Guter Klang im Wohnzimmer

Super-Sound in den eigenen vier Wänden ist möglich. Doch die meisten Wohnräume haben gar keine vier Wände, sondern mehr – und damit fangen die Probleme erst an.

Frage: Woran erkennt man, dass die Akustik nicht in Ordnung ist? Antwort: am Film. Denn die Qualität dient nur dazu, das rüberzubringen, was Regisseur, Tontechniker und Akteure produziert haben. Versteht man zum Beispiel Dialoge nicht gut, muss es nicht an den eigenen Ohren liegen. Hat man das Gefühl, der Ton wäre zu laut, ist meistens ein Fehler die Ursache. Und klingen Orkane wie ein laues Lüftchen, stimmen Pegel und Frequenzen nicht.
Besonders schwierig ist eine gute Akustik im Wohnraum zu erreichen, wo man ja nicht nur Filme ansieht, sondern sich auch sonst aufhält. Da gilt es die richtigen Kompromisse zu finden zwischen schicker Einrichtung und gutem Klang. Manchmal geht beides nicht, oft kann man aber Lösungen finden, die hübsch aussehen und gut klingen. audiovision stellt die wichtigsten Problemfelder vor und zeigt Wege zu Lösungen.


Akustisch optimiert hat Spezialist Rüdiger Peter diese Wohnung in der Nähe von
Montabaur, mit perfektem Musikgenuss in allen Räumen und separater Home-
Cinema-Anlage im Wohnbereich (weitere Infos im Kasten rechte Seite).

1. Grundriss und Aufstellung

Der Wohnraum hat einen festen Grundriss, wenn man nicht in der glücklichen Lage ist, selbst ein Haus zu planen. Doch wie dreht und wendet man die Einrichtung, um akustisch vernünftige Ergebnisse zu bekommen? Da gibt es verschiedene Regeln zu beachten.
Die Frontseite, also dort, wo Bildschirm und Boxen stehen, sollte akus­tisch eher weich sein – also keine harte Wand hinter den Lautsprechern, sondern etwas, was den Schall dämpft. Das verringert die Reflexionen von vorne, die nur einen kurzen Weg zurückzulegen haben und daher recht stark stören. Eine harte Wand hinter den Zuhörern macht dagegen wesentlich weniger aus, da das Ohr die Reflexionen von hinten gut ausblenden kann.
Besser ist es auch, als Front des Wohnzimmer-Kinos eine der beiden schmäleren Seiten zu wählen. Damit hat man mehr Spielraum für den Abstand zu den Wänden vorne und hinten. Das ist wichtig für präzise Abbildung vorne und entscheidend für ein Surroundfeld ohne Lücken hinten.
Außerdem muss man darauf achten, dass der Abstand der Lautsprecher zu den Sitzplätzen möglichst gleich ist, zumindest was die Hauptlautsprecher links und rechts angeht; gleiches gilt für den Abstand zu den hinteren Boxen, egal ob zwei, drei oder vier Stück.


Selbst edle Lifestyle-Wohnzimmer haben mit akustischen Problemen zu kämpfen.

2. Schwierige Formen

Die Zeiten, in denen Wohnungen immer aus rechteckigen Schachteln nebeneinander bestanden, ist vorbei. In vielen Fällen gruppiert sich alles um einen zentralen Wohnbereich, der in viele Richtungen offen ist: Nach unten zur Kellertreppe, nach oben zum Dachfens­ter oder zu einer Galerie, seitlich zur Küchenzeile oder dem Essbereich.
Das erste Problem unter solchen Bedingungen ist der Bass. Er kann sich in Treppenhäusern oder Ecken fangen wie in einem Reflexrohr, so dass sich dann genau die Frequenz, die deren Abmessungen entspricht, aufschaukelt bis zum Dröhnen. Dagegen kann man fast nichts ausrichten, denn tiefe Frequenzen durchdringen alle Hindernisse, Vorhänge etwa oder provisorische Zwischenwände. Die einzige Abhilfe ist, die betreffenden Frequenzen herauszufinden und schon bei der Wiedergabe zu dämpfen; dazu braucht man eine Raumeinmessung, egal ob von einem Profi oder per Automatik im AV-Receiver. Da ein Bass-Ereignis nie nur eine Frequenz hat, fällt die Dämpfung in der Praxis kaum auf – jedenfalls wesentlich weniger als immer wiederkehrendes Dröhnen.
Die zweite Schwierigkeit in solchen Räumen betrifft den Surround. Ein homogenes Klangfeld ist oft, und ganz besonders bei Dipolen, auf Reflexionen von den Wänden angewiesen. Sind die zu weit weg oder fehlen ganz, wird es schwierig, ein homogenes Soundfeld zu erzeugen. Direktstrahler, die zu nahe am Hörplatz stehen, führen dazu, dass es zum Beispiel nur in einem Eck des Raums akustisch regnet statt ringsum; je weiter man die Back-Speaker vom Hörer entfernt aufstellen kann, um so besser. Allerdings müssen die Entfernungen aller Lautsprecher hinten gleich sein.
Eine Alternative dazu ist immer, die Reflexionen über die Decke zu suchen, wenn diese nicht zu hoch ist. Sonst kann auch die Umstellung von 5.1 auf 7.1 helfen, weil dann mehr Schallquellen für den Surround vorhanden sind. Was genau die beste Lösung ist, lässt sich nicht theoretisch ermitteln, noch nicht einmal per Messgerät; man findet es nur durch Ausprobieren heraus.


