LG UP970 (Test)

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Übersichtlich: Die Fernbedienung liegt gut in der Hand, Direkt-Tasten für einen Wechsel der Ton- und Untertitelspuren gibt es allerdings nicht.

proscons

Nach den beiden Oppo-Modellen UDP-203 und UDP-205 ist der LG UP970 der dritte 4K-Blu-ray-Player, der Dolby Vision unterstützt. Und das für gerade mal 300 Euro. Geht diese Rechnung auf?

Als LG Anfang des Jahres auf der CES seinen ersten Ultra-HD-Blu-rayer präsentierte, war die Überraschung groß. Denn obwohl es sich beim UP970 um ein Einsteiger-Modell handelt, sollte der 4K-Scheibendreher Dolby Vision unterstützen. Das tut er auch, allerdings zogen nach der Markteinführung im Frühjahr mehrere Monate ins Land, bis man das alternative HDR-Format am 22. August via neuer Firmware freischaltete. Die Dolby-Vision-Aktivierung wurde während des Update-Vorgangs allerdings mit keinem Wort erwähnt. Leider informiert der UP970 auch während der Wiedergabe nicht über das HDR-Format, selbst Informationen zur Video- und Audio-Bitrate behält er für sich. 

Derzeit (Stand 10/2017) sind genau vier Dolby-Vision-Discs in Deutschland erhältlich. Hierbei handelt es sich um die computeranimierten 4K-Editionen von „Ich – Einfach unverbesserlich“, „Ich – Einfach unverbesserlich 2“ und „Resident Evil: Vendetta“ sowie den Live-Action-Film „Fast & Furious 8“. Drei dieser Filme stammen von Universal, allerdings macht das Studio kein großes Aufsehen um das alternative HDR-Format. Lediglich ein kleines Dolby-Vision-Logo auf der Rückseite lässt erahnen, dass hier bildtechnisch mehr geht als üblich. Wobei Dolby Vision nur als zusätzliches HDR-Format offeriert wird. Das normale HDR-10 befindet sich ebenfalls auf der UHD-Scheibe.

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Bereits bei der Einblendung des Titels fällt das sattere Rot der Dolby-Vision-Version (rechts) ins Auge.

Im Gegensatz zu Tonformaten wie DTS, Dolby oder PCM findet eine HDR-Auswahl nicht über das Disc-Menü statt, sondern erfolgt automatisch. Wenn der LG UP970 an einem Dolby-Vision-Fernseher (in unserem Fall ein 2017er-OLED-Modell von LG) angeschlossen ist, wird das Dolby-Vision-Signal ausgegeben.

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Auch in dieser Einstellung fallen vor allem die satteren Farben von Dolby Vision (rechts) sofort auf.

Bei unserer Test-Scheibe „Ich – Einfach unverbesserlich 2“ hat Dolby tief in den HDR-Farbtopf gegriffen. Bereits der Filmtitel erscheint um einiges röter und auch im restlichen Verlauf sind es in erster Linie die kräftigeren Farben gegenüber der HDR-10-Version, die ins Auge stechen. Und da „bunter“ bei Animationsfilmen in der Regel mit „besser“ gleichgesetzt wird, geben auch wir in diesem Punkt der Dolby-Vision-Version den Vorzug. Wobei die Unterschiede nicht in jeder Szene gleich groß ausfallen. So gibt es immer wieder Einstellungen, wo man schon zweimal hinschauen muss, um Differenzen auszumachen.

Neben den etwas kräftigeren Farben wirkt das Dolby-Vision-Bild auch mitunter knackiger, da Details in sehr hellen und sehr dunklen Bildbereichen besser herausgearbeitet werden. In Sachen Spitzlichter fällt der Unterschied hingegen eher gering aus, was aber auch an der Leistungsfähigkeit des OLED-Fernsehers liegen könnte, denn der liefert nur rund 700 Nits. Da das Dolby-Vision-Signal sich individuell an jeden Dolby-Vision-Fernseher anpasst (ein Vorteil gegenüber HDR-10), kann es an einem anderen TV anders aussehen. Spätestens wenn Sony das Dolby-Update für sein 1.800 Nits helles LCD-Topmodell ZD9 veröffentlicht, dürften die Unterschiede in Sachen Spitzlichter deutlicher ausfallen. Doch selbst mit unserem OLED strahlte der Schnee in der Eröffnungsszene (1:41) stärker, das Weiß wirkte reiner.

