Samsung QE55Q8C (Test)

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Macht was her: Die handliche Smart Remote besteht aus Aluminium und punktet trotz der wenigen Tasten mit hohem Bedienkomfort. Sie besitzt zwar keinen Gyrosensor, dafür nimmt sie über das eingebaute Mikrofon aber Sprachbefehle entgegen.

 

prosconsImmer öfter bieten TV-Hersteller ihre Spitzenmodelle nur im XXL-Format ab 65 Zoll an. Wer es eine Nummer kleiner möchte, muss bei Samsung zum QE55Q8C greifen.

Nicht nur für Rennfahrer, auch bei Samsung geht es vor der Zielgeraden noch einmal in die Kurve. Denn während sich die meisten TV-Hersteller vom Curved-Design abwenden, hält der Marktführer

Beim Samsung Q8 lebt der Curved-Trend weiter. Mit einem Radius von 4,2 Metern fällt die Display-Biegung aber dezent aus.

Beim Samsung Q8 lebt der Curved-Trend weiter. Mit einem Radius von 4,2 Metern fällt die Display-Biegung aber dezent aus.

daran fest. Die direkt unter dem Spitzenmodell QE65Q9F (Test hier) positionierte Q8C-Serie wird sogar ausschließlich mit gebogenem Bildschirm offeriert. Von 3D hat Samsung sich bei der 2017er-Modell-Generation hingegen komplett verabschiedet. Der von uns getestete 55-Zöller ist das kleinste Familienmitglied; seine Brüder messen 65 oder stattliche 75 Zoll.

Ausstattung und Praxis

Samsung hat den Bogen raus! Begeisterten bereits die 2016er SUHD-Flaggschiffe KS9090 respektive KS9590 mit einem schicken Curved-Design, leistungsstarker Technik sowie einfacher Bedienung, setzt ihr Nachfolger in allen drei Disziplinen einen drauf: Der Q8C wirkt edler und eleganter, wozu sein Standfuß aus Edelstahl beiträgt. Durch das Bein verläuft nun sogar ein Kanal zum unsichtbaren Verlegen des Strom- und One-Connect-Kabels. Letzteres basiert jetzt auf Glasfasern bzw. der Lichtwellenleiter-Technik, die es flexibel macht sowie eine Signalübertragung über längere Strecken erlaubt.

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Edle Erscheinung: Das im Licht grün und violett schimmernde Display fügt sich sehr gut in das silberne Gehäuse ein. Schön finden wir auch den nahtlosen Rahmen.

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Klein, aber fein: Die Benutzeroberfläche hat sich auf den ersten Blick kaum verändert, jedoch wurde der Bedienkomfort durch ein paar Modifikationen gesteigert.

Nicht nur Samsungs Benutzeroberfläche, auch die Fernbedienung hat in den letzten Jahren einige Änderungen durchlaufen. So wurde das Duo aus einem klassischen sowie einem bewegungssensitiven Signalgeber im Zuge der Modellpflege 2016 durch die Smart Remote ersetzt, die sowohl auf etliche Tasten als auch auf den Gyrosensor sowie ein Touchpad verzichtet – das war zu Beginn (siehe Testbericht Samsung UE55KS9090 hier) auch für uns gewöhnungsbedürftig. Mittlerweile schätzen wir jedoch ihre Handlichkeit sowie Flexibilität (Stichwort: Universalfernbedienung); bemerkenswert in der aktuellen Generation ist außerdem das edle Aluminiumgehäuse. Dank Funktechnik benötigt sie übrigens keine Sichtverbindung zum TV-Gerät.

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Sendernamen interpretiert Samsungs Sprachsteuerung zwar meist falsch, arbeitet sonst aber zuverlässig und passt auf Befehl sogar Geräteeinstellungen an.

Das umgestaltete Tizen-Betriebssystem kostete den Vorgänger ein paar Sympathiepunkte, waren die Navigationswege doch teilweise unnötig lang. Erfreulicherweise haben die Entwickler aber nachgebessert, so dass man nun über das Zahnrad-Symbol ganz links unten auf dem Display direkt in die Bildeinstellungen sowie in die übrigen Gerätemenüs gelangt. Alternativ lässt sich der Fernseher nahezu komplett mittels Sprachkommandos bedienen (siehe Screenshot oben).

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Voller Überblick: Mit einem Druck auf die Kanalwippe öffnet sich der aufgeräumte Programmführer. Die aktuelle Sendung läuft in einem kleinen Fenster oben links weiter.

