Yamaha BD-A1060 (Test)

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Fast jeder Blu-ray-Player macht ein tolles Bild, doch Yamahas neuer Scheibendreher BD-A1060 bietet auch außergewöhnliche Klang-Fähigkeiten.

yamaha-bd-a1060-pcAuch wenn UHD und 4K in aller Munde sind, werden klassische Blu-ray-Player noch für einige Zeit den Markt beherrschen. Das breite Angebot erweitert Yamaha mit dem BD-A1060, der den Vorgänger BD-A1040 (Test in audiovision 1-2015) ersetzt. Ein 1050er-Modell haben die Japaner übersprungen, um die Modellnummer dem Stand bei den AV-Receivern anzupassen. Der Player der gehobenen „Aventage“-Reihe kursiert mit 550 Euro in Preisregionen von UHD-Scheibendrehern und kostet zudem 100 Euro mehr als der BD-A1040. Der stolze Preis findet seine Berechtigung in der massiven Verarbeitung sowie einem hochwertigen Innenleben, das nicht nur Heimkino-Freunde, sondern auch Fans der klassischen Stereo-Wiedergabe überzeugen möchte: So soll der BD-A1060 auch als klangstarker CD-Player fungieren.

Getrennter Innenaufbau

Fernbedienung des Yamaha BD-A1060

Fernbedienung des Yamaha BD-A1060

Neben optimaler Videoqualität liegt Yamaha besonders die Audio-Wiedergabe am Herzen, die man mit einer Vielzahl technischer wie mechanischer Maßnahmen optimiert: So haben die Japaner das wahlweise in Schwarz oder Titan erhältliche Gehäuse im Vergleich zum bereits massiven Vorgänger nochmals verstärkt. Das Metall-Chassis wurde oben wie unten durch zusätzliche Stahl­platten versteift und wiegt mit 3,8 Kilo rund 30 Prozent mehr als beim Vorgänger; die Front besteht aus Aluminium. So wirkt die Haptik sehr hochwertig, selbst unter heftigem Schütteln und bei unserem Klopftest klapperte nichts. Wirklich top! Der massive Aufbau und Materialeinsatz dient ebenso der Vibrationsminderung wie die riesigen Füße, die in ähnlicher Form auch bei Yamahas „Aventage“-AV-Receivern zum Einsatz kommen. Unter dem schweren und verwindungssteifen Deckel erfolgt der Innenaufbau nach Funktionsgruppen: Im rechten, hinteren Gehäuseteil ruht das separate AV-Board mit der digitalen Video- und Audio-Technik. Die analoge Audio-Platine sitzt gleichfalls separat hinten in der Mitte des Gehäuses und wird von der links eingebauten Stromversorgung durch eine Metall­blende vor magnetischen Störeinflüssen geschützt. Der Audio-DAC arbeitet mit 196 kHz / 32 Bit. Das gleichfalls mittig positionierte Laufwerk wurde zur Minderung von Geräuschen gekapselt – mit Erfolg: Beim Abspielen von Blu-rays und DVDs war das Laufwerk unseres Testgeräts aus der Nähe nur leise hörbar. Für die CD- und SACD-Wiedergabe hat sich Yamaha den „CD Mode“ einfallen lassen, der den Geräuschpegel des Laufwerks weiter senken und die Datenauslese verbessern soll. Für noch reineren Klang lässt sich zudem der „Pure Direct“-Modus aktivieren.

Für die Wiedergabe von CDs und SACDs hat sich Yamaha beim BD-A1060 etwas ganz Besonderes einfallen lassen: den „CD Mode“. Dieser reduziert bei der Aktivierung über einen Kippschalter am Gerät oder via Direkttaste auf der Fernbedienung die Umdrehungs­geschwindigkeit der Silberlinge um 20 Prozent, was laut Yamaha folgende Vorteile verspricht:

yamaha-bd-a1060-cd-mode• Senkung des Geräuschpegels: Die Verminderung der Drehzahl soll Laufwerksgeräusche reduzieren. In der Praxis tönte das ohnehin kaum wahrnehmbare Summen mit eingeschaltetem „CD Mode“ etwas tief-frequenter als ohne, aber nicht hörbar leiser.

• Erhöhte Stabilität: Die Verlangsamung der Disc-Rotation soll die Stabilität beziehungsweise Laufruhe des Motors erhöhen und damit Vibrationen vermindern und die Daten­auslese verbessern.
• Genauere Daten: Das langsamere Auslesen der Daten­schicht soll die Genauigkeit erhöhen und somit die Fehlerkorrektur entlasten.

