Guter Klang im Wohnzimmer – Seite 3

Zusatzinfo: Die Probleme

Einen Kinoraum kann man mit speziellen Materialien, Absorbern und sonstigen Hilfsmitteln optimal herrichten, so dass gutem Klang nichts mehr im Weg steht. Im Wohnzimmer ist das in der Regel nicht möglich, wenn man nicht aufs Wohnen verzichten will. Die größten Probleme sind:

• Harte, glatte Oberflächen, von denen der Schall kaum gedämpft abprallt. Das führt zu viel Hall im Raum, zu verwaschener Ortung und unsauberem Frequenzgang.
• Unsymmetrische Anordnung mit unterschiedlichen Materialien und Gegenständen links und rechts von der Hörzone, was die Balance der Tonwiedergabe und die Harmonie des Klangfeldes stört.
• Offene Räume mit direktem Zugang ins Treppenhaus, in die Küche oder Essecke begünstigen unerwünschte Bass-Resonanzen.
• Die Einrichtung verursacht Störungen, von dröhnenden Schränken bis klirrenden Gläsern.

Zusatzinfo: Was der Profi sagt

Rüdiger Peter ist Geschäftsführer des Planungsbüros für Audio- und Haustechnik in Maintal bei Frankfurt (www.ingbuero-peter.de). Von ihm stammen die Bilder auf dieser Seite, ein Projekt, das er in der Nähe von Montabaur eingerichtet hat. Seine Dienstleistungen beginnen ab einem niedrigen fünfstelligen Euro-Bereich, wenn ein Bauherr alle Räume perfekt beschallen möchte – ohne Geräte, versteht sich. Ist er an der Planung beteiligt, sucht er die besten Plätze für die Lautsprecher aus, bei denen man „viel hört, aber wenig sieht“.
Wenn alles fertig ist, so Peter, „messe ich mit Hilfe eines Spektrumanalysers jeden Raum ein. Schlucken zum Beispiel große Vorhänge viel Schall, nehmen wir darauf Rücksicht und verstärken die betroffenen Töne. Werden umgekehrt bestimmte Frequenzen vom Raum durch Resonanz massiv verstärkt, so regeln wir diese zurück.“ Für die Regelung setzt er professionelle Audioprozessoren ein, zum Beispiel die Nexia-Modelle von Biamp. Selbst wenn Grundriss und Einrichtung nicht nach akustischen Gesichtspunkten optimiert seien, bekäme man so gute Ergebnisse. Aber: „Die bessere Lösung ist immer, im Vorfeld die Räume auch akustisch wohnlich einzurichten.“
Peter weiter: „Die Physik können wir nicht außer Kraft setzen, aber das, was geht, machen wir auch. Beeinflusst wird der Frequenzgang, die Phasenlage und die Dynamik. Damit kann man viel ausgleichen. Wenn man noch mehr will, etwa den perfekten Kino-Raumklang für die Videoprojektion im Wohnzimmer, muss der Innenarchitekt darauf zumindest etwas Rücksicht nehmen.“
Wobei er auch zugibt, dass nicht alle Phänomene berechenbar und erklärbar sind. In manchen Fällen könne man nur durch Ausprobieren herausfinden, welche Lösung zum besten Klang-Ergebnis führt.
Im hier gezeigten Fall hat er Lautsprecher von Mediacraft für alle Zonen im Haus in den Decken versteckt. Weil sich das aber fürs Heimkino nicht eignet, hat er zusätzlich eine Bose-Anlage um die Sitzgruppe aufgestellt – nicht ohne einen 300-Watt-Subwoofer im Kamingehäuse zu platzieren. Peter ist hochzufrieden mit seiner Arbeit: „Am liebsten wäre ich selbst eingezogen.“


Rüdiger Peter bei der Probemessung.

Zusatzinfo: Die richtige Technik

Damit ein Wohnzimmer wohnlich bleibt, muss die Technik in den Hintergrund treten. Das betrifft zuerst die Lautsprecher, wenn man sie nicht wie Designobjekte präsentieren kann oder will. Für Systeme, die vor allem dem Filmgenuss dienen, ist der Verzicht auf Vollbereichsboxen möglich, selbst THX-Anlagen arbeiten mit relativ kleinen Satelliten-Boxen, die nur die Frequenzen über 80 Hertz übertragen müssen. Die hinteren Lautsprecher kann man weit oben platzieren, wo sie weniger stören als unten.
Um Geräte zu verbergen, muss man sicherstellen, dass sie erstens noch bedient werden können und zweitens nicht zu heiß werden.
Damit es im Wohnraum aber auch gut klingt, ist es notwendig, die Komponenten vor Ort ausprobieren zu können. Ein speziell optimierter Kinoraum mag ähnliche Eigenschaften haben wie der Vorführraum des Händlers, das Wohnzimmer aber höchstwahrscheinlich nicht. Gute Händler wissen das und verleihen daher ihre Geräte gegen eine Schutzgebühr.

Zusatzinfo: Tipps fürs Wohnzimmer-Kino

• Die Nachhallzeit sollte unter 0,5 Sekunden liegen, also die Töne gut bedämpfen; berechnen lässt sie sich mit einem Tool von Jörg Hunecke (www.hunecke.de).
• Von den Frontlautsprechern sollten möglichst viel Direktschall und möglichst wenig Reflexionen beim Hörer ankommen; Reflexionen von hinten sind dagegen in der Regel unproblematisch.
• Den Klang von weich nach hart strahlen lassen, also die Frontseite der Anlage dort installieren, wo wenig Reflexionen entstehen.
• Auf solide Verarbeitung bei Möbeln achten, da dadurch die Gefahr von Vibrationen und anderen Störungen geringer wird.
• Geräte wenn möglich im heimischer Umgebung probehören und nicht im Vorführraum des Händlers.

 


Dieser Artikel ist in der audiovision 11-2008 erschienen.
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