XTZ Cinema-Set (Test)

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Aktiven Heimkino-Fans ist die schwedische Firma XTZ kein Unbekannter: Schon seit Jahren bietet der Hersteller seine Produkte via Internet an und hat sich in der Szene einen beachtlichen Ruf erworben. Jetzt hat man auch eine deutsche Dependance. Die ist in Malsch bei Karlsruhe ansässig und für den Direktvertrieb in Deutschland zuständig (www.xtz-deutschland.de).

Technik

xtz_cinema_proconDas von uns getestete Set der  Cinema-Serie ist nur in mattschwarzer Farbe erhältlich, was für Heimkinos Sinn macht, weil diese Oberfläche kaum Licht reflektiert. Der erste Anblick der Front- und Centerboxen Cinema M6 lässt die Tester zunächst die Stirn runzeln: Vier Hochtöner im Quadrat nebeneinander platziert. Was soll das denn? Die Lösung des Rätsels: Mit dieser „Quattro-Array“-Anordnung sollen das Rundstrahlverhalten verbessert und Verzerrungen verringert werden (siehe Kasten „Die Technik hinter Quattro-Array“).

Ober- und unterhalb dieses Kalotten-Quadrats sitzt je ein 13-Zentimeter-Tieftöner. Das geschlossene Gehäuse ist aus HDF (hochdichte Faserplatte) gefertigt und mit Gewinden zur Wandaufhängung versehen. Die Schallwände der Boxen für links und rechts sind um 7,5 Grad nach innen angewinkelt, so dass sie auch bei Wandmontage zum Hörplatz hin ausgerichtet sind.

Durch ein solches Anwinkeln verbessert sich bei vielen Lautsprechern die räumliche Abbildung, was bei der Cinema M6 quasi schon eingebaut ist. Die Centerbox ist gleich aufgebaut, wird aber waagerecht aufgestellt. Die schräge Seite kommt bei ihr nach oben und dient nur der Optik.

Die Surroundboxen Cinema S5 weisen ebenfalls ein Hochton-Array auf, das bei ihnen allerdings nur aus zwei übereinander angeordneten Kalotten besteht. Zusammen mit dem 10-Zentimeter-Tieftöner bilden sie ein Zweiweg-System. Zusätzlich sind an jeder Seite der S5 noch Breitbandchassis untergebracht, die in Dipol-Betriebsart eingesetzt werden. Über das Anschlussterminal lassen sich die Surrounds für drei Betriebsarten konfigurieren: In Modus 1 arbeiten nur die Chassis auf der Front als Direktstrahler, in Modus 2 nur die Breitbänder als Dipol; bei Modus 3, den XTZ Dipol 3X nennt, sind sowohl die Frontchassis als auch die Breitbänder aktiv. XTZ verspricht sich dadurch eine weiträumigere und einhüllendere Wiedergabe. In der Anleitung ist die Konfiguration der Modi leider etwas kompliziert beschrieben.

Beim Subwoofer Sub 1X12 besteht die Möglichkeit, die schlitzförmige Bassreflexöffnung unter dem auf der Front montierten 30-Zentimeter-Chassis mit einem Stopfen zu verschließen. So lässt sich der Bass-Output  – beispielsweise bei Aufstellung in der Nähe einer Wand oder Raumecke – reduzieren. Zudem wird die Impulswiedergabe präziser.

Einem ähnlichen Zweck dient auf elektronischem Wege das sogenannte „Room Gain EQ“-Filter, das ebenfalls Tiefbass-Anteile entfernt. In Schalterstellung „Anechoic Room EQ“ arbeitet das Filter linear. Als Besonderheit sind beim Sub 1X12 noch die symmetrischen Anschlüsse – einer als Mono-Eingang, einer als Durchschleif-Ausgang für einen weiteren Sub – zu erwähnen.

Ton Surround

Etwas eigenwillig fallen die Frequenzgänge der XTZ-Boxen aus: Sie weisen eine etwa 5 Dezibel tiefe, recht breite Senke bei etwa 2 Kilohertz auf. Einen Erklärungsansatz dafür bietet das Rundstrahldiagramm des Centers: Dieser strahlt in diesem Bereich besonders breit, ober- und unterhalb fallen die Pegel unter Winkeln stärker ab. Es steht zu vermuten, dass die Entwickler ihr Augenmerk eher auf die Gesamtenergie, welche die Lautsprecher in den Raum strahlen, gelegt haben, denn auf den Achsenfrequenzgang.

Wie der Hörtest zeigt, legt das XTZ-Set trotzdem einen eher zurückhaltenden Klang an den Tag, der auf Anhieb zwar angenehm, aber etwas kraftlos wirkt. Das ändert sich allerdings schlagartig, wenn der Pegelregler der Anlage nach rechts rotiert: Dann legt das System alle Zurückhaltung ab und krempelt die Ärmel hoch. Mit „Away From the Sun“ von 3 Doors Down überzeugt es durch seine homogene, dichte Spielweise, bei der man sich direkt in die Konzerthalle versetzt fühlt. Auch im Tiefton geht das XTZ richtig zur Sache und bringt Bassgitarre und Kickdrum wuchtig und konturiert. Die Stimme von Sänger Brad Arnold klingt durchsetzungskräftig und gut verständlich. Leichte näselnde Verfärbungen kann das System zwar nicht verleugnen, die stören ob der sonstigen Qualitäten aber nicht weiter, zumal man sich schnell an sie gewöhnt.

