ARD & ZDF im Praxistest: HDTV zweiter Klasse
Seit dem 12. Februar senden ARD und ZDF in HD: Doch die verwendete 720p-Sendenorm nutzt das Medium nicht aus – wie ein Praxistest zeigt. Full-HD, also eine Panel-Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln, ist beim Fernsehkauf im Jahr 2010 Pflicht. Nicht so bei ARD und ZDF. Denn die Öffentlich-Rechtlichen senden ihr HD-Programm lediglich mit einer Auflösung von 1.280 x 720 Pixeln. Damit folgt man einer Empfehlung der Europäischen Rundfunkunion (EBU), die anhand mehrerer Versuchsreihen 720p mit 1080i verglichen hat und 720p bevorzugt. Allerdings stammt diese Versuchsreihe aus dem Jahr 2006. Seither haben sich sowohl die Verfahren für die Encodierung im Studio als auch die Bildschirme weiterentwickelt. Im Internet gibt es sogar bereits eine Petition (siehe rechts), um ARD und ZDF zur 1080i-Sendenorm zu bekehren.
Vergleich von Sport
Grund genug, mit modernen und korrekt kalibrierten Full-HD-Fernsehern und Full-HD-Projektoren einen A/B-Vergleich durchzuführen. Da kamen die Olympischen Winterspiele gerade recht. Denn sie wurden von der ARD und dem ZDF in 720p, von Eurosport in 1080i ausgestrahlt. Als Vergleich dienten die Eröffnungs- und Abschlussfeier sowie ein Eishockeyspiel.
40-Zoll-LCD, Betrachtungsabstand vier Meter: Hier waren praktisch keine Unterschiede auszumachen. Selbst feine Details wie das Publikum oder die Muster in den Flaggen der Nationen sahen bei der ARD/ZDF bzw. Eurosport-Übertragung gleich aus.
54-Zoll-Plasma, Betrachtungsabstand drei Meter: Hier wirkte die 1080i-Ausstrahlung von Eurosport schärfer und detailreicher. Die Unterschiede beschränkten sich in erster Linie auf Hintergründe.
2,80-Meter-Leinwand, Betrachtungsabstand vier Meter: Hier waren die Unterschiede am auffälligsten. Nicht nur, dass die Eurosport-Ausstrahlung selbst bei Bildinhalten im Vordergrund schärfer wirkte, auch waren detailreiche Hintergründe bei 1080i weniger unruhig. Sowohl bei statischen Bildern als auch bei Kameraschwenks.
Von der seitens ARD und ZDF vielgepriesenen besseren Bewegungsschärfe durch die Progressive-Ausstrahlung war nichts zu sehen. Der Grund: Praktisch alle großen Sportereignisse, darunter die Olympischen Spiele, die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika und sogar die Fußball-Bundesliga werden in 1080i produziert. ARD und ZDF wandeln diese Bilder ins Vollbild-Format 720p mit der niedrigeren Auflösung um – und Full-HD-Fernseher rechnen sie wiederum auf die Auflösung 1.920 × 1.080 Pixel hoch.

Obwohl in 1080i produziert, strahlten ARD HD und ZDF HD die Olympischen Winterspiele in 720p aus.

Vergleich von Filmen
Bei Spielfilmen ist der Vorteil von 1080i-Ausstrahlungen unbestritten. Denn moderne Displays können die gesendeten Halbbilder korrekt zu Vollbildern zusammensetzen, so dass die Full-HD-Auflösung mit 1080p artefaktefrei realisiert wird.
Bei Filmen können Sie den Unterschied selber testen. Nehmen Sie sich eine Blu-ray-Disc und eine detailreiche Szene ohne viel Bewegung, da hier Unterschiede leichter wahrnehmbar sind. Stellen Sie den Player auf 1080i und schauen sich die Szene an. Achten Sie auf Kleinigkeiten in Hintergründen. Stellen Sie Ihren Player auf 720p und schauen Sie sich dieselbe Szene erneut an. Abhängig davon, wie groß Ihr TV und Ihr Sehabstand ist, sollte Ihnen die 1080i-Präsentation das detailreichere und ruhigere Bild liefern.

Die Schlossfassade (roter Rahmen) bei "Mission Impossible 3" (42:03) verdeutlicht
den Qualitätsunterschied zwischen 720p und 1080i. Bei den Bildernhandelt es sich um Original-Blu-ray-Grabs.

Fazit
Bei Filmen und großen Sportereignissen liefert 1080i in der Regel das bessere Bild. Daher sollten ARD und ZDF dem Beispiel unserer holländischen Nachbarn folgen. Hier rückte man beim Staatsfernsehen NPO nach massiven Zuschauerbeschwerden über die Bildqualität bei der Übertragung der Fußball-EM 2008 von 720p ab und sendet seit 2009 in 1080i. cs

Unter ipetitions.com/petition/jetzt1080i kann man eine Online-Petition für 1080i bei ARD und ZDF unterschreiben.
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Kommentar #1 vom 06.10.2011, 10:39