Sony STR-DN1080 (Test)

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Fast alles beim Alten: Sonys handlicher Geber ist immer noch klar strukturiert, die Tastenbelegung wurde im Vergleich zum Vorgängermodell leicht verändert.

prosconsUnglaublich, aber wahr: Bislang musste man bei in Deutschland erhältlichen Sony Receivern auf 3D-Sound verzichten, da der über 2.000 Euro teure STR-ZA5000ES nur in den USA auf den Markt kam. Doch mit dem STR-DN1080 ändert sich das, decodiert er doch auch Dolby Atmos und DTS:X. Neu ist auch die Funktion „Speaker Relocation / Phantom Surround Back“, zudem wurden diverse Bauteile verbessert. 100 Euro Aufpreis verlangt Sony gegenüber dem Vorjahresmodell STR-DN1070 (Test in audiovision 8-2016), womit der Neuling bei 800 Euro landet.

4K mit allen HDR-Formaten

Trotz der Preisanhebung hat sich äußerlich kaum etwas verändert: Allerdings ist der vordere HDMI-Eingang nach hinten gewandert und die separaten Lautsprecher-Terminals für die Beschallung einer zweiten Hörzone sind dem Rotstift zum Opfer gefallen. Somit muss man sich bei der Verkabelung zwischen zusätzlichen Zonen-Speakern oder Höhen- bzw. Back-Surround-Boxen entscheiden.

Auch bei den Innereien haben die Japaner an Details geschliffen. So findet sich unter dem Deckel  eine neue Digitalplatine samt HDMI-Board für eine bessere Abschirmung von elektromagnetischen Störquellen und ein optimierter Vibrationsschutz. Sämtliche Ein- und Augänge der HDMI-Platine sind 4K/60p- und HDCP-2.2-tauglich, auch HDR10- und HLG-Metadaten für die Durchleitung von Videosignalen mit erweitertem Farb- und Kontrastumfang werden unterstützt; im Herbst soll zudem ein Update auf Dolby Vision folgen.

Ausstattung und Technik

Mit seinen 7 Endstufen ist der Sony für 7.2- oder 5.2.2-Setups mit zwei Höhenboxen gerüstet. Trotz zwei Subwoofer-Pre-outs lässt sich im Menü nur ein Basswürfel konfigurieren. Im 5.2-Betrieb können die verbliebenen Endstufen für das Bi-Amping der Frontboxen oder eine weitere Hörzone genutzt werden. Einen dritten Hörbereich kann man entgegen dem STR-DN1070 nicht mehr aktiv beschallen. Separate Hörzonen dürfen zudem über den zweiten HDMI-Ausgang sowie die  Cinch-Pre-outs (analoge Quellen) mit Signalen versorgt werden. Die „Wireless Multiroom“-Option ermöglicht zudem das Ansteuern drahtloser Lautsprecher aus dem Sony-Portfolio in Nebenräumen. Praktisch: Die Konfiguration aller Hörzimmer – inklusive Quellenwahl – wird komfortabel über den Reiter „Zone Controls“ im Hauptmenü gesteuert. Während die Pegel und Distanzen aller Boxen mit 0,5-Dezibel- respektive 1-Zentimeter-Schritten optimal einstellbar sind, beschränkt sich der Equalizer auf „Bass“ und „Treble“, die für jede Boxengruppe (Rear- und Back-Rear nur gemeinsam) justiert werden können. Die Crossover-Frequenzen sind zwischen 40 und 200 Hertz wählbar, leider fehlt noch immer ein „Stereo Large plus Subwoofer“-Modus, der den Subwoofer auch bei 2-Kanal-Wiedergabe und groß definierten Front-boxen mitlaufen lässt.

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Für 800 Euro ordentlich bestückt: Zwei Antennen für Bluetooth und WLAN sorgen für sicheren Drahtlosempfang. Mit sechs HDMI-Eingängen und zwei HDMI-Ausgängen dürften keine Engpässe aufkommen; nur eine Toslink- und Koax-Buchse für Digitalton erscheinen uns jedoch etwas knapp bemessen. Ein Phono-Eingang fehlt.

