Sonos Playbase (Test)

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prosconsDas erste Sound-Deck von Multiroom-Spezialist Sonos kommt schlicht, elegant und ziemlich flach daher. 800 Euro kostet die PLAYBASE – ob der WLAN-Speaker auch so gut klingt, wie er aussieht, muss unser Test zeigen.

Seit 2002 agiert Sonos in der damals noch neuen Marktnische für die drahtlose Musikwiedergabe im ganzen Haus. Mit schicken und Wohnzimmer-freundlichen Designs, vielseitigen Software-Lösungen und nicht zuletzt aggressivem Marketing hat sich das US-Unternehmen inzwischen zu den ganz Großen im Streaming-Segment gemausert (Test des Systems in Ausgabe 11-2016).

Neben der klassischen Stereo-Musik haben die Amerikaner auch die Wiedergabe von TV-Ton ins Auge gefasst, zur schon länger erhältlichen „Playbar“-Soundbar (Test in 6-2013) gesellt sich nun das Sound-Deck „Playbase“, dessen elegantes Design Blicke auf sich zieht. Doch was hat das flache Schmuckstück neben der Optik noch zu bieten?

Ausstattung & Technik

Mit nur 5,8 Zentimetern Höhe passt das Deck eventuell sogar zwischen die Standfüße  eines Fernsehers, natürlich kann man den Bildschirm auch darauf stellen: 72 x 38 Zentimeter Fläche stehen dafür zur Verfügung, 35 Kilo Gewicht (das reicht für die meisten 65-Zoll-TVs) hält das 8,5 Kilogramm schwere Klangmöbel laut Sonos aus. Die wahlweise in Schwarz oder Weiß erhältliche Basis besteht aus stabilem Polycarbonat mit Glasanteil, das sich hochwertig anfühlt und fehlerfrei verarbeitet ist. Der Frontgrill mit seinen 43.000 Mini-Löchern wird bereits aus rund 2 Metern Entfernung als glatte Fläche wahrgenommen, dahinter verbergen sich 6 Mittel-, 3 Hoch- und 1 Tieftöner; 10 Digitalverstärker treiben die Chassis an.

Auf der Oberseite vorn findet man 3 Touch-Tasten für Volume/Mute, die Ein/Aus-Taste sitzt seitlich. Der Blick auf die Rückseite verrät das minimalistische Konzept der „Playbase“, alles Unnötige vermeiden zu wollen, Streaming-Konkurrent Bose lässt grüßen: Sonos zählt hierzu offenbar auch Videoanschlüsse, denn die „Playbase“ bietet weder HDMI-Buchsen noch sonstige Bildschnittstellen – was Ausstattungsspunkte kostet. Demnach existiert auch kein Onscreen-Menü, ein Geräte-Display fehlt ebenfalls.

Als einziger Toneingang dient eine Toslink-Buchse, die mit dem optischen Tonausgang des Fernsehers verbunden werden sollte. Alle Peripherie-Geräte wie Blu-ray-Player, Spielkonsole und Co. kommen direkt an den Flatscreen. Ethernet und WLAN ermöglichen die Einbindung der „Playbase“ ins heimische Netzwerk und so das Musik-Streaming von Smartphones, Tablets und Computern. Für die Inbetriebnahme der „Playbase“ ist eine App und damit ein Handy beziehungsweise Rechner Voraussetzung, denn auf eine klassische Fernbedienung verzichtet Sonos. Die für die Konfiguration benötigte „Sonos Controller“-App stellen die Amerikaner aber kostenlos für Android, iOS sowie die Desktop-Betriebssysteme Windows und Mac-OS bereit, Linux-User werden dagegen ignoriert. Künftig soll die Basis auch via Voice Control und Amazons Alexa steuerbar sein.

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Überschaubar: Auf der Rückseite der „Playbase“ findet man nur Kontakte für Strom, Toslink und Ethernet; WLAN ist integriert. An der Vorderkante sitzen drei Bedientasten für die Lautstärke, seitlich gibt es einen Power-Taster. Die Verarbeitung des Polycarbonat-Gehäuses ist sehr hochwertig, mit 800 Euro ist das Klangmöbel aber kein Schnäppchen.