• Deaktivierung unwichtiger Komponenten: Der „CD Mode“ deaktiviert für die bestmögliche Tonwiedergabe unwichtige Schaltkreise des Players. Zudem wird der HDMI-Ausgang wahlweise komplett oder nur dessen Videoausgabe abgeschaltet. Die gewünschte Option kann man im Hauptmenü einstellen.

In eine ähnliche Kerbe schlägt der zweistufige „Pure Direct“-Modus, der unnötige Schaltungen deaktiviert und das Tonsignal möglichst rein zu den Ausgängen transportiert. Zudem wird das Front-Display, optional auch der HDMI-Ausgang, abgeschaltet. „Pure Direct“ lässt sich zusätzlich zum „CD Mode“ aktiveren.

SACD und Hi-Res-Audio

Damit die hochwertige Audio-Sektion vollends zum Tragen kommt, spielt der BD-A1060 neben CDs auch HDCDs und SACDs ab. Letztere zeichnen sich durch eine bessere Klangqualität als die CD und DVD aus. Unter den „Audio Einstellungen“ im Untermenü „SACD Ausgabe“ kann man ferner wählen, ob der Player den „2-Kanal“- oder „Multikanal“-Bereich einer SACD wiedergeben soll; der hochauflösende 5.1-Ton gelangt bei SACD-Wiedergabe ausschließlich per HDMI-Verbindung zum Receiver. Optional ist auch eine Wandlung des DSD-Streams zu PCM-Ton möglich, was besonders bei DSD-inkompatiblen AV-Receivern nützlich ist.
Besten Klang verspricht auch die Wiedergabe von Hi-Res-Audio-Dateien bis 192 kHz / 24 Bit, auch DSD-Streams (bis 5.6 MHz) können via DLNA-Netzwerk und USB abgespielt werden; USB-Buchsen gibt es je eine vorn und hinten. Die Unterstützung des BD-A1040 für DVD-Audio fiel beim Neuling unter den Tisch, so dass sich der BD-A1060 nicht als „Universal Player“ rühmen darf.

DSD-Ausgabe: In den Audio-Einstellungen des BD-A1060 lässt sich die Tonausgabe für SACDs wählen: „DSD“ oder „PCM“ sowie „Multi“ (5.1) oder „Stereo“.

DSD-Ausgabe: In den Audio-Einstellungen des BD-A1060 lässt sich die Tonausgabe für SACDs wählen: „DSD“ oder „PCM“ sowie „Multi“ (5.1) oder „Stereo“.

Ausstattung und Praxis

Für die Tonausgabe stehen neben vergoldeten Buchsen in Form von Cinch und Koax auch Toslink und ein symmetrischer Stereo-XLR-Ausgang bereit – was den audiophilen Anspruch des Yamaha ebenfalls unterstreicht. Das Kaltgerätekabel lässt sich zudem abstöpseln und etwa durch eine High-End-Stromstrippe – in audiophilen Kreisen nicht unüblich – austauschen. An einem zweiten HDMI-Ausgang spart Yamaha traditionell, was bei AV-Receivern ohne 3D-Funktion zu Problemen führt: Dann kann der BD-A1060 Fernseher beziehungsweise Receiver nicht separat mit 3D-Bildern und isoliertem HD-Ton von der Blu-ray versorgen.

Gänzlich dem Rotstift fiel das ohnehin spär­liche App-Angebot des Vorgängers zum Opfer, was einige Wertungspunkte kostet. Apropos App: Über Yamahas kostenlosen „AV Controller“ lässt sich der Scheibendreher auch via Tablet und Smart­phone steuern, einfacher geht es aber mit der handlichen und überraschend leichten Fernbedienung. Diese bietet viele Direkt-Tasten, die jedoch für unseren Geschmack etwas unübersichtlich gegliedert sind und etwas klein ausfallen. Auch eine Beleuchtung wäre in dieser Preisklasse wünschenswert gewesen. Die Bedienungsanleitung liegt übrigens ausgedruckt bei – heutzutage eine Seltenheit. Das Punktmatrix-Display an der Gerätefront lässt sich dreistufig dimmen.

Keine Selbstverständlichkeit: Über das ON SCREEN-Infomenü kann man sich die Bitraten des Audio- und Videosignals anzeigen lassen.

