"HD+" hält sich mit Ausbauplänen noch bedeckt
Die umstrittene Pay-TV-Plattform "HD+", die gegen eine Jahresgebühr von 50 Euro verschlüsselte und werbeunterbrochene Privatsender mit technischen Restriktionen bei der Aufzeichnung ausstrahlt, hält sich mit Ausbauplänen für 2012 noch bedeckt.
"Wir gehen davon aus, dass weitere Sender ihr Programm in besserer Qualität über HD+ ausstrahlen. Ein Sender, Super RTL, der diesen Weg geht, wird 2012 dazu kommen. Ob wir im kommenden Jahr wieder vier Sender zusätzlich wie dieses Jahr bekommen oder ein paar mehr oder weniger, wissen wir noch nicht. Aber wir arbeiten daran, dass das Angebot wächst", sagte HDplus-Chef Wilfried Urner dem Branchenblatt "Promedia" (kommende Ausgabe).
Urner verteidigte die Plattform und führte das Kostenargument ins Feld: "Die Privaten bekommen trotz ergänzender Ausstrahlung in HD keinen Cent mehr an Werbeeinnahmen. Ohne 'HD+' hätte es deren HD-Angebote wahrscheinlich nicht", auch den "Signalschutz" brachte der HDplus-Chef erneut ins Spiel. Beides ungeachtet der Tatsache, dass beispielsweise britische hochauflösende Sender von ITV oder Channel4 ganz ohne Verschlüsselung via Astra auskommen und auch keine Extragebühren per Smartcard-Zwang von den Zuschauern fordern - und das trotz englischer Sprache, die im Gegensatz zu deutsch eine erheblich größere Verbreitung findet.
Die Abschaltung analoger Astra-Signale im kommenden Jahr will Urner nutzen, um potentielle Kunde zu werben. Man werde über eigene Kanäle und Partner "verstärkt auf 'HD+' hinweisen". Der HDplus-Chef bezeichnete sein Angebot als "Free-TV", obwohl die Konzernmutter SES Astra schon seit längerem von "Pay-TV" spricht - kein Wunder, schließlich müssen Zuschauer umgerechnet gut vier Euro monatlich für die inzwischen 12 Kanäle mit mehr oder weniger hohem Anteil an nativem HD-Material zahlen.
Dass Abonnenten künftig auf der Smartcard auch Sender des Bezahlsenders Sky beziehen können, glaubt Urner nicht - umgekehrt funktioniert das ja bereits: "Es wäre sicher für den Kunden einfacher, wenn er auf einem 'HD+'-Receiver auch ein Sky-Angebot abonnieren könnte. Aber es ist die unternehmerische Entscheidung von Sky, die wir auch respektieren." Dem Thema 3D erteilte der Manager in "Promedia" zunächst eine Absage: "Ich sehe das momentan aber weniger, weil unser nächster Schritt darin besteht, Hybridauftritte basierend auf HbbTV als Produktergänzung in unser Angebot aufzunehmen. Die Verbindung von Internet und Fernsehen könnte die TV-Traumhochzeit des nächsten Jahres werden", hofft Urner. Derzeit wird der HbbTV-Standard auch aufgrund von Inkompatibilitäten zwischen Herstellern und Angeboten von den Zuschauern kaum genutzt.
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