In Nebenräumen oder Treppenhäusern kann sich der Bass verfangen und zu dröhnen beginnen.



Der 300-Watt-Subwoofer steckt hier in der Kaminverkleidung,
während kleine Bose-Boxen für den Surround sorgen.

3. Wände, Boden und Decke

Es sind vor allem die Oberflächen der Wände, des Bodens und der Decke, die die Nachhallzeit bestimmen, eines der wichtigsten Kriterien der Raum­akustik. In einem Raum mit hoher Nachhallzeit wirken Geräusche sehr laut, bei kurzen Nachhallzeiten wird der Schall geschluckt und damit die empfundene Lautstärke gedämpft. Ein Hallenbad ist das Musterbeispiel für lange Nachhallzeiten, und es ist klar, dass man in solcher Umgebung keinen Kinosound genießen kann. Dummerweise ist aber die aktuelle Einrichtungsmode nicht weit vom Hallenbad entfernt, mit relativ vielen kahlen, harten Flächen – Plüsch, Samt, schwere Textilien und wuchtige Teppiche sind out. Profis klatschen beim Betreten eines Raumes mal kurz in die Hände und hören dann schon, was sich tut – oder auch nicht.
Messtechnisch sollte die Nachhallzeit, also das Abfallen eines Geräuschs um 60 dB, unter 0,5 Sekunden liegen. Näherungsweise lässt sich das auch berechnen, unter anderem mit einem Tool, das der Münchner Akustiker Jörg Hunecke (www.hunecke.de) entwickelt hat. Dort werden die Raumgröße, die Beschaffenheit von Wänden, die Einrichtung und auch der Einsatzzweck eingestellt. Man sieht also recht schnell, welche Veränderung eine Verbesserung bringt. Wichtig ist natürlich auch, dass die Maßnahmen über einen weiten Frequenzbereich gleichmäßig wirken, sonst führen sie zu Verfälschungen des Klangbildes.
Die Möglichkeiten der Abhilfe sind zahlreich, aber nicht immer einfach zu realisieren. So gibt es zum Beispiel speziellen Akustikputz, der den Hall dramatisch reduziert. Sind die Wände aus Beton und Glas, ist eine so verputzte Decke oft die einzige Abhilfe. Auch in Trockenbauweise werden Platten angeboten, etwa von Rigips, die entsprechend optimiert sind. Wer im Nachhinein etwas verbessern will, hat es schwerer. Klassische Absorber passen optisch oder physisch nicht ins Wohnzimmer, aber es gibt, zum Beispiel von Thomas Fast (www.fastaudio.com), Designvarianten mit speziellen Oberflächen und gedruckten Bildmotiven. Oder man kann sie verstecken, hinter einem Regal, einem Sofa oder hinter einem Bild. „Das Bild hängt dann vielleicht ein paar Zentimeter vor der Wand“, sagt Akustikexperte Rüdiger Peter (siehe Seite 83), „aber das fällt kaum auf und die Wirkung ist beachtlich.“



Der Akustikrechner von Jörg Hunecke, hier in der Version für Rigips, ermittelt die Nachhallzeit.



Absorber wie dieser Super-Piu von Fast Audio sind im Wohnraum schwer unterzubringen.





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