Sind die Hürden der Netzwerkinstallation erst einmal genommen – es ist dringend empfohlen, via DHCP der „Playbase“ automatisch eine IP-Adresse vom Router zuzuweisen – kann man sich in die Vielzahl der App-Funktionen einarbeiten. Die Software übernimmt nicht nur die Steuerung, Quellenwahl und Klangmodifikation, sie bietet auch diverse Vernetzungsmöglichkeiten wie den Zugriff auf einen Heimserver, auf freies Web-Radio und erlaubt nach Registrierung die Nutzung von rund 70 Musik-Streaming-Diensten – darunter Apple Music, Amazon Music, Spotify, Google Play, Juke!, Deezer, Napster, Tidal, Soundcloud und viele mehr. Das Drahtlos-Streaming erfolgt über 2,4-GHz-WiFi – Bluetooth, AirPlay und NFC sind dagegen nicht an Bord.

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Kam in unserer Testumgebung auch mal vor: Die Playbase wird nicht (mehr) im Netzwerk gefunden.

Ausgesprochen praktisch finden wir die Option, die „Playbase“ auf die Lautstärke-Funktion der TV-Fernbedienung anzulernen, was die App im Fernseh-Alltag nahezu überflüssig macht; besonders viel gibt es im TV-Betrieb nach der Ersteinrichtung ohnehin nicht einzustellen. So findet man Schaltungen zur Sprachverbesserung und Dynamik-Reduktion, eine Loudness-Schaltung und einen Equalizer für Bässe und Höhen sowie eine Lip-Sync-Funktion. Das „Trueplay“-Einmess-System für die Klangoptimierung der „Playbase“ an den Hörraum steht nur bei Nutzung von Apple-Geräten beziehungsweise der iOS-App zur Verfügung.

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Das TV-Steuerungsmenü bietet neben dem Lautstärkeregler auch einen Nacht- und Voice-Modus.

Die einfach zu bedienende Controller-App läuft auf Android-Systemen ab Version 4.0 sowie ab iOS 8. Wer Desktop-Rechner oder Notebook für Sonos nutzen will, benötigt mindestens die Betriebssysteme Windows 7 oder macOS 10.9. Das Hauptmenü der App gewährt Zugriff auf die Musikdienste, auf Favoriten, Radiosender, die persönliche Musikbibliothek sowie auf Play­listen. Ein kleiner Equalizer erlaubt es, Bass und Höhen anzupassen. Außerdem kann man sich über das Sonos-System wecken lassen. Die Info-Ansicht gestattet es, den Playlisten Songs hinzuzufügen, aus der Bibliothek zu löschen und Titel in Twitter und Facebook zu teilen. Die Listenansicht ist konzipiert, um zu steuern, was man wann hören möchte. Hier hat man Zugriff auf Steuer­elemente wie „Jetzt abspielen“, „Danach abspielen“, „In Liste einfügen“ und „Liste ersetzen“.

Mit der Funktion „Trueplay“ bietet Sonos eine spezielle Möglichkeit, um die Lautsprecher optimal zu konfigurieren und den spezifischen räumlichen Gegebenheiten in den eigenen vier Wänden anzupassen. Bisher steht diese Option jedoch nur in der Controller-App auf Apple-Geräten zur Verfügung.

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Das Raumtuning mit Trueplay funktioniert nur mit Apple-Geräten.

Dazu analysiert das Programm per iPhone/iPad den Raum und passt die Klangwiedergabe jedes Tief- und Hochtöners individuell an. Während der Einrichtung sollte es im Raum so ruhig wie möglich sein. Zusammen mit dem Mobilgerät – ein zusätzliches Mikrofon wird nicht benötigt – muss man sich gleichmäßig durch den Raum bewegen. Der Lautsprecher gibt während der Analyse einige laute Geräusche von sich. Um das Ergebnis nicht zu verfälschen, darf die Lautstärke nicht verändert werden.

An Tonformaten spielt die Sonos ausschließlich PCM- und Dolby-Signale ab, weshalb der Fernseher anliegenden DTS-Ton zwangsläufig zu PCM oder Dolby wandeln muss, ansonsten bleibt die „Playbase“ stumm. Das beiliegende Faltblatt – quasi ein Handbuch-Ersatz – informiert darüber leider nicht und auf der nicht gerade übersichtlichen Sonos-Webseite darf man sich Infos dieser Art mühselig zusammensuchen.