Die neue Option „Phantom Surround Back“ simuliert zwei virtuelle Rücklautsprecher und soll ein 7.1.2-Kanal-Erlebnis bei einer 5.2.1-Konfiguration ermöglichen. Die Funktion ist kombiniert mit einer „Speaker Relocation“, welche den Abstand und Winkel so manipuliert, als wären alle Schallwandler im Heimkino oder Wohnzimmer  perfekt positioniert – was selten zutrifft.

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Die „Speaker Relocation“-Funktion verschiebt alle Lautsprecher virtuell auf den idealen Standplatz. „Phantom Back Surround“ generiert virtuelle Back-Rear-Boxen.

Wie eingangs erwähnt, besitzt der STR-DN1080 Decoder für Dolby Atmos und DTS:X; das dritte Höhentonformat Auro 3D verschmäht er dagegen. Gleichfalls an Bord sind die 3D-Ton-Upmixer Dolby Surround und DTS Neural:X, wobei der Sony das Cross-Format-Upmixing – also die Wiedergabe von Dolby-Ton via DTS-Upmixer und umgekehrt – erlaubt. Die beiden Höhenboxen können als vordere Height-Lautsprecher, Top-Middle-Boxen oder als Dolby-Enabled-Speaker (Aufsatz-Boxen) vorne wie hinten betrieben werden. Die klassischen 2D-Upmixer DTS Neo:6 und Dolby ProLogic II fielen leider im Zuge des 3D-Ton-Updates unter den Tisch.

Gestrichen hat Sony auch die meisten eigenen Klangprogramme, von ehemals acht sind nur der „Audio Enhancer“ („DSEE HX“-Klangverbesserer für Streaming-Quellen in Stereo) sowie „Front Surround“ zur Erzeugung virtueller Rear-Boxen bei Stereo-Betrieb übrig geblieben.

Mit an Bord ist auch Sonys Einmess-System DCAC EX, das die Pegel, Distanzen, Crossover-Frequenzen, Frequenzgänge und die Phasen aller Boxen automatisch anpasst und nach verrichteter Arbeit drei Klangkurven bereitstellt.

Video und Multimedia

Videoseitig beherrscht der Sony 4K/60p-Signale inklusive den HDR-Formaten HDR10 und HLG, HDCP 2.2 sowie dem verlustfreien 4:4:4-Farbraum. SD-/HD-Material skaliert der STR-DN1080 auf UHD-Auflösung, sofern es über HDMI zugespielt wird. Kontakt zu Musik nimmt der Receiver über WiFi-Direct, DLNA, USB, iPod-Direktanschluss, NFC und  AirPlay auf. Ferner empfängt er Streams von Spotify sowie Apps mit Google-Cast-Unterstützung. Ein Internet-Radio ist jedoch nicht integriert. Die Front des STR-DN1080 ziert das „Hi-Res Audio“-Logo, was für eine Reihe an Features steht.

Zusammen mit Philips entwickelte Sony mit der SACD den ersten hochauflösenden Tonträger. Bis heute hat der japanische Konzern die audiophile Musikwiedergabe im Fokus. Das an Receivern unterschiedlicher Hersteller zu findende „Hi-Res Audio“-Logo steht beim STR-DN1080 für folgende Extras:

High Resolution Audioplayer
Über USB und Netzwerk gibt der Sony alle gängigen, hochauflösenden Stereo- und Mehrkanal-Audioformate wie AIFF, ALAC, DSD, FLAC und WAV wieder.

DSD-Decoding via HDMI
Der Sony verarbeitet den rohen 1-Bit-Datenstrom einer SACD per HDMI, was nicht alle Receiver können.