Unser Fazit: Die Animations-Premiere von Dolby
Vision ist vielversprechend, wir sind auf die Qualität des ersten Realfilm-Titels gespannt.

Ausstattung und Bedienung

Im Gegensatz zum in der letzten Ausgabe getesteten Samsung UBD-M9500 kommt der LG UP970 in einem klassischen, knapp 5 Zentimeter hohen Kantengehäuse daher, das keinen Design-Preis gewinnen dürfte. Die Verarbeitung unseres Test-Modells ging angesichts eines Preises von 300 Euro und eines Gewichts von gerade mal 1,6 Kilogramm in Ordnung. Allerdings leidet ein Teil der ersten Produktionsserie unter lauten Laufwerksgeräuschen, worüber sich im Internet etliche Käufer beschwert haben. Betroffenen Kunden soll mit einem Ersatzgerät beziehungsweise einem kostenlosen Reparatur-Service geholfen werden.

Unser Test-Exemplar war meist angenehm leise. Wenn überhaupt, rotierte eine UHD-Scheibe wie „Ich, einfach unverbesserlich 2“ für ein paar Augenblicke (meist zu Beginn) etwas vorlaut. Ein potenziell Krach verursachender Lüfter glänzt durch Abwesenheit. Ebenfalls abwesend ist eine vollwertige Bedienungsanleitung in Papierform, das beiliegende „Simple Manual“ erklärt lediglich auf zwei Seiten den Anschluss des Players und verweist auf die LG-Webseite für weiterführende Informationen.

Die Laufwerkslade fährt übrigens nicht komplett raus, was ein kratzfreies Einlegen der Disc nicht unbedingt erleichtert. Abhängig vom Rohling-Typ und dem Mastering-Aufwand bewegen sich die Einlesezeiten im üblichen Rahmen zwischen 10 und 30 Sekunden. Lediglich eine winzige LED-Leuchte gibt Auskunft darüber, ob das Gerät in Betrieb ist – denn auf ein Display haben die Koreaner leider verzichtet, ebenso wie auf einen Netztrennschalter. 

Beim Blick auf die Fernbedienung dürften LG-Kunden ein Déjà-vu-Erlebnis haben, denn die ist identisch mit denen der rund 80 Euro teuren Full-HD-Player aus dem Jahr 2015. Zwar liegt der Geber angenehm und leicht in der Hand, doch vermissen wir nach wie vor Direkt-Tasten für den Wechsel von Ton- und Untertitelspuren. Auch lädt das Tasten-Layout zum Verdrücken zwischen Vorlauf und Kapitelsprung oder Play und Stop ein. Am Gerät selbst befinden sich vier Tasten mit erhabener Form zum Ein-/Ausschalten sowie für die Laufwerksfunktionen. Den ebenfalls an der Front angebrachten USB-Port muss man, wie beim Sony UBP-X800 (Test in audiovision 7-2017), wenig elegant freifriemeln. Da gefiel uns die offene, seitliche Lösung des Samsung UBD-M9500 besser. Der dazugehörige USB-Media-Player offeriert unter anderem eine mit Musik unterlegte Dia-Show.

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Analog ade: Auch LG verzichtet bei seiner UHD-Blu-ray-Premiere auf analoge Schnittstellen. Neben zwei HDMI-Ausgängen (einer nur für den Ton) verfügt der UP970 über einen optischen Tonausgang und eine Ethernet-Netzwerkbuchse. Das Stromkabel ist am Gehäuse fest montiert.

Der Media-Player im UP970 ist (beinahe) ein Allesfresser: Die meisten unserer Testvideos von 3GP, AVC, VOB, TS, MTS, MKV bis HEVC mit 4K-Auflösung samt HDR-10 spielte der UP970 ohne Murren ab und gab auch, im Gegensatz zur Disc-Wiedergabe, Informationen zu Audio- und Videocodecs preis. An Fotos schluckte er neben den Formaten JPG, PNG und GIF auch 3D-MPO-Dateien; 4K-Fotos werden aber nur in Full-HD-Auflösung ausgegeben. Neben dem Drehen oder Zoomen von Bildern lassen sich diese auch in einer Diashow abspielen, deren Ablaufgeschwindigkeit, Überblendeffekte und sogar Hintergrundmusik man einstellen darf.