Keine Selbstverständlichkeit: Über das ON SCREEN-Infomenü kann man sich die Bitraten des Audio- und Videosignals anzeigen lassen.

Drückt man den Power-Button, erwacht der BD-A1060 in flotten 12 Sekunden aus dem Standby-Betrieb, das Einlesen von Blu-rays dauerte dafür umso länger: Knapp 48 Sekunden (gemessen vom Einzug der Lade bis zum ersten Bild der Disc) ließ sich der Player für „Die Alpen von Oben“ und das kom­plexe Java-Menü von „The Amazing Spider-Man“ Zeit, die 3D-Disc zu „Findet Nemo“ startete in 30 Sekunden. Mit angeschlossenem USB-Stift ging das Einlesen der Discs rund 10 Sekunden schneller vonstatten, die Meldung „Prüfe Speicher“ vor jedem Laden einer Scheibe verschwand. Auch die Blu-ray-Navigation geht flott von der Hand, als komfortabel erweisen sich zudem die Abschnittswiederholung (Repeat A/B) und der Szenensprung, mit dem man 10 Sekunden rückwärts oder 30 Sekunden vorwärts gelangt. Der Vor/Zurück-Suchlauf umfasst 5 Geschwindigkeiten, eine Einzelbildschaltung fehlt.

Das Onscreen-Menü ist übersichtlich, wirkt aber altbacken. Via „ON SCREEN“-Taste der Fernbedienung gelangt man ins Optionsmenü, wo man sich auch die Datenraten für Bild und Ton anzeigen lassen kann. Das an der Bildoberkante positionierte Info-Menü offeriert die Angaben zur Navigation und zeigt zudem das gewählte Tonformat samt Kanal­anzahl an; nicht aber die Bildauflösung.

Yamaha legt beim BD-A1060 hohen Wert auf einen optimalen Klang. Das Laufwerk (vorne Mitte) ist abgeschlossen, was Lärmemission und Staubeintrag minimiert. Die mittlere Platine ist in zwei Funktionsgruppen unterteilt: Rechts werden Steuersignale (Remote Control Ein- und Ausgang) ein- und ausgeleitet, der linke Teil beherbergt die analogen Stereo-Audioausgänge in Form von Cinch- und XLR-Buchsen. Dessen Herzstück ist der 192kHz/32-Bit-D/A-Wandler, der den Digital-Daten­strom mit hoher Präzision in ein analoges Audiosignal umsetzt. Die eigentliche Player-Elektronik sitzt auf der Platine rechts, von der im hinteren Teil die Anschlüsse für HDMI, LAN, S/PDIF-Ton und USB abgehen.

Für die Stromversorgung ist die linke Platine zuständig: Sie wandelt die 230 Volt Wechselspannung aus der Steckdose in konstante Kleinspannungen um, die über mehrere Kabel den Komponenten (Laufwerk, Display, Audioboard, Mainboard) zugeleitet werden.

Solide aufgebaut: Die Innenansicht des Yamaha offenbart sein gekapseltes Laufwerk sowie den dreiteiligen Platinen-Aufbau bestehend aus Netzteil (links), Analog- (Mitte) und Digital-Board (rechts).

Solide aufgebaut: Die Innenansicht des Yamaha offenbart sein gekapseltes Laufwerk sowie den dreiteiligen Platinen-Aufbau bestehend aus Netzteil (links), Analog- (Mitte) und Digital-Board (rechts).

Multimedia und Internet

Kontakt zu externen Mediendateien nimmt der BD-A1060 über WLAN samt WiFi Direct, LAN und Miracast auf; Bluetooth und Yamahas MusicCast-Multiroom-System werden dagegen nicht unterstützt. Auch wenn nicht von Yamaha kommuniziert, spielt der Player 3D-Fotos im MPO-Format ab; native 4K-Fotos konnten wir ihm aber nicht entlocken. Ebenfalls unschön: Beim Abspielversuch von inkompatiblen Video-Dateien (z.B. mit HEVC-Codierung) via USB hängt sich der Player trotz neuester Firmware regelmäßig auf – hier half nur noch das Ziehen des Netzsteckers zwecks Neustart.

Gut bestückt: Als einer von wenigen Scheibendrehern verfügt der BD-A1060 über symmetrische XLR-Tonausgänge. Auch das Vorhandensein von Koax- und Toslink-Schnittstellen unterstreicht den audiophilen Anspruch. Lob verdient zudem das abnehmbare Netzkabel. Nur ein zweiter HDMI-Ausgang wäre wünschenswert.

