TV-Branche: Die Chinesen übernehmen
Am 11. April titelte das Handelsblatt vom "Burn-out einer Ikone", womit Sony gemeint war, und die Financial Times Deutschland meldete: "Japan-Elektronik wird zum Auslaufmodell". Anfang April überschlugen sich in der Tat die Nachrichten, die eine Zeitenwende in der TV-Branche ankündigen:
– Sharp bekommt mit Foxconn aus Taiwan einen neuen Großaktionär (rund zehn Prozent der Aktien), der auch knapp 47 Prozent an der LCD-Fabrik in Sakai übernimmt,
– Sony strukturiert unter dem neuen Chef Kazuo Hirai mal wieder um, die drei Kernbereiche heißen fortan Imaging, Game und Mobile; TV gehört nicht mehr dazu,
– die Firma TP Vision (TPV/Philips) startet ihre Geschäftstätigkeit, die vor allem im Vertrieb von TV-Geräten der Marke Philips besteht.
Allen Meldungen gemeinsam ist nicht nur die Tatsache, dass die traditionellen TV-Anbieter aus Japan und Europa schwächeln – und die Chinesen bereit stehen, zu übernehmen. Dabei muss man gar nicht mehr unterscheiden zwischen Taiwan, Hongkong und der Volksrepublik: Egal, wo die Firmen zuhause sind, produziert wird meistens im Perlfluss-Delta rund um Shenzhen oder anderen Standorten auf dem Festland. Doch es heißt nicht, dass künftig Europas Fernseher aus China kommen, denn Foxconn, TPV und diverse andere haben längst Produktionsbasen in Osteuropa.
Fakt ist, dass Sharp, Sony und Philips die Verluste im TV-Geschäft nicht länger tragen können. Panasonic hat ebenfalls einen Rekordverlust gemeldet, die eigene Fertigung heruntergefahren und lässt mehr extern produzieren – etwa bei TPV. Toshiba steht unter den Japanern noch relativ gut da, weil man keine eigene Panel-Fertigung hat. So kauft man günstig bei AUO in Taiwan.
Die Philips-Fernseher, etwa die neue 7007-Reihe, werden nun von TP Vision geliefert;
die Firma gehört zu 70 Prozent TPV.
Im Fall Foxconn darf man davon ausgehen, dass Sharp gar nicht das eigentliche Ziel ist. Die Firma hat von Sony bereits die Fabriken in Europa und Mexico übernommen, produziert also heute schon den Großteil aller Sony-Fernseher. Eine komplette Übernahme des TV-Sektors der Japaner scheint denkbar, auch wenn der neue Chef betont, wie wichtig dieser Bereich für die Firma sei. Aber: Die kombinierte Panel-Fertigung von Sharp und CMI, wo Foxconn das Sagen hat, zusammen mit dem Markennamen Sony und der Fertigungskompetenz der Chinesen – da müsste sogar Samsung ins Zittern kommen.

Die Sharp-Fabrik in Sakai gehört jetzt zu 47 Prozent dem Foxconn-Konzern.
Die Newcomer
Foxconn – Eigentlich heißt die Firma Hon-hai Precision, sie hat ihren Sitz in Taiwan und wurde 1974 gegründet. Foxconn ist die mit Abstand größte Produktionsfirma mit rund 1,2 Millionen fast ausschließlich chinesischen Beschäftigten. Kunden sind nahezu alle Elektronik-Anbieter, unter anderem Apple, Amazon, Microsoft, Nokia und Sony. Nach Schätzungen der New York Times wird rund 40 Prozent aller Unterhaltungselektronik in den Fabriken des Konzerns gebaut. Bei TV-Geräten ist Foxconn allerdings nur zweitgrößter Auftragshersteller. Der Umsatz der Hon-hai-Gruppe lag 2011 bei rund 92 Milliarden US-Dollar.
TPV – Die Abkürzung soll für "The Perfect Vision" stehen, denn die Firma ist auf Bildschirme spezialisiert: Als Nummer eins weltweit bei Monitoren (35 Prozent Marktanteil) und – gerechnet nach Wert – als Nummer drei bei LCD-Fernsehern setzt TPV rund 11 Milliarden US-Dollar um. Bei Monitoren geht der überwiegende Teil an PC-Marken, eigene Markennamen sind in diesem Bereich AOC, Envision und Philips. TV-Geräte baut TPV für Philips (bisher nur kleinere Modelle), Toshiba und Panasonic, meistens für die asiatischen Märkte, sowie für die US-Marke Vizio und für Handelsmarken. Das Hauptquartier ist in Hongkong, offizieller Sitz sind die Bermudas.
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