Nubert nuPro AS-450 (Test)

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Schon beim Auspacken des nuPro AS-450 war uns klar: Hier läuft der Hase anders. Mit einem Gewicht von 32 Kilo und den Maßen eines ausgewachsenen Standlautsprechers mussten wir dann auch zu zweit ran, um den Koloss aus seiner Verpackung zu hieven. Zierlich, klein und mit Schnörkel-Design gibt‘s woanders, Nubert baut Boxen, die konsequent der Firmen-Philosophie der „Ehrlichen Lautsprecher“ folgen. Das trifft nicht nur auf Material und Verarbeitung, sondern auch auf den bestmöglichen Klang zu – und der tönt allen Gesetzen der Physik nach nun mal nicht aus Mini-Boxen. Zusammen mit seinen drei integrierten Verstärkern kostet die AS-450 dann auch 1.330 Euro – und übertrifft auch in diesem Punkt die meisten Mitbewerber.

Außen und Innen

nubert_nuproas-450_proconDie AS-450 versteht sich als großer Bruder des seit 2014 erhältlichen AS-250 (Test in Ausgabe 11-2014), mit der Betonung auf groß: 110 x 40 x 19,5 Zentimeter (BxTxH) misst das bestens verarbeitete Massivgehäuse aus MDF-Material, das wahl-weise mit schwarzer oder weißer Schleiflackoberfläche erhältlich ist. Darauf Platz finden auch die ganz großen Fernseher, trägt das AS-450 doch bis zu 100 Kilogramm. Die matte Oberfläche reduziert etwaige Spiegelungen des TV-Bildes auf der Soundbar. Nubert bezeichnet die AS-450 übrigens als „Stereoboard“ und verrät damit den Aufbau: Konzipiert als aktives Stereo-Lautsprechersystem beherbergt das AS-450 zwei Digitalverstärker für den linken wie rechten Kanal mit je 80 Watt. Die Chassis stammen allesamt aus Nuberts bekannter nuPro Aktiv-Lautsprecherserie. Insgesamt arbeiten im Gehäuse zwei Hochtöner mit 25 mm Seidengewebekalotten sowie vier 120 mm große Tief-/Mitteltöner mit Polypropylenmembran, von denen zwei passiv ihren Dienst verrichten. Auf der Unterseite des Gehäuses schuftet ein 27-cm-Tief-töner mit Nomex/Papiermembran, der von einem zusätzlichen Digitalverstärker mit 250 Watt angetrieben wird; links und rechts an den Gehäuse-Seiten liegen Bassreflex-Öffnungen.

Die Aufteilung der Frequenzen für das Dreieinhalb-Wege-Lautsprechersystem erfolgt mit einer passiven Frequenzweiche. Die Elektronik des AS-450 arbeitet komplett digital, eingehende analoge Signale werden entsprechend gewandelt. Der Signalprozessor ist für die präzise Linearisierung der Frequenzbereiche zwischen 30 und 22.000 Hz zuständig und übernimmt die Frequenzaufteilung. Die Signale der folgenden Pulsweitenmodulation können die Digitalendstufen direkt verarbeiten, womit eine Digital-Analog-Konvertierung entfällt.

Für den nötigen Abstand zwischen Woofer-Chassis zu Auflagefläche sorgen vier Vibrationen hemmende Füße auf der Gehäuseunterseite, die man nicht abschrauben kann. Eine von Magneten gehaltene Frontbespannung lässt die Chassis verschwinden, das große und optional abschaltbare Display bleibt dank einer Aussparung im Grill aber auch mit Schutzaufsatz bestens lesbar.

Ausstattung & Praxis

Tonsignale kommen digital und analog via Toslink-, Koax- und Cinch-Buchse ins Deck. Über USB gelangt Musik direkt vom PC in das USB-DAC des AS-450, was bestmöglichen Klang verspricht, da die Soundkarte im Computer umgangen wird und die digitale Signalverarbeitung im Sounddeck erfolgt. Auf Wunsch wandern Klangdaten über den „Link“-Cinch-Ausgang an externe Aktiv-Lautsprecher, der Sub-Pre-out ermöglicht zudem den Anschluss eines Aktiv-Subwoofers; die Trennfrequenz kann hierfür im Deck zwischen 40 und 160 Hertz eingestellt werden. Ein zusätzliches Hochpass-Filter von 20 bis 160 Hertz erlaubt zur Tiefbass-Entlastung die Definition einer unteren Grenzfrequenz für das AS-450-Deck. Trotzdem sinnvoll ist das aktivierbare „Softclipping“, welches die Chassis vor möglicher Überlastung schützt.

Die Menüsteuerung erfolgt über 5 Tasten am Gerät; das Display ist auch von Weitem gut sichtbar.

