Onkyo TX-RZ720 (Test)

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Onkyo: Die Ecken der Fernbedienung kommen etwas spitz daher. Die Tasten sind übersichtlich und sinnvoll gruppiert, aber nicht beleuchtet und teils klein.

Bei allen Neuerungen um 3D-Ton und UHD-Video werden alte Tugenden gerne mal über Bord geworfen. So ist etwa die Klangoptimierung THX heute in Heimkino-Kreisen fast ausgestorben. Trotzdem hält Onkyo als einer der wenigen Hersteller nach wie vor am THX-Tuning fest, was wir  lobenswert finden. In Falle des TX-RZ720 sitzt ein   „THX Select“-Siegel (ehemals „THX Select 2“) auf der Oberseite der Frontplatte, das dem 1.000 Euro teuren Receiver ausreichend Leistung für Räume mit Hörabständen bis vier Meter garantiert und durch passgenaues Absenken mittlerer und hoher Frequenzen für einen runden Klang bei Filmton sorgen soll. Ebenfalls an Bord sind diverse THX-Klangprogramme bzw. Sound-Schaltungen (Re-EQ, Timbre Matching, BGC, Loudness Plus), die den Klang eines Kinosaals reproduzieren sollen.

Bei aller Liebe zu THX gibt Onkyo aber auch den Takt bei der Integration aktueller Techniken an: So kann der Receiver schon jetzt die HDR-Videometadaten von Dolby Vision und HLG durchleiten – viele Hersteller planen dies erst via Update für Ende des Jahres. Selbstredend ist der TX-RZ720 mit den Decodern für Dolby Atmos und DTS:X sowie deren Upmixer Dolby Surround und DTS Neural:X ausgestattet. Cross-Format-Upmixing ist aus lizenzrechtlichen Gründen allerdings nicht möglich. Auch kann man die drei THX-Klangprogramme (Cinema, Game, Music) nicht bei nativem 3D-Ton aktivieren und mit den Upmixern nur bei PCM-Signalen kombinieren.

Ausstattung & Praxis

Wie schon sein Vorgänger TX-RZ710 (Test in Ausgabe 8-2016) besitzt der RZ720 nur 7 Endstufen, so dass man sich für Back-Surround- oder Höhen-boxen entscheiden muss. Das Lautsprecher-Setup ist demnach auf 7.2- bzw. 5.2.2-Konfigurationen beschränkt.

Boxen-Setup: Es können maximal 2 Höhenboxen betrieben werden. Freie Endstufen beschallen auch Zone 2.

Die beiden Höhenboxen darf man an der Decke vorn, mittig oder hinten platzieren; auch Dolby-Enabled-Positionen vorne wie hinten sind möglich. Pre-outs für größere Installationen mit vier Höhenboxen fehlen dem Receiver aber. Freie Endstufen kann man für das Bi-Amping der Hauptlautsprecher oder die Beschallung einer zweiten Hörzone nutzen; für Letztere gibt es auch Vorverstärkerausgänge. Bei den restlichen Anschlüssen hat sich im Vergleich zum TX-RZ710 kaum etwas getan, lediglich die Anzahl der HDMI-Eingänge wurde von 8 auf 7 reduziert. Vinyl-Freunde dürfen sich über den Phono-Anschluss freuen, 3 SPDIF-Inputs sollten ausreichend sein.

Auch für große Heimkinos gut gerüstet: Bei 7 Paar Lautsprecherklemmen plus Pärchen für die Nebenraumbeschallung muss man sich für Höhen- oder Back-Rear-Boxen entscheiden. Alle 9 HDMI-Buchsen (eine vorne) sind HDCP-2.2-tauglich. Der Phono-Anschluss ist willkommen, die beiden Antennen lassen sich natürlich auch aufstellen.

Das Boxen-Feintuning gelingt komfortabel, wenn auch nicht ganz optimal: So geriet die Konfiguration der Boxen-abstände mit 3-Zentimeter-Schritten zu großmaschig; 1-Zentimeter-Schritte wären besser. Die Pegeleinstellung klappt mit Schritten von 0,5 Dezibel aber präzise, die Crossover-Frequenzen lassen sich für jede Kanalgruppe individuell zwischen 40 und 200 Hertz einstellen. Die beiden Subwoofer-Ausgänge kann man nicht getrennt regeln, auch nicht im Pegel.

Equalizer: 15 Bänder stehen zur Wahl, wobei man Front, Surround und Height nur in Paaren regeln kann.

Für die Einmessung aller Boxen auf den Hörraum ist Onkyos Einmess-Automatik AccuEQ zuständig, die „Accu-Reflex“ soll die Phase von Aufsatzboxen für Dolby Atmos an die restlichen Lautsprecher angleichen und so eine bessere Klangharmonie gewährleisten. Gelungen ist auch der manuelle Equalizer, der sich zusätzlich zur Einmess-Automatik aktivieren lässt und für fast alle Kanalpaare 15 Frequenzbänder bereitstellt, von denen sich immerhin 9 gleichzeitig nutzen lassen. Der Subwoofer-Kanal ist mit 5 Bändern zwischen 25 und 160 Hertz regelbar.

Kurzmenü: Hier findet man sämtliche Klangschaltungen wie AccuEQ, Re-EQ, Late Night, den Equalizer und Co.

