Magnat Quantum 720-Set R 500 (Test)

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„Quantum“ heißen bei Magnat fünf Lautsprecherserien, von der Top-Klasse Quantum 1000S bis zur Einsteiger-Serie Quantum 670. Einen Platz über dieser sortiert sich die neue Quantum 720 ein. Und fährt trotz eher zurückhaltender Preisgestaltung viel Technik auf. So sind sämtliche Gehäuse mit abgerundeten Seitenwangen versehen, was nicht nur stehende Wellen vermindert, sondern auch die Stabilität verbessert und somit Schwingneigungen der Wände reduziert. Beim Frontlautsprecher Quantum 727 und der Surroundbox Quantum 723 ist diese Rundung sogar bis in die Rückseite gezogen, was fertigungstechnisch anspruchsvoll ist – aber auch Probleme mit sich bringt: Ein schmaler, runder Rücken mag zwar stabil sein und schick aussehen, wo aber bringt man auf ihm das Anschlussterminal und die Bassreflexöffnungen unter?

Technik

magnat-quantum-720_proconDafür musste Magnat passgenaue Formteile entwickeln – ein teurer Spaß, der sich nur bei hoher Stückzahl lohnt. Sowohl Reflexrohre als auch Terminal ragen nur etwas aus der Rückseite hervor, ihre Montageflansche sind der Rundung angepasst. Das Anschlussfeld fiel zudem recht schmal aus, was Magnat aber mit der Anordnung der Schraubklemmen schräg übereinander ausgleichen konnte.Interne Versteifungen stabilisieren die Gehäuse der Quantums zusätzlich zu den Rundungen. Die Frontplatten dimensionierte Magnat mit 25 Millimetern Stärke, so dass von den Seiten der Gehäuse kaum Klangbeeinträchtigungen zu erwarten sind.

Alles andere als Standardware sind auch die Chassis: Stabile, mit Belüftungsöffnungen versehene Blechkörbe der Tieftöner lassen die Membranen störungsfrei arbeiten. Letztere bestehen aus Aluminium, das beidseitig recht tief eloxiert und dadurch in hartes Keramik-Material umgewandelt wurde. Die Frontboxen weisen je drei dieser Chassis mit 17 Zentimetern Durchmesser auf, von denen die unteren beiden nur den Bassbereich übernehmen. Die Surroundlautsprecher müssen sich mit einem 17er-Tieftöner bescheiden, der Quantum Center 72 ist mit zwei 13-Zentimeter-Chassis ausgerüstet.

Trennfrequenz und Pegel lassen sich am Subwoofer Quantum 7230 A per Drehregler einstellen, für die Phase gibt es nur einen Umschalter. Dank doppelter Anschlüsse für Lautsprecher-Pegel eignet er sich auch zur Unterstützung von Stereo-Setups.

Trennfrequenz und Pegel lassen sich am Subwoofer Quantum 7230 A per Drehregler einstellen, für die Phase gibt es nur einen Umschalter. Dank doppelter Anschlüsse für Lautsprecher-Pegel eignet er sich auch zur Unterstützung von Stereo-Setups.

Die Textil-Kalottenmembran des Hochtöners ist mit 30 Millimetern ungewöhnlich groß und thront etwas zurückgesetzt in einem Aluminium-Waveguide, der das Rundstrahlverhalten beim Übergang zum Tief- respektive Mitteltöner (bei etwa drei Kilohertz) optimieren soll.

Der Quantum Sub 7230 A versteckt sein 30-Zenti-meter-Chassis auf der dem Boden zugewandten Seite. Er strahlt auf eine dicke Sockelplatte, die über säulenförmige Distanzstücke sehr stabil mit dem eigentlichen Gehäuse verbunden ist. Magnat erhofft sich von dieser Konstruktion eine besonders saubere akustische Ankopplung an den Boden. Die beiden großen Bassreflexöffnungen sitzen auf der Rückseite des Subs, genau wie sein Bedienfeld. Mit den Lautsprecherpegel-Eingängen für links und rechts outet sich der Sub als optionale Ergänzung auch für Stereo-Sets. Dem Heimkino-LFE bietet er – sinnvollerweise – nur einen Cinch-Eingang, nicht die üblichen zwei. Pegel und Frequenz lassen sich beim Quantum 7230 A per Drehregler einstellen, die Phase zwischen 0 und 180 Grad umschalten.

Tonqualität Surround

Mit 38 Hertz unterer Grenzfrequenz spielt der Magnat-Woofer nicht exorbitant weit in den Basskeller, kann das aber mit üppigen 103 Dezibel Maximal-pegel wieder ausgleichen. Bei den Frequenzgängen gibt es nur wenig zu kritisieren, alle drei verlaufen ohne große Schwankungen und recht linear. Ab zwei Kilohertz ist eine leicht ansteigende Tendenz zu bemerken. Mit 88 Dezibel Empfindlichkeit beweisen Front und Center einen erfreulich hohen Wirkungsgrad. Sie dürften also auch mit kleineren, weniger leistungsfähigen Heimkino-Receivern gut zurechtkommen. Das Rundstrahlverhalten des Centers zeigt im Mitteltonbereich einen deutlichen Einbruch abseits der Achse. Damit ist die Sprachverständlichkeit auf seitlichen Plätzen eingeschränkt.

