Pioneer VSX-932 (Test)

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Funktional: Die mittelgroße und übersichtliche Fernbedienung des VSX-932 lässt einzelnen Tasten viel Freiraum. Jedoch fallen die unteren Ecken recht scharfkantig aus und bohren sich je nach Handhabung unangenehm in den Handballen.

prosconsErst war die Freude groß, strahlt dem Käufer auf der Verpackung des neuen 7.1-Einsteiger-Receivers VSX-932 doch unübersehbar ein „DAB/DAB+“ entgegen, was wir als Vorhandensein des Digitalradios interpretierten. Doch schon der etwas kleinere Zusatz „Ready“ lässt erste Zweifel aufkommen und im Kleingedruckten wird man dann konkret: „Separate option required“. Für den UKW-Nachfolger benötigt man einen zusätzlichen Empfänger, den Pioneer vermutlich auf der IFA der Öffentlichkeit präsentieren dürfte. Unterm Strich ist das natürlich immer noch besser als gar kein DAB+, aber etwas schade finden wir es schon.   

Vor allem vor dem Hintergrund, dass der gerade mal 380 Euro teure Pioneer VSX-531D, den wir vor zwei Ausgaben getestet haben, einen DAB-Empfänger eingebaut hatte.

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Auf den zweiten Blick: Der VSX-932 hat keinen DAB-Empfänger eingebaut, wie der Verpackungsaufdruck suggerieren könnte. Er ist nur für einen optionalen Empfänger „ready“, weshalb der Receiver auch 2 USB-Buchsen besitzt.

Mit 600 Euro spielt der VSX-932 in einer anderen Preisliga, ist im Rahmen unseres Testfeldes aber das günstigste Gerät. Mit einem DAB-Empfänger kann aber keiner der Testrivalen aufwarten und auch bei der Grundausstattung herrscht Einigkeit: Dolby Atmos, DTS:X, eine zukunftssichere 4K-Videoverarbeitung und flexible Streaming-Funktionen gehören auch beim VSX-932 zum guten Ton.

Ausstattung und Technik

Der Pioneer VSX-932 besitzt Endstufen, damit sind 5.1-, 7.1- oder 5.1.2-Setups möglich. Mehr ist aufgrund fehlender Vorverstärkerausgänge allerdings nicht drin. Alternativ dürfen freie Endstufen für das Bi-Amping der Hauptlautsprecher verwendet werden, die aktive oder passive (via Pre-outs) Beschallung eines zweiten Hörraums ist dagegen erst mit den größeren Pioneer-Modellen möglich. Willkommen ist die Phono-Buchse zum Anschluss eines Plattenspielers, nur 2 analoge Stereo-Cinch-Kontakte sowie je eine Toslink- und Koax-Schnittstelle sind aber für unser Empfinden etwas knapp bemessen. Ein HDMI-Ausgang und 4 HDMI-Eingänge dürften für die meisten Heimkinos oder das Wohnzimmer noch ausreichen. Je ein USB-Port hinten und vorne ist nicht nur praktisch – etwa für den gleichzeitigen Anschluss eines USB-Sticks und optionalen DAB-Empfängers –, sondern bei AV-Receivern auch eine Seltenheit.

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Für ein 7.1-Einsteigermodell ausreichend bestückt: Alle 5 HDMI-Buchsen (eine vorne) unterstützen den HDCP-2.2-Kopierschutz. Zu 2 analogen Cinch-Eingängen gesellen sich 2 digitale S/PDIF-Buchsen sowie ein Phono-Eingang für den Plattenspieler. Die fest montierten Antennen sollen optimalen Bluetooth- und WLAN-Empfang gewährleisten.

Festgehalten hat Pioneer am Gehäuse-Design, das weitgehend dem des Vorgängers VSX-930 entspricht; ein Modell VSX-931 kam übrigens nicht auf den Markt. Zwar ist die Front weiterhin aus Kunststoff, was dem Receiver aber erst bei genauem Hinschauen (oder Anfassen) anzumerken ist. Praktisch sind die beinahe unsichtbaren Bedienelemente unterhalb des großen und gut ablesbaren Punktmatrix-Displays, mit denen sich der Receiver auch ohne Fernbedienung steuern lässt. Apropos Bedienung: Pioneers mittelgroße Fernbedienung wirkt übersichtlich und ist dank frei positionierter Tasten auch im Dunkeln gut zu handhaben. Alternativ lässt sich der VSX-932 mit der hauseigenen Remote App bedienen, die zudem praktische Multiroom-Optionen bereit hält. Das beim VSX-930 noch bieder anmutende Bedienungsmenü hat Pioneer bereits mit den 2016er-Modellen aufgehübscht.

