Philips Fidelio B1 Nano (Test)

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Das „Nano“ im Produktnamen darf man wörtlich nehmen: Denn mit nur 5,4 x 40,8 x 11,5 Zentimetern (H/B/T) fällt das Gehäuse der Fidelio B1 Nano geradezu winzig aus. Dass sich die Physik bestenfalls beugen, aber nicht aushebeln lässt, weiß man aber auch bei Philips. Daher stellen die Niederländer dem Sound-Zwerg einen flachen, aber rund achtmal so großen Subwoofer zur Seite, der im Raum verschwinden kann. So wird Streit mit der besseren Hälfte vermieden.

5.1-Sound mit 320 Watt

philips-fidelio-b1_proconAnders als man vermuten könnte, handelt es sich bei der B1 um ein vollwertiges 5.1-System mit 6 angesteuerten Lautsprechern, allesamt verbaut in dem kleinen Gehäuse. „Microbeam-Technologie“ nennt Philips das kompakte Speaker-Design, mit dem ein 180-Grad-Raumklang erzeugt werden soll (siehe Kasten „Die Microbeam-Technologie“). Die 6 integrierten Verstärker liefern laut Hersteller insgesamt 120 Watt, dem externen Subwoofer stehen 200 Watt zur Verfügung. Letzterer fällt mit 53,5 x 43 x 8,6 (B/H/T) Zentimetern noch handlich und vor allem sehr flach aus, weshalb man den Krawallmacher nicht nur aufstellen (Ständer wird mitgeliefert), sondern auch liegend im TV-Schrank oder unter der Couch positionieren kann. Auch die Haptik und Verarbeitung des Bass-Flachmanns gefällt.

Ausstattung & Praxis

Noch edler wirkt die dunkelgraue Soundbar, deren Front- und Oberseite ein nicht abnehmbares Metallgitter überzieht. Der Mini-Riegel ist robust,  relativ schwer und fühlt sich hochwertig an; auch klapperte nichts bei unserem obligatorischen Schütteltest. Die Bar nimmt via Funk Kontakt zum Subwoofer auf, der außer einem Pairing-Knopf und dem Stromanschluss keinerlei Regler und Schnittstellen besitzt. Eine kleine LED-Lampe zeigt an, ob der Woofer aktiv ist. Die Soundbar findet liegend vor und dank geringer Höhe eventuell auch unter Fernsehern mit weit auseinander stehenden Füßen einen Platz, eine Wandmontage ist nicht vorgesehen. Das große Display lässt sich aufgrund des davor liegenden Gitters nicht besonders gut ablesen, auf ein Onscreen-Menü verzichtet die B1. 4 Druckknöpfe oben am Gehäuse erlauben die Bedienung, die handliche Fernbedienung liefert für alle Funktionen praktische Direkttasten.

Die recht kleine und angenehm in der Hand liegende „Fidelio“-Fernbedienung besitzt für alle Funktionen der Soundbar praktische Direkttasten.

Die recht kleine und angenehm in der Hand liegende „Fidelio“-Fernbedienung besitzt für alle Funktionen der Soundbar praktische Direkttasten.

Sämtliche AV-Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite: Zu einer USB-Schnittstelle, einer Toslink-Buchse und einem 3,5-mm-Klinkenstecker gesellen sich ein HDMI-Ein- sowie ein HDMI-Ausgang. Letzterer wird mit dem Fernseher verbunden und verfügt über die wichtige ARC-Funktion (Audio Return Channel), womit auch via HDMI Ton vom Fernseher zur Soundbar gelangen kann.

Video & Multimedia

Die HDMI-Buchsen unterstützen jedoch nur den 1.4-Standard, also Auflösungen bis 4K/30p. HDR und HDCP 2.2 werden nicht akzeptiert, weshalb kopiergeschützte Bilder von UHD-Blu-ray-Scheiben nur in 1080p-Auflösung zur Soundbar geliefert werden. Wer die volle Auflösung genießen möchte, muss den Player per HDMI direkt mit dem TV verbinden und der Soundbar den Ton überlassen. Musik gelangt kabellos via Bluetooth samt aptX-Codierung in die Soundbar, der eher rudimentäre Media-Player wird über die rückseitige USB-Buchse gefüttert.

Mit einer Einmess-Automatik und einem Equalizer kann die Fidelio B1 nicht dienen, aber es gibt Tasten für Bässe und Höhen. In Sachen Tonformate werden Dolby Digital und DTS akzeptiert. An Klangprogrammen stehen „Movie“, „Music“ und „Voice“ zur Verfügung, 2.0-Ton wandelt die Soundbar mit ProLogic-2-Decoder in Mehrkanal-Sound um. Einen Nachtmodus („Night“) für dynamikreduziertes Hören kann man ebenso zuschalten wie die Lip-Sync-Funktion, die dem Bild vorauseilenden Ton um 20 Millisekunden verzögert.

Rückansicht: Die HDMI-Ein- und -Ausgänge beherrschen nur den 1.4-Standard. Musik gelangt zudem via USB, 3,5-mm-Klinkenbuchse und Toslink-Anschluss in die Soundbar. Obendrauf gibt es Bluetooth samt aptX-Unterstützung.

