TV und Projektor im Wohnzimmer

Ein Beamer im Wohnzimmer kommt selten ohne zusätzlichen Fernseher aus. Aber meist vertragen sich beide Geräte nicht auf Anhieb.

Welche Größe wird der Bildschirm der Zukunft im Wohnzimmer haben? Marktforscher haben jahrelang nach einer Antwort gesucht, aber es gab keine. Denn die Zukunft – und teilweise schon die Gegenwart – gehört nicht dem einen Schirm für alles. Es gibt jetzt schon zahlreiche Bildschirme in jedem Haushalt, und es werden noch mehr werden, noch kleinere und noch größere.
Wer ein Heimkino hat, benutzt es in den seltensten Fällen für den ganz normalen Fernsehalltag. Egal ob Tagesschau oder „Wer wird Millionär“, solche Sendungen werden nicht für das große Bild gemacht, sie wirken dort auch fehlplatziert: Die handelnden Personen sind viel zu groß, das Bild bietet nicht genug Details.
Steht kein eigener Kinoraum zur Verfügung, ist die naheliegende Lösung, einen eher kleinen Fernsehschirm und eine Projektion im Wohnzimmer zu kombinieren; viele Leser machen das schon so, siehe Fotos. audiovision hat zusammengestellt, auf was es dabei ankommt.


Wenn die Couch falsch herum steht, hilft nur das Umbauen des Wohnzimmers
(im Bild ein Beispiel von AV-Leser Schreml).

1. Der Raum

Der klassische Kinolook kommt für ein Wohnzimmer in der Regel nicht infrage. Dunkle Farben und schwere Stoffe sind keine Umgebung, in der man auf Dauer wohnen will – dort sucht man Licht und freundliche Töne. Weiß ist in den Wohnungen nicht mehr so dominant wie noch vor ein paar Jahren, doch auch Farbakzente in Rot oder Blau machen es nicht einfacher.
Helle Wände haben bekanntermaßen Nachteile für das Kino. Denn sie werfen das Licht, das von der Leinwand kommt, dorthin zurück, wodurch sich der Schwarzwert im Bild mehr oder weniger stark verschlechtert. Kontrastwerte von 1.000:1 oder mehr sind nur in völlig dunklen Räumen möglich, in heller Umgebung liegt man oft nur etwas über 100:1. Dazu kommt unter Umständen noch etwas Tageslicht, speziell im Frühjahr und Sommer. Farbe im Raum führt ebenfalls zu Schwierigkeiten: Denn eine rote Wand führt beispielsweise zu einem Rotstich auf der großen Leinwand.
Im Raum selbst lässt sich das aber schon durch einfache Tricks verbessern. So sollte die Bildwand nicht zu nahe an der Decke montiert werden, wo das Licht besonders reflektiert wird. Am Boden hilft ein dunkler Teppich vor dem Bild nicht nur der Akustik, sondern auch dem Kontrast. Die Rückwand dem Bild gegenüber lässt sich eventuell durch ein Regal oder einen Vorhang abdunkeln, so dass von dort keine Helligkeit zurück ins Bild gelangt.


Im Kino ist es dunkel und so sind die Wände; doch ins Wohnzimmer passt eine solche Einrichtung nicht (Foto: Göpfert).

2. Die Anordnung

Sitzreihen in klassischer Kino-Anordnung passen ebenfalls nicht ins Wohnzimmer, man findet meist eine Sitzgruppe mit Tisch. Mehr als zwei Personen haben dann selten ideale Sicht auf die Leinwand. Aber man könnte das Sofa so aufstellen, dass sich weitere Zuschauer in einer zweiten Reihe niederlassen; sie bekommen dann normale Stühle, etwa von der Essecke, so dass sie gut über die vorne Sitzenden hinwegsehen. Auch könnte man die Sitzgruppe leicht drehen, so dass alle Zuschauer in schrägem Winkel auf das Bild blicken.
Die naheliegendste Aufstellungsvariante ist, den Fernseher an die gleiche Stelle zu postieren, wo er im Fall einer Projektion von der Leinwand verdeckt wird. Dann lässt sich der kleine Schirm als Vorschaumonitor verwenden oder zur Bedienung von Menüs. Auch Musikvideos, bei denen das Bild nicht so wichtig ist, lassen sich dann genießen, ohne dass der Projektor angeworfen werden muss.
Eine zweite Variante wäre, den kleinen Schirm abseits aufzustellen. Das hat den Vorteil, dass man mit einer fest installierten Bildwand arbeiten kann, obwohl das sicherlich im Wohnzimmer nicht die ideale Lösung ist. In manchen Fällen unterscheiden Besitzer komplett: Der Fernseher hängt am Antennenanschluss und ist für alles zuständig, was darüber hereinkommt; die Kinoanlage arbeitet nur mit Discs und hat ihren eigenen Ton. Das ist technisch die einfachste Lösung, macht aber wenig aus den Möglichkeiten – Fußballübertragungen zum Beispiel müssen immer im Kleinformat gesehen werden.
Attraktiv klingt eine ungewöhnliche Variante: Man stellt Projektor und Fernseher einander gegenüber. Das geht vom Bild her prima, denn dann stehen der Schirm und der Beamer auf der gleichen Seite, was die Verkabelung vereinfacht. Umso problematischer ist der Ton, wenn man die Lautsprecher für beide Seiten nutzen will. Hier stößt man auf kaum überwindbare Schwierigkeiten bei der Zuordnung von Endstufen und Boxen. Und die Kabel zu den Frontboxen sind recht lang.


