Heimkino ohne Kabel

Sobald eine Anlage aus mehreren Gerät besteht, braucht man Kabel.
Weil die meist hässlich, störend und unpraktisch sind, ist Funk eine
Alternative. AV erklärt, was damit geht und was nicht.


Auf Prospektfotos fehlen meist die Kabel. Die Sony-Anlage DAV-DZ700FW (Bild)
funkt die Töne per Infrarot nach hinten.

1. Grundlagen der Funktechnik

Der private Funk in den eigenen vier Wänden funktioniert genau so wie die Übertragung von TV- oder Radio-Programmen: Einer definierten Trägerfrequenz wird das Nutzsignal aufmoduliert. Je nach Funksystem wird das Frequenzband in Kanäle eingeteilt, deren Abstand über die mögliche Breite entscheidet.Zwischen den von Rundfunk, Behörden, Militär oder anderen Institutionen verwendeten Frequenzbändern gibt es einige eher schmale Bereiche, die für privaten Funk freigegeben sind. Diese Bänder liegen derzeit bei

• 433 MHz    • 868 MHz
• 2,4 GHz     • 5,0 GHz

Dabei gilt die Grundregel: je höher die Frequenz, umso größer die Dämpfung des Signals, vor allem bei der Durchdringung von Wänden; doch je höher, umso größer die Bandbreite. Durch offizielle Regeln für die Nutzung der freien Frequenzen wird in allen Ländern die Sendeleistung eingeschränkt, so dass sich die einzelnen Geräte nur bedingt stören können; die Leistung reicht in der Regel für die Wohnumgebung und etwas darüber hinaus, aber nicht für den Aufbau eines eigenen Sendernetzwerks.
Angesichts dieser Beschränkungen eignen sich nicht alle Systeme und Frequenzbänder für alle Anwendungen. Um die Bandbreite zu steigern, gibt es in der Regel nur eine Möglichkeit: die Empfindlichkeit der Empfänger zu erhöhen. Dabei hat man gewaltige Fortschritte gemacht, durch den Einsatz mehrerer Antennen und das Aus­nutzen von Reflexionen. Eine Sonderrolle unter den Funksystemen ist das Ultra Wide Band (UWB). Hier arbeitet man mit extrem schwachen Sendeleistungen, so dass andere Nutzer nicht gestört werden; daher kann man im Band von 3,1 bis 10,6 GHz arbeiten, in dem auch Frequenzen anderer Diens­te arbeiten. Für deren Empfänger geht jedes UWB-Signal im Rauschen unter.



Mit dem Breitband-Funk UWB werden auch komplett
drahtlose5.1-Systeme möglich; hier ein
Prototyp von B&W.

2. Analoge Systeme

Wie in allen anderen Bereichen können Informationen per Funk sowohl digital als auch analog gesendet werden. Analog kommt dabei noch häufiger vor, als man es erwarten würde. Und zwar dann, wenn die Informationen vor dem Senden analog vorliegen. Das ist zum Beispiel bei Mikrofonen der Fall, oft auch bei Kopfhörern und bei Lautsprechern. Auch Videosignale lassen sich analog übertragen.
Der größte Vorteil analoger Technik ist der Preis, weil keine aufwändige Signalverarbeitung notwendig ist. Zweiter Vorteil: die Schnelligkeit. Nicht nur bei Live-Auftritten ist es wichtig, dass keine Verzögerung auftritt. Gleiches gilt im Heimkino bei den  Surround-Boxen, wo Raumklang nur entstehen kann, wenn die Impulse von allen Seiten synchron kommen.
Die Kehrseite der analogen Übertragung ist, dass der Sender keine Kontrolle darüber hat, was wie beim Empfänger ankommt. Funkt auf der benutzten Frequenz zum Beispiel ein Babyphon oder ein Mikrowellenherd dazwischen, ist die Verbindung mit einem Schlag dahin. Dann hilft nur der Kanalwechsel von Hand an Sender und Empfänger in der Hoffnung, dass diese Frequenz frei bleibt.
Dazu kommen die üblichen analogen Nachteile, vor allem in Form von Rauschen, das je nach Qualität der Übertragungsstrecke deutlich hörbar oder sichtbar werden kann.
Auch zu bedenken ist, dass analoge Sender nicht verschlüsseln können; es kann also unter Umständen in der Nachbarwohnung alles mitgehört oder mitgesehen werden – falls dort ein ähnliches System zum Einsatz kommt.