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Der Media-Player im UP970 zeigt bei der Musikwiedergabe neben dem aktuellen Titel auch eine Playlist aller in einem Verzeichnis liegenden Dateien an.

An Musik versteht sich der LG auf die meisten Formate von ALAC, AAC AIFF über MP3, WMA und WAV bis hin zu und FLAC; auch hochauflösende Files werden erkannt. DSD-Daten verschmäht der LG allerdings.

An runden Scheiben nimmt der UP970 UHD-Blu-rays, Blu-rays, DVDs, CDs und 3D-Blu-rays entgegen. Letzteres ist nicht selbstverständlich, denn bei seinen OLED-Fernsehern hat sich LG vom dreidimensionalen Filmvergnügen verabschiedet. Mit SACDs und DVD-Audio-Scheiben kann der UP970 allerdings nichts anfangen.

Die komfortable und unproblematische Einbindung ins Netzwerk erfolgt wahlweise via Kabel oder per WLAN. Die Auswahl an Apps fällt mit YouTube und Netflix überschaubar, um nicht zu sagen, bescheiden aus. Zumindest funktioniert die Wiedergabe von 4K-HDR-Inhalten bei beiden Streaming-Diensten.    

Bild- und Tonqualität

Die Bildqualität ist in jeder Beziehung hervorragend und bei normalen Bewegtbildern nicht von der teils deutlich teureren Konkurrenz zu unterscheiden. Dies betrifft sowohl die Wiedergabe von UHD-Scheiben als auch die 4K-Skalierung normaler Blu-rays. Allerdings fehlt dem LG eine HDR-SDR-Wandlung, auch mit einer Dynamikbereichsanpassung zur Optimierung des HDR-Bildes an das HDR-Display beziehungsweise die Lichtverhältnisse im Wohnzimmer kann der UP970 nicht dienen – beides kostet wertvolle Punkte.   

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Mehr als diese Informationen gibt der LG-Player leider nicht preis, Audio-/Videobitraten und HDR-Angaben behält er für sich.

Um zum Video-Equalizer zu gelangen, ist eine kleine Klick-Odyssee erforderlich. Zuerst drückt man die „Info/Menü“-Taste, geht dann per Steuer-kreuz auf „Option“, im anschließenden Menü wählt man in der untersten Zeile „Benutzereinst.“ Dort lassen sich Kontrast, Helligkeit, Farbe und Schärfe jeweils 6-stufig einstellen. Allerdings sollte man sich beeilen, denn nach ein paar Sekunden verschwindet die Menü-Einblendung. Während die Regler für Helligkeit, Farbe und Kontrast das Bild spürbar verändern, ist bei der Schärfe kaum ein Unterschied festzustellen. Man muss schon genau hinschauen, um eine Betonung hochfrequenter Details auszumachen.

Wer das Bild nicht selber optimieren will, kann aus den Modi „Spielfilm“, „Bewegung“ und „Standard“ wählen. Im dunklen Heimkino empfehlen wir „Spielfilm“ oder „Standard“, wenn es im Wohnzimmer mal richtig hell ist, bietet sich „Bewegung“ an. Bei der manuellen Video-Justage markiert der LG UP970 unterm Strich das Schlusslicht der bisher von uns getesteten Ultra-HD-Blu-ray-Player.   

Die Audio-Einstellungen beschränken sich auf das Nötigste, was freilich an den fehlenden Analog-Ausgängen liegt. Allerdings gibt es die Möglichkeit einer DTS-Neucodierung am optischen Ausgang. Diese Wandlung kann für Besitzer älterer Receiver ohne HDMI zu einer klanglichen Verbesserung führen. Die HD-Bitstream-Ausgabe, egal ob Dolby Digital Plus, Dolby Atmos, DTS-HD High Resolution oder DTS:X, meistert LGs Ultra-HD-Premiere hingegen sehr gut.

                    bewertung 

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Der Testbericht LG UP970 (Gesamtwertung: 76, Preis/UVP: 300 Euro) ist in audiovision Ausgabe 10-2017 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

76 gut

Wer einen UHD-Player mit Dolby Vision für kleines Geld sucht, für den ist der LG UP970 die erste (und bislang) einzige Wahl. Die Bildqualität überzeugt, allerdings sind die Möglichkeiten der manuellen Optimierung beschränkt. Auch das App-Angebot fällt mit Netflix und YouTube überschaubar aus.
Michael Nothnagel

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