Rundfunk Digitalisierung: Hat das gute alte UKW-Radio bald ausgedient?

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Das Radio gehört zu den beliebtesten Medien in Deutschland. Knapp drei Stunden hört jeder Deutsche täglich. Und das vorwiegend analog über UKW. Denn über 90 Prozent der Radios in Deutschland sind UKW-Radios. Nur fünf von rund 40 Millionen Haushalten, also knapp 13 Prozent, haben bereits ein digitales DAB-Radio. Wegen der geplanten Umstellung auf digitalen Radioempfang fragen sich viele Menschen, ob und wie lange sie ihr UKW-Radio noch nutzen können. Audio-Experte Roberto Cataneo vom Blaupunkt Audio Competence Center klärt auf, was hinter der Umstellung steckt, wie der aktuelle Stand ist und was Verbraucher wissen sollten.

 

1.     Wird UKW bald abgeschaltet?

„Bisher existiert kein konkretes Datum zur Abschaltung des UKW-Radioempfangs. Allerdings gab es diesbezüglich diverse Initiativen. Hintergrund ist, dass die Politik die Digitalisierung des Rundfunks fördern und vorantreiben möchte. So hatte die EU-Kommission beispielsweise vorgeschlagen, die analoge Rundfunkübertragung in Europa bis 2012 abzuschalten. Auch in Deutschland gab es entsprechende Pläne. Ein geplanter Gesetzesentwurf UKW bis 2015 abzuschalten, wurde vom Bundestag allerdings wieder fallen gelassen. Das Vorhaben, den analogen UKW-Radioempfang zu einem festen Termin abzuschalten, ist damit zwar bisher gescheitert, dennoch wird es höchstwahrscheinlich eine Umstellung geben. Voraussichtlich aber nicht vor 2020 oder 2025.“

2.     Stimmen die Gerüchte über ein Verkaufsverbot von UKW-Radios?

„Aktuell gibt es Pläne, das Telekommunikationsgesetz dahingehend anzupassen, dass höherwertige Radios künftig auch digitale Sender empfangen sollen. Das bedeutet nicht, dass Verbraucher bald keine UKW-Radios mehr kaufen oder UKW-Sender empfangen können. Mit diesem Gesetzesvorhaben soll sichergestellt werden, dass Verbraucher künftig beim Neukauf eines hochwertigen Radios auch digitale Sender empfangen können. Deshalb haben wir bereits seit einiger Zeit begonnen, den Großteil unserer Radios mit digitalen Schnittstellen auszustatten.“

 

3.     Was bringt die Umstellung auf digitalen Radioempfang?

„Ähnlich wie beim Fernsehen, möchte man auch den Rundfunk digitalisieren. Die Umstellung soll insbesondere mehr Übertragungskapazität bringen und weniger Kosten bei geringerer Störanfälligkeit verursachen. Während die Digitalisierung im TV-Bereich erfolgreich umgesetzt werden konnte, geht es beim Rundfunk schleppend voran. Das liegt daran, dass die meisten Menschen immer noch ein analoges UKW-Radio zu Hause haben. Diese würden durch eine Umstellung auf digitalen Radioempfang bzw. Abschaltung von UKW praktisch untauglich. Obwohl digitale DAB-Radios viele Vorteile bieten, sind Verbraucher noch zurückhaltend.“

4.     Was ist ein DAB-Radio und welche Vor- und Nachteile gibt es?

„DAB steht für Digital Audio Broadcasting. Die DAB-Technologie wurde inzwischen weiterentwickelt, weshalb man jetzt von DAB+ spricht. Ein DAB-Radio ist nicht das gleiche wie ein Internet- oder Web-Radio. Während beim Web-Radiohören eine einzelne WLAN-Internetverbindung zwischen Hörer und Sender aufgebaut wird, können beim DAB-Radio über wenige Sendemasten Millionen von Empfängern erreicht werden. Im Unterschied zu UKW können DAB-Radios mehr Programme empfangen, weil digitale Radioprogramme weniger Übertragungsfrequenzen benötigen. Während die Empfangsqualität bei einem UKW-Radio sehr unterschiedlich sein kann, hat ein DAB-Radio entweder sehr guten oder keinen Empfang. Die Tonqualität eines DAB-Radios kann mit der einer CD verglichen werden und ist rauschfrei. Die DAB-Empfangsabdeckung ist sehr gut und liegt bei 90 Prozent. Zudem kann man die Sender von Hamburg bis München auf der gleichen Frequenz empfangen. Im Schnitt sind DAB-Radios allerdings etwas teurer als UKW-Radios.“

5.     DAB oder UKW – worauf sollten Verbraucher setzen?

„Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich der digitale Radioempfang durchsetzen wird. DAB ist allerdings nicht die einzige digitale Empfangstechnik. Die meisten DAB-Sender können übrigens auch per Internetradio empfangen werden. Ob man DAB- oder UKW-Radio besser findet, ist eine persönliche Entscheidung. Auf jeden Fall ist es vor dem Hintergrund einer geplanten Umstellung ratsam, bei künftigen Radiokäufen darauf zu achten, dass das Gerät zumindest auch digitale Sender empfangen kann und über entsprechende Schnittstellen verfügt. Viele Sender haben bereits begonnen, auf Digital umzusteigen. In Fachkreisen wird und DAB+ bereits als der Nachfolger von UKW gehandelt. Die meisten DAB-Radios können übrigens auch UKW empfangen. Verbraucher erhalten gute Geräte bereits ab ca. 60 Euro.“

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1 Kommentar

  1. Warum gibt’s nicht mehr DAB+ Geräte? Ich warte bei den A/V Receivern schon lange auf DAB+ Radios, ebenso bei den Mobiltelefonen. Statt umzustellen bauen die weiter fast ausnahmslos UKW Radios ein.

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