Decoder und Klangtuning

Am bewährten Einmess-System „MCACC“ hält Pioneer auch in der jüngsten Generation fest, während beim Mutterkonzern Onkyo – die Zusammenlegung der AV-Sparte fand im März 2015 statt  – die hauseigene „AccuEQ“-Automatik zum Einsatz kommt. Ähnlich wie der Onkyo TX-NR676E verfügt auch der VSX-932 als Ergänzung zur Einmess-Automatik über die „Accu-Reflex“-Technik, welche die Phase von Aufsatzboxen den übrigen Lautsprechern anpassen soll; Pioneer nennt das Feature allerdings „Reflex Optimizer“.

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Das MCACC-Menü untergliedert sich in die eigentliche Einmessung, die Ergebnisse und die manuellen Optionen; Letztere beschränken sich auf den Equalizer.

Während Pioneer bei seinen großen AV-Receivern der LX-Baureihe die Einmess-Automatik „MCACC Pro“ einsetzt, müssen sich kleine Modelle wie der VSX-932 mit der abgespeckten Variante „MCACC“ zufrieden geben. Letztere bietet kaum manuelle Möglichkeiten, in die Einmessung einzugreifen, was im Gegenzug die Bedienung besonders für Laien erheblich vereinfacht:

Nach dem Anschluss des mitgelieferten Mikrofons und der erforderlichen Boxenkonfiguration erfolgt die Einmessung aller Lautsprecher vollautomatisch, wobei der VSX-932 nur eine EQ-Klangkurve berechnet. Hinzu kommt eine Optimierung der Phasen aller Boxen („Phase Control“). Beide Filter lassen sich via „AV Adjust“-Taste der Fernbedienung aufrufen und de- bzw. aktivieren. Die wichtigsten Ergebnisse der Einmessung kann man sich in einem separaten Unter­menü anzeigen lassen; allerdings nicht die Optimierungskurven der automatischen Frequenzgang-Entzerrung. Der manuelle Equalizer ist Teil des MCACC-Systems und kann zusätzlich zur Einmessung aktiviert werden; er regelt mit Ausnahme des Subwoofers allerdings erst ab recht hohen 63 Hertz.

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Der 9-Band-Equalizer regelt alle Boxen von 63 Hertz bis 16 Kilohertz zwischen -12 und +12 dB; den Subwoofer zwischen 31 und 250 Hertz.

Manuelles Feintuning am Klang darf man per 9-bandigem Equalizer betreiben, der jedoch erst ab recht hohen 63 Hertz greift. Die Ausnahme: Der Subwoofer lässt sich mit 4 Bändern ab 31 Hertz regeln. Die Pegel sind in 0,5-Dezibel-Schritten optimierbar, die Entfernungen der Lautsprecher kann man aber nur in 3-Zentimeter-Schritten angeben; wünschenswert wären 1-Zentimeter-Einheiten. Ebenfalls nicht optimal: Die Bassentlastungsfilter aller Lautsprecher lassen sich nur einmal zentral zwischen 50 und 200 Hertz einstellen, was bei stark variierenden Boxengrößen zu Problemen führen kann; etwa wenn in einem Heimkino sehr kleine Decken- oder Aufsatzboxen mit mittelgroßen Surround-Boxen kombiniert werden. An Decodern verbaute Pioneer Dolby Atmos und DTS:X sowie deren Upmixer Dolby Surrond und DTS Neural:X. Aus Lizenzgründen verweigern jedoch wie bei Onkyo auch Pioneer-Receiver das Cross-Format-Upmixing, also die Wiedergabe von Dolby-Ton via DTS-Decoder und andersherum. Eigene Klangprogramme spendierte Pioneer 9 Stück an der Zahl, darunter den „F.S.Surround“-Modus, der bei Einsatz nur vorderer Lautsprecher virtuelle Surround-Boxen simulieren soll.

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Crossover: Die Trennfrequenzen lassen sich nur einmal zentral für alle Lautsprecher definieren, was bei stark in der Größe variierenden Boxen nicht optimal ist.

Über die „AV Adjust“-Taste der Fernbedienung lässt sich die „Phase Control“-Schaltung aktivieren, die für eine Bass-Optimierung durch Korrektur der Phasenlage zusammengehörender Signale auf verschiedenen Kanälen sorgt.

