Yamaha RX-A3070 (Test)

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Luft nach oben: Die Fernbedienung besitzt viele kleine Tasten, die besonders im unteren Teil kaum gruppiert sind und zu Falscheingaben verleiten. Auch das Fehlen einer Beleuchtung erschwert die zielsichere Bedienung.

Mit dem RX-A3070 betreibt Yamaha konsequent Modellpflege und spendiert seinem 2017er-Flaggschiff-Receiver ein paar interessante Neuheiten. 2.500 Euro kostet der Neue und ist damit 100 Euro teurer als sein Vorgänger RX-A3060.

Für besagten Hunderter bekommt man allerdings auch echte Mehrwerte: zum Beispiel einen DAB+ Empfänger für terrestrisches Digitalradio. Die Anschlüsse erhielten ebenfalls Zuwachs, und zwar  in Form eines Stereo-XLR-Eingangs, dessen praktischer Nutzen angesichts der geringen Verbreitung bei Zuspielern im Heimkino-Bereich aber eingeschränkt ist. Zwei XLR-Pre-outs für die beiden Hauptkanäle L/R wären unserer Meinung nach sinnvoller gewesen.

Ein für Ende Oktober geplantes Firmware-Update soll die 4K-HDMI-Buchsen aktualisieren, welche neben HDR-10 dann auch die HDR-Metadaten von Dolby Vision und HLG durchleiten. Auch die eARC-Funktion, welche HD- und 3D-Ton vom Fernseher via HDMI-Leitung ermöglicht, wird mit diesem Update aktiviert. Ein Upgrade erfuhr einer der DACs im RX-A3070: Statt eines ES9016 von ESS übergibt nun ein SABRE DAC ES9026PRO desselben Herstellers ein laut Yamaha extrem rausch- und verzerrungsarmes Signal an die diskret aufgebauten Endstufen der 7 Hauptkanäle.

Mit 9 verbauten Endstufen hat der RX-A3070 gegenüber der Flaggschiff-Konkurrenz von Denon, Pioneer und Onkyo allerdings das Nachsehen, die mit 11 verbauten Verstärkern für 7.2.4-Sound aufwarten können. Auch auf die Unterstützung von Auro 3D muss man nach wie vor verzichten. Beides müssen wir ihm in der Disziplin „Ausstattung“ negativ ankreiden.  

Alle essentiellen Anschlüsse samt Phono sind in ausreichender Anzahl vorhanden, auch 11.2.-Pre-Outs für 3D-Ton mit 7.2.4-Boxen gibt es. Trotz 9 Endstufen lassen sich 11 Paar Lautsprecher verkabeln, der Decoder entscheidet in diesem Fall, welche Boxen aktiv sind. Die Antenne (nicht im Bild) für WiFi und Bluetooth lässt sich abschrauben.

DSPs, Decoder und YPAO

Eine Aufwertung der DSP-Sektion fand bereits mit dem RX-A3060 statt: So werkelt auch im Nachfolger ein dritter DSP-Chip für mehr Rechenleistung, der es ermöglicht, Yamahas zahlreiche „Cinema DSP HD3“-Raumklangprogramme auch auf nativen Dolby-Atmos- und DTS:X-Ton anzuwenden. Auch das speziell für die 3D-Tonformate entwickelte Klangprogramm „Enhanced“ ist wieder an Bord. Die Upmixer Dolby Surround und DTS Neural:X erlauben auch das Cross-Format-Upmixing, so dass DTS-Ton mit Dolbys Surround-Mixer und Dolby-Ton mit Neural:X wiedergegeben werden kann. Lobenswert finden wir die Integration des DTS Neo:6-Decoders („Cinema“, „Music“), der als gute 2D-Alternative zu den 3D-Upmixern fungiert und beim 2.0-Upmixing auch als Basis für einige der „Cinema DSP HD3“-Klangprogramme dient. Diese sind inzwischen auf stolze 24 Stück angewachsen, lassen sich individuell konfigurieren und wirken auch auf die Höhenboxen. In dieser Disziplin ist Yamaha einsame Spitze.

Die DSP-Klangmodi (hier „Enhanced“) funktionieren auch bei 3D-Ton und lassen sich individuell anpassen.

