Internet im Wohnzimmer

Über kurz oder lang wird man sie brauchen, die Internet-Verbindung im Heimkino. Doch wie bekommt man die weltweiten Daten am besten dorthin?

Viele Vorschläge hat es gegeben, wie die Geräte im Haus unterein­ander und mit dem Rest der Welt verbunden werden könnten. Letztendlich haben sich die Computer-Standards  durchgesetzt, also das, was man Local Area Netzwork (LAN) nennt, sowie die Normen Internet Protocol (IP), Transmis­sion Control Protocol (TCP) und Hypertext Transfer Protocol (HTTP), die sich um die Verbindung von elektronischen Geräten weltweit kümmern.

Komponenten, die für diese Art der Vernetzung vorbereitet sind, erkennt man an der Netzwerk-Buchse auf der Rückseite. Darauf steht „Netzwerk“, „LAN“, „Ethernet“ oder Ähnliches. Aber Vorsicht, die Buchse wird auch anders verwendet, zum Beispiel für den Denon-Link, eine digitale Verbindung für Mehrkanal-Audiodaten.
In seltenen Fällen sieht man an Geräten fürs Wohnzimmer eine WLAN-Antenne, die einen drahtlosen Internet-Zugang aufbauen kann, wenn man irgendwo im Haus einen entsprechenden Router hat. Der Normalfall ist, dass mehr als ein Gerät am Internet hängt, denn ein Computer ist irgendwo in der Wohnung meist auch vorhanden. Generell verlangen immer mehr Komponenten in der AV-Anlage nach einem Netzwerk­anschluss. Wir haben daher zusammengestellt, wie man Breitband ins Wohnzimmer oder ins Home Cinema bringt.


Internet-Dienste auf dem TV-Gerät wie hier „Alice HomeTV“ verlangen
zwingend nach einer Breitbandverbindung im Haus.

1. Wofür man es braucht

Die Netzwerkverbindung bei der AV-Anlage kann viele Anwendungsmöglichkeiten haben. Meistens ist es in Wohnungen so, dass der Internet-Anschluss dort angebracht wurde, wo man früher das Telefon hatte – oft im Flur der Wohnung, gelegentlich in weiteren Räumen, aber selten im Wohnzimmer. Dann muss also eine Verbindung hergestellt werden, denn die Notwendigkeit ist nicht mehr von der Hand zu weisen:
• Blu-ray-Player mit Profil 2.0 (BD-Live) bekommen Zusatzmaterial zum Film, aber auch Firmware-Update übers Internet (wie von Anfang an bei HD-DVD üblich).
• DLNA-kompatible Geräte, von Fernsehern über AV-Receiver bis BD-Spieler, holen sich Fotos, Musik und teilweise sogar Filme von Servern im privaten Netzwerk, wofür sie eine breitbandige Verbindung brauchen.
• Fernsehgeräte bringen Kurzmeldungen aus dem Internet auf ihren Schirm, so genannte Widgets, etwa von Yahoo bei Samsung (siehe audio­vision 10-2008).
• AV-Receiver spielen Internet-Radiosender.
• Media-Receiver verbinden den Fernseher und den Rest der Anlage mit einem PC irgendwo in der Wohnung.
• Settop-Boxen bringen TV-Programme über die Internet-Verbindung, sei es T-Entertain von der Telekom oder Alice-TV von Hansenet; Maxdome bietet Videofilme auf Abruf und selbst Premiere liefert teilweise heute schon Empfänger mit einem Netzwerkanschluss aus, der allerdings noch ohne Funktion ist.
Mehr Gründe für die Breitbandverkabelung des Wohnzimmers braucht es wohl nicht.


Der Blu-ray-Player Denon DVD-A1UD hat sowohl eine Netzwerk- (links) als auch eine Denonlink-Schnittstelle.

2. Ethernet-Verkabelung

Wenn der PC im Arbeitszimmer und die Anlage im Wohnzimmer ans Internet angeschlossen werden sollen, geht in der Regel ohne Router, der Netzwerkzentrale, nichts. Er hat einen Netzwerk-Eingang und in der Regel mindestens vier Ausgänge in Form von Ethernet-Buchsen. Häufig kann der Router auch eine Drahtlos-Verbindung herstellen.
Erste Wahl sollte immer eine drahtgebundene Lösung sein, am besten in Form des Ethernet, aus verschiedenen Gründen: Der Draht ist am wenigsten anfällig für Störungen aller Art, er braucht weniger Strom, verursacht keine Strahlungen in der Wohnung und kann nicht von Dritten abgehört werden. Ein Pluspunkt ist zudem, dass die Kabel problemlos über längere Strecken funktionieren. Selbst in größeren Villen sind die Reichweiten meist völlig ausreichend.