Video und Multimedia

Zum Standard gehört inzwischen die volle 4K/60p-Unterstützung samt HDCP 2.2 an allen 7 HDMI-Ein- und den beiden HDMI-Ausgängen. Das Durchschleifen von HDR-10, Dolby Vision und HLG wird ebenfalls unterstützt. Der rudimentäre Video-Scaler sowie die „Super Auflösung“ zum Aufpäppeln der Feinzeichnung fielen im Zuge der Dolby-Vision-Implementierung dem Rotstift zum Opfer.

Info-Menü: Eine Tafel zeigt ein- und ausgehende Audiosignale an. Dasselbe gibt es auch für den Video-Stream.

Auf Tonseite punktet der TX-RZ720 mit Streaming über Bluetooth, AirPlay, WLAN und Ethernet, FireConnect, DTS Play-Fi und Chromecast – teils in Verbindung mit der „Onkyo Controller App“. Internet-Radio stellt der Receiver über TuneIn zur Verfügung. In den Receiver integriert sind auch die Streaming-Dienste Spotify, Tidal und Deezer. Die auf der Rückseite liegende USB-Schnittstelle liest die gängigen Audio-Formate, auch Hi-Res-Dateien mit 24 Bit / 192kHz.

Bei „Play-Fi“ handelt es sich um ein neues Streaming-Protokoll von Soundspezialist DTS, dessen Funktionsumfang der Konkurrenz (HEOS, MusicCast, FireConnect, etc.) ähnelt: So ermöglicht die kostenlose „Play-Fi“-App das Musikstreaming zu „Play-Fi“-fähigen Geräten sowie das Einrichten von Multiroom-Anlagen und deren Steuerung durch einen oder mehrere Benutzer.

Zudem kann man auf die wichtigsten Online-Dienste wie Spotify, Deezer, Napster, Qobuz und Tidal zugreifen, auch das Netzwerkstreaming mit DLNA ist möglich. Unterstützt wird die verlustfreie Audioübertragung mit bis zu 24 Bit / 192 kHz via Wi-Fi, Ethernet und Stromnetz. Im Gegensatz zur Konkurrenz gibt es die „Play-Fi“-App nicht nur für Android- und iOS-Geräte, sondern auch für Kindle Fire und sogar normale Windows-PCs (ab Windows 7).

Die Bedienung des Geräts gelingt einfach, über die „Q“-Taste der Fernbedienung gelangt man ins Schnellmenü, das sich über das laufende Bild legt. Dort findet man die wichtigsten Audioeinstellungen, darunter die Klangprogramme, die Lip-Sync-Funktion, die Aktivierung der AccuEQ-Einmessung und des Equalizers, die Late-Night-Schaltung, den Music-Optimizer und die THX-Re-EQ-Schaltung zur sanften Höhenabsenkung.

THX-Menü: Hier kann man THX-spezifische Einstellungen wie „Loundness Plus“ oder „BGC“ einstellen.

Tonqualität

Bei der Leistungsmessung erreichte der TX-RZ720 in etwa die Werte des Vorgängers und stemmte an 7 Kanälen und 6-Ohm-Last 73 Watt, mit 5 Kanälen an 4 Ohm rund 124 Watt; im Stereo-Modus kletterte die Power auf üppige 186 Watt (4 Ohm). Der durchschnittliche Stromverbrauch liegt mit 311 Watt im üblichen Bereich; eine Eco-Schaltung fehlt.

Im Hörtest – zuerst ohne Subwoofer – legte der Onkyo typisch anspringend und locker drauf los, trug aber im Bass nicht so dick auf, wie wir das von früheren Geräten kannten, was der tonalen Ausgewogenheit zugute kam. Die Einmess-Automatik AccuEQ setzte bei den Abständen unsere linke Frontbox gut 30 Zentimeter vor die rechte, was zu einem verzogenen Klangbild führte; die restlichen Werte wurden aber plausibel ermittelt. Mit Atmos-Demomaterial – nun mit Subwoofer und aktiver AccuEQ – sorgte der Onkyo für urgewaltige Bässe in unserem Hörraum – schon fast zu viel des Guten. Ausgezeichnet gefiel uns die Räumlichkeit des Mittelklasse-Receivers, der Effekte glaubhaft und greifbar im ganzen Raum verteilte. Die sehr gut funktionierende „Late Night“-Schaltung kappt zuverlässig Dynamikspitzen und eignet sich daher bestens fürs Leisehören.

Im Stereo-Betrieb spielte der Onkyo im Direct Modus lebendig, detailreich und schälte Instrumente sauber heraus. Der „Music Optimizer“ zur Verbesserung komprimierter Musik hebt Höhen und Bässe ähnlich einem Loudness-Effekt für einen lebendigeren Klang dezent an.                

   

Der Testbericht Onkyo TX-RZ720 (Gesamtwertung: 79, Preis/UVP: 1000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 11-2017 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

79 gut

Onkyos Mittelklasse-Receiver TX-RZ720 überzeugt mit voller 4K-Kompatibilität samt Dolby Vision, THX-Zertifizierung und zahlreichen Vernetzungs­möglichkeiten. Hinzu kommen ausreichend Leistungsreserven für 7-Kanal-Sound.
Andreas Oswald

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