Blu-ray-Test: Captain America – 3D
"Von allen 3D-Szenen ist das eine der besonders aggressiven" gibt Kameramann Shelly Johnson zu Beginn eines unterhaltsamen Audiokommentars zu Protokoll. Dabei bezieht er sich aber nicht auf eine aufwändige Actionszene, sondern auf das computeranimierte Paramount-Logo. Leider hat er recht, denn der dreidimensionale Rest des Films fällt eher enttäuschend aus.
Der 3D-Effekt
Denn wie bei der Leinwand-Adaption von "Thor" wurde "Captain America" nicht in 3D gedreht, sondern nachträglich am Computer in die dritte Dimension gebracht. Die Konvertierung verfügt zwar über einen harmonischen 3D-Eindruck, der aber nicht sehr ausgeprägt ausfällt. Während Personen wie Objekte differenziert und gestaffelt im dreidimensionalen Raum wahrnehmbar sind, kann die Raumtiefe weniger überzeugen. Luft nach hinten bleibt viel, selbst bei Landschaftsaufnahmen in der Totalen, wie der Blick vom Berg ins Tal bei 82:12 zeigt. Auch die Straßenschluchten New Yorks vermitteln nicht die erdrückende Größe der Gebäude (112:50). Objekten und Figuren fehlt es an Körperlichkeit und Plastizität, so wirkt das Bild manchmal fast so flächig wie die 2D-Version. Angestrebte Pop-Out-Effekte, wie etwa der frontal auf den Zuschauer zufliegende Schild des Captain (93:33), sind wenig ausgeprägt und lassen nicht das Gefühl aufkommen, sich ducken oder ausweichen zu müssen. Scherenschnitte oder Rahmenverletzungen wurden nicht auffällig.
Die Story
Der Film an sich ist besser als der 3D-Effekt, kann aber nicht mit den Marvel-Verfilmungen von "Iron Man" oder "Spider-Man" konkurrieren. Im Zweiten Weltkrieg entdeckt der Nazi Johann Schmidt (Hugo Weaving) ein Artefakt, mit dessen Energie er Superwaffen baut, um nach der Weltherrschaft zu greifen. Derweil wird in Amerika der schmächtige Rekrut Steve Rogers (Chris Evans) vom Militär per Geheimserum zum muskelstrotzenden Vorzeigesoldat mit Superkräften transformiert. Seinem Werbeauftrag als PR-Figur "Captain America" kehrt er schnell den Rücken zu, um im Kampf gegen Schmidt echte Heldenqualitäten zu beweisen.
Das Bonusmaterial
Neben dem bereits erwähnten Kommentar bilden sieben Featurettes mit einer Gesamtlaufzeit von rund 50 Minuten das Bonus-Herzstück des 3-Disc-Sets (Disc 2 ist der Film in 3D, Disc 3 der Film als DVD und Digitalkopie). In "Captain Americas Wurzeln" spricht Comic-Mitschöpfer Joe Simons über die Vorlage und ihren Helden, während "Ausstattung eines Helden" die Ästhetik der Comics und ihren Einfluss auf den Film und die Kostüme beleuchtet.
"Hinter dem Schädel" und "Erweiterte Technologie" widmen sich den Nazi-Bösewichten, ihren Fahrzeugen und der Waffentechnik. Zu sehen gibt es Designentwürfe, Bauten und die Verwandlung Hugo Weavings zum Oberschurken mit feuerrotem Totenschädel. Die technischen Kniffe von Hauptdarsteller Chris Evans Verwandlung vom schmächtigen, kurzgewachsenen Knaben zum muskelprotzenden "Captain America" bekommt man in "Die Verwandlung" erklärt.
"Das Zusammentreffen beginnt" ist hingegen weniger eine Featurette denn vielmehr ein Trailer für den im April ins Kino kommenden "Marvel's The Avengers", der die Helden des Marvel-Comic-Universums erstmals auf der Leinwand vereint. Wer mehr darüber erfahren möchte, sollte sich den Abspann des Films bis zum Ende anschauen.

In "Die Verwandlung" erfährt man via Split-Screen, wie aus dem muskulösen Chris Evans
ein Schwächling wurde.
Fazit: Die Filmadaption des gleichnamigen Marvel-Comics bietet kurzweiliges Popcorn-Kino mit tollen Effekten und sympathischem Superheld.
Bildqualität: 2D: Eine auf Hochglanz polierte "Iron Man"-Optik darf man nicht erwarten. Mit entsättigte Brauntönen und einem eingeschränkten Kontrast visualisieren die Macher Zweite-Weltkrieg-Optik. Nur in einigen hellen Tageslichtszenen bietet das Bild HD-Wow-Feeling. In dunklen Bildbereichen rauscht es hier und da leicht (18:19). 3D: Die 2D/3D-Konvertierung überzeugt nicht. Die Raumtiefe reicht nicht sehr weit nach hinten, Figuren wirken wenig plastisch und körperhaft. Trotz der geringen Tiefe sind Bildinhalte im Raum differenzierbar.
Tonqualität: Der 5.1-Sound donnert, wie man es von einem modernen Blockbuster-Spektakel erwartet. Der Score spielt luftig, seidig und voluminös, die Effekte rumpeln räumlich, präzise und mit heftiger Dynamik durch den akustischen Raum. Der Tiefbass (z.B. Panzergrollen) grummelt mächtig und bringt das Heimkino gehörig zum Beben. Der englische 7.1-HD-Mix offeriert mehr Details als die deutsche Dolby-Digital-Spur.
Noch immer bietet Paramont HD-7.1-Ton nur bei der englischen Originalspur an,
Synchronsound gibt es nur in 5.1-Dolby-Digital.
Extras: Audiokommentar, "Marvel Einstellung: Etwas Lustiges geschah auf dem Weg zu Thors Hammer" (4:03), "Ausstattung eines Helden" (10:52), "Howling Commandos" (6:07), "Erweiterte Technologie" (5:43), "Die Verwandlung" (8:50), "Hinter dem Schädel" (10:24), "Captain Americas Wurzeln" (3:55), "Das Zusammentreffen beginnt" (1:47), entfallene Szenen (5:32), Trailer, Film auf DVD, Digitalkopie.

"Ausstattung eines Helden" informiert über Captain Americas Kostüm,
die Comic-Ästhetik und deren Einfluss auf den Film.

In "Erweiterte Technologie" werden die Waffen und Fahrzeuge der Nazis vorgestellt;
hier der Wagen von Oberschurke Schmidt.
| Die Wertung | |
| Film |
4 von 6 Punkten |
| Bildqualität |
5 von 6 Punkten |
| Tonqualität |
5 von 6 Punkten |
| Bonusmaterial |
3 von 6 Punkten |
| Die technischen Daten |
|
| Anbieter |
Paramount |
| Originaltitel |
Captain America: The First Avenger |
| Laufzeit |
124 Minuten |
| FSK |
ab 12 Jahren |
| Bildformat | 2,35:1 (1080/24p) |
| Ton Deutsch |
Dolby Digital 5.1 |
| Ton Englisch |
DTS-HD Master Audio 7.1 |
| BD-Live | nein |
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