Panasonic TX-77EZW1004 (Test)

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Handfest: Die beiden Signalgeber zeichnen sich durch eine solide Verarbeitung aus. Wir ziehen den klassischen Signalgeber allerdings dem kompakten Touchpad-Controller vor.

Mit knapp zwei Metern Diagonale sowie 20.000 Euro unverbindlicher Preisempfehlung steht der brandneue OLED TX-77EZW1004 an der Spitze von Panasonics TV-Portfolio. Stürmt er auch unsere Bestenliste?

Vom OLED-Preisverfall der letzten Zeit ist beim Panasonic TX-77EZW1004 wenig zu spüren. Schließlich bekommt man für das gleiche Geld ganze vier Philips 55POS9002 (Test in audiovision 11-2017) und obendrein Sonys 4K-Projektor VPL-VW550ES (audiovision 3-2017). Nichtsdestotrotz weckt er in uns ein Gefühl der Begierde – erst recht, wenn die organischen Pixel das 77-Zoll-Display erhellen: Noch nie haben wir ein so brillantes und dynamisches XXL-Bild gesehen!

 

Ausstattung und Praxis

Designtechnisch erweist sich der EZW1004 als Blickfang: Wie beim kleinen Bruder (audiovision 7-2017) scheint der Schirm über der Soundbar zu schweben. Für festen Stand sorgt dabei das darunter versteckte, einen guten Meter breite Metallgestell. Ein vernünftiges Kabelmanagement à la Sony A1 bietet Panasonics OLED aber nicht – frei im Raum stehend kommen auf der Rückseite sämtliche Strippen zum Vorschein.

Kontaktfreudig: Panasonics TV-Flaggschiff wartet mit allen wichtigen Schnittstellen samt Quattro-Tuner sowie SD-Kartenleser auf. Die Anschlüsse lassen sich abdecken.

Die mitgelieferte Soundbar ist mit knapp 166 Zentimetern fast so breit wie der 77-Zöller selbst und wurde von den Soundspezialisten der hauseigenen Marke Technics getunt. Darin finden zwei Hochtöner, vier Mitteltöner sowie acht Tieftöner samt Quad-Passivradiator Platz. Mit eigenen Augen davon überzeugen können wir uns nicht, da eine feste Stoffabdeckung die Treiber schützt, jedoch sind unsere Ohren durchaus angetan: Das Ensemble erzeugt eine weite Stereo-Basis mit sonorem Grundton sowie sehr guter Sprachverständlichkeit und bringt angesichts des fehlenden Subwoofers sogar Bässe ab 50 Hertz relativ sauber zu Gehör. So tuckert zum Beispiel das Motorrad im Intro von „Werner – Volles Rooäää!!!“ authentisch vor sich hin. Nur in noch tieferen Frequenzbereichen geht dem Audiosystem die Luft aus, wodurch Explosionen einen gewissen Wumms vermissen lassen.

Reference Surround Sound Pro: Das Klangtuning der fast 170 Zentimeter breiten sowie 80 Watt starken Soundbar übernimmt die hauseigene Marke Technics.

Vier Endstufen mit 80 Watt Leistung ermöglichen zwar enorme Pegelspitzen bis 95 Dezibel, was allerdings mit einem Trick verbunden ist: Bei Lautstärkeeinstellungen oberhalb von „45“ senkt der TV die Bässe ab und verstärkt die Mitten stark, bis das Klangbild dünn, blechern und aggressiv wirkt. Bei normaler Zimmerlautstärke klingt die leicht schräg zum Hörer abstrahlende Soundbar hingegen tonal wesentlich balancierter sowie erstaunlich präzise. Ist der Fernseher wandnah aufgestellt, korrigiert die Funktion „Klang-Umgebungsanpassung“ einen gegebenenfalls zu stark aufgeblähten Grundton.

Authentischer Raumklang: Durch seitlich über die Wände reflektierte Klanganteile verbreitert der Modus „Virtual Surround+“ die Stereowirkung enorm.