Die Menüsteuerung erfolgt über 5 Tasten am Gerät; das Display ist auch von Weitem gut sichtbar.

Rückseite: Mit Toslink-, Koax- und Stereo-Cincheingang sowie Sub-Pre-out und Signal-Out bietet das nuPro AS-450 ausschließlich Tonanschlüsse; HDMI- sowie analoge Bildschnittstellen fehlen. Ein Highlight ist das USB-DAC.

Rückseite: Mit Toslink-, Koax- und Stereo-Cincheingang sowie Sub-Pre-out und Signal-Out bietet das nuPro AS-450 ausschließlich Tonanschlüsse; HDMI- sowie analoge Bildschnittstellen fehlen. Ein Highlight ist das USB-DAC.

HDMI-Anschlüsse sucht man allerdings vergebens, was Punkte kostet. Bildsignale von Playern, Settop-Boxen und Co. müssen daher direkt zum Fernseher geleitet werden und HD-Ton von Blu-ray bleibt außen vor. Auch Bitstream-Signale verweigert das AS-450, weshalb man im Player und Fernseher den Tonausgang auf PCM-Ausgabe umstellen muss. Dolby- und DTS-Decoder sind für die AS-450 genauso Fremdworte wie virtueller Raumklang; Letzterer gehört für die Nubert-Ingenieure nicht in ein Sounddeck, da Schaltungen hierfür Klanginformationen verändern und verfälschen, ohne die Räumlichkeit einer echten Mehrkanal-Anlage zu erzielen. An regulären Klangprogrammen spendierte Nubert nur einen Mono-Modus, der bei schlecht oder inkorrekt abgemischten Aufnahmen nützlich sein kann. Ebenfalls sinnvoll sind die Bass- und Höhen/Mittenregler, die nach dem Klangwaagen-Prinzip arbeiten und den Frequenzgang je nach Einstellung kontinuierlich fallen und ansteigen lassen. Über die Menütasten direkt am Gerät lassen sich neben den bereits genannten Funktionen auch die Balance, das Automatik-Standby und drei Speicher wählen; so darf man verschiedene Einstellungen auf Knopfdruck miteinander vergleichen.

Die kleine, aber griffige Fernbedienung beschränkt sich dagegen auf die wichtigsten Funktionen für den Alltag, ein Onscreen-Menü gibt es aufgrund fehlender Bild-Schnittstellen natürlich nicht. Auch bei der Multimedia-Ausstattung zeigt sich Nuberts Edeldeck sparsam: Ein Media-player fehlt ebenso wie DLNA, WLAN, Bluetooth und AirPlay. Wer trotzdem via Smartphone und Co. zum Nubert-Deck streamen möchte, muss auf externe Helfer zurückgreifen (siehe folgenden Kasten „Drahtlos-Features zum Nachrüsten“).

Die kleine Fernbedienung punktet mit großen Tasten für die wichtigsten Alltagsfunktionen. Die gummierte Oberseite fühlt sich angenehm an.

Die kleine Fernbedienung punktet mit großen Tasten für die wichtigsten Alltagsfunktionen. Die gummierte Oberseite fühlt sich angenehm an.

So gut Nuberts Sounddecks auch klingt, in Sachen Ausstattung tun sich einige Lücken auf. Doch für praktisch alles gibt es passende Adapter:
• Die nuFunk-Reihe ermöglicht das drahtlose Senden und Empfangen von Tonsignalen via Digitalfunk: Das Modul E-1 dient als Empfangsteil zum Aufbau eines dreikanaligen Funk-Netzwerks und reicht via Cinch und Koax-SPDIF Klangdaten an das AS-450, Aktivlautsprecher oder einen Verstärker weiter. Alternativ steht die kleinere Variante EU-1 mit 2 Kanälen zur Wahl, deren Spannungsversorgung via USB-Stecker erfolgt und direkt an das Sound-Deck andocken kann.

Sorgen für Drahtlos-Musik: die Module von Nuberts nuFunk-Serie: E1 (229 Euro unten), EU-1 (69 Euro, links oben) und der USB-Sender SU-1 (79 Euro, rechts oben).

Sorgen für Drahtlos-Musik: die Module von Nuberts nuFunk-Serie: E1 (229 Euro unten), EU-1 (69 Euro, links oben) und der USB-Sender SU-1 (79 Euro, rechts oben).

