Blu-ray-Test: Oben
Trotz eines Einspiels von 683 Millionen Dollar zog das neueste Animationsabenteuer aus dem Hause Pixar an den Kinokassen gegenüber "Ice Age 3" mit 884 Millionen den Kürzeren. In Sachen Tiefgang und Emotionen haben die Kreativköpfe von Pixar hingegen die Nase ganz weit vorn. Auch das ein oder andere Tränchen beim Zuschauer ist keine Seltenheit, man denke nur an die tragikomische Liebesgeschichte von Müllroboter "Wall•E".
Die Story
Dass man aber so schnell wie in "Oben" zum Taschentuch greift, ist selten. Auslöser der Schniefattacke sind die rührendsten zehn Minuten des vergangenen Kinojahres: Herzerwärmend und fast ohne Worte schildert eine Montage das Leben des Protagonisten Carl Fredricksen. Bevor aus dem 78-Jährigen ein grantiger Witwer wurde, führte er eine glückliche Ehe mit seiner Frau Ellie. Nur den Traum von gemeinsamen Abenteuern in Südamerika konnte sich das Paar nie erfüllen. Doch ehe man Carl ins Altersheim steckt, beschließt er noch mal richtig Gas zu geben, und zwar sprichwörtlich: Mit heliumgefüllten Ballons funktioniert er sein Haus zum Luftschiff um und segelt gen Süden. Unfreiwillige Gesellschaft leistet ihm der achtjährige Pfadfinder Russell, der sich als blinder Passagier unter der Veranda versteckt hat.
Die Abenteuer des ungleichen Duos begeistern mit einer originellen Mischung aus verrückten Ideen und gut gesetzten Pointen. Und Pixar wäre nicht Pixar, setzte die detailverliebte Optik nicht animationstechnische Maßstäbe. Welch guter Ruf den Machern vorauseilt, beweist nicht zuletzt die Tatsache, dass "Oben" als erster Animationsfilm die Filmfestspiele von Cannes eröffnen durfte.

Über den Wolken: Senior Carl Fredricksen und sein jugendlicher
Begleiter Russell an Bord ihres fliegenden Hauses.
Bonusmaterial auf Disc 1
Die Extras des Zwei-Disc-Sets sind zwar nicht so umfangreich wie beim Vorgänger "Wall•E", dafür stimmt die Qualität. Blu-ray-exklusiv gibt es den Cine-Explore-Modus, der den Regiekommentar von Peter Docter und Bob Peterson mit einer Bild-im-Bild-Spur kombiniert. Die informativen Ausführungen des Duos werden nonstop und teilweise in mehreren Fenstern (siehe Bilder unten) von Konzeptzeichnungen, animierten Storyboards sowie Videomaterial, das den Animationsexperten als Vorbild diente, visualisiert. Anders als bei "Wall•E" ist es jedoch nicht möglich, der Kommentarspur ohne den Bild-im-Bild-Track zu lauschen.
Kurzfilme haben bei Pixar Bonusmaterial-Tradition und so finden sich auf Disc 1 sowohl der aus dem Kino bekannte Vorfilm "Teilweise wolkig" als auch der neue CGI-Streich "Dugs Sondereinsatz". Dass bei einem geschätzten Budget von 175 Millionen Dollar (zum Vergleich: "Ice Age 3" kostete 90 Millionen) genug Geld vorhanden war, um die Filmemacher auf eine Recherchereise nach Venezuela zu schicken, zeigt der 22-minütige Beitrag "Das Abenteuer wartet". Das Team bestieg die bis zu 3.000 Meter hohen Tafelberge im Dschungel, um sich einen hautnahen Eindruck von den Sandsteingebilden zu verschaffen, die im Film eine große Rolle spielen. Abgerundet werden die Filmdisc-Boni durch entfallene Szenen.

Der Cine-Explore-Modus visualisiert teilweise mit mehreren Fenstern den Regiekommentar.

