Sony KD-65XE9305 (Test)

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Sonys XE93er-Serie bekam nicht wirklich die Aufmerksamkeit, die sie verdient – zu groß war dieKonkurrenz aus den eigenen Reihen. Dabei kostet der KD-65XE9305 satte 2.000 Euro weniger als das LCD-Flaggschiff ZD9 (Test in 11-2016) oder der OLED-TV KD-65A1 (Test in 6-2017).

 

Nichts zu sehen: Die Kabel lassen sich dank zahlreicher Kunststoffabdeckungen komplett unsichtbar verlegen. So macht der Fernseher auch mitten im Raum eine Top-Figur.

Ausstattung und Praxis

Obwohl die Japaner ihre 2017er-Modelle als Erstes herausgebracht haben, sind sie technisch noch immer auf aktuellstem Stand. Das Triluminos-Display mit seinen brillanten Farben und das leuchtstarke „Slim Backlight Drive“, das auf zwei hintereinander geschalteten Edge-LED-Modulen basiert, gehören sogar zum Besten, was der Markt derzeit bietet.

Verworren: Über die Rückseite rechts erstreckt sich ein ganzes Labyrinth aus Anschlussfeldern und Kabelkanälen. Die meistgenutzten Schnittstellen sind unten positioniert.

Die Signalverarbeitung übernimmt der von den teureren Brüdern bekannte „X1 Extreme“-Prozessor, der mit einer ganzen Palette an Bildverbesserungsschaltungen daherkommt – die wichtigsten stellen wir Ihnen im Kasten auf der nächsten Seite vor. Um die Qualitäten auszureizen, setzt Sony auf eine breite HDR-Formatvielfalt. So wurde für Ende 2017 ein Dolby-Vision-Update angekündigt; HDR-10 und HLG unterstützt der XE93 bereits.

Zu den Spezialitäten von Android gehört der Google Play Store mit einer riesigen Auswahl an Smart-TV-Apps. Doch Vorsicht: Nicht alle Anwendungen sind kostenlos.

Als Quellen dienen neben vier HDMI-Eingängen beziehungsweise dem Tuner auch der Mediaplayer sowie die Streaming-Dienste Amazon Video und Netflix.

Scharfes Design: Das Gehäuse ist recht kantig gehalten, was dem Sony KD-65XE9305 aber gut steht. Die Verarbeitung und Materialanmutung sind erstklassig.

Wie gewohnt bietet das Android-Betriebssystem eine nahezu endlose Auswahl an Smart-TV-Apps. Sehr praktisch finden wir das in Version 7.0 neu hinzugekommene Task-Switching-Feature, das einen direkten Wechsel zwischen den zuletzt geöffneten Anwendungen erlaubt. Außerdem steht im Actiomenü, über das man übrigens auch ohne Umwege zu den Geräteeinstellungen gelangt, nun eine Art Bild-in-Bild-Funktion zur Verfügung. Leider schränken die relativ langen Reaktionszeiten den Bedienkomfort ein.

Als Betriebssystem werkelt auf dem KD-65XE9305 die Android-Version 7.0. Die Benutzeroberfläche besteht ausschließlich aus Bildern, was zu längeren Ladezeiten führt.

Klanglich hinkt der XE93 der 2015er-Generation oder dem OLED hinterher, vor allem in Sachen Bass sowie Pegelfestigkeit. Abgesehen davon liefern die Lautsprecher aber satten, dynamischen Stereoton.

Neu in Android 7.0: Neben einer Bild-in-Bild-Funktion unterstützt der Fernseher nun auch das „Task Switching“, um zwischen den geöffneten Apps wechseln zu können.

Bildqualität

Auf Anhieb beeindruckt der 65-Zöller mit seiner immensen Leuchtkraft: 615 Candela erreicht er direkt nach der Einrichtung im Werks-Preset „Standard“, das mit über 8.900 Kelvin jedoch viel zu kühl abgestimmt ist. Sony-typisch steht im Menü eine ganze Armada an weiteren Bildmodi zur Auswahl. Erwartungsgemäß trifft „Cinema pro“ die Farbnuancen am genauesten im leicht erweiterten BT.709-Spektrum. Dafür muss man sich mit einer Lichtausbeute von maximal 530 Candela arrangieren, was in den meisten Fällen ausreicht. Sollte es dennoch einmal eng werden, entlockt der Modus „Cinema home“ dem Slim Backlight Drive respektable 750 Candela; in kleinen Bildbereichen sind sogar bis zu 914 Candela möglich. Verknüpft ist er mit dem knallbunten Farbbrillanz-Preset „Hoch“ und erzeugt so beinahe einen HDR-Look.

Kein Zugang über das Action-Menü: Die Bildschirm­einstellungen verstecken sich im System-Setup. Der Overscan ist über den Regler „Anzeigebereich“ abschaltbar.