Apropos Upmixing: Anliegender 5.1-Ton wird bei Betrieb eines 7.1-Boxen-Setups automatisch auf 7.1-Kanäle verteilt – selbst im „Straight“-Modus, also ohne aktivierte Upmixer und Hallprogramme. Für nativen 5.1-Ton muss man ein Lautsprecher-Setup ohne Back-Surround-Boxen wählen, was dank der Möglichkeit zur Speicherung von zwei unabhängigen Boxen-Konfigurationen aber kein Problem darstellt. Über die Szenenspeicher lassen sich alle Einstellungen samt Boxen-Setups, Hörmodus, Eingangsquelle und Lautstärke 12 Speichern zuweisen, von denen man 4 direkt über Tasten der Fernbedienung aufrufen kann.

5.1-Ton wird selbst im „Straight“-Modus auf 7.1-Känale verteilt, sofern Back-Rear-Boxen im Einsatz sind.

Seit der 2016er-Generation arbeitet Yamahas Einmess-System „YPAO R.S.C.“ mit 64 statt 32 Bit für noch akkuratere Ergebnisse. Dieses berücksichtigt bei der Entzerrung des Frequenzgangs bis zu 8 Messpositionen und errechnet auf Wunsch auch Winkel und Höhe der Lautsprecher; für deren Messung liegen spezielle Mikrofon-Sockel bei. Wer die Ergebnisse der Einmessung noch feintunen möchte, kann dies mit dem semiparametrischen Equalizer tun, der für jede Box 7 Einzelfilter (je 4 für die 2 Subwoofer-Kanäle) zur Verfügung stellt, die sich 31-stufig in der Frequenz und in Verstärkung, Absenkung und Band-breite regeln lassen.

Das Boxen-Setup

Unter Zuhilfenahme von 2 externen Endstufen ist der AV-Receiver dank entsprechender Pre-outs und 11.2-Kanal-Processing für 3D-Ton-Lautsprechersets samt 4 Höhenboxen gerüstet. Letztere lassen bei der Konfiguration aber Wünsche offen: Zwar sind bei Einsatz von 4 Höhenboxen Decken-, Height- oder Dolby Enabled Speaker vorne wie hinten möglich, Letztere jedoch nicht auf den Back-Rear-Speakern. Nutzt man nur 2 Höhenboxen, beschränkt der Yamaha die Auswahl auf die vorderen 3 Positionen, hinten lassen sich dann keine Höhenboxen betreiben. Zudem fehlt eine in Längsachse mittige Platzierung, wie sie Dolby für 5.1.2-Setups empfiehlt. Die 2 Subwoofer-Kanäle kann man individuell in Pegel, Distanz, Phase und Equalizer justieren und sogar stereophon (Links/Rechts, Vorne/Hinten) ansteuern. Die Schrittweite der Boxendistanzen fallen mit 5 Zentimetern zu grob aus; 1 Zentimeter wäre optimal. Vorbildlich ist die Pegeljustage mit 0,5-dB-Schritten.

Die Menüs, in denen man die Endstufen den Boxen zuweist, wirken beim RX-A3070 zum Teil etwas verwirrend. Es gilt: Wer keinen externen Verstärker anschließen will, wählt die Endstufen-Zuordnung „Basic“ und setzt die Lautsprecher, die nicht angesteuert werden sollen, im Konfigurationsmenü auf „nicht vorhanden“. Das Yamaha-Flaggschiff unterstützt alle Spielarten von 2.0 bis zu 7.2.4, hat aber nur 9 Endstufen integriert.

7.2.4 mit externer Stereo-Endstufe: So liefert der Yamaha den Saft für ein weiteres Höhenboxenpaar.

Die Höhenboxen („Präsenz“) darf man auch an Height- oder Dolby-Positionen betreiben.

Suboptimal: Bei Betrieb von 2 Höhenboxen kann man diese nur vorn (Height, Top und Dolby) platzieren.

7.2.4 mit 9 Endstufen: Der jeweilige Decoder entscheidet, ob die Back-Rears oder Top-Rears laufen.

Die internen Verstärker und Pre-Outs des Yamaha lassen sich flexibel auf 3 Hörzonen (Main, Zone 2 und Zone 3) zuweisen; eine vierte Zone kann man via zweitem HDMI-Ausgang mit Bild und Ton versorgen. Natürlich unterstützt der RX-A3070 auch das Bi-Amping.