Optionaler Ausbau zum 5.1-Set

Wer möchte, kann seine „Playbase“ zu einem 5.1-Set mit Subwoofer und zwei Rear-Speakern erweitern. Als Woofer kommt dabei der Sonos „Sub“ zum Einsatz, der sowohl liegend als auch stehend betrieben werden kann und somit sicher ein unauffälliges Plätzchen im Wohnzimmer finden wird; etwa unter dem Sofa. Für Surround-Ton sind zwei „Play:1“-Speaker angedacht, die wie der Woofer drahtlos zur „Playbase“ Kontakt aufnehmen; die App übernimmt die Installation aller Speaker. Das Komplett-Set kostet 2.000 Euro, alle Komponenten können auch einzeln erworben werden.

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Die „Playbase“ ist auch in einem 5.1-Set mit dem Sonos-Woofer „Sub“ sowie zwei „Play:1“-WLAN-Speakern erhältlich; die Verbindung der Boxen erfolgt drahtlos.

Tonqualität

In der Kerndisziplin Sprachverständlichkeit schlug sich die „Playbase“ tapfer, ob man direkt davor oder im steilen Winkel seitlich daneben sitzt, spielt eine untergeordnete Rolle; der Klang verändert sich kaum. Die Schaltung zur Sprachverbesserung ist daher nur bei schlechten Aufnahmen nötig, Klangverfärbungen halten sich dabei in Grenzen.

Die Loudness-Funktion betont hohe wie tiefe Frequenzen für einen volleren Sound, was uns gut gefiel. In den Mitten hält sich die Basis aber generell etwas zurück und sorgt mit Bässen und Höhen für einen klaren, detailreichen und warmen Sound, der bei leisen und mittleren Lautstärken in kleinen bis mittelgroßen Räumen langzeittauglich ist und nirgends aneckt. Richtig hohe Pegel mag das kleine Sound-Deck allerdings nicht, denn dafür ist seine Maximallautstärke zu gering ausgelegt; zudem reduziert das Klangbrett bei Betrieb an der Belastungsgrenze Bässe, was zu einem nicht gerade harmonischen Klang führt. Für die Party-Beschallung sollte man daher zu größeren Systemen greifen.

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Im „EQ“-Menü der Sonos-App kann man Bass und Treble einstellen, und Loudness aktivieren.

Den physikalischen Gesetzen kann auch Sonos nicht trotzen und so vermissten wir bei Dolbys „Amaze“-Trailer einen Subwoofer, wo der „Powerful Bass“ kaum zu hören und schon gar nicht zu spüren war; so tief reicht das Deck einfach nicht hinunter. Sound-Spektakel wie „Mad Max: Fury Road“ oder „Jason Bourne“ brachte die Sonos dynamisch überzeugend zu Gehör, räumlich reichte das Geschehen aber kaum über die Maße unseres 58-Zoll-Fernsehers hinaus – dafür hatten wir das Hörempfinden, der Sound schalle direkt aus dem TV-Bild und nicht aus dem Deck.   

Mit Stereo-Musik spielte die „Playbase“ entspannt, locker, luftig und feinauflösend – solange man es mit der Lautstärke nicht übertreibt. Aufgrund des flachen Gehäuses fällt das Volumen gering aus – zu gering, um etwa Männerstimmen mit glaubhafter Größe körperhaft in den Raum zu stellen. Zudem knauserte die „Playbase“ bei der Abbildungsgröße und spielte mit einer eher eingeengten Klangbühne. Auf Virtual-Surround-Programme verzichtet Sonos.

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Der Testbericht Sonos Playbase (Gesamtwertung: 70, Preis/UVP: 800 Euro) ist in audiovision Ausgabe 8-2017 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

70 gut

Sonos‘ „Playbase“ sieht schick aus, ist hochwertig verarbeitet und klingt gut. Für nicht gerade günstige 800 Euro hätten wir uns allerdings eine Fernbedienung gewünscht.
Andreas Oswald

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