Gut bestückt: Als einer von wenigen Scheibendrehern verfügt der BD-A1060 über symmetrische XLR-Tonausgänge. Auch das Vorhandensein von Koax- und Toslink-Schnittstellen unterstreicht den audiophilen Anspruch. Lob verdient zudem das abnehmbare Netzkabel. Nur ein zweiter HDMI-Ausgang wäre wünschenswert.

Bild- und Tonqualität

An seinem HDMI-Ausgang gibt der BD-A1060 alle Videoauflösungen nativ bis 1080p aus, auf Wunsch erzwingt der Player auch eine spezifische Aus­gabe zwischen 480i/576i und 1080p oder rechnet dank Upscaler Bilder bis 4K/30p hoch – Letzteres ist jedoch verzwickt: Spielt man 1080/24p-Discs ab, muss man für die Ausgabe der nativen 3.840 x 2.160 Pixel eines UHD-Fernsehers im Reiter „HDMI-Auflösung“ des Players den Punkt „Auto“ wählen und zusätzlich den Reiter „4K Upscaling“ aktivieren. Interlaced-Quellen (DVD, 50i-Blu-rays) werden so jedoch nur als 1080/50p ausgegeben. Wählt man als HDMI-Auflösung den Punkt „4K“ statt „Auto“, dann rechnet der Yamaha auch mit Halbbildern produzierte Blu-rays (1080/50i) und DVDs auf 3.840 x 2.160 Pixel um. 1080/24p-Discs werden in dieser Einstellung aber – sofern die 1080/24p-Ausgabe des Players aktiviert ist, die man für eine ruckelfreie 24p-Wiedergabe benötigt – auf die 4K-Kinoauflösung 4.096 x 2.160 Pixel skaliert, was bei UHD-TVs zu Darstellungs­problemen führen kann.

TV-Menü: Bei der Auswahl der HDMI-Auflösung hat man die Qual der Wahl: Neben einem 4K-Upscaling kann man auch die native Disc-Auflösung ausgeben lassen.

TV-Menü: Bei der Auswahl der HDMI-Auflösung hat man die Qual der Wahl: Neben einem 4K-Upscaling kann man auch die native Disc-Auflösung ausgeben lassen.

An Farbmodi stehen YCbCr 4:4:4, YCbCr 4:2:2, RGB und Deep Color zur Verfügung, auf Videobildregler verzichtet der Player dagegen. Zur Konfiguration gehören aber eine dreistu­­fige Rauschunter­drückung sowie ein De-Interlacer (Auto, Film, Video). Letzterer arbeitet im Modus „Film“ selbst bei unserem DVD-Stolperstein „Sechs Tage, Sieben Nächte“ (Kapitel 10) perfekt und verwebte die 576/25i-Halbbilder zu sauberen 1080/50p-Voll­bildern. Weniger gut funktionierte das De-Interlacing von DVDs und Blu-rays beim 4K-Upscaling, wo der Player die 3D-Landkarten in „Die Alpen von Oben – Die Südalpen“ (1080/50i) mit Zeilen­flimmern und Treppenstufen verunzierte. Ohne Upscaling verarbeitet der BD-A1060 Blu-rays einwandfrei, sowohl die Feinauflösung als auch die Differenzierung dunkelster und hellster Bildpartien gelangen bestens.

Prächtig schlug sich der Yamaha auch beim Ton: Während bei digitaler Ausgabe hauptsächlich der Verstärker und die Boxen für das Klangerlebnis zuständig sind, überzeugte der BD-A1060 auch bei analoger Ausgabe mit seiner rauscharmen und verzerrungsfreien Wiedergabe, an der es nichts auszusetzen gab.  Dass der Musikgenuss nicht durch Laufwerksgeräusche getrübt wird, muss man dem Player ebenfalls hoch anrechnen.

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Der Testbericht Yamaha BD-A1060 (Gesamtwertung: 83, Preis/UVP: 550 Euro) ist in audiovision Ausgabe 2-2017 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

83 Sehr gut

Neben der tadellosen Bildqualität punktet der BD-A1060 mit einer hochwertigen Audio-Sektion sowie seiner Top-Verarbeitung. Echte Kritik muss er sich nur beim nicht vorhandenen App-Angebot und dem rudimentären Video-Equalizer gefallen lassen.
Andreas Oswald

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