Neben dem recht neutralen Tonmodus „Standard“ produziert „Musik“ leicht zurückgenommene Mitten und „Ambiente“ einen dezenten Raumklang-Effekt. Im Modus „Benutzer“ sind die beiden Bass-/Höhen-Regler zugunsten eines nun verfügbaren Acht-Band-Equalizers gesperrt. Er bietet fundierten Klangtüftlern manuelle Korrekturen im Frequenzbereich zwischen 150 Hertz und 12 Kilohertz. Weniger in Nachrichtsendungen als vielmehr in Actionfilmen wie dem Sci-Fi-Klassiker „Das fünfte Element“ sorgt die zweistufige Funktion „Virtual Surround+“ für regelrechten Hörspaß: Sie lässt klar von der Seite ortbare Stereo-Effekte über die Wände zum Hörer reflektieren und versieht sie mit einem verblüffend authentischen Hall-Effekt. So entsteht eine dreidimensionale Akustik mit einem weit über den Riesen-TV hinausreichenden Klangfeld.

Zudem könnte die Kunststoffabdeckung trotz Lederoptik angesichts des Preises etwas hochwertiger sein. Über die Vesa-Gewinde (400 x 300 Millimeter) ist eine Wandmontage möglich; die Halterung sollte aber für ein Gewicht von 35 Kilogramm ausgelegt sein.

Rundum gelungen: Seit dem Rückzug von Mozilla führt Panasonic das Firefox-Betriebssystem in Eigenregie fort – die Benutzeroberfläche erscheint gewohnt übersichtlich.

Angesichts seiner Größe fällt der TX-77EZW1004 recht leicht aus. Außer 3D hat er dennoch alles an Bord, was man sich von einem Fernseher nur wünschen kann: Das Herzstück bildet natürlich das sieben Millimeter schlanke „Master HDR OLED“-Panel mit reflexionsminderndem „Absolute Black Filter“.

Saubere Sache: Damit man sich auf der Startseite nicht durch unzählige Icons kämpfen muss, können Lieblingsapps und -sender in Ordnern zusammengefasst werden.

Die Signalverarbeitung übernimmt der „Studio Colour HCX2“-Prozessor, der durch die Verwendung von 3D-Lookup-Tabellen bereits ab Werk eine erstklassige Farbwiedergabe verspricht. Wem das nicht ausreicht, der kann das TV-Gerät via Calman halbautomatisch kalibrieren – ebenso steht ein detailliertes manuelles Farbmanagement zur Verfügung.

In Panasonics App-Portal finden sich neben gängigen Internet-Diensten auch diverse TV-Funktionen wie „Multi Window“, welche zwei Signalquellen parallel wiedergibt.

Ein Highlight ist die umfassende TV-Ausstattung: Panasonic verbaut einen Quattro-Tuner, der die (doppelte) Empfangseinheit für Satellit, Kabel sowie DVB-T2 mit der TV-over-IP-Technik kombiniert. Dank HLG-Unterstützung gibt der EZW1004 entsprechende Fernsehprogramme in HDR-Qualität wieder. Zudem können dynamikreiche Videos über HDMI, USB, SD-Slot, Netzwerk und die Streaming-Portale von Amazon sowie Netflix wiedergegeben werden.

Konnektivität par excellence: Der TX-77EZW1004 ist mit zahlreichen Netzwerkfeatures bestückt; von „TV-over-IP“ über „TV Anywhere“ bis hin zu „Screen Mirroring“.

Via USB zugespielte HLG-Clips der Panasonic-Kamera GH5 erscheinen äußerst dynamisch. Das HDR10+ Format mit Nutzung dynamischer Metadaten kommt per Firmware-Update, Dolby Vision wird hingegen nicht unterstützt.

Bildqualität

Mit schnöden Messwerten und kleinkarierter Pixelzählerei wird man dem Zwei-Meter-OLED kaum gerecht: Das fast randlose Design, die nahezu reflexionsfreie Beschichtung und die sich aus einer unendlich tiefen Schwarzdarstellung speisende Farbenpracht hauen uns um.

Mehr als nur Rot, Grün und Blau: Profis bekommen ein detailliertes Farbmanagement an die Hand, über das auch die Komplementärfarben angepasst werden können.

Jeden Fortschritt der Bildquelle präsentiert das OLED-Flaggschiff auf dem Silbertablett; seien es die Detailfülle und Bildschärfe oder die Dynamik und Farbenpracht von professionellen HDR-Inhalten. Zudem blenden die gut 700 Candela hellen Spitzlichter den Zuschauer regelrecht und selbst vollflächiges Weiß (mit nur noch 150 Candela Leuchtdichte) wirkt aufgrund der riesigen Bildfläche ungemein hell – zumindest in dunkler Umgebung. Aber auch tagsüber lässt sich mit kleinen Anpassungen ein gut durchgezeichnetes Bild erzielen.