Kino im Wohnzimmer ist möglich, wie AV-Leser Kronzucker beweist, der Fernseher befindet sich hinter der Leinwand.



Im Wohnzimmer sitzt man meistens auf einer Sitzgruppe und da gibt es gute, aber auch weniger gute Plätze (Foto: Purwitzer).

3.Die Verkabelung

Idealerweise hat ein AV-Receiver, der Projektor und Fernseher parallel bedienen soll, zwei HDMI-Ausgänge. Dann lassen sich alle Quellen in bester Qualität auf beiden Schirmen genießen, etwa per Kopierschutz abgeschirmte HD-Übertragungen oder Blu-ray-Discs. Da HDMI-Geräte in der Regel alle Quellen auf dieses Format umsetzen, ist die Verkabelung dann recht einfach.
In diesem Fall muss man stets den AV-Receiver einschalten, da sonst der HDMI-Receiver nicht funktioniert. Dann sind die Lautsprecher automatisch aktiv, so dass man den Ton beim Fernseher gar nicht zu bedienen braucht. Wird der eingebaute Tuner des TV-Geräts genutzt, kann man den Ton direkt hören, oder aber man führt ihn über den Audioausgang zum AV-Receiver. Gelegentlich wird der Wunsch geäußert, dass AV-Receiver den Ton über HDMI direkt zum Fernseher durchschleifen. Das machen aber nur wenige Geräte. Das wäre sinnvoll, wenn der kleine Schirm nicht in der Mitte steht, denn sonst spricht der Moderator aus der falschen Ecke.
Bei älteren AV-Receivern scheidet die Lösung mit doppelter HDMI-Verbindung aus. In der Regel liefern DVD- oder Blu-ray-Player parallel zu HDMI auch ein YUV-Signal; nicht direkt bedient wird hingegen oft Scart, wo ein RGB-Signal benötigt wird. Dafür muss dann von Hand umgeschaltet werden. Hinzu kommt, dass ein per HDMI zugeführtes Signal vom AV-Receiver meistens nicht auf analoge Ausgänge umgesetzt wird. In so einem Fall muss man doppelt verkabeln. Natürlich kann man auch direkt von der Quelle zum Fernseher verkabeln, wofür sich Scart anbietet.
Alternativ bieten etliche Hersteller HDMI-Umschalter an, etwa der HDMI4x2 von Spatz (350 Euro, in 1.3-Version 500 Euro). Hier lassen sich vier Eingänge auf zwei Ausgänge verteilen, so dass es keinerlei Probleme mit HDMI geben sollte. Gleichzeitig fungiert eine solche Box als Signalverstärker, so dass damit längere Strecken überbrückbar sind – etwa zum Projektor nach hinten.
Verzichten sollte man auf die Nutzung des im Fernseher eingebauten Tuners, zumindest für die große Leinwand. Denn zum einen müsste bei vielen Geräten der Schirm immer mitlaufen, zum anderen bekommt man über die Scart-Buchsen meistens nur ein Video- (FBAS) oder S-Video-Signal heraus. HD-Empfänger sind ohnehin nur in großen Schirmen eingebaut.


Eine praktische, aber teure Alternative für HDMI-Verkabelung ist ein Splitter wie dieser von Spatz.



Nur wenige AV-Receiver oder Verstärker haben zwei HDMI-Ausgänge (oben), wie dieser Pioneer SC-LX90.

4. Der richtige Fernseher

Eher unkritisch ist die Wahl des zum Projektor passenden Fernsehers. Denn wenn er genauso weit entfernt ist wie die große Leinwand, kann man von maximaler Auflösung nichts mehr erkennen. In fast jedem Fall genügt eine Diagonale von 40 oder 42 Zoll als Ergänzung zu einer zwei Meter breiten Leinwand. Sitzt man dann drei bis vier Meter weg, ist auf jeden Fall WXGA-Auflösung (768 Zeilen) ausreichend. Kleiner darf es natürlich sein, das hängt von den Seh-Gewohnheiten ab.
Wenn der Schirm allerdings näher an den Zuschauern dran ist, muss man über höhere Auflösung nachdenken. Nachdem er aber in der Regel sowieso nicht für hochaufgelösten Filmgenuss da ist, gelten die Kriterien der AV-Tests für ein solches Gerät nur bedingt. Gefragt ist Lichtstärke und vor allem guter Kontrast in heller Umgebung – etwas, was im Labor in der Regel gar nicht gemessen wird. Prinzipbedingt eignen sich daher LCD-Schirme am besten als Begleitgerät zur Projektion, denn sie sehen im Hellen am besten aus.
Es eignet sich auch jeder andere Fernseher, natürlich genauso gut ein Röhrengerät. Hier muss man freilich die Abmessungen berücksichtigen, denn wenn das Gerät hinter der Leinwand verschwinden soll, kann diese nicht direkt an der Wand herunterkommen.


Bei einem Röhrengerät ist es nicht so einfach, die Leinwand davor
anzubringen; Leser Kleinhans hat sie deshalb darüber montiert.




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