Actionreicher Filmton ist eine weitere Domäne der Schweden: Wenn bei „Terminator – Die Erlösung“ der Abschleppwagen den Robotern den Garaus macht, kracht und scheppert es so dynamisch, dass man meinen könnte, das Boxen-Set hätte seinen diebischen Spaß daran. Und wenn der Flugroboter die Brücke überquert, geht das tieffrequente Dröhnen geradewegs in die Magengrube.

Besonders viel Spaß macht die weite, dreidimensional gestaffelte und präzise Raumabbildung des Sets. Paddelt Remy in „Ratatouille“ durch das Abflussrohr, fühlt man die Enge und hört die Wassertropfen um sich herum glucksen. Dialoge bringt der Center sehr gut verständlich, und zwar auch abseits des „Sweet Spots“ direkt auf Achse.

Herkömmliche Zweiweg-Konstruktionen mit nur einem Hochtöner arbeiten im Rundstrahlverhalten meist nicht sonderlich homogen. Die vergleichsweise großen Membranen der Tieftöner fangen schon ab etwa 800 Hertz an, den Schall gerichtet abzustrahlen. Bei der üblichen Trennfrequenz um 2 Kilohertz ist diese Richtwirkung schon erheblich. Die daran anschließenden, erheblich kleineren Hochtöner-Membranen strahlen dann wieder viel breiter ab und beginnen erst bei deutlich höheren Frequenzen, eine eigene Richtwirkung zu erzeugen. Das Ergebnis: Selbst wenn der Frequenzgang auf Achse linear ist, strahlen solche Lautsprecher im Bereich oberhalb der Trennfrequenz mehr Schall in den Raum ab als in den anderen Bereichen. Die Folge ist ein tendenziell helles, präsentes Klangbild, da auch der Schallanteil, der von den Raumwänden reflektiert wird, zur vom Hörer empfundenen Klangbalance beiträgt.

Dieser Effekt lässt sich beispielsweise mit Hörnern oder Waveguides mildern, die aber eigene Nachteile mitbringen. XTZ geht einen anderen Weg: Die schwedischen Entwickler vergrößern die Membranfläche des Hochtöners, indem sie nicht nur eine, sondern vier dicht beieinander montierte Kalotten verwenden. Dadurch hat dieses „Quattro-Array“-Konstruktion eine ähnliche Richtwirkung wie eine Membran, die sich über alle vier Kalotten erstreckt, also beispielsweise einen der Tieftöner der M6-Boxen. Der Anschluss in Sachen Rundstrahl-Charakteristik klappt so besser und homogener.

Zudem haben vier zusammengekoppelte Chassis einen höheren Wirkungsgrad als ein einzelnes. Und da jedes der vier Chassis weniger hart arbeiten muss als ein einziges, um den gleichen Schalldruck zu erzeugen, sinkt auch der Klirrfaktor. Und nicht zuletzt lässt sich die Trennfrequenz absenken, da der Hub, den jedes einzelne Chassis für den gleichen Schalldruck machen muss, ebenfalls geringer ausfällt.

Es bleibt ein Nachteil: Zu hohen Frequenzen nimmt die Richtwirkung eines solchen Array ungebührlich zu und es kommt zu Interferenz-Effekten und somit Auslöschungen im Frequenzgang, die sich zudem je nach Abstrahlrichtung deutlich unterscheiden. Dem geht XTZ aus dem Weg, indem die Entwickler 3 der 4 Chassis nur bis 3 Kilohertz einsetzen und den vollen Hochtonbereich nur von einer der 4 Kalotten übertragen lassen.

Statt eines Hochtöners setzt XTZ bei der Cinema M6 deren vier im Quadrat angeordnet ein, das sogenannte Quattro Array.

Statt eines Hochtöners setzt XTZ bei der Cinema M6 deren vier im Quadrat angeordnet ein, das sogenannte Quattro Array.

Tonqualität Stereo

Auch im Stereo-Betrieb sollten die M6-Frontboxen vom Subwoofer unterstützt werden,  ohne reichen sie einfach nicht weit genug in den Basskeller. Mit aktivierter Tiefbass-Unterstützung zeigen sie eine präzise, äußerst selbstverständlich wirkende Raumabbildung, wie mit Stoppoks „Wir woll´n unser Steak zart“, bei dem Stimmen und Instrumente präzise im Raum stehen. Auch hier kommt erst ab mittleren Lautstärken richtig Spaß auf.  mino

xtz-boxen_cs-1

xtz-cinema_wertung

Der Testbericht XTZ Cinema-Set (Gesamtwertung: 86, Preis/UVP: 4200 Euro) ist in audiovision Ausgabe 1-2017 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

86 sehr gut

Das XTZ-Set ist nix für Leisehörer. Ab mittleren Pegeln wacht die 5.1-Kombi auf und liefert äußerst homogenen Klang mit einer geradezu peniblen und dabei noch dreidimensionalen räumlichen Darstellung. Da möchte man gar nicht mehr abschalten.

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