Der „Sound Retriever“ soll stark komprimierte Tonsignale klanglich aufpolieren, während das „Theaterfilter“ Höhen dezent absenkt, was besonders bei hohen Lautstärkepegeln sinnvoll sein kann. Wer lieber leise hört, wird an der „DRC“-Schaltung zur Dynamikreduktion Gefallen finden. Praktisch ist auch das manuelle Lip-Sync zur Synchronisierung von Bild und Ton zwischen -100 und +500 Millisekunden.

Video und Multimedia

Die Videotechnik des Pioneer versteht sich auf 4K/60p-Signale, HDCP-2.2, 4:4:4-Farbabtastung und die HDR-Standards HDR10 sowie HLG; Konträr zum Onkyo TX-NR676E bot Pioneer bei Redaktionsschluss noch kein Firmware-Update für Dolby Vision – der Receiver ist jedoch hierfür vorbereitet. Dafür ist eine Scaler-Funktion samt „Super Resolution“ vorhanden, die 1080p-Signale auf 4K-Auflösung hochrechnet und auf Wunsch anschärft. Analoge Signale werden dagegen unkonvertiert vom HDMI-Ausgang ausgegeben.

Auf Multimedia-Seite stehen dem kostenlosen Webradio TuneIn die Bezahldienste Spotify, Deezer und Tidal zur Seite. Chromecast gestattet zudem die einfache Übertragung von Musik via kompatible Apps von Smarphones und Tablets. Gleiches gilt für die FireConnect-Technologie, die darüber hinaus flexible Multiroom-Optionen offeriert. Zudem wird voraussichtlich Ende September ein Firmware-Update das Streaming-Feature DTS-Play-Fi in den Pioneer integrieren. Bereits jetzt nimmt der VSX-932 über AirPlay, Bluetooth und DLNA-Client Kontakt zu Musik auf, der Mediaplayer akzeptiert auch hochauflösende Dateien wie FLAC, AIFF und WAV mit 192 Khz / 24 Bit sowie DSD-Dateien bis 5,6 MHz Samplingrate.

Tonqualität

Im Messlabor lieferte der VSX-932 mit rund 55 Watt pro Kanal (4 und 6 Ohm) im 7.1-Betrieb sowie 68 Watt (6 Ohm) im 5-Kanal-Modus deutlich weniger Leistung als die Mitbewerber, dafür kostet er auch weniger. 390 Watt (4 Ohm) Gesamtpower reichen für normale Heimkinos und die Wohnzimmer-Beschallung aber allemal aus.

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Aufgedeckt: Die 7 Endstufen schmiegen sich direkt ans Kühlblech, das vorne quer über drei Viertel der Gerätebreite verläuft. Der Trafo sitzt links mittig, hinten rechts befindet sich die Digital-Platine samt DSPs und Digitalschnittstellen.

Beim Hörtest legt der Pioneer bereits im Direct-Modus mit Steely Dans „Janie Runaway“ locker, dynamisch, fein auflösend und enorm druckvoll los – klanglich nicht ohne Ähnlichkeiten zum Onkyo TX-NR676E. Die Einmessung mit MCACC lieferte plausible Werte für Distanzen, Pegel und Crossover-Frequenzen, die EQ-Zielkurve sorgte im Bass- und Mitteltonbereich für geringfügig mehr Volumen und Druck. Atmos-Effekte wie jene in Dolbys Demo-Clips „Leaf“ und „Audiosphere“ hob er überzeugend an die Decke und spannte dabei ein geschlossenes 360°-Surroundfeld auf, das Geräusche sauber ortbar im Raum platzierte. Das „Theaterfilter“ senkte zuverlässig Hochtonanteile ab und schont so bei klirrenden Actionszenen und Extrempegeln die Ohren; auch die Dynamikreduktion „DRC“ erledigte ihren Job tadellos.

Im Stereo-Betrieb musizierte der VSX-932 im Pure-Direct-Modus schön neutral, präzise und dynamisch – womit er von Pop über Rock bis zu Klassik jede Musik authentisch zu Gehör bringt. Anders bei Zuschaltung des „Sound Retrievers“, der kräftig Bässe und Höhen in den Sound schraubt, um müde und oder komprimierte Musik aufzupäppeln.

bewertung

Der Testbericht Pioneer VSX-932 (Gesamtwertung: 70, Preis/UVP: 600 Euro) ist in audiovision Ausgabe 9-2017 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

70 gut

Für 600 Euro bringt der Pioneer VSX-932 ein schönes Ausstattungspaket samt 3D-Sound und allen HDR-Formaten mit. Bei den Streaming-Optionen ist der Kleine gleichauf mit den größeren Kollegen, die geringere Leistung kostet aber wertvolle Punkte.
Andreas Oswald

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