In jedem Fall reagiert er äußerst schnell auf Befehle und öffnet auch Smart-TV-Apps innerhalb weniger Sekunden. Die beliebtesten Dienste sind installiert, wobei ein Download-Portal die Auswahl massiv erweitert. Per Bild-in-Bild-Funktion können zwei Quellen parallel wiedergegeben werden.

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Einfach einrichten: Samsungs „Smart Hub“-Benutzeroberfläche ist personalisierbar, indem man oft genutzte Apps nach vorn verschiebt und nicht benötigte entfernt.

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Auf großem Fuß: Wer es noch exklusiver möchte, kann zum „Gravity Stand“ greifen, der jedoch 700 Euro kostet. Darauf montiert ist das Display um 35 Grad schwenkbar.

Wem 5 Meter nicht genügen, der bekommt für nicht gerade günstige 300 Euro die 15-Meter-Variante VG-SOCM15. Die optionalen Standfüße sind ebenfalls kein Schnäppchen: Der Studio Stand schlägt mit 600  und der Gravity Stand mit 700 Euro zu Buche.

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Die Mehrfach-Belegung der Tasten auf der Fernbedienung kann anfangs schon verwirren. Hat man sich jedoch daran gewöhnt, geht die Navigaton flüssig von der Hand.

Aus technischer Sicht verbaut Samsung in den QLED-TVs standardmäßig das Beste, was der Markt momentan hergibt. Anzuführen ist hier vor allem das LCD-Display, welches mit 10 Bit angesteuert wird und dank neuester Quantum-Dot-Technologie den DCI-P3-Farbraum vollständig abdeckt. Obwohl nur ein Edge-LED-Backlight mit einer Lichtleiste (beim Q9 sind es zwei) zum Einsatz kommt, verspricht der Q8 beachtliche Helligkeitsreserven von 1.500 Candela. Die Ultra-HD-Premium-Spezifikationen erfüllt er also locker, wovon HDR-Inhalte unmittelbar profitieren.

Während bald auch Sony auf den Dolby-Vision-Zug aufsteigt, lehnt Samsung die Lizenzkosten weiterhin ab und arbeitet zusammen mit Amazon Video lieber an einem eigenen Format: HDR10+. Es basiert auf dem offenen Standard SMPTE 2094-40 und ergänzt das bestehende HDR-10 um dynamisches Tone-Mapping. So können Filmemacher die Helligkeit sowie den Kontrast (ähnlich einem Equalizer) für jede Szene individuell anpassen. HDR10+ ist also durchaus vergleichbar mit Dolby Vision, darf im Gegensatz aber gebührenfrei von den Geräteherstellern verwendet werden. Die ersten Inhalte stellt Amazon in seinem Streaming-Portal bereit.

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Signalabhängig: Anders als im SDR-Betrieb entlockt der Spezialmodus „HDR+“ echten HDR-Clips keine höhere Leuchtkraft, weshalb wir ihn hier nicht empfehlen.

Um auch normale TV-Sendungen oder YouTube-Videos in HDR-Qualität bewundern zu können, stattet Samsung seine Fernseher mit dem Spezialmodus „HDR+“ aus. Dieser erweitert den Farbraum und erhöht die Helligkeit – zumindest von SDR-Signalen. Bei echtem HDR-Material können wir hingegen keine Steigerung feststellen. Ganz im Gegenteil: Verglichen mit dem besten Bildmodus „Film“ wird zwar das DCI-P3-Spektrum genauso gut abgedeckt, Spitzlichter (zehn Prozent Weiß auf schwarzem Grund) erreichen aber nur 572 statt 765 Candela. Im vollflächigen Weiß bleibt die Leuchtdichte unverändert bei 494 Candela. Von den versprochenen 1.500 Candela ist der Q8 jedenfalls in beiden Fällen weit entfernt. Erst, wenn das Messfeld auf zwei Prozent schrumpft, knackt er die 1.000-Candela-Marke. So erstrahlen zum Beispiel einzelne Sterne am Nachthimmel oder die Funken eines Lagerfeuers äußerst intensiv. Realistisch gesehen reichen die durchschnittlich 640 Candela dank des reflexionsarmen Displays in der Praxis aber locker aus, was der Hellraumkontrast von rund 900:1 unterstreicht.

