Leserbrief: Dolby Atmos in der Pampa

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Hallo audiovision-Testteam. Ich habe fast alle Receiver-Tests von euch gelesen, da mein TV-Ton schlecht und der Stereoverstärker 25 Jahre alt ist. Doch bei allen Tests ärgert mich, dass die Bewertung und Bedienung der 2-Kanal-Stereo-Verstärkung aus meiner Sicht zu kurz kommt, dafür aber Surround-Spielereien wie Dolby Atmos zu viel Platz eingeräumt wird. Letzteres ist doch wohl nur etwas für Leute, die in der Pampa wohnen.
Ich habe einmal eine CD mit einem Denon-Receiver AVR-X2300 im 2-Kanal probegehört – und das war bei einfacher Umschaltung und unter Audyssey ein wahrer Graus. Erst nach Abschaltung von Audyssey oder „Pure Direct“ ging es leidlich. Man hatte trotzdem das Gefühl, Höhen und Bass verändern zu müssen.

Dieser Eingriff über den parametrischen EQ war allerdings wenig komfortabel und für meine Frau nicht zumutbar. Da fragt man sich, warum es keine einfache Treble/Bass-Bedienung für den 2-Kanal-Stereo-Betrieb gibt und warum Audyssey dann nicht automatisch abgeschaltet wird?

Außerdem wird in den Tests immer hervorgehoben, wie gut ein Heimkino-Receiver im 2-Kanal-Stereo-Pure-
direct-Modus ist. Dem normalen Hörer hilft das wenig, da beim Test immer eine super aufgenommene Quelle vorliegt, was aber höchstens für 25 Prozent aller zu kaufenden Quellen zutrifft. Bei den restlichen 75 Prozent hat man doch hin und wieder das Gefühl, Bass und Höhen verändern zu müssen – und das sollte doch einfacher zu bedienen sein (wenigstens über eine App) als bei unserem alten Stereoverstärker.

Zum Schluss noch eine Bitte in eigener Sache: Welcher AV-Receiver hat die einfachste Bass/Treble-Einstellung im 2-Kanal-Stereo-Modus (über die Fernbedienung oder eine App)? Johannes Stark, per E-Mail

audiovision: Wir stimmen Ihnen zu, die Bedienung von AV-Receivern ist kompliziert. Dies liegt jedoch in der Natur der Sache, denn als Herzstück des Heimkinos müssen die AV-Zentralen einen Funktionsumfang bieten, der allen Eventualitäten eines modernen Heimkinos gerecht wird. Die Komplexität eines Geräts spiegelt sich damit zwangsläufig in der Bedienung wider. Die Steuerung via App bringt vor allem bei Sonderfunktionen (Multiroom, Einmess-Apps) praktische Vorteile, im Alltag geht es mit dem klassischen Steuerstab aber schneller und einfacher.

Die von Ihnen erwähnte „Treble/Bass“- Funktion verstecken die meisten Hersteller im „Options“-Pop-up-Menü (auch bei Denon nach Abschalten von Audyssey), Direkt-Tasten hierfür gibt es auf den Fernbedienungen in der Regel nicht. Anders bei den Apps, hier bietet etwa Onkyos „Remote“-App leicht zugängliche Bass/Höhen-Schieber im Hauptmenü, die Receiver der Japaner besitzen zudem Tonregler am Gerät selbst. Zugriff auf den Equalizer oder das Einmess-System bekommt man dagegen nur in den Tiefen der Unter­menüs. Diese Funktionen werden jedoch nicht täglich neu konfiguriert und sind daher auch nicht direkt aufrufbar.

Dass Denons AVR-X2300 klanglich Ihre Erwartungen verfehlt, ist bedauerlich, dies dürfte aber nicht am Gerät liegen. Denn in unserem Test (8-2016) war der 700 Euro teure Einsteiger alles andere als ein „Graus“ und holte sogar den Testsieg. Oft sind eine suboptimale Raumakustik und/oder eine unglück­liche Boxenaufstellung für ein negatives Klangempfinden ausschlaggebend – oder eben eine miese Tonaufnahme.

Hörtests werden von uns im reinsten Klangmodus („Pure Direct“) durchgeführt, um den Original-Sound eines Geräts beurteilen zu können; also ohne signalbeeinflussende Tonschaltungen. Im zweiten Hördurchgang nehmen wir uns die Einmess-Automatik und Klangprogramme zur Brust – hier wird dann das Maximum herausgekitzelt. Hierzu zählt natürlich auch die Bewertung der 3D-Ton-Performance mit Höhenboxen, die normalem HD-Ton meist überlegen ist. Dies gilt übrigens nicht nur für große Heimkinos von Pampa-Bewohnern, sondern auch für kleine Hörräume, die man dank Aufsatz-Boxen problemlos mit 3D-Sound aufrüsten kann.

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