Playstation 3 als Netzwerkplayer
Als Blu-ray-Player ist die Playstation 3 in vielen Anlagen vertreten. Doch sie taugt auch zur Vernetzung quer durch die Wohnung.
High Definition bei Spiel und Film sichert Sonys Playstation 3 einen festen Platz in Wohnzimmern oder Home Cinemas. Doch daneben ist die Konsole ein talentierter Netzwerkspieler, der Videos, Musik und Fotos von einem Computer abrufen kann. Dabei übertrumpft sie, dem leistungsstarken Prozessor sei Dank, etablierte Netzwerkempfänger in puncto Bedienung und Formatunterstützung.
Eine Reihe besonders für das Abspielen via Netzwerk nützliche Funktionen hat Sony mit den letzten Firmware-Aktualisierungen hinzugefügt. Das Upgrade zur aktuellen Version 2.41 sei darum jedem Playstation 3-Besitzer empfohlen. Das Update startet nach Auswahl von System-Aktualisierung im Menü „Einstellungen“, sofern das Gerät mit dem Internet verbunden ist. (ml)

Die PS3 verbindet sich drahtlos mit einem PC in der Wohnung, aber auch mit der PSP,
der tragbaren Playstation (unten links); das kleine Kästchen rechts ist Play-TV,
ein Empfänger für DVB-T, der die PS3 zum Videorecorder macht.
1. Verbindung herstellen
Die Playstation 3 gelangt auf zwei Wegen ins Netzwerk: entweder kabellos per Wireless-LAN oder mit Netzwerkkabel. Eleganter ist die Funklösung, allerdings unterstützt die Playstation 3 nicht den aktuellen 802.11n-Standard, der sich in vielen Wireless-Geräten findet, sondern nur 802.11g. Dessen Brutto-Datenrate von maximal 54 MBit/s schrumpft bei ungünstigen Bedingungen schnell auf ein Zehntel zusammen.
Vor allem beim Streaming von HD-Videos führt das zu ruckelnder Wiedergabe. Wer eine flüssige Darstellung bei allen Auflösungen und Datenraten will, kommt um das Verlegen eines Kabels nicht herum.
2. Server im Netzwerk
Bei vorhandener Netzwerkverbindung sucht die Playstation 3 kontinuierlich nach geeigneten Servern im Netzwerk. Dabei unterstützt sie den Standard Universal-Plug-and-Play für Audio und Video (UPnP-AV).
Potenzielle Server gibt es reichlich: Windows-Anwender verfügen mit dem aktuellen Media Player über ein UPnP-AV-Serverprogramm, das die Medienbibliothek anderen Geräten zugänglich macht. Für Mac-Nutzer bietet Elgato mit Eyeconnect (50 Euro) die passende Erweiterung, plattformübergreifend für Windows, Mac und Linux sind die Programme von Twonky Vision (30 Euro) geeignet.
Neben UPnP-AV wirbt die Playstation 3 mit Zertifizierung durch die Digital Living Network Alliance (DLNA). Das schafft Verbindungssicherheit: Während es beim Zusammenspiel von UPnP-Geräten zu Inkompatibilitäten kommen kann, sollte dies bei Geräten mit dem DLNA-Logo nicht passieren.

Das Videomenü der PS3 zeigt die verfügbaren Filmquellen, darunter alle
UPnP-AV-Server im Netzwerk.
3. Bedienung übers Netzwerk
Zentrales Bedienelement der Playstation 3 ist die Xross Media Bar (XMB). Sie zeigt neun Funktionsbereiche in einer horizontalen Leiste, drei davon dienen der Wiedergabe von Filmen, Musik und Fotos. Beim Durchsuchen bleibt das gewählte Element in der Bildschirmmitte, es bewegt sich die gesamte Leiste. Ist eine der drei Medienkategorien gewählt, erscheinen in einer senkrechten Liste alle Quellen; dazu zählt die interne Festplatte wie per USB-Verbindung angeschlossene Geräte und natürlich UPnP-Server im Netzwerk.
Die Auswahl einer Datei erfolgt in Schritten durch horizontal und vertikal erscheinende Menüs. Daneben bewährt sich bei Musik die Suche mittels Interpret, Album oder Musikgenre. Pfiffig bei der Auswahl ist die Resume-Funktion: Wird eine Kategorie erneut besucht, startet der Cursor beim zuletzt gewählten Eintrag.
Das Bildschirmmenü während der Filmwiedergabe ist schlicht. Dennoch lässt es keine Zweifel an den Funktionen der Symbole, die eine Änderung des Bildverhältnisses oder des Untertitels ermöglichen. Letztere kann die PS3 aus DivX-Dateien entnehmen. Dazu dürfen diese aber nicht als separate Datei vorliegen, sondern müssen Bestandteil der Videodatei sein. Komfortfunktionen wie schneller Bildlauf mit bis zu 120-facher Geschwindigkeit oder Zeitlupe arbeiten im Netzwerkbetrieb ohne Verzögerung. Gefallen können die Motivvorlagen für Diashows oder Musik. Bei Live-Mitschnitten stört allerdings die mehrere Sekunden dauernde Pause zwischen den Liedern.