Trotz „Absolute Black Filter“ macht es einen Unterschied, ob man den OLED-TV am Abend oder im taghellen Wohnzimmer nutzt: Dort steuert das SDR-Preset „Cinema Bright Room“ dunkle Konturen deutlich stärker aus, wobei eine Anhebung des Helligkeitsreglers um bis zu fünf Punkte die besten Resultate liefert.

HDR-Szene: Die Presets „Professionell 1“ und „THX Bright Room“ differenzieren auch dunkelste Konturen, wirken in sehr heller Umgebung jedoch etwas düster.

Spielt man dem TX-77EXW1004 HDR-Signale über einen Ultra-HD-Blu-ray-Player zu, wird zunächst das besonders helle HDR-Preset „Normal“ aktiviert. Es liefert 770 Candela in Spitzlichtern (APL zehn Prozent) und 162 Candela im weißen Vollbild (APL 100 Prozent), erscheint mit 9.170 Kelvin aber recht kühl. Nahezu perfekt abgestimmt sind die beiden „Professionell“-Modi sowie „THX Bright Room“ mit 6.470 Kelvin. Letzterer schafft 704 Candela in Spitzlichtern respektive 150 im Vollbild. Bezüglich des Tone-Mappings verhalten sich beide Presets jedoch ähnlich und könnten unter starkem Auflicht eine hellere Charakteristik vertragen. Im Modus „THX Bright Room“ sind die Gammajustagen gesperrt, während „Professionell 1“ und „Professionell 2“ durchaus Korrekturen zulassen. Noch ein Tipp für sehr helle Räume: In einer Gegenlicht-Szene eines Sonnenuntergangs erzeugt das HDR-Preset „True Cinema“ mit der zusätzlichen Funktion „HDR Brightness Enhancer“ das hellste Tone Mapping.

Variables Tone-Mapping: Die (in den THX-Modi gesperrten) Gammaregler hellen Konturen der Felsen auf, ebenso die Funktion „HDR Brightness Enhancer“.

Am Abend und in dunkler Umgebung wird naturgemäß keine Aufhellung gebraucht: Dann erkennt das Auge problemlos auch dunkelste Abstufungen und kann die besonders reinen Farben des riesigen OLED-TVs optimal genießen.

Volles DCI-P3-Spektrum: Im HDR-Preset „Professionell 1“ oder „HDR Bright Room“ trifft der OLED-Riese alle Farben exakt und liefert neutrales Weiß.

Weitere Highlights sind die herausragende Blickwinkelstabilität von Farben sowie Kontrasten, die Homogenität großflächiger Bildbereiche und zu guter Letzt die bei TV- wie Kinomaterial ausgezeichnete Bewegungsschärfe: In der Benutzer-Einstellung der „Intelligent Frame Creation“ glättet der EZW1004 Filme und Dokus mit Bildraten von 24, 25 oder 30 Hertz in zehn Stufen nahezu artefaktfrei („Film Smooth“); getrennt davon lässt sich die Darstellung von Sportübertragungen verbessern („Blur-Reduktion“). Hier zeichnet die „Clear Motion“-Funktion Konturen eine Spur klarer, schluckt aber Licht.

Alles im Lot: Sowohl Farben als auch Grautöne werden auf dem 77-Zoll-OLED originalgetreu dargestellt. Bei der Messung sind keine nennenswerten Ausreißer feststellbar.

Am Ende macht die schiere Größe den Unterschied zu kleineren OLED-TVs aus: So eindrucksvoll scharf und entspannt wie im Kino haben wir selbst unseren betagten Sehtest-Klassiker „Casino Royale“ noch nicht gesehen. Den Bildeindruck toppen Ultra-HD-Streifen wie „Lucy“und schließlich unsere ultrahochaufgelösten HLG-Clips der Panasonic GH5, die mit unfassbarer Detailfülle, Plastizität und Farbenpracht wuchern.  

 

Der Testbericht Panasonic TX-77EZW1004 (Gesamtwertung: 90, Preis/UVP: 20000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 12-2017 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

89 sehr gut

Für die meisten Cineasten wird der TX-77EZW1004 aufgrund seines Preises vermutlich ein Traum bleiben. Mit seinem farbbrillanten, kontraststarken und dynamikreichen 2-Meter-Bild sorgt er aber für Kinofeeling pur; obendrein gibt es eine exzellente Ausstattung.
Martin Ratcovic / Udo Ratai

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