Hochwertiges Innenleben

Das Aussehen von Yamahas Aventage-Baureihe hat sich seit Generationen praktisch nicht verändert – und muss es nach unserem Geschmack auch nicht. Das knapp einen halben Meter tiefe Vollmetallgehäuse ist zudem bestens verarbeitet, der Deckel wirkt robust und die schwere Aluminium-Frontklappe wurde aus dem Vollen gefräst. Der stabile Rahmen mit mittig sitzender Verstrebung sorgt für ein recht verwindungssteifes Gehäuse, das Vibrationen den Garaus machen soll. Die erlesenen Verstärkerbausteine sind symmetrisch links und rechts des mittig sitzenden Transformators platziert, wovon sich die Entwickler eine optimierte Stereo-Kanaltrennung versprechen. Bei den Anschlüssen der Rückseite gab es einige Veränderungen: Neu sind die beiden XLR-Eingänge, dem Rotstift zum Opfer fielen dagegen alle analogen Video-Ausgänge sowie je ein YUV- und FBAS-Eingang. Das große Punktmatrix-Display samt Kanalmatrix und separater Pegelanzeige lässt sich hervorragend ablesen und 4-stufig dimmen, aber bedauerlicherweise nicht ganz abschalten.

Unter der Haube offenbart der Yamaha RX-A3070 ein aufwändiges Innenleben: Trotz des geräumigen Gehäuses nutzen die Komponenten fast jede freie Ecke. Den heißen Bauteilen wie dem Trafo und den Endstufen steht dabei aber ausreichend Platz zur Verfügung, so dass die Entwickler auf einen Ventilator verzichten konnten. Die mittige Strebe verleiht dem Gehäuse mehr Stabilität und mindert so Vibrationen.

Video und Multimedia

Das Videoboard des Yamaha RX-A3070 versteht sich auf 4K/60p-Signale samt HDCP-2.2-Kopierschutz, 4:4:4-Farbraum und HDR-10 – die beiden HDR-Formate Dolby Vison und HLG folgen via Firmware-Update. Optional skaliert der Receiver SD/HD-Signale bis 4K-Auflösung und bearbeitet Bilder nach Helligkeit, Kontrast, Sättigung, Detail- und Randschärfe. Das Lip-Sync-Delay korrigiert dem Bild nachhinkenden Ton um bis zu 500 Milli-sekunden.

Dank DAB+ Modul empfängt der RX-A3070 auch terrestrisches Radio in bester Digitalqualität.

Kontakt zu Musik nimmt der RX-A3070 über WiFi, AirPlay, MusicCast, DLNA und Bluetooth auf; das Funkmodul empfängt nicht nur Audiosignale, sondern überträgt sie auch. Der Media-player versteht sich auf Hi-Res-Dateien im DSD-, WAV- und FLAC-Format. Online stehen das vTuner-Internetradio sowie die Streaming-Plattformen Napster, Spotify, Juke und Qobuz, Tidal und Deezer bereit.

Bereits im August 2015 startete Yamaha sein Multiroom-System „MusicCast“. Inzwischen sind eine Vielzahl von Yamaha-Produkten mit MusicCast kompatibel, darunter AV-Receiver, Soundbars und Aktiv-Boxen. Bis zu zehn Komponenten lassen sich miteinander per WLAN vernetzen und via Smartphone-App steuern. Die Auswahl an Musikquellen ist umfangreich: Im Zusammenspiel mit dem RX-A3070 stehen alle AV-Eingänge, der UKW/MW-Tuner, die Online- und Netzwerk-Musikquellen sowie – über einen in der App integrierten Musik­spieler – die im Telefon gespeicherten Songs zur Auswahl.

Die „MusicCast“-App dient als Steuerzentrale für Yamahas Multiroom-System.

Über Bluetooth und AirPlay lassen sich weitere Geräte als Soundquelle einbinden. Einzelne Räume kann man zudem verbinden, wodurch der Laptop, dessen Bluetooth-Signal sonst nur die MusicCast-Komponente im gleichen Raum erreichen würde, überall zu hören ist. Ein Clou ist der Bluetooth-Transmitter, mit dem die Wiedergabe auf beliebigen Bluetooth-Speakern und Kopfhörern möglich ist. Weitere Informationen finden Sie in unserem MusicCast-Workshop in Ausgabe 8-2016.

Mehrkanal-Musik wird zur Übertragung in andere Räume zu einem Stereo-Downmix konvertiert, den alle Wiedergabe-Geräte beherrschen. MusicCast unterstützt die gängigen hochauflösenden Musikdateien wie ALAC, AIFF, DSD, FLAC und WAV.