Früher musste man noch beachten, welche Art von Kabeln für welche Verbindungen brauchbar sind, doch neuere Router machen das automatisch richtig. Größtes Problem in den meisten Wohnungen ist das Verlegen der Kabel, da nur selten passende Leerrohre zur Verfügung stehen. Dann heißt es bohren und schieben, ohne dabei die Stecker zu beschädigen.
Wer es selbst macht, wird sich in der Regel fertig konfektionierte Kabel der passenden Länge besorgen, wenn er denn die entsprechenden Löcher in den Wänden hergestellt hat. Der Stecker kommt dann direkt ins anzuschließende Gerät. Profis dagegen bevorzugen eine offene Verkabelung und montieren dann eine Netzwerkdose. Dann lässt sich die Verbindung sauber durchmessen und prüfen. An die Dose kommt ein Kabel passender Länge.

3.Drahtlos per WLAN

Die einfachste Methode, ein Netzwerk einzurichten, ist WLAN, also das Wireless Local Area Network. Aller­dings: AV-Geräte mit den dafür benötigten Komponenten nachzurüsten ist nicht so einfach. Denn heutige Router haben WLAN meistens eingebaut, ebenso steckt die Empfangstechnik in vielen PCs und Notebooks. Und wenn man den Empfang nachträglich einbauen möchte, nimmt man einen USB-Adapter. Der funktioniert aber bei AV-Komponenten nicht, selbst wenn sie eine USB-Buchse haben. Man braucht zwingend einen Empfänger, der seinerseits eine Ethernet-Buchse als Ausgang hat. Und das gibt es gar nicht so häufig.

Die Telekom bietet genau das, und zwar als Zubehör für die Entertain-Box, genannt Speedport  W100, zum stolzen Preis von rund 200 Euro für Sender und Empfänger. Wenn schon ein WLAN-Router im Haus ist, genügt das passende Empfangsteil. Auch denkbar wäre ein WLAN-Repeater, der eigentlich die Funktion hat, die Reichweite des Funknetzes zu vergrößern. Man kann ihn aber auch als WLAN-Empfänger einsetzen und seinen Ethernet-Ausgang mit dem gewünschten Gerät verbinden.
Je nach Einsatzzweck ist die Bandbreite ein wichtiges Thema. Die ersten WLAN-Versionen mit der Kennung b hinter der Ziffer 802.11 sind ungeeignet, wenn es um Video geht, bei Fotos dauert es halt etwas länger; besser sind die Varianten g und a, vor allem weil die letztere im 5-GHz-Band arbeitet, in dem es weniger Störungen gibt. Am besten ist der n-Standard geeignet, der mit mehreren Kanälen arbeitet.

4. Übers Stromnetz

Eine sinnvolle Alternative zum Verlegen neuer Kabel oder zu Funk ist die Übertragung per Stromkabel, die so genannte Powerline. Dafür steckt man einen Sender in eine beliebige Steckdose und einen Empfänger in eine andere. Mit den Ethernet-Buchsen beider Adapter werden dann per Kabel Router und Blu-ray-Player oder andere Geräte in der Anlage verbunden.
Von den Bandbreiten reicht Powerline inzwischen für alles aus, was quer durchs Netz gesendet werden kann. Nur in seltenen Fällen und bei sehr alten Stromkabeln im Haus wird noch von Problemen berichtet; man sollte deshalb diese Lösung erst ausprobiert haben, bevor man sich darauf verlässt. Im Betrieb ist Powerline deutlich stabiler als WLAN im 2,4-GHz-Bereich (802.11b und g), doch vereinzelt kommt es zu Störungen durch Einstreuungen.

Wobei es zwei Standards gibt, die unterschiedlich ausgelegt wurden. Am bekanntesten ist Homeplug-AV, was man zum Beispiel in Produkten von Devolo oder Netgear findet. Geräte mit dieser Norm sollten untereinander kommunizieren können. Die Alternative dazu nennt sich HD-PLC und wird vor allem von Panasonic angeboten. Die einfachen Homeplug-Geräte ohne die AV-Kennung sind weniger geeignet, ebenso PLC ohne HD. Alle Sender sind mit Verschlüsselung ausgestattet, so dass kein Nachbar Einblick hat.
Im Vergleich zu WLAN ist Powerline allerdings relativ teuer. Für ein Paar aus Sender und Empfänger muss man rund 150 Euro rechnen, ein weiterer Empfänger für andere Räume schlägt mit rund 80 Euro zu Buche.


Der Netzwerk-Adapter dLAN200 AV von Devolo vereint Powerline und WLAN in einem Gerät.



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