Denon AVR-X2400H (Test)

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prosconsAus „W“ wird „H“, womit die Japaner schon im Gerätenamen ihres neuen Mittelklasse-Receivers AVR-X2400H auf die Integration von Denons Multiroom-System HEOS hinweisen. Das „W“ beim Vorgänger AVR-X2300W (Test in Ausgabe 8-2016) stand übrigens für WiFi. Die restlichen Neuerungen fallen weniger exklusiv aus: Die Kompatibilität mit den HDR-Standards Dolby Vision und HLG reicht Denon erst zum Jahresende nach, dies betrifft jedoch auch den Vorgänger AVR-X2300W. Gleiches Spiel bei Audysseys neuer „MultEQ App“, die sowohl für den X2300W als auch den X2400H nutzbar ist.

Die für iOS und Android erhältliche „Audyssey Mult­EQ App“ bereichert die Basisfunktionen der meisten Denon und Marantz-Receiver um einige interessante Features, die wir bisher in den Geräten beider Marken vermisst haben. So kann man mehrere Einmessungen speichern, Zielkurven individuell anpassen und an den Receiver als „Reference“-Kurve übertragen, was den von uns oft kritisierten Equalizer überflüssig macht. Die App für Smartphone und Tablet ist laut Hersteller mit den meisten Receivern von Denon und Marantz des Baujahrs 2017 sowie 2016 kompatibel. Einziger Wermutstropfen: Sie kostet 20 Euro.

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Die Obergrenze für die Audyssey-Filterung des Frequenzgangs ist für jedes Boxenpaar frei bestimmbar.

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Nach der Einmessung zeigt die App auch die von Audyssey ermittelten Werte für Pegel und Abstand an.

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Der Vorher-Nacher-Vergleich visualisiert die Ergebnisse der Einmessung und der Frequenzgangkorrektur.

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Die Kompensation im Mitteltonbereich durch Audyssey lässt sich für alle Boxen auch deaktivieren.

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Für die Hochton-Absenkung bietet die App zwei vordefinierte „Hochfrequenz-Roll-offs“an.

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Kurven-Editor: Via freie Ankerpunkte darf man eigene Zielkurven für alle Boxen(paare) modellieren.

Selbstredend gehören Dolby Atmos und DTS:X zum guten Ton – beide Formate sind bereits ab Werk integriert. Das Upgrade für Auro 3D bietet Denon hingegen nach wie vor nur für seine Topmodelle an, dort dafür mit den 2017er-Geräten ohne Aufpreis. Apropos Preis, der AVR-X2400H kostet mit 700 Euro nicht mehr als sein Vorgänger.

Ausstattung und Technik

Rein äußerlich gleicht der ausschließlich in Schwarz erhältliche Neuling seinem älteren Bruder wie ein Ei dem anderen und auch bei den Anschlüssen hat sich nichts getan: 8 HDMI-Eingänge und sogar 2 HDMI-Ausgänge sind für diese Preisklasse keine Selbstverständlichkeit. Auch die üppige Präsenz analoger YUV- und FBAS-Videobuchsen ist untypisch für einen 700-Euro-Receiver. Als suboptimal empfinden wir dagegen das Fehlen eines digitalen Koax-Eingangs, der bei vielen Geräten zum Einsatz kommt. Immerhin darf man Zuspieler über 2 Toslink-Buchsen verkabeln. Schallplatten-Freunde dürften eine Phono-Platine vermissen.

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Boxen-Setup: Bei 5.1-Betrieb können 2 Endstufen für Back-Rears oder Höhenboxen (hier 5.1.2) genutzt werden.

Wie der Vorgänger wartet der AVR-X2400H mit sieben diskreten Endstufen auf, die zum 5.2-Betrieb zwei zusätzliche Höhenkanäle oder zwei Surround-Back-Boxen erlauben. Alternativ darf man die Hauptlautsprecher bi-ampen oder zwei Lautsprecher in einem anderen Hörraum aktiv beschallen; Letzteres ist auch via Pre-outs möglich. Auch der Betrieb von vier Hauptboxen ist vorgesehen. Für die Höhenboxen gibt es aber keine Vorverstärkerausgänge, weshalb man maximal 5.2.2- bzw. 7.2-Boxenlayouts verwenden kann.