Bei analoger Übertragung im 2,4-GHz-Band
ist sogar eine funktionierende Audio-Video-
Verbindung möglich, hier ein Telestar-System.

Zusatzinfo: Die verschiedenen Funksysteme

Analog:
Für die analoge Übertragung von Video und Audio gibt es keine festen Standards, außer der Festlegung auf die freien Frequenzbänder für privaten Gebrauch (868 MHz, 2,4 GHz). Daher müssen Sender und Empfänger immer paarweise angeschafft werden, damit die Kommunikation funktioniert. Zu erkennen sind analoge Geräte in der Regel daran, dass man bei ihnen verschiedene Sende- und Empfangskanäle einstellen kann.
Bluetooth:
Digitalfunk für Kommunikation über kurze Distanzen, arbeitet im 2,4-GHz-Band; Bluetooth legt für viele Anwendungen spezielle Protokolle fest, etwa für Mobiltelefone samt Steuerung und Sprache. Möglich sind seit Mitte 2007 garantierte Übertragungsraten und Laufzeiten (Quality of Service). Für Stereo-Musik bietet sich das A2DP-Profil an, das CD-Qualität liefern soll; hier wird ein spezieller Codec namens SBC verwendet, optional sind auch andere Codierungen möglich. Dank hoher Bandbreite ist über kurze Distanzen innerhalb von Räumen geringe Kompression und damit nahezu verlustfreie Klangqualität möglich. Daneben gibt es das Generic AV-Profile, das auch für Video geeignet wäre. Es wird aber nur für niedrige Qualitätsstufen eingesetzt.
WLAN, IEEE 802.11a/b/g/n, WiFi:
Der am weitesten verbreitete Digitalfunk-Standard hat viele Namen und Varianten. Er beruht auf Netzwerk-Protokollen, wie sie für Kabel entwickelt wurden, um sichere Datenübertragung zu gewährleisten. Basis ist IEEE 802.11b, das im 2,4-GHz-Standard sendet, während die a- und n-Varianten auch das 5-GHz-Band einsetzen. Die Bandbreite der neueren Versionen reicht innerhalb von Gebäuden meist schon für unkomprimierten Ton und komprimierte Bilder. Der Standard definiert ausschließlich die Netzwerk-Verbindung, keinerlei Datenstruktur oder Weiterverarbeitung.
UWB:
Ultra Wideband heißt eine neue Technologie, die mit extrem geringen Sendeleistungen, aber hoher Bandbreite arbeitet und so unterhalb der Pegel anderer Dienste bleibt. Daher können Frequenzen von 3,1 bis 10,6 GHz genutzt werden. Damit ist die zu überbrückende Entfernung recht kurz, sie reicht von wenigen Metern in einem Raum bis zu Zentimetern; dafür sind hohe Bandbreiten machbar. Erste Anwendungen für Audio und Video werden derzeit entwickelt.
Wireless-HD:
Die von einem Konsortium großer Hersteller entwickelte Wireless-HD-Lösung soll unkomprimierte Bilddaten innerhalb von Räumen übertragen können. Um die erforderliche Bandbreite zu erreichen, arbeitet das System im 60-GHz-Band, also deutlich höher als andere Funkverfahren. Damit soll Wireless-HD ein HDMI-Kabel ersetzen können, inklusive Kopierschutz-Management (HDCP) und allen Tonstandards. Geräte dürften Anfang 2009 auf den Markt kommen.
Infrarot/Laser:
Für die optische Übertragung von Daten gibt es einen Standard, IrDA genannt; er wird aber nicht für Audio oder Video genutzt. Es gibt stattdessen Eigenentwicklungen, zum Beispiel bei Sony für Audio (Infrarot) oder bei JVC für Video (Laser, nur in Japan). Dank der extrem hohen Frequenzen sind Bandbreiten kein Problem, allerdings ist eine direkte Sichtverbindung notwendig.

 

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