Yamahas beste Fernbedienung samt Beleuchtung bleibt der AV-Vorstufe des Hauses vorbehalten, was übrigens nicht immer so war. Der abgespeckte Signalgeber des RX-A3070 wirkt weniger wertig und ist mit vielen kleinen und kaum gruppierten Tasten überladen. Alternativ lässt sich der RX-A3070 über Yamahas „MusicCast“-App sowie die „AV Controller“-App steuern, bei der die individuelle Konfiguration der DSP-Programme aufgrund anschaulicher Grafiken einfacher gelingt als über das Onscreen-Menü. Die vollständige Konfiguration des Receivers kann auch anhand des umfangreichen, aber etwas zu verschachtelten Web-Interfaces erfolgen: Es wird über die IP-Adresse in einem normalen Web-Browser aufgerufen und arbeitet daher unabhängig vom Betriebssystem.

Tonqualität  Surround

An Power mangelt es dem RX-A3070 sicher nicht: Selbst bei Volllast von 7 Endstufen befeuert der Kraftprotz jeden Kanal mit rund 116 Watt (6 Ohm). Im Stereo-Betrieb kletterte die Leistung an 4-Ohm-
Last sogar auf 252 Watt je Kanal.

Im Hörtest machte die lockere und dynamische Spielart des Yamaha-Boliden sofort Lust auf lange Hörsitzungen. Im Hochton begeisterte der Receiver mit einer sehr feinen und detailreichen Performance, die von einem druckvollen und kontrollierten Tieftonfundament untermauert wurde. Einen aktiven Subwoofer vermissten wir beim Hören von Mehrkanal-Musik jedenfalls nicht.

Vor dem zweiten Hördurchgang erfolgte die Lautsprecher-Einmessung samt Subwoofer für 8 Hörpositionen plus Winkel- und Höhenmessung. Pegel und Distanzen wurden plausibel ermittelt, nur kleine Korrekturen bei den Crossover-Frequenzen erschienen uns sinnvoll. Die Zielkurven „Natürlich“ und „Linear“ der automatischen Equalizer-Korrektur hoben die Höhen für unseren Geschmack etwas zu stark an, dem man dank Equalizer aber gegensteuern kann.

Klasse: Der semi-parametrische Equalizer bietet 7 respektive 4 Bänder (Subwoofer) pro Lautsprecher.

Mit aktivem YPAO spannte der Yamaha bei Dolby-Atmos-Clips wunderbar große wie präzise Klangräume auf, in denen Effekte greifbar umherwirbelten. Der „Powerful Bass“ von Dolbys „Amaze“-Trailer traf genau die richtige Balance aus Tiefe, Druck und Kontrolle. Besser geht es nur mit einem vollen 7.1.4-Lautsprecher-Ensemble, in unserem Hörraum befeuerte der Yamaha mit seinen 9 Endstufen ein 5.1.4-Set. Modernen Soundmixes wie dem Atmos-Track von „Ghost in the Shell“ (2017) entlockte der Yamaha ein eindrucksvolles Klangspektakel, das uns mitten in die Action versetzte; die explosive Dynamik des Boliden drückte uns regelrecht in den Sessel.

Tonqualität  Stereo

Mit Stereo-Musik im „Pure Direct“-Modus förderte der RX-A3070 bei leisen wie lauten Pegeln eine ausgewogene, lebendige und feinauflösende Spielart zutage. Rock und Techno machten dank druckvollen Bässen, hoher Durchhörbarkeit und feinen Klangfarben ebenso viel Spaß wie klassische Musik. Komprimierte Kost von YouTube und Co. päppelt die „Enhancer“-Schaltung ähnlich einem Loudness-Effekt mit mehr Bass und Höhen für einen lebendigeren Klang auf.       

 

Der Testbericht Yamaha RX-A3070 (Gesamtwertung: 92, Preis/UVP: 2500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 11-2017 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

92 sehr gut

Mit sehr gutem Klang, üppiger Leistung und flexibler Ausstattung sichert sich der Yamaha RX-A3070 einen Platz in unserer Referenzklasse. 3D-Ton-Fans dürften jedoch den Auro-Decoder sowie 2 zusätz­liche Endstufen vermissen.
Andreas Oswald

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