Zuschauer wartet nicht auf HbbTV und Zusatzdienste
Viele Hersteller wollen derzeit mit aller Macht HbbTV (Hybrid broadcast broadband TV) als neuen Videotext-Nachfolger im Markt etablieren. Doch ob die Zuschauer das überhaupt möchten, ist eine ganz andere Frage.
Das sieht auch Birgit Stark, Professorin für Kommunikationswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz, so: "Wie schnell sich dieser Trend durchsetzen wird, ist deshalb meines Erachtens nach jetzt noch nicht absehbar. Aber die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass gerade interaktive Zusatzdienste beim Fernsehen aus Zuschauersicht nicht die gewünschten sind", sagte Stark im Interview mit dem in Berlin erscheinenden Branchenblatt "Promedia" (kommende Ausgabe).
Auch über die Pläne der Fernsehanbieter sei bislang zu wenig bekannt, um wirklich ernsthaft gemeinte Prognosen abgeben zu können. Die Vorläufer-Technik, die MHP-Plattform, sei damals an mangelnder Akzeptanz gescheitert. "Ich denke es ist Vorsicht geboten, aus einer technikgetriebenen Sichtweise bereits einen neuen Hype zu konstruieren. Die bisherigen Entwicklungstendenzen im Fernsehbereich deuten auf einen eher evolutionären Prozess hin", so die Expertin. Aus ihrer Sicht sei ein gemeinsamer technischer Standard die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Implementation im Markt.
Zuschauer will sich informieren und entspannen
In der Regel suche der TV-Zuschauer immer noch Information, Spaß und Entspannung. Selbst unter den 14 bis 29-Jährigen sei die Entspannungsfunktion eine sehr wichtige, die in den vergangenen zehn Jahren sogar an Bedeutung gewonnen habe.
Im Hinblick auf die immer beliebter werdenden Video-on-Demand-Portale sieht Stark keine Gefahr, dass die TV-Sender zur Reste-Rampe werden. "VoD-Plattformen bieten gegenwärtig oft auch Bekanntes und definieren sich bislang nicht ausschließlich durch exklusive Inhalte. Im Gegenteil, eine exklusive Versorgung mit ausgewähltem Content findet häufig für einzelne Anbieter nicht statt", so die Kommunikationswissenschaftlerin.
Eine deutsche Videoplattform nach Hulu-Vorbild könne die Nachfrage nach zeitversetzten TV-Inhalten pushen und damit für Filmfans sehr attraktiv werden. "Hochwertiger Content in Form von Serien und Kinofilmen und das zu möglichst niedrigen Preisen wären der richtige Weg, um das Interesse an On-Demand-Angeboten zu steigern. Denn wie sich in den letzten Jahren gezeigt hat, ist Video einer der wesentlichen Treiber der Entwicklung im Netz", erklärte Stark.
Die Nutzerschaft nehme kontinuierlich zu, zudem würden Videos auch zunehmend von immer mehr Menschen der mittleren und älteren Generation abgerufen, dabei seien Videoportale am attraktivsten.
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