Ihre Daten erhalten die Empfänger vom Sendermodul S-2 (229 Euro), das über Cinch, Toslink oder Koax mit Heimkino-Komponenten verkabelt wird. Dank der 3-Kanal-Übertragung lässt sich zu einem Paar Stereoboxen auch ein Subwoofer ansteuern. Der nuFunk USB-Sender SU-1 eignet sich dagegen ausschließlich für den Computer und fungiert als externe Soundkarte, die Klangdaten des Rechners an die Empfänger streamt. Jeder Sender kann bis zu vier Empfängermodule versorgen, es lassen sich bis zu vier Sender parallel betreiben.
• Der Blue Lino 4G plus empfängt für 69 Euro Blue­tooth-Audio und gibt das Signal dank aptX-Codec-in höchster Qualität aus. Am Sounddeck dockt er analog und optisch an. Dank eingebauter Antenne soll die Reichweite mit 20 Metern rund doppelt so hoch sein wie beim Schwestermodell Blue Lino 4G (55 Euro).
• Das 79 Euro teure AirLino dient zum drahtlosen Musikempfang via AirPlay. Alternativ kann über UPnP bzw. DLNA drahtlos zum AirLino gestreamt werden. Der Anschluss erfolgt über 3,5-Klinke oder Toslink.

Mit dem „Blue Lino 4G Plus“ kann man dem AS-450 zu Bluetooth verhelfen.

Mit dem „Blue Lino 4G Plus“ kann man dem AS-450 zu Bluetooth verhelfen.

Tonqualität

Die Frontplatte wurde mit ihren abgerundeten Wangen auf ein gleichmäßiges Rundstrahlverhalten optimiert – mit Erfolg: Chassis und Gehäuse sorgen dafür, dass selbst aus extremen Hörwinkeln der Klang kaum verfärbt und Stimmen damit auch auf den äußersten Sofaecken bestens verständlich bleiben. Schaltungen zur Sprachverbesserung sind damit obsolet und konsequenterweise nicht vorhanden. Die beiden Hochtöner sitzen 95 Zentimeter auseinander und sorgen bei rund 2,5 Metern Sitzabstand für eine Klangbühne, die sich nur knapp über die Breite des Decks erstreckt. Hier klingen Sounddecks mit Virtual-Surround-Funktion und seitlich abstrahlenden Chassis hörbar größer bzw. räumlicher, meist aber auch verwaschener, unnatürlicher und weniger körperhaft.

Mit aberwitzigen 410 Watt Nennleistung beschallt das Nubert-Deck auch größte Wohnzimmer mit Pegeln, die jeden Nachbarn zur Weißglut treiben. Dabei sind Chassis sowie das massive Gehäuse nicht aus der Ruhe zu bringen – nichts verzerrt, nichts vibriert, nichts scheppert selbst bei Killer-Bässen, die kräftig im Bauch spürbar sind. Die Größe des Decks sorgt auch bei leisen Pegeln für einen ungemein voluminösen und druckvollen Klang, der unaufdringlich und natürlich in den Raum fließt. So machen Rock, Pop und Jazz gleichermaßen viel Spaß!

Umgedreht: An der Unterseite des Gehäuses versteckt sich ein 27 Zentimeter großer Tieftöner.

Umgedreht: An der Unterseite des Gehäuses versteckt sich ein 27 Zentimeter großer Tieftöner.

Nicht minder gespannt waren wir auf die Klangkünste des Stereo-Boards bei Material mit Mehrkanal-Abmischung: Hierfür rotierte Dolbys Atmos-Trailer „Leaf“ im Player, der aufgrund von Phasendrehungen größer und breiter als Musik klang. Dennoch beschränkte sich das Sound-geschehen auf den Frontalbereich – seitlich und hinter dem Hörplatz oder gar von oben war nichts zu hören. Auch Dolbys „Amaze“-Trailer mit seinem 360-Grad-Vogelflug vermochte den Raum nicht weiter zu öffnen, im Gegenzug klangen die Effekte aber sehr  plastisch, mit klarer Raumabbildung und stiegen ordentlich in den Basskeller. Im DTS:X-Clip zu „Jason Bourne“ von der „DTS Demo Disc 2017“ konnte das Deck seine Power bei Bass und Dynamik voll unter Beweis stellen. Effekte und Musik wurden  impulsiv, knackig und verzerrungsfrei in den Hörraum gedrückt. Trotz gehobener Lautstärke spielte das AS-450 stets stressfrei und souverän, was zu ermüdungsfreiem Langzeithören einlädt. ao

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AuVi_AWARD-Highlight

Der Testbericht Nubert nuPro AS-450 (Gesamtwertung: 85, Preis/UVP: 1330 Euro) ist in audiovision Ausgabe 04-2017 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

85 sehr gut

Nuberts nuPro AS-450 liefert Spitzenklang, Top-Verarbeitung und Leistung satt für einen angemessenen Preis. Abstriche gibt es bei der Ausstattung. Die enorme Größe des Sounddecks ist dagegen eine Platz- und auch Geschmacksfrage.

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