als aufgewogen wird.
Die Bauart wird in den meisten Fällen motorisiert sein, denn nur dann kann sie an der Decke verschwinden. Von Hand herausgezogene Leinwände sind in der Regel nicht sehr stabil und verschleißen schnell. Fast alle Projektoren geben einen Impuls zur Leinwandsteuerung ab, so dass die Show weitgehend automatisch ablaufen kann. Fest eingebaute Bildwände sind dagegen selten eine Zierde; man kann sie allerdings hinter einem Vorhang verstecken oder mit einem Poster verkleiden. Akustisch transparente Tücher sind nicht ideal, weil sie Helligkeit kosten und einen dunklen Hintergrund brauchen.


Don Stewart, Boss der gleichnamigen Filmscreen-Firma, demonstriert an
einer grauen Leinwand (rechte Hälfte) die Verbesserung bei Raumbeleuchtung.

7. Die Lautsprecher-Aufstellung

Beim Ton gibt‘s es eine klare Ansage: Er muss zum großen Bild passen. Im Zweifelsfall weicht der Fernseher dem Center, selbst wenn der TV-Ton dann leicht deplatziert wirkt.  
Den Center oberhalb des Schirms zu montieren hat sich bewährt, weil Stimmen eher von oben kommen sollen. Das bei einer Leinwand zu realisieren, ist schwieriger, vor allem bei einem ausfahrbaren Modell. Man kann allerdings in dem Vorlauf, der oberhalb des Projektionsfeldes meist vorhanden ist, eine Öffnung vorsehen. Auch dann passen Stimmen nicht so richtig zum TV-Schirm, das kann man durch die Verwendung der TV-Speaker ausgleichen.
So bestimmt in Sachen Frontboxen die Leinwand die Aufstellung. Sie sollten links und rechts am Rand des Bildes stehen. Das passt in den meisten Fällen auch gut zum kleinen Schirm.


Im Zweifelsfall hat der Center Vorrang vor dem Fernseher, wie hier bei Leser Ritter.

8. Fazit

Die Kombination von großem und kleinem Schirm hat viele Vorteile:
– Der Raum wird nicht von einer gro­ßen toten Fläche dominiert,
– der kleinere Fernseher spart gegen­über dem Großbild teuren Strom,
– man kann damit Bilddiagonalen realisieren, die kein LCD oder Plasma auf absehbare Zeit liefert, und
– die Kosten von Projektion und Leinwand liegen oft unter dem Preis guter Großbildschirme.
Dafür ist es etwas mehr Aufwand, in der Verkabelung, in der Bedienung und in der Installation. Denn ohne Verdunkelung geht es nicht bei Projektion. Aber man findet fast immer Wege, wie sich im Wohnraum echtes Kino-Feeling realisieren lässt.
Dazu kommt der Faktor des Besonderen: Wenn das Großbild nur bei Gelegenheiten genutzt wird, bei denen es sich wirklich lohnt, bleibt Kino ein großes Erlebnis. Und selbst eine kurze Vorbereitung, vom Umstellen der Sitze bis zum Schließen der Vorhänge kann man ritualisieren und zum Teil der Vorstellung machen. Schließlich hat man im Kino zuhause keine Werbung und keine Eisverkäufer vor dem Film.


Zusatzinfo: Tipps zur Kombination

• Die Leinwand im Wohnzimmer sollte motorisiert sein und einen leichten Gain (bis 1,3) aufweisen; auch eine Grautönung kann sinnvoll sein.
• Optimal ist eine doppelte HDMI-Verkabelung, die aber nur bei neuesten AV-Receivern oder mit HDMI-Spittern machbar ist.
• Bei analoger Verkabelung müssen auch analoge Zuführungen zum AV-Receiver gelegt werden.
• Bei Playern und Settop-Boxen prüfen, ob sie HDMI-, YUV- und RGB-Signale ohne Umschalten liefern.
• Für das Fernsehen tagsüber eignen sich LCD-Fernseher besser als Plasmaschirme, da sie den besten Hellraumkontrast aufweisen.
• Soll der Projektor auch bei leichter Raumbeleuchtung benutzt werden, über ein lichtstarkes Modell mit 2.000 Ansi-Lumen und mehr nachdenken.
• Wenn der Ton zu beiden Schirmen passen soll, muss der Fernseher zwischen den Lautsprechern und der Center unter dem Gerät platziert werden.

Dieser Artikel ist in der audiovision 8-2008 erschienen.
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