Bonusmaterial auf Disc 2
Noch mehr entfallene Szenen finden sich auf der zweiten Scheibe. Herzstück der Bonus-Disc sind jedoch sieben Dokumentationen mit einer Laufzeit von 40 Minuten. Die Beiträge befassen sich mit der Entwicklung der Charaktere und den Tücken beim Animieren der verschiedenen Figuren. So wurde beispielsweise ein Experte für Hunde-Verhaltensweisen engagiert, um die Körpersprache und verschiedenen Ausdrucksweisen der Vierbeiner möglichst realitätsnah zu simulieren. Ferner vorhanden ist das interaktive "Geo-Grips-Abzeichen"-Spiel (siehe Bild oben). Hier gilt es die eigenen Geografie-Kenntnisse unter Beweis zu stellen, und zwar durch das korrekte Zuordnen von Hauptstädten auf verschiedenen Kontinenten.
Ebenfalls erhältlich ist ein Vier-Disc-Set, das zusätzlich eine DVD-Version des Films sowie eine Digital-Kopie für den PC enthält. (ce)
In verschiedenen Dokus kann man den Animationsexperten von Pixar
bei der Arbeit über die Schulter blicken.

Im "Geo-Grips-Abzeichen"-Spiel muss man unter anderem
europäische Hauptstädte dem richtigen Land zuordnen.
Bildqualität: Dank kräftiger Bonbonfarben, ausgezeichneter Schärfe und einer hohen Tiefenwirkung bewegt sich der defektfreie 1,78:1-Digitaltransfer wie der letzte Pixar-Film "Wall•E" auf Referenzniveau. Erneut ist die Detailzeichnung der computeranimierten Welt umwerfend: In Texturen und auf Oberflächen – egal ob in Hintergründen oder vorne – sind selbst kleinste Einzelheiten zu entdecken: sei es die Faserstruktur in Textilien (16:32) oder die Bartstoppeln, die Carl im Laufe des Films auf dem Kinn wachsen (bei 59:44 und 71:59).
Tonqualität: Ohne große Effekthascherei hüllt die 5.1-Abmischung den Zuschauer nonstop mit einer räumlichen Klangkulisse ein. Präzise Effekte sind trotzdem keine Mangelware: Die Palette reicht von Baulärm (13:32) über herabstürzende Felsen (62:22) bis hin zum dröhnenden Angriff eines Flugzeugs (80:08). Das Referenz-Niveau von "Wall•E" und "Cars" erreicht der Ton zwar nicht, trotzdem reicht es für sechs Punkte.
Extras: Disc 1: Cine-Explore-Modus, Kurzfilme "Teilweise Wolkig" (5:46) und "Dugs Sondereinsatz" (4:40), "Das Abenteuer wartet" (22:18), "Viele Enden für Muntz" (4:56). Disc 2: "Eheleben" (9:15), interaktives "Geo-Grips-Abzeichen"-Spiel, sieben Dokumentationen (40:01).
Fazit: Das beste an Pixars neuestem Computerfilm sind nicht die liebenswürdigen Figuren oder die an Perfektion grenzende Animationsqualität, sondern die rührend erzählte Geschichte. Ein CGI-Meisterwerk.
| Die Wertung | |
| Film |
6 von 6 Punkten |
| Bildqualität |
6 von 6 Punkten |
| Tonqualität |
6 von 6 Punkten |
| Bonusmaterial |
5 von 6 Punkten |
| Die technischen Daten |
|
| Anbieter |
Disney |
| Originaltitel |
Up |
| Laufzeit |
96 Minuten |
| FSK |
ab 0 Jahren |
| Bildformat | 1,78:1 (1080/24p) |
| Ton Deutsch |
DTS 5.1 |
| Ton Englisch |
DTS-HD Master Audio 5.1 |
| Erhältlich | ja |
Dieser und viele weitere Blu-ray- und DVD-Tests sind in der audiovision 2/2010 erschienen.
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