Audio Upscaler und -Enhancer
Zur Klangverbesserung von CDs und MP3-Dateien verfügt der Receiver über die Schaltungen „D.L.L.“ (Digital Legato Linear) und „DSEE HX“ (Digital Sound Enhancement Engine). Zur genauen Arbeitsweise der zweistufigen Schaltung schweigt sich Sony aus, wahrscheinlich ist aber, dass sie die Abtastrate erhöht. DSEE HX versucht infolge von Datenreduktion verloren gegangene Obertöne anhand einer psychoakustischen Analyse zu rekonstruieren.

Verlustfreie Bluetooth-Übertragung
Normalerweise werden Audiodaten bei der Übertragung per Bluetooth im verlustbehafteten Format SBC komprimiert. Der Sony dagegen beherrscht den eigens entwickelten Codec „LDAC“, der mit seiner rund dreimal so hohen Datenrate von 990 kbps die Qualität hochauflösender Audiodateien bewahrt. Der Receiver fungiert als Bluetooth-Empfänger und -Sender und ist damit ein idealer Spielpartner für Sonys LDAC-Produktprogramm, das aus diversen MP3-Playern, Kopfhörern und Aktivlautsprechern besteht.

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Das „Hi-Res Audio“-Logo am Sony-Receiver steht für eine Reihe unterschiedlicher Funktionen.

Das verschachtelte Menü weist trotz deutscher Sprachwahl viele englische Begriffe auf und manche Alltagsfunktion (etwa die Klangoptimierer) lassen sich teils nur über Umwege und Verlassen des laufenden Bildes zu- beziehungsweise abschalten. Alternativ kann man den STR-DN1080 auch über Sonys „Music Center“-App steuern.

Tonqualität

Mit 178 Watt bei Stereo (4 Ohm) und 83 (4 Ohm) bzw. 77 Watt (6 Ohm) im 7-Kanal-Betrieb verfügt der STR-DN1080 über geringfügig weniger Kraftreserven als der Vorgänger, in der Praxis fällt dies jedoch nicht ins Gewicht. Den hohen Standby-Verbrauch bei aktivierter HDMI-Durchleitung von fast 28 Watt spürt dagegen jeder (im Geldbeutel).

Beim Hörtest überzeugte der Sony bei Steely Dans Mehrkanalmix von „Two Against Nature“ mit einem dynamischen, sauberen und fein auflösenden, doch nicht überspitzten Sound. Die Einmessung brachte etwas mehr Glanz im Hochton,  „Auto Phase Matching“ sorgte für geringfügig druckvollere Bässe. Bei Atmos-Ton von diversen Dolby-Demo-Clips spielte der Sony räumlich groß, geschlossen und mit sauber ortbaren Effekten; wuchtige Bässe steckte der „Kleine“ locker  weg und gefiel mit seiner stressfreien Spielart.

Die „Speaker Relocation / Phantom Surround Back“-Funktion schaffte es in unserem Hörraum,  aus zwei aktiven Rear-Boxen akustisch vier zu tricksen, wie 7.1-Testsignale aufdeckten. Allerdings schallte das Ergebnis deutlich weniger präzise als mit vier echten Surround-Boxen.

Bei Stereo-Musik musizierte der STR-DN1080 im Pure-Direct-Modus fein auflösend und doch sanft im Hochton, locker sowie anspringend und löste Instrumente wie bei Christy Barons Jazz-Song „Got to get you into my life“ schön von den Boxen für ein greifbares Hörerlebnis. Auch bei Metal oder Electro-Pop behielt der Japaner seinen angenehmen Charakter bei und bot viel Spielfreude, die zu langen Hörsessions einlädt. 

bewertung

Der Testbericht Sony STR-DN1080 (Gesamtwertung: 75, Preis/UVP: 800 Euro) ist in audiovision Ausgabe 9-2017 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

75 gut

Für 800 Euro bekommt man mit dem Sony STR-DN1080 viel Leistung, eine gute Ausstattung, High-Resolution-Audio und endlich auch 3D-Sound. Beim Bedienkomfort ist aber noch Luft nach oben, auch fehlt ihm ein Web-Radio.
Andreas Oswald

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