OLED: Suche nach der Perfekten Technik
Es ist nur ein Detail, aber auffällig: Samsung nannte seine organischen Bildschirme auf der CES im Januar Super-OLED. Damit wollte man betonen, dass keine Farbfilter eingesetzt und die drei Grundfarben direkt von roten, grünen und blauen Farbstoffen erzeugt werden. Als im Mai das Serienmodell, der KE55 ES9500 (siehe audiovision 7-2012), vorgestellt wurde, war allerdings nichts mehr super – zumindest dem Namen nach.
Könnte es also sein, dass Samsung doch Farbfilter einsetzt? Oder ein Weiß-Segment? Bei den koreanischen Rivalen von LG behaupten die Techniker schließlich, das sei notwendig, um OLEDs überhaupt ohne Überhitzung betreiben zu können. Unsere Anfrage an Samsung brachte allerdings keine Antwort, trotz ausreichender Frist. Insider berichten, es gäbe einen Maulkorb-Erlass zu diesem Thema. Nur die Korea Times zitiert den europäischen Marketing-Direktor Michael Zöller, man arbeite an einer "verbesserten Version".

Filmemacher Jean-Jacques Annaud und Rennfahrer Sebastian Vettel machen Scherze
bei der Vorstellung des superdünnen LG-OLED-Fernsehers 55EM960V in Monaco.
Was noch im Frühjahr nach einem schnellen Durchmarsch für die neue Technologie klang, sieht nun schon wieder anders aus. Es könnte nämlich wirklich sein, dass OLEDs nach aktuellem Stand der Technik dann Probleme bekommen, wenn sie über längere Zeit Weiß darstellen sollen. Sind dann alle drei Farbsegmente nebeneinander aktiv, wird das Display zu heiß. Das bestätigt auch ein Video aus Korea, das in Entwicklerkreisen kursiert: Es zeigt, wie nach rund einer halben Stunde mit der Google-Startseite OLED-Handys überhitzen.

Samsung holt sich für die OLED-Produktion Hilfe aus Deutschland,
von den Materialspezialisten der Dresdner Fima Novaled.
Bei Telefonen kommt so etwas nicht vor, bei Fernsehern kann schon mal länger Weiß gefordert sein. Bei LG ist dann nur ein Segment aktiv, nämlich das weiße, bei einem Super-OLED müssten alle drei Segmente nebeneinander maximale Helligkeit abgeben. Gerüchte sagen daher, dass Samsung seine Schirme nochmal umbauen muss und ebenfalls ein Weiß-Segment vorsieht.
Vor der IFA werde es bei Samsung keine Statements zu diesem Thema geben, hört man. Dann will LG immerhin schon Geräte ausliefern, aber garantieren mag auch das niemand. Sony und Panasonic haben sich inzwischen zusammengetan: Sie wollen gemeinsam eine neue Technologie entwickeln – gedruckte OLEDs.

Sony will zusammen mit Panasonic Druckverfahren für die OLED-Herstellung entwickeln,
hier ein 7,4 Zoll großer Prototyp.
Klartext von LG: "Wir sind besser"
Am Rande der Neuheiten-Präsentation von LG in Monaco konnte audiovision mit Spezialisten über einige noch offene Fragen zur OLED-Technik sprechen, etliche Fragen wurden erst danach von Entwicklungstechnikern aus Korea per E-Mail beantwortet. Erstmalig nahm die Firma dabei zu kritischen Punkten wie Stromverbrauch und Lebensdauer Stellung.
LG über weiße Subpixel: Auch wenn es gelegentlich suggeriert wurde, dienen die weißen Subpixel am LG-Fernseher 55EM960V nicht der besseren Farbdarstellung. Changki Noh von der TV-Sparte des Herstellers gibt zu, dass man die Weißsegmente zusätzlich zu Rot, Grün und Blau für höhere Helligkeit und niedrigeren Stromverbrauch benötige. Allerdings sei Bildhelligkeit, so Noh, auch ein Qualitätskriterium.
LG über den Stromverbrauch: Er wäre unter normalen Bedingungen bei Samsungs RGB-OLEDs so hoch wie bei LG-OLEDs, wo man auf eine weiße Schicht mit Farbfiltern setzt. Allerdings könnten im TV-Einsatz sogar Situationen auftreten, bei denen die W-OLED-Technik deutlich sparsamer sei, ebenso bei der Darstellung von Webseiten. Noh: "Da sind wir besser."
LG über die Lebensdauer: Changki Noh bestätigt, dass auch weiße OLEDs in der Haltbarkeit durch die empfindlichsten Leuchtstoffe begrenzt werden, also durch das blau strahlende Material. Rot und Grün hätten höhere Laufzeiten, bei Blau könnte man allerdings die besten verfügbaren Materialien einsetzen. Sie halten voraussichtlich rund 25.000 Stunden, so Noh, und wären damit allen anderen blauen OLED-Leuchtstoffen überlegen.
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