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Gut bestückt: Zwar muss man auf einen Phono-Eingang und Vorverstärkerausgänge verzichten, 8 HDMI-, 2 S/PDIF- und 4 analoge Eingänge sind für die meisten Heimkinos aber ausreichend. Höhenboxen für 3D-Sound müssen an die „Surround Back“-Terminals angeschlossen werden. Die beiden Antennen für WLAN und Bluetooth sind fest verbaut.

An der Lautsprecher-Konfiguration haben wir kaum etwas zu kritisieren, die Pegel- und Distanzschritte fallen mit 0,5-Dezibel- respektive 1-Zentimeter-Schritten vorbildlich aus, die Crossover-Frequenzen lassen sich zwischen 40 und 250 Hertz für alle Speaker-Gruppen getrennt wählen. Die Pegel aller Boxen sowie Bass/Treble lassen sich zudem gesondert und für jede Eingangsquelle separat speichern; zu den entsprechenden Menüs gelangt man über die „Option“-Taste der Fernbedienung.

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Vorbildlich: Das Info-Menü des Denon zeigt Ein- und Ausgangssignale inklusive aller aktiven Lautsprecher an.

Die beiden Höhenboxen für Atmos- und DTS:X-Ton können als vordere oder mittlere Deckenboxen, als vordere Height-Speaker oder als Aufsatzboxen (Dolby enabled) für die Front- oder Surround-Lautsprecher definiert werden. Trotz 2 Subwoofer-Preouts lässt sich nur ein Basswürfel im Menü steuern, beide Ausgänge liefern also dasselbe Signal.

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Unter dem Deckel: Die 7 diskret aufgebauten Endstufen schmiegen sich an die Kühlrippen, die quer über die Breite verlaufen. Der Trafo befindet sich unter der Digital-Platine, auf der die DSPs und Digitalschnittstellen sitzen.

Wie immer bei Denon müssen wir Kritik am Equalizer üben, der erst ab aus unserer Sicht zu hohen 63 Hertz greift und zudem die beiden Woofer ausschließt, weshalb sich Dröhnbässe im Hörraum manuell nur schwer beheben lassen. Für die automatische Beseitigung klanglicher Unstimmigkeiten und die automatische Lautsprecher-Einrichtung ist Audysseys zweitbestes Einmess-System MultEQ XT zuständig, das bis zu 8 Messpunkte berücksichtigt,  3 Frequenzgang-Zielkurven bereitstellt sowie die Klangschaltungen Dynamic EQ (Loudness) und Dynamic Volume (Dynamikreduktion) mitbringt. Für die Aufstellung des Mess-Mikrofons packt Denon einen Pappständer bei. Mit der optionalen und 20 Euro teuren „Audyssey MultEQ App“ darf man zudem diverse Parameter der Audyssey-Einmessung manipulieren und Zielkurven selbst ziehen. Eine sinnvolle Ergänzung, die den regulären Equalizer, der sich nicht bei aktivem Audyssey aktivieren lässt, im Grunde überflüssig macht.   

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Nicht optimal: Der Equalizer regelt bis auf die Subwoofer alle Boxen zwischen hohen 63 Hz und 16 kHz.

Decoder und Klangprogramme

Wie eingangs erwähnt, verbaut Denon Decoder für Dolby Atmos und DTS:X ab Werk und auch die beiden Upmixer Dolby Surround sowie DTS Neural:X gehören zum Paket. Mit Letzteren lassen sich dank  Cross-Format-Upmixing auch Tonsignale des jeweiligen Konkurrenten abspielen, also Dolby Sound mit DTS-Decoder und umgekehrt; Ausnahme bildet DTS:X, das keine anderen Decoder zulässt. Darüber hinaus steuert Denon 6 Klangprogramme für Film, Musik und Gaming bei, die allerdings Geschmackssache sind und sich nicht individuellen Wünschen anpassen lassen. Das „Cinema EQ“-Filter senkt Höhen dezent ab, was bei spitzem Filmton oder hohen Lautstärkepegeln Sinn macht.