Der Controller gehört zum Lieferumfang. Mehr Komfort bei der Filmwiedergabe bietet
die Fernbedienung für 30 Euro.
4. Unterstützte Dateitypen
Die Unterstützung für Videoformate stieg mit den Updates der vergangenen Monate kontinuierlich an. MPEG-1/2 und H.264 waren von Beginn an dabei, es folgten Divx-codierte AVI-Dateien und WMV, Letzteres auch mit dem VC1-Codec. AVCHD-Aufnahmen von einem Camcorder sind ebenso abspielbar.
Trotz der Formatunterstützung spielt die PS3 nicht alle entsprechend codierten Filme. Bei DivX scheitert die Wiedergabe, wenn mit qualitätssteigernden Maßnahmen wie globaler Bewegungserkennung (GMC) oder Q-Pel codiert wird. Einige WMV-Videos mit WMA-Tonspur bleiben stumm.
Manchmal liegt die Ursache am UPnP-Server: Im Praxistest staunten die Tester, als die Playstation Videodateien bei einem UPnP-Server abwies, von einem anderen Server sowie einem USB-Speicher dagegen abspielte. Tritt dieses Problem auf, sollte eine Aktualisierung des Serverprogramms erfolgen. Nützt das nichts, kann der Wechsel zu einem anderen Serverprogramm helfen – Windows-Nutzer haben es dabei wegen der größeren Auswahl leichter.

Vorschaubilder bei Videodateien gibt es nur bei einigen UPnP-Servern, darunter dem Windows Media Player.
5. Playstation 3 und PSP
Eine multimediale Familie bildet die PS3 mit der Playstation Portable (PSP). Mit der Remote-Play getauften Funktion kann die PSP alle Videos, Musik und Fotos spielen, die über das Menü der großen Playstation zugänglich sind. Als Quelle dient dafür die Festplatte, USB-Geräte oder UPnP-Server. Nicht streambar sind Blu-ray, DVD oder SA-CD.
Die Verbindung zwischen den beiden Spielkonsolen erfolgt entweder mittels USB-Kabel oder Wireless-LAN. Die Netzwerkverbindung funktioniert sowohl in den eigenen vier Wänden als auch via Internet aus der Ferne. Im Zusammenspiel mit einem passenden Internet-Router kann die PSP die Playstation sogar aus dem Bereitschaftsmodus erwecken und nach der Nutzung wieder schlafen schicken.
Das senkt die Stromkosten und macht das Konsolen-Duo zum pfiffigen Partner in vielen Lebenslagen: im Schlafzimmer als Ersatz für den Fernseher, auf der Terrasse als MP3-Player oder im Wohnzimmer als Fernbedienung für die Musikwiedergabe.

Die portable Playstation kann Filme von der Playstation 3 abrufen oder bei der Musikwiedergabe als Fernbedienung arbeiten.
6. Fazit
Die Playstation 3 glänzt nicht nur als Player und Spielkonsole, sondern überzeugt auch mit ihren Netzwerk-Fähigkeiten. Sie ist hier auf dem aktuellen Stand der Technik, kann also fast alle Mediendateien von einem Server-PC oder einer Netzwerk-Festplatte abrufen und ins Home Cinema transportieren.
Wunder sind freilich nicht zu erwarten, dafür ist das Thema Heimvernetzung nach wie vor zu komplex. Eine gewisse Grundkenntnis ist zum Betrieb noch immer notwendig. Als Belohnung erspart die Playstation 3 einen separaten Media-Receiver. Und als Blu-ray-Player ist die Spielkonsole ohnehin top.
Kurz vorgestellt: QNAP TS-109
Externe Festplatte mit UPnP-AV-Server
Eine Alternative zum Server-PC ist die externe Festplatte mit Netzwerkanschluss, auch Network Attached Storage (NAS) genannt. Verfügt ein solches Laufwerk zudem über einen UPnP-Server, ist es eine gelungene Ergänzung zum multimedial vernetzten Heim. Auf ein solches Laufwerk können alle Rechner im Netzwerk zugreifen, Daten speichern und gemeinsam nutzen. UPnP-kompatible Empfangsgeräte wie die Playstation 3 können zudem Filme, Fotos und Musikstücke abrufen.
Der Qnap TS-109 (rechtes Bild) ist ein solches NAS mit Medienserver. Ins Netzwerk integriert ist das Laufwerk in weniger als 15 Minuten. Nach dem Start findet das Installationsprogramm für Windows- und Mac-Systeme den TS-109 sofort. Es unterstützt bei den grundlegenden Einstellungen wie dem Einrichten von Benutzern und dem Start zusätzlicher Funktionen. Vor der Verwendung des UPnP-AV-Servers Twonky Vision sollte ein Update auf die Version 4.4.4 erfolgen, denn sie verbessert die Kompatibilität mit der Playstation 3. Neben der UPnP-Funktion stellt ein iTunes-Server jedem iTunes-Programm im Netzwerk die Musiksammlung des TS-109 zur Verfügung.
Zehn weitere Funktionen, etwa ein Client für Bittorrent oder ein FTP-Server, sprechen in erster Linie den Computerprofi an. Daten kopiert das NAS flott mit knapp 20 Megabyte pro Sekunde. Dabei liegt der Stromverbrauch mit 12 Watt erfreulich niedrig. Im Dauereinsatz spart das jährlich bis zu 200 Euro gegenüber einem Computer als Medienserver. Beim deutschen Vertrieb Litec Computer (www.litec-computer.de) kostet der TS-109 mit 500 GB Speicherplatz 370 Euro, Bastler erwerben für 290 Euro ein Leergehäuse und bauen eine Festplatte mit Serial-ATA-Bus selber ein. Weitere Modelle der TS-Serie nehmen bis zu vier Festplatten mit maximal vier Terabyte Speicherplatz auf.


Familienbande: QNAP bietet NAS-Systeme mit Platz für ein bis vier Festplatten an.
Dieser Artikel ist in der audiovision 9-2008 erschienen.
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