Privatsender weiter gegen DAB+ – keine Subventionen
Der VPRT gehört auch weiter nicht zu den allergrößten Freunden des neuen digitalen Radios auf DAB+ Basis. Klaus Schunk, Vizepräsident des Privatsenderverbandes und selbst Geschäftsführer des privaten Hörfunksenders Radio Regenbogen in Baden zeigt sich nach wie vor skeptisch.
"Das hat nichts mit Technologiefeindlichkeit zu tun, sondern es sind einige sachliche und fachlich technische Fragen, die wir immer gestellt haben, bis heute nicht beantwortet. Allerdings hält sich der Verband hier zurück, weil Unternehmen entschieden haben, dies mit zu tragen und sich zu beteiligen", sagte Schunk dem in Berlin erscheinenden Branchenblatt "Promedia" (kommende Ausgabe).
Es gebe aber noch viele Fragen zu lösen: "Wie kann beispielsweise der Empfang in Tunneln oder unter Brücken sichergestellt werden, damit das Signal nicht abrupt abreißt? Und vor allem: Wie sieht es mit der Flächenversorgung aus? Damit DAB+ erfolgreich sein kann, müssten bis 2015 rund 16 Millionen Endgeräte bei den Hörern etabliert werden", erklärte Schunk. Daran hat der Manager offenbar Zweifel.
Es besteht zudem für jeden Veranstalter mit DAB+ ein großes wirtschaftliches Risiko, zumal noch keine Endgerätereichweite zum Start existiere und der Netzausbau extrem teuer sei. Fazit aus Sicht des VPRT-Vertreters: "Es ist nicht unbedingt zwingend, dass man bei der Stunde null schon mit dabei ist". Mit dem bisherigen, analogen UKW-Geschäftsmodell hätten Radiosender noch über Jahre hinweg die einzige Erlösquelle: "Hier erzielen wir große Reichweiten. Hier erreichen wir unsere Hörer. Hier bieten wir der werbetragenden Wirtschaft eine hervorragende Plattform. Nach den Landesmediengesetzen dürfen wir auch eine zweite Erlösquelle haben: Spenden. Die haben wir bis dato aber noch nicht bekommen", erklärte Schunk in "Promedia". DAB+ werde keine neuen Geschäftsmodelle hervorbringen.
Keine Frage von Subventionierung
Der erfolg der neuen Technologie sei auch keine Frage von Subventionierung. "Wir sollen auch nicht nach Subventionen rufen, wenn wir den Endgerätemarkt haben. Ich kann nicht, nachdem es eine Abwrackprämie beim Auto gab, jetzt auf einmal eine Aufbauprämie für DAB+-Geräte fordern. Das halte ich für politischen Nonsens. Der Hörer entscheidet, ob die Angebote so attraktiv sind, dass er sich ein neues Radiogerät zulegt". Die Diskussion um DAB+ erinnere ihn an die Diskussion um die Videogeräte: "Video 2000 war technisch überlegen, aber durchgesetzt hat sich VHS, weil ein japanischer Konzern zu vernünftigen Endpreisen für den Käufer das richtige Gerät hergestellt hat. Der Konsument wird entscheiden, was passiert."
Schunk hat nach eigenen Angaben bereits schlechte Erfahrungen mit dem Vorgänger Digital Audio Broadcasting gemacht: "Wir hatten uns übrigens auch an einem DAB-Pilotprojekt in Baden-Württemberg beteiligt. Als wir es abgeschaltet haben, haben wir keinen einzigen Beschwerde- Anruf bekommen, von einer E-Mail ganz zu schweigen."
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