HDCP-Kopierschutz endgültig geknackt
Wissenschaftler der Ruhr-Universität in Bochum haben den verbraucherunfreundlichen HDCP-Kopierschutz endgültig geknackt, der über die Übertragung von Bildsignalen per HDMI-Kabel wacht. Mit einer vergleichsweise simplen Hardware im Wert von rund 200 Euro lassen sich HD-Videos damit unverschlüsselt betrachten und aufnehmen.
HDCP ist mittlerweile in fast jedem HDMI- oder DVI-tauglichem TV- oder Computerflachbildschirm zu finden. Mit seiner Hilfe sollen digitale Inhalte vom geschützten Quellmedium, etwa einer Blu-ray, über einen vollständig verschlüsselten Kanal zum Bildschirm gelangen - Aufnahmen sind dann nicht erlaubt, obwohl technisch möglich. Sicherheitsbedenken zum HDCP-System gibt es schon länger. Zuletzt tauchte im vergangenen Jahr ein Master-Key im Internet auf.
Der Hersteller Intel bestätigte den Hack und gab bekannt, dass das Verfahren nach wie vor eine "effektive Schutzkomponente" darstelle, weil die Herstellung eines HDCP-fähigen Chips mithilfe der Master-Keys "hochgradig komplex und teuer" sei. Diese Angabe war offensichtlich Unsinn.
Denn ein Bochumer Forscherteam um Prof. Dr.-Ing. Tim Güneysu und dem Diplomanden Benno Lomb konnte die HDCP-verschlüsselten Datenströme mit einfachsten Mitteln abgreifen, entschlüsseln und die digitalen Inhalte an einen ungesicherten Bildschirm sowie ein HDMI-1.3-fähiges Aufnahmegerät senden. Zum Einsatz kam das kommerzielle Atlys-Board der Firma Digilent, das über die notwendigen HDMI-Schnittstellen und einen seriellen RS232-Port zur Kommunikation verfügt.
Wert legten die Wissenschaftler der "Arbeitsgruppe für Sichere Hardware" in einer Mitteilung auf die Feststellung, dass es bei den Studien nicht darum gegangen sei, einen Weg zu finden, wie sich illegale Raubkopien erstellen lassen.
"Dass wir in einer Diplomarbeit und mit Materialkosten von etwa 200 Euro unser Ziel erreicht haben, spricht definitiv nicht für die Sicherheit des aktuellen HDCP-Systems", sagte Güneysu. Dass ein sogenannter "Man-in-the-Middle"-Angriff, bei dem ein Mittelsmann - in diesem Fall das Atlys-Board - unerkannt die gesamte Kommunikation zwischen Blu-ray-Player und Flachbildschirm manipuliere, sei für Raubkopierer in der praktischen Anwendung aufgrund einfacherer Alternativen eher uninteressant.
Eine tatsächliche Bedrohung sehen die Forscher jedoch für sicherheitskritische Systeme etwa bei Behörden oder im militärischen Bereich. Obwohl Intel bereits mit seinem HDCP 2.0 ein neues Sicherheitssystem anbiete, bleibe die Schwachstelle aber aufgrund der Abwärtskompatibilität auch in den kommenden Jahren problematisch, erklärte Güneysu. Mit anderen Worten: der vermeintlich unüberwindbare Kopierschutz, der von Intel und Silicon Image vor etwa zehn Jahren entwickelt wurde, ist vollständig geknackt - oder wie es die Wissenschaftler ausdrückten: "Schachmatt!".
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