Rückansicht: Die HDMI-Ein- und -Ausgänge beherrschen nur den 1.4-Standard. Musik gelangt zudem via USB, 3,5-mm-Klinkenbuchse und Toslink-Anschluss in die Soundbar. Obendrauf gibt es Bluetooth samt apt-X-Unterstützung.

Tonqualität

Mit insgesamt 320 Watt kann es die B1 auch deutlich über Zimmerlautstärke donnern lassen, Verzerrungen konnten wir selbst bei XXL-Pegeln nicht wahrnehmen. Da Bässe über 80 Hertz vom Gehör geortet werden, empfiehlt sich für einen geschlossenen Klang die Aufstellung des Woofers nahe der Soundbar. So positioniert, spielte das Duo aus einem Guss, wobei Bässe zwar recht druckvoll rüberkommen, allerdings nicht besonders tief. Ohne Woofer sollte man die B1 nicht betreiben, sonst spielt sie dünn, kraftlos und tonal unausgewogen.

„Microbeam-Technologie“ nennt Philips das kompakte Design der B1 Nano-Soundbar, mit dem ein 180-Grad-Raumklang erzeugt werden soll. Hierfür strahlen je ein Treiber links und rechts sowie zwei nach vorn gerichtete Center-Chassis Tonsignale ab. An der Oberseite des Gehäuses arbeiten zwei „Waveguide“-Hochtöner, die aus einem Soft-Kalotten-Hochtöner mit Neodym-Magnet­system bestehen. Der Durchmesser der 18 Löcher im Waveguide vergrößert sich pro Öffnung, um für jedes einzelne Loch einen konstanten Ausgangspegel zu gewährleisten. Der Waveguide-Aufbau soll zwei Arrays von Hochtönern simulieren, die Schall gegen die Wände werfen, von wo aus dieser über Reflexionen zum Hörer gelangt.

Röntgenblick: Im Inneren des B1-Gehäuses sorgen 6 Lautsprecher samt Waveguide für Ton mit 5.1-Kanälen.

Röntgenblick: Im Inneren des B1-Gehäuses sorgen 6 Lautsprecher samt Waveguide für Ton mit 5.1-Kanälen.

Verfärbungsfreiheit gehört aufgrund des geringen Volumens auch mit spielendem Subwoofer nicht zu den Stärken der Nano, was bei Musik stärker auffällt als bei Filmton. Das Zusammenspiel von Microbeam-Technik, DSP-Verarbeitung und Psychoakustik soll trotz kompakter Gehäuseabmessungen Filmsound und Musik sowohl direktional von vorn als auch um den Zuschauer herum zu Gehör bringen. Und tatsächlich spannte die B1 bei dem Hubschrauberangriff zu Beginn von „The Expendables 3“ vorn ein großes und breites Klangfeld auf. Mit der Ortungsschärfe nimmt es der Mini-Riegel jedoch nicht so genau, denn Effekte seitlich des Hörplatzes konnten wir oft nur erahnen; diffuse Umgebungsgeräusche machen sich hier besser. Sound im Rücken konnten wir nicht vernehmen, was ohne zusätzliche Rear-Boxen aber auch größeren Soundbars selten gelingt.

Auf der Oberseite der B1 findet man nur 4 Tasten: Ein/Aus, Quellenwahl und zwei Volume-Knöpfe.

Auf der Oberseite der B1 findet man nur 4 Tasten:
Ein/Aus, Quellenwahl und zwei Volume-Knöpfe.

Durchblick: Im Gehäuse des Woofers arbeitet ein ovaler Treiber im Zusammenspiel mit einer Bassreflex-Öffnung.

Durchblick: Im Gehäuse des Woofers arbeitet ein ovaler
Treiber im Zusammenspiel mit einer Bassreflex-Öffnung.

Dialoge drangen auch aus seitlichen Winkeln gut hörbar an unsere Ohren. Der „Voice“-Hör-modus verbessert zwar die Sprachverständlichkeit bei schlechten Aufnahmen, doch wirken Stimmen dann verfärbt und zu dominant. Das „Music“-Klang-programm ließ Joe Bonamassas Akustik-Konzert in der Radio City Music Hall direkter im Gesang und weniger hallig schallen als im „Movie“-Modus, der in unserem Höraum wiederum etwas weiträumiger spielte. Mit den Treble- und Bass-Reglern kann man den Sound eigenen Vorlieben anpassen, wobei uns der Woofer bereits in der Standardein-stellung „0“ etwas zu kräftig aufdrehte.

Auch beim Hören von Stereo-Musik machte die B1 Nano in Anbetracht ihrer geringen Größe eine gute Figur und spielte den Sound der meisten Flachbild-Fernseher locker an die Wand. ao

philips-b1-front

philips-fidelio-b1_wertung

Der Testbericht Philips Fidelio B1 Nano (Gesamtwertung: 70, Preis/UVP: 500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 2-2017 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

70 gut

Philips entlockt der B1 Nano trotz denkbar kleinem Gehäuse viel Klang mit ansprechender Räumlichkeit. Mit den HDMI-1.4-Schnittstellen ist man allerdings nicht mehr auf der Höhe der Zeit.

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