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Flexibel: Den Quellen-Presets können die Bild- und Toneingänge individuell zugewiesen werden.

Video und Multimedia

Das Videoboard des Denon X2400H akzeptiert 4K/60p-Bilder samt HDCP 2.2, HDR-10 und  4:4:4-Farbauflösung nach BT.2020-Norm – und das an allen HDMI-Ein- wie Ausgängen. Die 4K-Skalierung rechnet eingehende HDMI-Signale zu Auflösungen bis 4K um, funktioniert jedoch nicht bei analog zugespielten Bildern. Der vielseitige Video-Equalizer regelt feinfühlig Kontrast, Helligkeit, Schärfe, Farbsättigung und Bildrauschen, zudem gibt es sechs vordefinierte Bildmodi, zwei davon sogar nach ISF-Norm.

Tonal versteht sich der Media-player auf High-Resolution-Audio-Streaming (24Bit/192kHz) mit FLAC-, ALAC-, WAV- und DSD-Dateien, Letztere auch mit 5,6-MHz-Samplingrate. Die Vernetzung zu Musik gelingt dem Denon über DLNA, AirPlay und Bluetooth zu externen Geräten, die Dual-Band-Unterstützung (2,4 GHz und 5 GHz) des WLAN-Moduls soll einen störungsfreien Empfang gewährleisten. Das ehemalige vTuner-Webradio hat Denon durch das TuneIn-Internet-Radio ersetzt und alle anderen Streaming-Dienste ausgelagert. Für das Musikhören via Spotify, Juke!, SoundCloud, TIDAL, Deezer oder Napster muss man daher zu Denons HEOS-App greifen, die für Android- und iOS-Geräte erhältlich ist. Mit ihr lässt sich auch der Receiver rudimentär bedienen, ihre Stärke liegt aber im Aufbau von Multiroom-Lösungen.

Ob Musik vom Smartphone oder Tablet, dem USB-Stick oder via Streaming-Diensten wie Spotify:
Die HEOS-App für iOS, Android und Amazon Kindle Fire vereinfacht das Musik-Streamen.

Seit 2014 hat Denon mit HEOS ein eigenes Multiroom-Musiksystem im Sortiment. Seit Oktober 2016 gehören auch ausgewählte Heimkino-Receiver zur HEOS-Familie, im aktuellen Jahrgang 2017 sind sogar alle Modelle der Japaner fit für HEOS.

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Die HEOS-App liefert eine Vielzahl unterschiedlicher Quellen für Musik. Neben freiem Internet-Radio via TuneIn stehen diverse Streaming-Dienste bereit. Auch kann man Songs direkt vom Gerät, USB-Stick oder Netzwerkserver spielen.

Geblieben ist die bequeme Steuerung per App, hinzugekommen sind unter anderem die Bluetooth-Funk­tionalität und die Möglichkeit, hochauflösende Audioformate abspielen zu können. Über HEOS gelingt der Zugriff auf zahlreiche Musikdienste wie Spotify, Deezer, Napster und Tidal. Darüber hinaus gestatten die HEOS-Receiver das Durchstöbern der persönlichen Musik­bibliothek im Netzwerk. Unterstützt werden sowohl Audio-Formate in Standard-Auflösung als auch hochauflösende Dateitypen wie FLAC HD und DSD. Außerdem kann der Nutzer Titel direkt von seinem Handy, Tablet oder USB-Speicher übertragen.

Bis zu 32 Lautsprecher lassen sich in das HEOS-System einbinden, in allen Räumen kann man unterschiedliche Musik oder zeitgleich denselben Song spielen. Der Steuerung per App, dem Gruppieren von Lautsprechern und dem Bilden von Stereo-Paaren steht nichts im Weg.