Früher hat niemand einen Gedanken an die Aufstellung von Lautsprechern verschwendet: Einfach direkt auf den Boden oder ins Regal und fertig. Das ist einfach, aber nicht immer ratsam. Denn trotz aller Versteifungs- und Dämpfungmaßnahmen schwingen Lautsprecher­gehäuse immer ein wenig mit. Und wenn zusätzlich die Stellfläche zur Bewegung neigt, wie zum Beispiel ein auf Balken oder Latten verlegter Parkettboden, schwingt diese fröhlich mit, was sich in dröhnendem Bass und unklaren Mitten äußern kann.

Die Chassis der Quantum 720-Serie sind technisch aufwändig gemacht und sehr sauber verarbeitet.

Die Chassis der Quantum 720-Serie sind technisch aufwändig gemacht und sehr sauber verarbeitet.

Da kann es schon helfen, die Kontaktfläche zum Boden zu reduzieren. Das Mittel der Wahl dazu sind nach unten hin konisch zulaufende Füße, sogenannte Spikes. Drei oder vier davon unter einem Lautsprecher reduzieren die Kontaktfläche erheblich. Somit wird die Boden-Anregung deutlich reduziert. Hinzu kommt, dass diese Spikes am Rand des Lautsprecher-Bodens sitzen, wo die Amplitude von eventuellen Schwingungen geringer ist als in der Mitte. Und nicht zuletzt wird jede der Spike-Spitzen vom Gewicht der Box mit einem erheblichen Flächendruck auf den Boden gepresst, was für einen festen Stand ohne Bewegungsmöglichkeit für die Box sorgt.

Spikes gehen allerdings nicht gerade schonend mit Fußböden um – ein Grund für Besitzer von Parkett, sich deren Einsatz gut zu überlegen. Manche Hersteller bieten kleine Untersetzer für die Spikes an, die Beschädigungen verhindern sollen, ohne deren Wirkung drastisch einzuschränken. Magnat bietet beim 720er-Set eine andere Lösung: Die Metallspitzen der Spikes werden durch Gummi ersetzt und erlauben so auch den Einsatz auf empfindlichen Flächen.

Beim Magnat-Set lohnt das penible Ausrichten der Lautsprecher. Sind sie zu sehr auf den Hörplatz fixiert, tönen sie etwas hell. Wenn sie hingegen parallel zueinander stehen, stimmt die tonale Balance. Dann präsentiert sich das Magnat-Set im Hörraum ausgeglichen: 3 Doors Down werden mit genau der richtigen Mischung aus Detailreichtum und Hardrock-Aggressivität wiedergegeben. Auch die Stimme von Leadsänger Brad Arnold tönt ohne große Verfärbungen. Klar erkennbar wurde im Laufe des Tests, dass sich Geduld mit dem 720er-Set auszahlt: Je länger es in Betrieb war, umso runder und homogener tönte es. War zu Anfang noch etwas metallische Aggressivität im Klangbild, verschwand diese nach einiger Zeit fast vollständig. Das ist insbesondere bei kritischen Frauenstimmen wie der von Jane Monheit im Stück „They Can´t Take That Away From Me“ von der Blu-ray „Legends Of Jazz With Ramsey Lewis“ zu bemerken – die kommen nach dem Einspielen schlackefreier und musikalischer. Faszinierend ist auch die leichtfüßige, freie und räumlich präzise Spielweise des 5.1-Sets.

Zudem gaben die Entwickler dem Set auch eine gute Portion Temperament mit auf den Weg, wie sich beim Blitzschlag zu Beginn von „Ratatouille“ zeigt, der ansatzlos und mit Wucht in den Raum knallt. Auch die Schrotschüsse der alten, Ratten jagenden Dame kommen glaubwürdig und ohne hörbare Verzerrungen aus den Boxen.

Die Chassis der Quantum 720-Serie sind technisch aufwändig gemacht und sehr sauber verarbeitet.

Die Chassis der Quantum 720-Serie sind technisch aufwändig gemacht und sehr sauber verarbeitet.

Tonqualität Stereo

Auf die Unterstützung des Subwoofers ist die Quantum 727 im Stereo-Betrieb keineswegs angewiesen, sie kann auch für sich schon mit einem kräftigen, tiefreichenden Bass aufwarten. Prima, wie die knapp 20 Kilo schweren Boxen dann Stimme und Instrumente bei Michael Ruffs „Speaking in Melodies“ in den Raum stellen und dabei mit feinen Details keineswegs geizen. Das dynamische, anspringende Klangbild trägt ebenfalls zum Wohlgefühl der Zuhörer bei. mino

Die stark gerundete Formgebung der Magnat-Lautsprecher betont die schlanke Optik und sorgt zudem für eine ausgeprägte mechanische Stabilität.

Die stark gerundete Formgebung der Magnat-Lautsprecher betont die schlanke Optik und sorgt zudem für eine ausgeprägte mechanische Stabilität.

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Der Testbericht Magnat Quantum 720-Set R 500 (Gesamtwertung: 83, Preis/UVP: 2800 Euro) ist in audiovision Ausgabe 06-2017 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

83 sehr gut

Ein ordentliches Quantum Klangqualität stellt das neue Magnat-Lautsprecherset unter Beweis. Dazu gibt´s ein gefälliges Design und hochwertige Technik für einen überschaubaren Preis.

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