Kabel pocht auf Führungsrolle bei digitalem Fernsehen

vom 31.10.09 | 11:52

"HD+" lässt kurz vor Start Fragen offenDie deutschen Kabelnetzbetreiber wollen den Programmveranstaltern und Inhalteanbietern neue Wachstumschancen mit digitalem Fernsehen und Breitband-Internet eröffnen.

Anlässlich eines Pressegesprächs zu den Medientagen München trommelten die Branchenvertreter Thomas Braun (Präsident der ANGA), Adrian v. Hammerstein (CEO, Kabel Deutschland), Harald Rösch (CEO, KabelBW) und Dietmar Schickel (CCO, Tele Columbus) für ihre Triple-Play-Netze, die gleichzeitig Breitband-Internet, Telefon sowie digitales und analoges Fernsehen zum Zuschauer transportieren.

Kabelbranche fühlt sich von der Politik benachteiligt
Die Kapazität der Netze erlaubt superschnelles Breitband-Internet, neuartige "hybride" Fernsehangebote ebenso wie neue Free-TV- und Pay-TV-Geschäftsmodelle, schwärmten die Anwesenden. Anga-Präsident Thomas Braun sagte, Digitalisierung bedeute nicht, dem Zuschauer analogen Wein aus digitalen Schläuchen einzuschenken, sondern neue Erlebniswelten zu eröffnen und den Kunden einen echten Mehrwert zu bieten.

Das Kabel habe die Reichweite, die Kapazität und die Kundenbasis, um zum Wachstums- und Innovationsmotor im Digital-TV zu werden, zeigte sich Braun überzeugt und appellierte an Politik und Marktpartner, die Besonderheiten des Kabels zu erkennen und gemeinsam kreativ zu nutzen. Dass viele Netzbetreibern bei Themen wie HDTV oder Video-on-Demand das Potenzial ihrer Infrastruktur derzeit nicht annähernd ausnutzen, ließ er unerwähnt.

Stattdessen hob er den endlich angelaufenen Umstieg von analoger zu digitaler Nutzung im Kabel mit hohen jährlichen Wachstumsraten von zuletzt 40 Prozent hervor und warb für neue Generationen von Festplatten basierten Digital-Receivern, attraktiv gestaltete Bildschirmmenüs und eine ständig wachsende Zahl von Programmen und Diensten.

Kritik an ARD und ZDF: Zu geizig beim Thema HDTV
Braun kritisierte erneut, dass ARD und ZDF dem Kabel die Einspeisung ihrer HD-Programme zu marktüblichen Konditionen verweigern, während sie bei der Satellitenübertragung die erheblich höheren Übertragungskosten zahlten. Aufgrund der höheren Bandbreiten fordern die Netzbetreiber deutliche Aufschläge bei den Einspeisegebühren, ARD und ZDF sehen das Thema HD durch die bestehenden Verträge abgedeckt (SAT+KABEL berichtete mehrfach).

Die Öffentlich-Rechtlichen seien verpflichtet, die Infrastrukturen gleich zu behandeln und können nicht durch die Einführung neuer Technologien oder Angebote die bestehenden und bewährten Marktmodelle einseitig und auch zulasten der Kabelkunden ändern, kritisierte der ANGA-Vertreter.

Adrian von Hammerstein (CEO Kabel Deutschland) betonte, dass sich das Kabel inzwischen als erfolgreichster Angreifer im Breitbandmarkt etabliert habe und zugleich seine Führungsrolle beim Fernsehempfang verteidigen werde. Bereits jetzt verzeichnet Kabel Deutschland in ihren Netzen mehr Abonnenten eigener Abo-TV-Programme als Sky-Abonnenten. Kabel Deutschland bekenne sich ausdrücklich zum "CI-Plus"-Standard, sagte von Hammerstein. Damit könnten TV-Geräte per Modul digitale Kabelprogramme entschlüsseln, ohne in zusätzliche Geräte zu investieren. Der Standard ermöglicht allerdings auch technische Schikanen, etwa das Sperren von Aufzeichnungen oder deren zeitgesteuerte Löschung.

 

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