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Gelungen: Denons Fernbedienung ist klar strukturiert, sinnvoll untergliedert und liegt gut in der Hand. Eine Beleuchtung wäre aber wünschenswert.

Für die umfassende Steuerung des AVR-X2400H ausgelegt ist dagegen Denons AVR Remote App, die auch zur Bedienung weiterer Denon-Komponenten genutzt werden kann. Das Webinterface des AVR-X2400H zur Steuerung des Receivers über einen Internet-Browser wurde gestrichen.

Die reguläre Bedienung via beiliegender Fernbedienung gelingt dank logischer und einfach strukturierter Menüs vorbildlich. Der Geber selbst ist nach Funktionsgruppen gegliedert und besitzt große sowie im Dunkeln fluoreszierende Tasten – beides minimiert Fehleingaben. Trotzdem wäre eine Beleuchtung aller Tasten wünschenswert. Das ausführliche Handbuch zum AVR-X2400H muss man sich von Denons Webseite laden, im Karton liegt nur eine rudimentäre Schnellstart-Anleitung.

Tonqualität

Bei der Leistungsmessung erreichte der AVR-X2400H an 4-Ohm-Last die gleichen Werte wie sein Vorgänger, 73 respektive 98 Watt im 7- bzw. 5-Kanal–Modus sind ordentlich. Im Stereo-Modus an 6 Ohm bot schon das Vormodell nur überschaubare 98 Watt, die bei X2400H auf 88 Watt sinken. Auch die Leistung im Mehrkanal-Betrieb verringerte sich an 6-Ohm-Last auf 60 (7-Kanal) beziehungsweise 80 (5-Kanal) Watt. Löblich: Der Eco-Modus reduziert den durchschnittlichen Stromverbrauch von stattlichen 285 auf sparsame 112 Watt.

Im Sound-Check musizierte der Denon mit Steely Dans Mehrkanal-Mix  von „Two against nature“ angenehm druckvoll, satt und mit warmem Timbre, das zum Lauthören einlädt. Die Einmessung mit Audyssey funktionierte tadellos, setzte alle Parameter zu unserer Zufriedenheit und brachte zudem etwas mehr Ordnung in den Sound. Audysseys Loudness-Schaltung „Dynamic EQ“, die dem Klang mehr Volumen, Glanz in den Höhen und eine anspringende Lebendigkeit verleiht, empfiehlt sich für Musik wie Film gleichermaßen. Allerdings spielen bei deren Aktivierung die Rear-Boxen deutlich lauter – etwas zu prominent für unseren Geschmack. Bei Dolby Atmos-Material platzierte der Denon, Höheneffekte auch über dem Kopf und spannte so weiträumige und lückenlose Schallfelder samt präziser, ortbarer Effekte auf. Entsprechend wurde der 360-Grad-Vogelflug in Dolbys „Amaze“-Democlip beinahe greifbar. Donnern ließ es der fünftgrößte Denon bei der spektakulären Autoverfolgung in „Jason Bourne“, wo der DTS:X-Sound mit bassstarken Effekten von allen Seiten auf den Zuhörer hereinbricht. Zwar fehlte dem AVR-X2400H ein wenig die nötige Aggressivität im Klang sowie die explosionsartige Dynamik größerer AV-Receiver, die sanfte Abstimmung erlaubt dafür Brachialpegel ohne klingelnde Ohren.    

Stereo-Musik brachte er mit angenehmem Grundton zu Gehör und spielte dabei transparent, aber dennoch körperhaft. Auch die Räumlichkeit konnte mit plastischen und sauber positionierten Instrumenten punkten.

bewertung

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Der Testbericht Denon AVR-X2400H (Gesamtwertung: 77, Preis/UVP: 700 Euro) ist in audiovision Ausgabe 9-2017 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

77 gut

Denons 700 Euro günstiger Einsteiger-Receiver AVR-X2400H holte sich mit 3D-Ton, voller 4K-Unterstützung, flexibler Multimedia-Ausstattung samt HEOS-Multiroom den Testsieg – auch wenn er sich selbigen mit dem Yamaha teilen muss.
Andreas Oswald

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