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Volles Volumen: Der Samsung QE55Q8C deckt den DCI-P3-Farbraum vollständig ab. Auch im HDR-Betrieb erzeugt der Bildmodus „Film“ die natürlichsten Farben.

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Separate Versorgung: Da durch das Glasfaserkabel kein Strom fließt, verfügt die neue One-Connect-Box über ein eigenes Netzteil. Die analogen AV-Schnittstellen hat Samsung endgültig verbannt.

In der One-Connect-Box werkelt der gleiche „Q Engine“-Prozessor wie beim großen Bruder, dafür muss sich der Nutzer jedoch mit etwas abgespeckten Bildverbesserungsschaltungen begnügen.

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Lang und dünn: Das One-Connect-Kabel besteht bei Samsungs neuen QLED-Fernsehern aus flexiblen Glasfasern. Zum Schutz vor Beschädigungen ist es auf einem Gummiring aufgewickelt.

Keine Unterschiede gibt es beim Sound: Das 60 Watt leistende 4.2-System erzeugt denselben vollmundigen und dynamischen Klang wie das Spitzenmodell, wobei der Bass ausgeprägter sein könnte.

Bildqualität

Nachdem drei der insgesamt vier Presets mit 9.700, 9.900 sowie 14.500 Kelvin zu kühl abgestimmt sind, ruhen die Hoffnungen von Cineasten auf dem Bildmodus „Film“. Dieser legt nahezu eine Punktlandung bei 6.500 Kelvin hin und ist allgemein sehr ausgewogen.

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Neue Ordnung: Eingriffe in die Farbwiedergabe sind bei den QLED-Modellen nur noch über den Weißabgleich und die neue, professionelle Calman-Kalibrieroption möglich.

Wer es bunt mag, kann in der Farbraum-Einstellung „Nativ“ das Spektrum zu Rot und Grün hin stark erweitern. Ein manuelles Farbmanagement gibt es zwar nicht mehr, dafür gestatten die QLED-TVs mithilfe der „AutoCal“-Funktion der Kalibrier-Software Calman jedoch eine halbautomatische Anpassung der Graustufen in Bezug auf Farbe sowie Pegel – sogar separat für SDR und HDR.

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Quellenwahl leicht gemacht: Der QE55Q8C erkennt automatisch, was für ein Gerät angeschlossen wird, und benennt den entsprechenden HDMI-Eingang intern um.

Leider beschränkt das beste SDR-Preset „Film“ die Leuchtkraft auf 447 Candela, weshalb sich fürs sonnendurchflutete Wohnzimmer der 220 Candela hellere Spezialmodus „HDR+“ empfiehlt. Im zehnprozentigen Weißfenster messen wir mit knapp 800 Candela sogar mehr als bei nativer HDR-Zuspielung. Das vollflächige Weißbild hingegen bringt es auf nur noch 500 Candela, wobei OLED-Fernseher hier deutlich stärker nachlassen. 

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Sehr guter Durchschnitt: Obwohl helle Blautöne leicht aus der Reihe tanzen, liegen die Delta-E-Werte im Mittel bei 2,0. Graustufen reproduziert der Q8 asbsolut neutral.

Nicht unerwähnt bleiben sollte an dieser Stelle der für einen 55-Zoll-LCD hohe Stromverbrauch von knapp 177 Watt. Dafür bietet der Q8 eine gleichmäßige Ausleuchtung wie kaum ein anderer Edge-LED-TV. In schwarzen Bildbereichen regelt er sein Backlight auf 0,05 Candela herunter, obgleich Spitzlichter vor dunklem Hintergrund wie das Space Shuttle zu Beginn von „Gravity“ gelegentlich Halo-Effekte verursachen. 

einstellungen

bewertung

 

 

AuVi_AWARD-Highlight

Der Testbericht Samsung QE55Q8C (Gesamtwertung: 85, Preis/UVP: 3000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 9-2017 erschienen.

Update: Seit der IFA ist der 55 Zoll große Q8 auch als Flat-Version erhältlich.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

85 sehr gut

Erweiterte Farben sind für den Samsung QE65Q8C ein Kinderspiel, deckt er doch sogar das für HDR maßgebliche DCI-P3-Spektrum zu 100 Prozent ab. Auch in puncto Praxis macht dem Koreaner keiner etwas vor. Bei der Blickwinkelstabilität ist hingegen noch Luft nach oben.
Martin Ratkovic / Udo Ratai

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