Sonys LCD-TV aktiviert in acht von zwölf Bildmodi seine dreistufige Local-Dimming-Schaltung und kombiniert sie mit weiteren Bildverbesserungen wie „Erw. Kontrastverstärkung“ und „X-tended Dynamic Range“. Die Wirkung und Funktionsweise klar auseinanderzuhalten, ist nicht ganz einfach. Doch in der Summe steigern alle drei Schaltungen den dynamischen Kontrastumfang deutlich. Einzig in den Presets „Foto Anwender“ sowie „Grafik“ sind sie alle abgeschaltet und lassen Rückschlüsse auf die Arbeitsweise zu: Jetzt schimmert in Testbildern mit ganz dunklen Graustufen noch leicht fleckiges Restlicht im schwarzen Hintergrund und zu den Ecken hin durch. In der Bildmitte erreicht der native Kontrast aber bereits 6.000:1 und steigert sich mit Local Dimming locker auf rund 20.000:1. In der Praxis verschwindet jegliches Restlicht, nur kleine helle Objekte wie weiße Schriften umhüllt ein leichtes Halo aufgrund der begrenzten Anzahl der Local-Dimming-Zonen.

Tolles Trio: Die Funktionen „Erw. Kontrastverstärker“, „Autom. lokale Dimmung“ sowie „X-tended Dynamic Range“ verhelfen manchen Filmszenen zu mehr Brillanz.

Die Schaltung „Erw. Kontrastverstärkung“ erhöht dagegen in düsteren, nicht voll ausgesteuerten Bildern wie der Montenegro-Szene aus „Casino Royale“ den Video­pegel, was den nutzbaren Kontrastumfang hier nochmals verdoppelt. Schließlich sorgt „X-tended Dynamic Range“ abhängig vom „Avarage Picture Level“ (APL) für eine dynamische Erhöhung der Hintergrundbeleuchtung: Im Bildmodus „Cinema Home“ lässt die mittlere Stufe der Schaltung ein 25-Prozent-Weißfenster rund 860 Candela hell leuchten, während es im Preset „Cinema Pro“ (ohne „X-tended Dynamic Range“) nur 530 Candela hell ist. Wahrnehmbare Nebenwirkungen sind jedoch ein leichtes Bildpumpen nach Helligkeitssprüngen.

Lichtblick: Auch wenn der XE93 den DCI-P3-Farbraum nicht zu 100 Prozent abdeckt, wirken HDR-Clips authentisch. Leider ist Magenta in Richtung Rot verschoben.

Mit HDR-Quellen reizt Sony seine Schaltungen besonders stark aus und steigert die Leuchtdichte kleiner Spitzlichter im HDR-Preset „Cinema Pro“ auf bis zu 1.310 Candela (APL zehn Prozent). Im vollflächigen Weiß kann der KD-65XE9305 seine Local-Dimming-Zonen nicht selektiv ansteuern und schafft noch 705 Candela – damit leuchtet er jedoch rund fünfmal stärker als die heutige OLED-Konkurrenz. Helle HDR-Szenen haben deshalb richtig Punch und profitieren zudem von der absolut neutralen Weißdarstellung (6.480 Kelvin) sowie dem gut abgedeckten DCI-P3-Spektrum. Was stört, sind etwas überbetonte rote Farben, das leicht verschobene Magenta sowie abweichende HDR-Videopegel: Mit dem Samsung UBD-K8500 sollte man die Helligkeit um zwölf Punkte anheben und den Kontrast im gleichen Maße absenken, was sich der Sony aber leider nicht merkt. Deshalb müssen die Bildwerte nach dem Wechsel auf eine SDR-Quelle stets wieder von Hand neutralisiert werden.

Präzise wie ein Uhrwerk: Der Sony KD-65XE9305 reproduziert alle Farben originalgetreu; einzig Orange tanzt leicht aus der Reihe. Die Graustufen erscheinen neutral.

Der Schwarzwert und die Kontrastdarstellung liegen ebenfalls auf einem für LCD-TVs sehr guten Niveau. Besonderes Lob verdient die gleichmäßige Ausleuchtung; hier schneidet der 65-Zöller sogar besser ab als sein kleinerer Bruder (audiovision 4-2017) und kann sich locker mit teureren Mitbewerbern messen. Von der Seite bleibt der Bildeindruck weitgehend erhalten. Zwar geht die Helligkeit um 45 Prozent zurück, Farben werden aber nicht verfälscht.

Sony verzichtet nach wie vor auf ein Farbmanagement, das zum Glück aber nicht unbedingt gebraucht wird. Die Farbtemperatur lässt sich mittels Weißabgleich anpassen.

Zu guter Letzt punktet der XE93 mit hoher Detailtreue. Die „Motionflow“-Schaltung glättet im Anwendermenü wahlweise Kinofilme oder sie steigert die Bewegungsschärfe von TV-Material auf Kosten der Leuchtdichte.

Der Testbericht Sony KD-65XE9305 (Gesamtwertung: 84, Preis/UVP: 3000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 10-2017 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

84 sehr gut

Der Preis, die Ausstattung, das Bild – beim Sony KD-65XE9305 stimmt einfach alles. Besonders hervorzuheben sind das funktionale Design sowie die exzellenten Leuchtreserven, wobei die zwei Edge-LED-Module recht homogen strahlen. Ungeachtet der teils hakeligen Bedienung und des fehlenden Farbmanagements holt er sich den Testsieg.

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