3DTV auch ohne Brille - neuer Codec MVC machts möglich
Forscher des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts in Berlin haben einen neuen, platzsparenden Codec entwickelt, mit dem sich dreidimensionale Spielfilme übers das Internet oder Kabel und Satellit mit geringeren Bandbreiten als bisher übertragen lassen.
Das Format nennt sich Multiview-Video-Coding (MVC) und komprimiert 3D-Inhalte. Die Datenmenge schrumpft, aber die hochauflösende Qualität bleibt erhalten, teilte die Organisation am Montagnachmittag mit. Auf der International Broadcasting Convention (IBC) in Amsterdam wollen die Forscher vom 10. bis 14. September ihre Ergebnisse präsentieren.
Blockbuster wie "Avatar", "Oben" oder "Toy Story 3" sollen den 3D-Boom in heimische Wohnzimmer, auf Fernseher und Computer, überspringen lassen - auch, wenn es bereits kritische Stimmen gibt, die von einem Abebben des Hypes sprechen, weil einige Filme in den letzten Wochen floppten . Serienreife Displays gibt es bereits und auch neue Blu-ray-Player können dreidimensionale Filme abspielen. Zur Fußball-WM in Südafrika wurden die ersten Spiele schon stereoskopisch aufgezeichnet.
Problematisch bei der Übertragung íst die Kapazität der benötigten Daten - trotz immer schneller werdender Internet- und Satellitenverbindungen. 3D-Filme stellen höhere Anforderungen als zweidimensionale Filme, da für eine räumliche Darstellung wenigstens zwei Bilder benötigt werden. Mindestens zwei Kameras müssen den Film aufnehmen und ein 3D-Bildschirm zwei Bilder zeigen. Eines für das linke und eines für das rechte Auge.
Schon für reguläre Filme in HD-Qualität hatten die Forscher des Heinrich-Hertz-Instituts in Berlin mit H.264/AVC ein bekanntes Kompressionsverfahren mitentwickelt, dass Filme zwar kleiner rechnet, aber dabei die Qualität erhält. So ähnlich stellen sich die Erfinder das nunauch bei dreidimensionalen Inhalten vor. "Mit MVC werden die zwei Bilder, die für den stereoskopischen 3D-Effekt nötig sind, so zusammengepackt, dass die Bitrate des Films deutlich verringert wird", sagt Wissenschaftler Thomas Schierl. Bis zu 40 Prozent kleiner sei das Ergebniss. Er und seine Kollegen arbeiten daran, den Codec auch für die Fernsehübertragung vom Satelliten oder den Internetstream zu etablieren.
3D-Fernsehen auch ohne Brille für mehrere Zuschauer
"Die neuen Fernseher werden zunächst 3D-Filme nur von der Blu-ray Disc abspielen, die jetzt auch in der dritten Dimension kommt. Der nächste Schritt 3D ins Wohnzimmer zu bringen, soll über Broadcast-Kanäle oder IPTV-Kanäle möglich werden, die über DSL oder Kabel laufen", erklärt Schierl.
Das dreidimensionale Filmerlebnis im Wohnzimmer soll künftig gar ohne 3D-Brille möglich werden. Das MVC-Format verfügt nach Angaben der Forscher über die technischen Möglichkeiten, mehrere Aufnahmen ("Views") zu kodieren und komprimieren. Denn jeder Mitgucker auf dem Sofa hat einen unterschiedlichen Blickwinkel und braucht daher eine separate Ansicht, einen "eigenen" 3D-Film für seinen individuellen Sitzplatz. MVC will alle diese "Views" in einer kompakten Datei zusammenfassen - eine Settop-Box dekodiert diese Informationen und gibt sie an den Fernseher weiter.
Auch auf älteren Fernsehern und Settop-Boxen sollen sich die MVC-kodierten Filme abspielen lassen. Schierl erklärt das Verfahren: "Die erste 'View' entspricht dem Signal, das der existierende Fernseher empfangen kann und die zweite Ansicht würde man im gleichen Strom verstecken, so dass nur die neuen Empfänger diese nutzen können, für die älteren Geräte bleibt sie unsichtbar." Das ist besonders für Filmverleiher und Fernsehsender interessant, da sie sich um die Kompatiblität nicht kümmern müssen. Und auch Mobilfunker und Handyhersteller können mit MVC auf den 3D-Zug aufspringen.
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Kommentare zu diesem Artikel (einloggen zum Schreiben):
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Kommentar #2 vom 10.07.2011, 13:17
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Kommentar #1 vom 05.09.2010, 06:41